Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- Seite 378 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Beziehung eine Ausnahme; sie ist übrigens nicht, wie Treitschke angiebt, o. O. 1816 erschienen, sondern Königsberg 1804. Beginnen wir die Prüfung im Einzelnen mit Saul Aschers Germanomanie. Wie der Leser sich überzeugen wird, ist es eine einfache Unwahrheit, ihr Haß gegen alles Deutsche nachzusagen. Im Gegentheil spricht die kleine Schrift, an deren trefflichen Stil sich mancher Retter des Deutschthums ein Beispiel nehmen könnte, von den deutschen Tugenden mit großer Wärme, und nur die Uebertreibung des Volksgefühls, die Germanomanie, die wir heute deutschen Chauvinismus nennen, würden, bekämpft sie, wie aus ihrem hier folgenden Schlußwort deutlich zu ersehen ist. Seite 70, Zeile 1. Möge dereinst eine geschicktere und gewandtere Hand ein vollkommenes Gemälde davon aufzustellen sich berufen fühlen, dann wird in der Gallerte der deutschen Verirrungen neben der Gallomanie und Anglomanie die Germanomanie eine würdige Stelle einnehmen können. In damaliger Zeit muß diese Deutung in der literarischen Welt geläufig gewesen sein, wie aus der bekannten Schillerschen Xenie „Griechheit" i) hervorgeht. Es wird ähnlich wie von Schiller den Graecomanen von Saul Ascher den Germanomanen zum Vorwurf gemacht, daß sie eine edle Sache (das Deutschthum) in unrichtiger Weise vertreten. Bewunderung deutscher Tugenden tritt in folgenden Stellen deutlich zu Tage: Seite 18. Zeile 14. Jene Besonnenheit und Lauterkeit, welche das protestantische Deutschland selbst in den religiösen Ideen begründet hatte, wurden mit der Kraft eines begeisterten Fanatismus von unseren katholisirenden Denkern bestürmt und gehöhnt. Seite 31. Zeile 6. Was beabsichtigen endlich diese Fanatiker in dem Eifer ihrer Germanomanie? Wozu die Anregung zu einem Kreuzzuge gegen alles Undeutsche oder Ausländische? Soll Deutschland das Beispiel zur Zwietracht und zum Nationalhaß aufstellen? Giebt es denn für Deutschland kein anderes Mittel, seine Selbstständigkeit und Eigenheit zu erhalten? Hat es nicht einen Fond von Kräften, diese Lage zu erschwingen, in der Geradheit, Betriebsamkeit und der Kraft seiner Nation? Seite 42, Seite 10. Wollen unsere enthusiastischen Germanomanen von Deutschland alle Ausländerei entfernen, so mögen sie auch den Einfluß des Alterthums auf uns zu entfernen suchen, den Einfluß vorzüglich der Griechen, deren ganzes Wesen so innig den Deutschen anspricht, wie schon die trefflichen Ueb ertragungen ihrer Meisterwerke, die der Deutsche in seiner Sprache aufz uw eisen hat, erhärten. Seite 17. Zeile 3. Wer wird und muß es nicht dem deutschen Gemüth für eine hohe Tugend anrechnen, seine Selbständigkeit und Eigenheit von der Willkür einer anderen selbständig sein wollenden Nation zu befreien? Wer wird es dem Deutschen verdenken, wenn er heute gegen die Tyrannei des Franzmanns, morgen gegen die des Engländers und endlich gegen die Tyrannei einer jeden fremden Willkür sich erhebt, und das mit der Kraft, die des deutschen Volkes Erbe ist? Aber die Hebel, welche der intellektuelle Theil deutscher Nation seit kurzem aufbietet, um diese Kraft in Bewegung zu setzen, dies wird jeder Unbefangene einräumen, waren nicht von der Art, daß sie eine kräftige und biedere Nation ehren sollten. I Kaum hat das kalte Fieber der Gallomanie uns verlassen, Bricht in der Graecomanie gar noch ein hitziges aus. Griechheit, was war sie? Verstand und Maß und Klarheit! Drum dächt ich, Etwas Geduld noch ihr Herren, eh' ihr von Griechheit uns sprecht! Eine würdige Sache verfechtet