Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 zeige und Anleitungen, so daß die Resultate des Unterrichts allmälig zur Zufriedenheit auszufallen versprechen. Der Ausschuß des Verbandes setzt sich folgendermaßen zusammen: Stadtrath Pringsheim, Breslau, Vorsitzender; Landgerichtsrath Wöllstein, Breslau, stellvertr. Vorsitzender; Rabbiner Dr. Guttrnann, Breslau, Dr. med. Reich, Breslau, H. Cohn, Liegnitz, Rabbiner Dr. Freund, Görlitz, Justizrath Friedmaun, Glogau, Justizrath Ledermann, Hirschberg, M. Fränkel, Schweidnitz. ü. Leipzig, 17. Juli. Zur Frage der Namensänderunge n ist eine hier kürzlich getroffene Entscheidung von allgemeinem Interesse. Um Genehmigung zur Aenderung seines Vornamens „Meyer" in „Max" hatte ein Kaufmann Meyer B. in Westpreußen, der in Sachsen eine Zweigniederlassung hat, bei einer sächsischen Kreishauptmannschaft nachgesucht, er war aber abschlägig beschieden worden, weil er einmal nicht sächsischer Staatsangehöriger sei, dann aber auch, weil nach den in Sachsen bestehenden Vorschriften die Abänderung, ebenso die Führung anderer Vornamen als der eingetragenen unstatthaft sei. Darauf erwirkte B. bei der preußischen Negierung als preußischer Staatsangehöriger das Recht, fortan den Vornamen „Max" zu führen. Nunmehr ordnete auf sein wiederholtes Gesuch das Ministerium des Innern an, daß es die früheren Entscheidungen nicht mehr aufrecht erhalte und in der Sache von der Kreishauptmannschaft anderweitig iustanzmäßig zu entscheiden sei. Der preußische Minister habe den Kaufmann dahin beschieden, daß nach den in Preußen bestehenden gesetzlichen Vorschriften die Führung eines anderen als des im Standes- oder Geburtsregister oder im Kirchenbuchs eingetragenen Vornamens — von den Fällen unerlaubter Täuschung abgesehen — nicht untersagt sei, somit keine Veranlassung vorliege, eine besondere polizeiliche Erlaubniß zu der beabsichtigten Namensänderung zu ertheilen. o. Fürth, 17. Juli. Der Jahresbericht der israelitischen Realschule ist erschienen. Die Anstalt ist im abgelaufenen Jahre von 111 Schülern besucht worden, von denen 49 der Vorschule, 62 der Realschule angehörten. Lehrer Nordheimer trat bei Beginn des Schuljahres nach 38 jähriger Thätigkeit in den Ruhestand, Vorschullehrer Stoll ging zu gleicher Zeit in den städtischen Schuldienst nach Nürnberg über. Ferner nahm am 1. Januar Professor Dr. Kurz aus Gesundheitsrücksichten seinen Abschied, und Dr. Gottschall verließ die Anstalt am 1. April, um ein Lehramt an der städtischen Realschule zu Pößneck in Thüringen zu übernehmen. Zum Ersatz für die ausgeschiedeuen Herren traten als Lehrer der Vorschule Lehrer Adler, als Fachlehrer für Naturwissenschaften Dr. Hamburger und als Mathematiker Lehramtskandidat Otto Haberl in den Dienst der Schule ein. Die Aufnahmeprüfung für das neue Schuljahr ist auf den 4. September, der Beginn des Unterrichts auf den 5. September festgesetzt. Die mündliche Absolutorialprüsung fand am 11. d. M. unter Vorsitz des königlichen Ministerialkommissärs Professor Dr. Rackl aus Nürnberg statt. Bonden vier diesjährigen Absolventen bestanden drei die Prüfung. — München, 16. Juli. Die Herren Rabbiner Dr. Werner- München, Dr. Cohn-Jchenhausen und Kultusvorsteher Oettinger- Hürben (Krumbach) bringen nachstehendes Rundschreiben zur Versendung: „Schon seit langer Zeit beschäftigt uns die Sorge, den an Geist und Körper verkümmerten israelitischen Unglücklichen in Bayern, die jetzt entweder in Privathäusern nothdürstig untergebracht werden, oder in nichtjüdischen Anstalten ein deren Bestimmungen entsprechendes Leben führen müssen, eine Zufluchtsstätte zu schaffen, in welcher sie den Ausorderungen unserer heiligen Religion gemäß gehegt und verpflegt werden können. Alle Versuche, die wir bisher zu diesem Zwecke unternommen hatten, scheiterten jedoch an der Schwierigkeit, die für die erste Einrichtung erforderlichen bedeutenden Mittel aufzubringen. Die auf der letzten bayerischen Nabbinerkonferenz empfangenen Anregungen vkranlabten uns nunmehr, diese wichtige Angelegenheit mit größere" Energie zu verfolgen; und es erfüllt uns mit inniger Freude, Ihnen mittheilen zu können, daß der weitbekannte, edle und hochherzige Wohlthäter Se. Hochwürden Herr Superior Ningeisen sich bereit erklärt hat, in seiner segensreich wirkenden Jdiotenanstalt zu Nrsberg bei Krumbach, die zur Zeit 1340 Insassen zählt, unter unserer religiösen Aufsicht eine jüdische Abtheilnng zu errichten, in welcher den aufgenommeuen Unglücklichen unseres Glaubens rituelle Kost verabreicht und Gelegenheit geboten werden soll, Religionsunterricht zu empfangen und einem Gottesdienst anzuwohnen. Um nun zu beurtheilen, ob zu diesem Behufe der Bau eines besondereil Hauses nöthig sein sollte, wünscht der hochwürdige Herr Superior zu erfahren, für wie viele jüdische Idioten ungesähr zunächst eine Aus nähme beansprucht werden würde. Wir ersuchen Sie daher, baldmöglichst dem unterfertigten Dr. Cohn-Jchenhausen ohne jede Vev bindlichkeit Auskunft darüber ertheilen zu wollen. 