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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-01 · Heft 31 (1.8.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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s erworben hatte. Wir sahen ferner die Professoren Möbius. Hertzer, Simmel und die Dozenten Lehmann und Landau. Die Leiter sowie die Präparanten des chemischen Laboratoriums, in dem die Heimgegangene den Tod gefunden, hatten Kränze gewidmet, ebenso der deutsche Verein für Luftschifffahrt, für den Fräulein Neumanu wissenschaftlich thütig gewesen, sowie das Luftschifferbataillon, das einen Offizier entsandt hatte. Die Geographische Gesellschaft, der der Bruder, der Afrikareisende, nahe steht, wurde durch Professor v. d. Steinen vertreten. Als Freund des schon früher verstorbenen Vaters erschien Ferd. v. Straub. Der von der Verstorbenen begründete Verein zur Gewährung zinsfreier Darlehen au studirende Frauen und der Verein studirender Frauen brachten Kränze. Gedenkreden hielten Prediger Dr. Klemperer und Frau Dr. Ziegler-Wegscheider, die Freundin der Heimgegangenen. Sanft ruhe ihre Asche. Ehre ihren: Andenken! N Natibor, 20. Juli. Der hiesige Familienkreis, welcher erst in den letzten Wochen durch den Tod des Landgerichtsrath Sa moje in Graudenz eine Lücke erfahren, hat einen neuen Verlust erlitten: Sanitätsrath Dr. Sigismund Klein ist im gesegneten Alter von 80 Jahren gestorben und auf dem Friedhöfe unserer Gemeinde zu Grabe getragen worden. Der Heimgegangene, ein Sohn des jüdischen Religionslehrers in Neisse, wirkte hier als Arzt über ein halbes Jahrhundert und war bei allen Konfessionen gleich geehrt und beliebt. Er war Polizeiarzt, gerichtlicher Sachverständiger und übte lange die Funktionen des Kreisphhsikus aus. Er erwarb sich große Verdienste bei den Thphusepidenüen früherer Jahrzehnte im Kreise Ratibor. Längere Zeit war er Vorstandsvorsitzender der hiesigen Synagogengemeinde. Sein Schwiegersohn ist Geheimrath Sachs, Vortragender Rath im landwirthschaftlichen Ministerium. Vor einem Jahre übersiedelte er nach dem Tode seiner Gattin nach Berlin, wo er jetzt starb. Seine Beisetzung fand unter Theilnahme der Behörden statt. nl. Halle a. S., 23. Juli. Am 19. d. M. ist hier Herr Da niel Apelt, der Senior der bekannten Bankfirma. einer unserer frömmsten und geachtetsten Männer, im 84. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis; fand am 21. d. Nt. unter allgemeiner Theilnahme weiter Kreise statt. Im Trauerhause sprach der Rabbiner des Beth Hamidrasch, Herr Braun; auf dem Friedhofe hielt zunächst Rabbiner Dr. Feßler die Grabrede, in der er die Verdienste des Heimgegangenen, seinen Pflichteifer, seine Wohlthätigkeit und Gewissenhaftigkeit in rühmenden Worten hervorhob. Dann sprachen Dr. Hirsch Hildesheimer im Namen des Berliner Nabbinerseminars, dem der Verstorbene stets seine besondere Theilnahme gewidmet hatte, ferner Herr Alfons Jacobson ans Leipzig, ein Verwandter des Hauses, namens des deutsch-israelitischen Kinderheims in Dietz a. d. L.. endlich Rabbiner Dr. Carlebach-Leipzig. Dann wurden die sterblichen Ueberreste des theuren Verblichenen den: Schoße der Erde übergeben. Sein Andenken aber wird in Ehren sortleben! Dresden, 29.Juli. Die hiesige Israelitische Neligionsg eine in de versendet ihrer: soeben erschienenen Verwaltungsbericht für das Jahr 1901, aus dem wir nachstehende Einzelheiten entnehmen: Die Israelitische Religionsgemeinde Dresden hatte Ende 1901 504 stimmberechtigte Mitglieder. Die Religionsschule besuchten 1901 325 Schüler, 181 Knaben und 144 Mädchen. An: 31. März fand die Neligionsschulprüsung, am 8. Dezember die Weihefestfeier für die Religionsschüler statt. Kindergottesdienste winden, mit Ausnahme der Ferien, an allen Sonnabend-Nachmittagen abgehalten. Die Religionsschule (Johannesstraße 18) hat 6 Knaben- und 6 Mädchenklassen mit je zweijährigen: Kursus für die unterste und die oberste Klasse. An ihr unterrichten Herr Rabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Wolssohn, Lcvi und Frau Wolssohn. Die Unterrichtszeit ist Sonntags 8 bis 12, Mittwochs und Sonnabends 2 bis 7 Uhr. Das Schulgeld beträgt 2 Mark monatlich, bei gleichzeitigem Schulbesuch von Geschwistern für das zweite Kind 1 Mark. Für die unterste Klasse ist kein Schulgeld zu entrichten. Freiunterricht genossen Ende 1901 87 Kinder. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung von: 1. Dezember 1900 befanden sich von überhaupt 12 419 Juden in Sachsen: 3059 in Dresden, 6314 in Leipzig, 1137 in Chemnitz, 114 in Zittau, 208 in Plauen, 116 in Annaberg. 65 in Bautzen, 82 in Freiberg. In der am 6. Januar 1901 abgehaltenen Generalversammlung der Beerdigungsbrüderschaft wurde eine Aendernng des § 7 des Statuts dieser Körperschaft dahingehend beschlossen, das; ihr Vorstand, der bisher aus einen: Vorsteher, einem Kassirer und vier Deputirten bestand, fortan aus zwei Vorstehern, von denen der eine namentlich die geschäftlichen, der ändere aber die rituellen Angelegenheiten leitet, sowie aus einem Stellvertreter des Letzteren und zwei Deputirten bestehen soll. Diese Statutenänderung ist vom Gemeinderathe genehmigt worden und in Kraft getreten. — Die Gedächtnißfeier zum Andenken an Emil Lehmann hat zum zweiten Male am 25. Februar 1901 stattgefunden, und zwar in den: gütig überlassenen Saale der hiesigen Fraternitasloge. Auch dieses Mal hatte Herr Rabbiner Dr. Winter in dankenswerther Weise die Festrede übernommen. Er sprach über „das Wesen der jüdischen Religion nach S. D. Luzatto" Auf seinen Vorschlag hat der Ausschuß der Emil Lehmann-Stiftung durch einstimmigen Beschluß die Ehrengabe für das Jahr 1900 dem Herrn Rabbiner Dr. Theodor in Bojanowo verliehen, der sich hauptsächlich um die wissenschaftliche Erforschung der Hagada verdient gemacht hat und seit längerer Zeit mit einer textkritischen Ausgabe des Midrasch zum Pentateuch beschäftigt ist. Der Midrasch gehört zu den Grundwerken der nachbiblischen Litteratur und hat nicht nur einen historischen Werth in: wissenschaftlichen Sinne, sondern zugleich eine stets aktuelle Bedeutung für die Belebung des religiösen Geistes im Judenthum. Neben der Bibel bildet dieses Werk eine Hauptquelle, aus der jeder Prediger sich den Stoff zu seinem Vortrag holen muß. Mit gleich gespannter Erwartung wie die Vertreter der jüdischen Wissenschaft innerhalb und außerhalb des Judenthums sehen daher auch die israelitischen Geistlichen im theologischen Interesse der bedeutsamen Veröffentlichung des Werkes entgegen, an dem Herr Dr. Theodor seit Jahren arbeitet. In Würdigung dieser von Herrn Rabbiner Dr. Winter geltend gemachten Gesichtspunkte glaubte der Stistungsausschuß das Vorhaben des Herrn Dr. Theodor durch Verleihung der Ehrengabe im Sinne Emil Lehmanns fördern zu sollen. Die Hinterbliebenen Lehmanns haben auch in diesem Jahre ihren: fortdauernder: Interesse für die Zwecke der Stiftung durch Uebermittelung einer namhaften Spende Ausdruck verliehen, wofür auch an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen sei. — Anläßlich des hundertjährigen Geburtstages des um die Begründung unserer Gemeinde hochverdienten seligen Herrn Oberrabbiner Dr. Zacharias Frankel hielt Herr Rabbiner Dr. Winter bei Gelegenheit des Vor-- Mittagsgottesdienstes am Schlußfeste, den 5. Oktober 1901, eine Ansprache an die Gemeinde, worin er der Verdienste dieses Mannes um unsere Gemeinde und um die Wissenschaft des Judenthums gedachte. I. Bonn, 24. Juli. Gegen die Aeußerungen eines jüdischen Studenten auf dem Kongreß der Finkenschaft in Weimar veröffentlichen die jüdischen Verbindungen jetzt den folgenden Protest: „Die Unterzeichneten Verbindungen im K. C.: A. H. V. Viadrinae ° Breslau. Badenia - Heidelberg. Sprevia - Berlin, Licaria- München. Friburgia - Freiburg, Rheno - Silesia - Bonn, Thuringia- Breslau protestiren hiermit aufs Energischste gegen die anläßlich des 3. Kongresses der „freien Studentenschaft" zu Weimar gehaltenen Reden der Herren Dombrowskh und Salomonskh. soweit sie die jüdische Studentenschaft betreffen. Wir protestiren gegen die Erklärung des Herrn Dombrowskh, daß er im Namen der gesammten jüdischen Studentenschaft spreche, und bestreiten ihm unsererseits, die wir einen ansehnlichen Theil der jüdischen Studentenschaft repräsentiren, jedes Recht dazu. Wir protestiren aufs Schärfste gegen die von Herrn Salomonskh gebrauchte Aeußerung, daß die jüdischen Kommilitonen den christlichen nicht gleichwerthig seien. Wir protestiren gegen die von Herrn Dombrowskh gebrauchten Worte, daß die jüdischen Kommilitonen mit Freuden bereit seien, ihr Judenthum zu Gunsten des deutsch-nationalen Gedankens und im Vertrauen aus das verständnißvolle Entgegenkommen der arischen Kommilitonen auszngeben. Wir protestiren endlich gegen die Aeußerung, der jüdische Student sei erst Jude und dann Deutscher. Demgegenüber betonen wir, daß in unserer Tendenz treue Pflege des deutsch-nationalen Gedankens mit unentwegtem Festhalten am Judenthum vereint ist. I. A.: Die Verbindung i. K. C.: Rheno-Silesia." <1. Aschaffenburg, 27. Juli. Die Bambergerscheisraelitische Kuabenerziehungs- und Unterrichtsanstalt, die von der königlichen Negierung von Unterfranken konzesstonirt worden ist, versendet ihren ersten Schulbericht. Die Anstalt umfaßt: 1. eine Justitutsschule für Knaben mit fakultativem Unterrichte in Latein, Französisch und Zeichnen; 2, eine Arbeits- und Nachhilfeschule M Schüler der Mittelschulen; 3. ein Pensionat sür Schüler des Gymnasiums, der Realschule und Schüler der Anstalt. Das Pensionat hatte im verflossenen Schuljahre 12 Zöglinge, die Schule wurde von 21 Knaben

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