Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 besucht. Das Schuljahr 1902/1903 beginnt am 16. Septernber. An- Meldungen können für das Pensionat schriftlich eingereicht werden. — Metz, 23. Juli. Das Israelitische Konsistorium von Lothringen veröffentlicht zum ersten Male eine Uebersicht seiner in ten letzten zwei Jahren entfalteten Thätigkeit. Den Bemühungen des Konsistoriums ist es gelungen, bei dem kaiserlichen Bezirkspräsidium i l Metz am 25. Januar 1902 eine Verordnung zu erwirken, nach welcher die Schüler 'israelitischen Bekenntnisses zum Besuche des Religionsunterrichts der p fl ich tet sind. Auf Grund dieser Verordnung hat es für jede Gemeinde des Bezirks einen Religionslehrer bestellt und bei den Kreisdirektionen beantragt, daß die politischen Gemeinden den betreffenden Religionslehrern eine Entschädigung gewähren. In den meisten Fällen ist auch der Gemeinderath dem Ant age nachgekommen. Für die Gemeinde Metz wurde ein besonderer L onntagsunterricht eingeführt, an welchem alle schulpflichtigen Kinder unentgeltlich theilnehmen können, und in welchem im Anschluß an den in den öffentlichen Schulen ertheilten Religionsunterricht ganz besonders auf die Erlernung der zum Verständniß der Gebete uothwendigen hebräischen Sprache hiugearbeitet wird. Die Eltern derj nigen Kinder, welche Kongregationsanstalten besuchen, wurden durch i irkulare ersucht, ihre Kinder zur Theilnahme an dem von dem Oberrrbbiner geleiteten Religionsunterricht anzuhalten, leider bis heute l och nicht mit dem gewünschten Erfolge. Zur Überwachung des in l er Gemeinde Metz eingeführten fakultativen Unterrichts wurde eine chulkommisfion ernannt. Ende vorigen Jahres fand eine Preisver- 1 Heilung an die Schüler statt; die Besten unter ihnen erhielten Preise ls Anerkennung für ihre Leistungen. Eine regelmäßige Inspektion nmmtlicher Religionsschulen des Bezirks findet durch den zuständigen Rabbiner statt. Die Eröffnung eines höheren hebräischen Unterrichts, der die fleißigen und strebsamen Schüler in die biblische und nachbiblische Litteratur einführen soll, steht für Metz bevor. Auch die Fortbildung der aus der Schule entlassenen Kinder wurde möglichst geordert. Ferner wurde für die Hebung des Gottesdienstes insofern Gorge getragen, als das Konsistorium den Kantoren besondere Aufmerksamkeit widmete. Der Besuch des Gottesdienstes durch die i raelitischen Soldaten der Garnison Metz wurde auf Wunsch des ' onsistoriums durch die Militärbehörde angeordnet. Feste Anstellung ber staatlich zu ernennenden Kantoren erfolgte nur nach vorausbegangener, mit Erfolg bestandener Prüfung vor einer besonderen Kommission unter dem Vorsitze des Oberrabbiners. Eil! Fortbildungsaterricht für die Kantoren der Umgegend Metz, der wöchentlich einmal während zwei Stunden ertheilt wird, wurde vou Herrn Oberabbiner geschaffen. Es wurden Beitrüge den Vorsängerschulen gewährt. in denen lothringische Zöglinge ausgebildet werden, und ein besuch an zuständiger Stelle eingereicht, das die Gründung einer -olchen Schule in Elsaß-Lothringen in die Wege leiten soll. Im Beirke des Konsistoriums für Lothringen wurde eine Pensionskasse für ie Kantoren ins Leben gerufen. Bei dem Bezirkspräsidium ist das Konsistorium vorstellig geworden, um die Erhöhung der den Kantoren om Staate bewilligten Unterstützungell zu erwirken. Verhandlungen uit dem Bezirkspräsidium in Metz haben stattgefunden, auf daß der Kredit, der unter Position 7 des Staatshaushaltes theilweise gestrichen wurde, wieder in den Etat eingestellt werde. Die ungünstige Lage w's Gotteshauses in Metz wurde höheren Ortes zur Sprache gebracht, und Verhandlungen sind im Gange, die entweder zur Abstellung des wtzigen Uebelstandes oder zu einem Neubau einer Synagoge führen werden. Auch im Konsistorialbezirke wurde die Gründung neuer Gotteshäuser gefördert. Die Gesuche um Befürwortung zur Erlangung uon staatlichen Beihilfen hat das Konsistorium an zuständiger Stelle warm vertreten. Um mit den einzelnen Gemeindeverwaltungen nähere Fühlung zu erlangen, hat dasselbe die Präsidenten der israelirischen Verwaltungen des Bezirkes zu einer Besprechung in Metz ein-;eladen, welche am 16. Februar stattfand. In dieser Versammlung wurde die Gründung einer Pensionskasse für die Kantoren beschlossen. Unter Hinweis auf das segensreiche Wirken des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Berlin, dessenWohlthaten sich ganz besondersauf die kleineren Gemeinden erstrecken, die sich selbst nicht genügen können, wurde den Vertretern der Gemeinden der Anschluß an diesen Verband warm empfohlen, nachdem schon durch Cirkularverfüguug im Einzelnen die Verdienste des Bundes hervorgehoben waren. Viele Gemeinden