1. wie viele Unglückliche a) männlich, b) weiblich, aus Ihrer Gemeinde und Ihren Rabbinatsbezirke voraussichtlich in der jüdischen Abtheilnng der Jdiotenanstalt untergebracht werden sollen; 2) ob eine einmalige oder eine alljährliche Entschädigung und in welcher Höhe für jeder Einzelnen der mit Angabe der Namen entrichtet, oder oi wegen Leistungsfähigkeit der Angehörigen und der Heimathsgemeinden event. unentgeltliche Verpflegung beantragt werden mus. Indem wir überzeugt sind, daß Sie mit voller Bereitwilligkeit Ihr Kräfte dieser großen widmen werden, grüßen wir Sie herzlic! und zeichnen re. ---- Bltrgpreppach, im Juli. Der 26. Rechenschaftsbericht übe die Israelitische Präparand enschule „Talmud-Thora für das Jahr 190001 widmet zunächst dem bisherigen, um die Anstal! verdienten Leiter Dr. Salomon Nürnberger, der infolge seiner Be rnfung zum Provinzialrabbiner in Hanau zugleich mit den hiesigen Rabbinate auch das von ihm verwaltete Schulamt nieder legte, warme Worte der Anerkennung. 5V2 Jahre hat die Leitung der Schule in seinen bewährten Händen gelegen, und der Aufschwung den dieselbe trotz der sehr gesteigerten Anforderungell, die sich übrigem voraussichtlich in nächster Zeit noch weiter steigern werden, auch ü diesem Zeitraum genommen hat. zeigt zur Genüge, mit welchem Ge schick und welchen Erfolgen er seine enorme Arbeitskraft in den Dieus der Sache zu stellen wußte. Die königliche Negierung bewies auc? dieses Mal ihr schon so häufig gezeigtes Wohlwollen für die Interesse! der Schule dadurch, daß sie bei der Ausschreibung der Rabbinats Vakanz die Verbindung dieses Amtes mit der Vorstandschast der Anstalt in Aussicht stellte. Die Führung der Geschäfte bis zum Amts antritt des neu gewählten Rabbiners wurde gleich wie vor sechs Jahren dem dienstältesten Lehrer Herrn W. Neumanu übertragen. Nachdem Herr Dr. N. Cohn, dessen Wahl zum Distriktsrabbiner mittlerweile die Genehmigung gefunden hatte, durch Regierungsentschließung von 10. April auch als Vorstand der Schule bestätigt worden war, wurdc derselbe am 23. April in dieses Amt eiugesührt. Von den Schüler,! des HI. Kurses meldeten sich im Frühjahr zwei zur Aufnahmeprüfung in das israelitische Seminar zu Kassel, die sie gut bestanden. Von den acht in der Klasse verbliebenen Schülern traten zwei in das israelitische Seminar zu Köln ein, während die sechs übrigen sich del vorschriftsmäßigen Schlußprüfung unterzogen, deren schriftlicher Thei unter dem Vorsitz des Dr. N. Cohn am 22. und 23. Juli und deren mündlicher Theil am 14. August unter dem Vorsitz des königlicher Regierungskommissars Kreisschulinspektor Dr. Weber und in Anwesen heit des Distriktsrabbiners Bamberger-Würzburg stattfand. Für. dieser Schüler fanden Aufnahme in der israelitischen Lehrerbildung^ anstalt zu Würzburg, einer in dem königlichen Seminar zu Schwaback Außerdem traten nach einjährigem Besuche unseres II. Kursus eil Schüler in das Lehrerseminar zu Karlsruhe, zwei in das israelitisch Seminar zu Köln ein. In materieller Hinsicht hatte die Schule sic? auch im verflossenen Jahre vielseitiger Förderung zu erfreuen. So hat das königliche Staatsministerium für Kirchen-und Schulangelegen heilen wiederum für einige in Bayern beheimathete Zöglinge einer Zuschuß gewährt. Der Vorstand war in der Lage, eine stattliche Summe zur Unterstützung von bedürftigen Zöglingen zu Verwender und auch einen Betrag von 2000 Mark dem Pensionssonds zuzuweiseu Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahr 29 500.12 Mark, die Aus gaben 26 811.77 Mark, der Vermögensstand 75 698.35 Mark. Die Ver- Wallung des Talmud-Lhora-Vereius besteht aus den Herren Dr. N Cohn, Vorsitzender, M. G. Ullmann-Burgpreppach, M. Neumanu Burgpreppach. M. Reus-Lendershausen, S. Stern-Aidhausen; dao Lehrpersonal setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Distriktsrabbiner Dr. N. Cohn, Vorstand, W. Neumann, Jos. Braunold, K. Ochsenmann, Präparandeulehrer, St. Deißenberger, S. Staab, Musiktehrer. --- Dortmund, 20. Juli. Aus dem Bericht über die ThäLigkesi des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens während seines elften Geschäftsjahres entnehmen wir, daß derselbe jetzt 43 Gemeinden zu ordentlichen Mitgliedern zählt. Der stell-