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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-04-10 · Heft 43 (10.4.1838) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 43 (10.4.1838)
Date
1838-04-10
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Rnchbem auch Duttlknger für die Emancipatko« ge» sprachen, war Aschbach der Erste, der sich gezen sie vernehme» ließ, wenigstens zuerst nur die Wahl zu Bürzermeistern und Gemeinderathen gestatten wollte, wenn di« Israeliten den Sabbat auf den Sonntag verlegen würden. Dennoch hielt er es für ein Unrecht, daß die Juden keinen Repräsentanten in der Volksversammlung hätten. Alsbald sprach sich aber schon wieder Zentner für vollständige Emancipation aus, und erwies besonders, daß di« Emancipation auch eine Forderung der Staatsklugheit sei." „Es ist der Staatsklugheit gemäß, daß man denjenigen, den man einmal in die staatsbürgerliche Gesellschaft aufge-' nommen hat, so stelle, daß er diese Gesellschaft liebe und Anhänglichkeit an sie habe. Nur dadurch wird man ihm ein Vaterland geben, für das er gern Opfer bringt, und das er, wenn es darauf ankommt, freudig mit Gut und Blut vertheidigen wird. Es ist aber auch klug, daß der Staat die Kräfte und Talente überall benütze, wo er sie findet. Nun ist aber gewiß nicht zu laugyrn, daß manche nützliche Kräfte und herrliche Talente unter einer Einwohnerzahl vott 20,000 Seelen sich finden können; der Staat sollte sich in ihrer freien Verwendung nicht selbst hemmen und beengen. Wenn wirklich wahr wäre, was in dem Bericht der Mehrheit behaüptet wird, daß nemlich bei den Christen eine so große Abneigung gegen die Juden besteh«, so wird wol anzunehmen sein, daß wenn auch ein Israelit zu dev in Frage stehenden Aemtern gewählt würde, dieses gewiß ein ganz trefflicher Mensch sein müßte, denn sonst würde er dann sicherlich nicht dazu berufen. Ich frage nun, ob cs denn ein so großes Unglück ist, wenn die öffentlichen Aemter von vorzüglichen und trefflichen Menschen verwaltet werden?" Nach ihm nahm Welcker das Wort, und hielt eine ftzr Recht und Wahrheit begeisterte Rede, dst in ihrer Energie und Klarheit zugleich einen tiefen Eindruck machte. Wir theilen daher dieselbe hier mit wenigen Auslassungen ganz mit. „Ich lese die Erklärung, welche die Juden gegeben haben, als man sie zu einem Zusammentritt auffordcrte, um zu prüfen welche Hindernisse der Emancipation entgegensiehen. Sie antwortetenman werfe ihnen den Schachergeist vor. Mit ihren Religionsgrundsätzcn aber wollten sie wenigstens nicht schachern; und wenn die Versammlung einberusen werden sollte, um eine Abänderung der Religion zu bewirken, so können diese Versammlungen zu keinem Resultat führen, da keine Versammlung compctent sei, eine Abänderung zu bewilligen. Das war eine achtungswürdigc Erklärung, und Jeder, der seine Religion achtet, wird so sprechen. Sie fugen aber noch bei, daß, wenn in dieser Versammlung Mittel becathen werden sollten, um die, Betreibung von Handwerken, Ackerbau rc. unter ihren Genossen zu befördern und hartnäckige Hindernisse einer Emancipation zu beseitigen, eine solche Versammlung in den Wünschen und Interessen der Israeliten liege. Was hatte nun die StaatSeegierung, wen» sie de» Wunsch von 1831 erfüllen wollt», zu chun? nichts alS zn erklären, die Regierung und die Kammer wollten kein« Abänderung der Religion um weltliche Vortheile willen, sondern der Zweck des Zusammentritts sei kein anderer, als Berathung der Mittel der Beseitigung äußerer Hindernisse der Emancipation." .... „Ich denke mir, daß die Regierung in Uebereinstimmung mit der Kammer beschließen könnte, daß dieses oder jenes beseitigt werde, jedoch nicht, daß man den Talmud aufgebe. Diejenigen, die dies fordern, verstehen von diesem Talmud wahrscheinlich nicht mehr als ich. Ich verstehe ncmlich gar nichts davon. Doch habe ich soviel vernommen, daß dieses Buch recht vieles Herrliche neben weniger Gutem enthalte, gleichwie auch in theologischen Schriften von uns manches abgeschmackte Zeug zu finden ist. Ich kann nur fordern, daß man die wenigen etwaigen Zweifel löse, ob diese und jene Einrichtung, ob diese und jene Lehrmeinung bestehe, die einen staatsfeindlichen Charakter habe? wenn es heißt nein, so mache man es wie in England und fordere «ine bestimmte kurze Erklärung. Man fordere eine Erklärung rein negativer Natur, daß sie nichts anerkennten, was sie von dem Gehorsam gegen den Großherzog und gegen die Gesetze dispensire. Indem ich auf diese Weise die Ansichten der Minorität unterstütze, muß ich erklären, daß ich mich nicht auf dem Standpunkte befinde, wovon der Bericht der Mehrheit der Commission sprach, daß nemlich diejenigen, die für die Emancipation seien, sich auf dem Standpunkt des Jndifferentismus gegen Religion und Nationalität befinden. Ick gehe von andern Gesichtspunkten aus. Ich bin auch nicht, wie die Majorität meint, ohne die gründlichste Prüfung zu der Ansicht gelangt, die ich so eben ausgesprochen habe. Nach der gründlichsten und vielseitigsten, Prüfung kann ich, vielmehr ohne in das Herz Anderer sehen und ihnen Borwürfe machen zu wollen, nichts anderes sagen, als daß der objective Gehalt der Gründe für dieAusschließüng der Juden nach allem, was ich hörte, aus Intoleranz, auf Verletzung der Gewissensfreiheit und der bürgcr. lichen Gleichheit beruhe. Ich bin fest überzeugt, daß ganz nach demselben Princip, das man hier zur Ausschließung der in unserm Lande gebornen Kinder der Juden von^ dem Genuß der bürgerlichen Rechte anführt, jeder Aristokrat den bürgerlichen Stand von der Theilnahme am Staalsleben ausschließcn, und die früheren Feudalrechte behauvtcn könnte. Er könnte seine Waffen aus derselben Rüstkammer herholen. Ichbin fest überzeugt, daß jene Intoleranz, jene katholischen und protestantischen Ketzerverfolgungen und Ausstoßungen, wenn Einer nicht den bestimmten katholischen oder protestantischen Glauben annahm, auf demselben Princip beruhten. Ja, ich weiß nicht, ob, wenn die Katholiken oder Protestanten, die jetzt die Juden wegen ihrer Religion ausschließen, die Gewalt hätten, einen oder den andern christlichen Theil wegjagcn, und von dem Genuß der staatsbürerlichen Rechte ausschließen würden. Auch zu jeNer Zeit at es christliche Theokratleen gegeben, und Derjenige, der sich ihr nicht unterwarf, mußte ausgestoßen werden. Es hat

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