ihr; nur mit Verstände Bitt' ich, daß sie zum Spott und zum Gelächter nicht wird. Selbst für die philosophischen Systeme, welche die Quellen der judenfeindlichen Bewegung bildeten, nämlich den fichtischtranszendentalen Idealismus und das Schellingffche Jdentitätssystem, hat Ascher Worte der Anerkennung: Seite 48, Zeile 10. Denn außerdem, daß die edelsten und gebildetsten Jüngling Deutschlands für jene philosophischen Systeme — und das mit vielen, Grunde — gewonnen werden rc. ist er frei von übertriebener Ehrung der Andererseits Franzosen, Seite 2, Absatz 2. Die Folge war nun, daß das Resultat der Revolution, welche in Frankreich wüthete, sich über die dasselbe umgebenden Länder vn breitete. Die Macht, alles nach den neuen Ansichten zu konstituirm. verblieb blos in den Händen der Franzosen. Sie waren es, die den Meister spielten, und es geschah daher nichts fürs Heil der Meuschheii, sondern fürs Heil der Franzosen. wie von übertriebener Schätzung der Juden. Seite 37, Zeile 9 von unten. Sie werden mit den Fichten, Arndteu. Müllern rc. in der Hohe! und Vortrefflichkeit ihres Volkes vor jedem Anderen ihren Anspruch begründen, sie werden auf ihre Namen als Deutsche pochen, aber Gründe werden sie ebenso wenig für ihre Ansprüche Vorbringen können ebenso wenig wie die Franzosen, als sie sich die große Nation nannten, und die Juden, wenn sie sich für das auserwählte Volk Gottes achten. Seite 40, Absatz 2. Diese Abgeschlossenheit der Nationen gründete sich auf die niedrige Bildungsstufe, worauf sich die Menschen vormals befanden. Perser, Jude, Grieche und Römer, Deutsche, Gallier und Franke, km-; Jeder beschränkte auf sein Volk die Menschheit. Die Stelle, an der Ascher angeblich den glaubenslosen Juden eine besondere Mission zuschreibt, lautet: Seite 63, Zeile 7. Im Gegentheil, ich glaube vielmehr, daß sie in der Weltordnung bestimmt sind, den Grund zu einem Antidot gegen den religiöse, Dogmatismus zu legen, und dereinst Werkzeuge abgeben dürsten, allen positiven Glauben verschiedener Art und Form, wie er noch in Lur Welt besteht, zu einer freieren und einfacheren Form hinzuleiten, Diese Hypothese (!) dürfte indes Herrn Rühs Veranlassung gebe! mich zu beschuldigen, daß ich, im Geiste eines echten Juden, meimu Glaubensgenossen eine höhere und vorzüglichere Bestimmung im Krei ' der Wesen ausersehen. Jndeß kann ich ihm zu seiner Beruhigung sagen, daß ich diese meine Hypothese nur vorgebracht, uni sie der seinigen entgegenzu stellen, die er im Geiste eimechten Germanomanen, und also als Gegner der Juden, zu erhärten sucht. Also auch hier hat Treitschke falsch wiedergegeben; eine feine ironische Wendung wird einfach als Behauptung hingestelll Zum Schluß sei der Nachweis erbracht, daß Ascher den Juden durchaus nicht das Hauptverdienst an den Freiheitskriegen bewußt. Wie bemerkt, ist die Schrift Aschers gegen Rühs ge richtet, der die Juden vom Dienst aus dem Heere ausschließeu wollte. Rühs begründet seine Anschauungen in folgender Weise: (0k. Ascher Seite 66, Zeile 3.) Das Kriegsheer der Deutschen soll den Kern und die Blüthe d s Volkes enthalten, und es soll die edelste Kraft in sich vereinigen, und muß daher durchaus volksmäßig sein. Es können daher nur Deiilstlu darin ausgenommen werden, weil gerade in ihnen sich die Volt)- einheit am kräftigsten darstellen muß. Nur Deutsche dürfen neben. Deutschen fechten. Es muß eine Ehre sein, das Schwert zu tragen, die nur dem Volksgenossen zukommen kann, und daher ist es billig daß die Juden keinen Theil daran haben. Gegen diesen Angriff wendet sich nun die Aschersche Stelle auf die sich Treitschke beruft: