Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-08-01 · Heft 31 (1.8.1902) · p. Seite 372

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 31 (1.8.1902)
Date
1902-08-01
Page
Seite 372 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228505--58889-3295371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

372 sein, solche Liebe zu erwecken? Ist sie nicht schön und liebenswerth auch ohne ihren Reichthum?-Ich wüßte einen Mann, — der ohne Falsch, — ohne Berechnung" .... „Hahaha! Ein netter Freier, der sich hinter eine Weiberschürze steckt! — Hat er Dich hergeschickt, für ihn zu sprechen? Wär' er doch zu mir gekommen und hätte sie von mir begehrt, oder hätt' er bei dem Kinde selbst geworben, ihr Schmeicheleien, Komplimente gesagt — aber so! — Wie vielen „Schadchonim" meinst Du, Hab' ich schon die Thür gewiesen?" „Ich will nicht warten, bis Du mir die Thür weisest!" sagte Tante Blümchen tief verletzt. . . „Du scheinst mich für einen „Schadchen" zu halten, der sich seine Mühe bezahlen läßt. . . . Mich hat aber nur die aufrichtige Freundschaft für Deine Familie geleitet — und noch für Jemanden Anderen, — das gestehe ich ein. . . Nun lebe wohl! Urrd möget Ihr, Du und Deine Tochter, in der Erfüllung Eurer Wünsche das Glück finden, das Ihr erhofft. . . . Möget Ihr keine Enttäuschungen erfahren." —- Sie war aufgestanden und wandte sich zum Gehen. „Wie Du gleich bist!" sagte er etwas verlegen.. . „Gerade, als ob Du für ewig Abschied nehmen wolltest . . . Wir sind doch Verwandte! . . . Und ich habe nicht vergessen, daß Du mal — hm — gefällig gegen mich warst ... Ich weiß, Dn lebst in dürftigen Verhältnissen." Er klimperte mit der Hand in der Tasche,-Geld wollte er ihr anbieten? Geld? Ein Almosen, — da sie als uneigennützige Freundin kam! — Sie bezwang ihren Zorn und sagte kühl: „Danke, — ich brauche nichts . . . Ich habe alles, was ich brauche." „Verzeih, — ich wollte Dich nicht kränken . . . Und — was das andere betrifft — noch ist ja alles leeres Gerede. .. - Noch ist ja nichts geschehen, was . . ." Er wurde unterbrochen. Die Thür flog auf. „Papa — Papa! Ich bin ja so glücklich!" Und Lea hing an seinem Halse. „Aber Kind, mäßige Dich doch!" sagte er lächelnd, ihr das glühende Gesicht streichelnd. „Was ist Dir denn begegnet?" Jetzt erst erblickte sie die Tante. Sofort hatte sie ihre Haltung wieder und nickte der „armen Verwandten" herablassend zu. Ganz leise flüsterte sie an dein Ohr des Vaters: „Graf Winterfeld kommt zu Dir, um meine Hand anhalten... Er liebt mich — er hat sich soeben erklärt!" So leise es war, die Tante hatte es doch gehört. „Ich muß nun gehen," sagte sie gepreßt... „Lebt wohl — und der Segen des Gottes Israels sei mit Euch!" Und draußen, vor der Thür, traten ihr halb unbewußt die Worte des Priestersegens auf die Lippen, die ihr Mann, der „Kohen", oft vor versammelter Gemeinde gesprochen: „Der Herr segne und behüte dich . . . der Herr gebe dir Frieden!" Gras Winterfeld saß dem Kvmmerzienrath Lilienthal in dessen Konitvr gegenüber. „Nun wollen wir nach all den schönen Gefühlen mal die praktischen Fragen besprechen, wie zwei vernünftige Männer, die wissen, was zum Leben gehört. . . . Sie lieben meine Tochter. . . Meine