des Bezirkes traten dem Bnude bei. In derselben Versammlung luchte man auch die Armenpflege des Bezirkes in die richtigen Bahnen zu lenken, insofern den Gemeinden empfohlen wurde, einer Eentralkasse beizutreten, die für Lothringen gegründet, und die es sich zur Aufgabe gemacht, um dem Wander- und Hausbettel zu steuern, die Unterstützung direkt und zwar in reichlicherem Maße an die Hilfsbedürftigen gelangen zu lassen. Auch die Gründung eines Altersversorgungshauses für den ganzen Bezirk, welche durch die Erweiterung des Metzer Hospizes ohne zu große Schwierigkeiten zu erreichen wäre, wurde dringend empfohlen. Die Mittel hierfür sowie die jährlichen Unterhaltungskosten dürften von dein ganzen Bezirke auszubringen sein. Entsprechende Beihilfen seitens der Negierung wären zu erwarten. Das Israelitische Konsistorium von Lothringen besteht aus den Herren: S. Levy, erster Vorsitzender; Oberrabbiner Dr. Netter, zweiter Vorsitzender; Justizrath Dr. Müller, F. Wimphen, L. Grumbach, A. David, M. Hannaux. s. Weißerrhltrg, 21. Juli. Am 17. d. M. ist hier der allgemein geschätzte Bankier Henry Cers im 66. Lebensjahre nach schwerem Leiden gestorben. Derselbe war einer unserer tüchtigsten und besten Männer. Er gehörte dem Gemeinderathe seit langen Jahren au und entwickelte in demselben eine rege Thätigkeit; ferner war er Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde. Mitglied des Sparkassenvorstandes und mehrerer Wohlthätigkeitsvereine; dem Konsistorium für Unterelsaß gehörte er bis vor Kurzem an. Was ihm aber die Sympathien hauptsächlich erworben hat, war sein Wirken, das er im Geheimen ausübte; ein großer Wohlthüter der Armen, war er auch stets bereit, den um Rath und Beistand Heischenden nach bestem Wissen und Können zur Hand zu gehen; sein Hinscheiden wird eine große, nur schwer auszufüllende Lücke in der Judenheit von Elsaß-Lothringen hinterlassen. Das Leichenbegängniß des Verblichenen zählte eine von Hunderten aller Konfessionen angehörenden Menschenmenge, welche dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre erweisen wollten. Eine lange Reihe von Freunden begleitete den Toten, in welcher man den Stadtrath, den Polizeikommissar, den Kommandeur der Garnison Weißenburg und den Oberrabbiner von Straßburg bemerkte. Bei der Trauerfeier sprach zunächst der Ortsrabbiner Dr. Koch, dann die Herren Oberrabbiner Ury-Straßburg, Levy-Hagenau, Bloch-Sulz, Levy- Brumath. Das Andenken des Edlen sei gesegnet! Schweden. o. Stockholm/ 20. Juli. Am 5. d. M. ist in einem schwedischen Bade der bekannte Maler Professor Geokel Salomon im 81. Lebensjahre gestorben. In ihm hat unsere Gemeinde eines ihrer besten Mitglieder verloren. Der Sohn eines jüdischen Kantors in Kopenhagen, hat er schon als Jüngling eine große Neigung zur Malerei bewiesen. Durch glückliche Umstände hat er seiner Neigung folgen können und ist ein Meister auf seinem Gebiete geworden. Doch was für Ihre Leser von besonderem Interesse sein dürfte, ist, daß dieser bedeutende Maler auch als Mensch und als Jude groß war. Nicht beschreiben läßt sich die Verehrung, die dem Heimgegangenen zu Theil wurde, und die sich bei der Beerdigung durch zahlreiche Betheiligung hervorragender Männer, die Vertreter vieler Vereine und eine verschwenderische Fülle von Blumenspendeu kund that. Da der Rabbiner unserer Gemeinde, Professor Klein, auf Reisen war, wurden nur die üblichen Beerdigungsceremonien vom Kantor abgehalten, wogegen Professor Karl Marburg, der bedeutendste Literaturhistoriker Schwedens, eine kurze, aber warme Ansprache hielt. Der Redner begann damit, daß er die Worte der Hellenen: „Diejenigen, welche die Götter lieben, sterben jung" denen des Psalmisten: „Wenn es am besten war, war es viel Mühe und Arbeit" gegenüberstellte und knüpfte daran die Betrachtung, daß ein langes Erdenleben die Belohnung des Rechtfertigen, und die Krolle des Alters des Lebens schönster Gewinn sei. Ein langes Leben, verbracht im edlen Streben nach hohen Zielen, zur eigenen Entwickelung und zum Wohle Anderer, ist ein Segen nicht nur für den, der es lebt, sondern auch für Andere, und wie hoch sich dann auch die Altersziffer beläuft, kommt doch der Nus des Todes zu früh. „Ein solches Leben war das Deine," fuhr der Redner fort, „Du Greis, der Du jetzt ins Grab gesenkt wirst. Vom ersten Anfang an, als Du, ein kleiner Chorknabe, in der Synagoge sangst, oder als Jüngling in die Lehrsüle der Kunst eintratest, bis Du als geachteter und geehrter Greis vou der Staffelei und den Lehrsälen fortgerufen wurdest, stand Dein Sinnen und Trachten nach erhabenen Zielen. Schon frühzeitig war Dir die Welt der Farben und das Reich der Töne werth. Der elfteren hast Du Deines Lebens