Tochter ist ein verwöhntes Mädchen — und Ihr Einkommen ist klein, Herr Graf." . . . „Dafür habe ich die hohe Ehre, meines Königs Rock zu tragen," sagte der Graf nicht ganz logisch. „Gut! Ich werde selbstverständlich meine Tochter so ausstatten, daß sie weiter so leben darf, wie sie es von Hause aus gewöhnt ist. . . . Sie haben auch Schulden, Herr Graf . . ." „Das wollte ich Ihnen auch nicht verschweigen! Die kleine Offiziersgage — das standesgemäße Leben. . . Ich bin vom ältesten Adel und ohne Vermögen. . ." „Hundertundzwanzigtausend Mark! — Es ist viel! — Aber dem Glück seines Kindes bringt man selbst das schwerste Opfer. Gott sei Dank, — ich kann es ja!" „Knallprotz!" dachte der Graf ingrimmig. „Aber er zahlt, — und da ist es ganz egal, ob er 'n Paar Taktlosigkeiten begeht. . ." „Ich werde mich bemühen. Ihnen zu beweisen, daß Sie Ihr Kind keinem Unwürdigen anvertranen!" sagte er. „Ich liebe Leonie." „Und doch haben Sie erst vor Kurzem geäußert, Sie würden nie ein „Judenmädel" heirathen..." Der Graf war tief erröthet... . „Mein Gott... welcher Mensch ist nicht von Vorurtheilen befangen! . .. Ich hatte noch nie so liebenswürdige Menschen Ihres Glaubens kennen gelernt.... Später erst lernte ich Leonie aufrichtig lieben... . Man wird Ihnen auch vielleicht eine alberne Würfelgeschichte hinterbracht haben, Herr Kommerzienrath... . Die Geschichte ist wahr — und nicht wahr. . . Kameraden haben in Weinlaune tolle Idee gehabt.. .. Ich habe nicht mitgemacht, sondern gewarnt, Scherz nicht zu weit zu treiben." ... „Es ist gut, — reden wir nicht darüber!" sagte der Kommerzienrats). .. . „Ich glaube Ihnen! — Und um noch eine Hauptsache zu regeln: ich denke, zwölftausend Mark Zulage im Jahr werden Ihnen genügen. ... Das Kapital bleibt in meinem Geschäft. . .. Das Kind ist unsere einzige Erbin." . .. «Forts, folgt.) Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Redakteur! (^^ur Berichtigung der in der letzten Nummer Ihres Blattes gebrachten Notiz über die hiesige Gedächtnißfeier sür den seligen Rabbiner Dr. Baer gestatte ich mir, Ihnen nachfolgenden, auf die Beziehungen des Verewigten zur Gründung des Waisenhauses bezüglichen Passus aus der Gedächtnißrede des Herrn Rabbiners Dr. Loevh wörtlich mitzutheilen : „Darf ich vergessen, dem Todten nachzurühmen, was er selbst in seiner oft rührenden Bescheidenheit niemals in die Oeffentlichkeit getragen, daß es fast einzig seiner unausgesetzten und uneigennützigen Fürsprache und Verwendung zu danken ist, wenn der von meinem verdienstvollen, in Gott ruhenden Vorgänger im Amte (Rabbiner Dr. Rosenstein s. A.) erdachte Plan zur Ausführung ge^ laugen konnte, den Stein des Anstoßes in unserer Gemeinde in den Grund- und Eckstein barmherziger Thätigkeit, die Separatsynagoge in ein Waisenhaus umzuwandeln." Graudenz, 22. Juli. Hochachtungsvoll Geehrter Herr Redakteur! 6^n dem Leitartikel über die Allianz ist ein unangenehmer Fehler stehen geblieben: Seite 350 links von oben, Zeile 13, wo es statt „Schüler" heißen muß „Schulen". Die Schrift „Kulturarbeit" für die Propaganda der Allianz ist bei mir unentgeltlich zu haben. Köln, 25. Juli. Ihr ergebener Rabbiner Dr. Frank. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.