Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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md Erholung verschaffen wollen, warm empfohlen werden. Das Hospiz untersteht der Leitung des „Vereins zur Pflege schwacher sraelitischer Kinder in Hamburg" und bietet vorzügliche, streng-rituelle Ütrpflegung. Zur Leitung und Beaufsichtigung der Anstalt, bezüglich e. Kinder, sind eine Schwester vom „Verein zur Ausbildung jüdischer strankenpflegerinnen" zu Köln sowie ein Lehrer und eine Lehrerin ,uwesend. Das Hospiz liegt sehr günstig in unmittelbarer Nähe des leeres. Im vorigen Sommer wurden von Köln aus zwölf Kinder, denen sich ein Kind aus Bonn anschloß, in Begleitung einer Schwester k ch Döse-Cuxhafen geschickt. Sämmtliche Kinder kehrten ungemein erliolt und gekrästigt zurück und waren begeistert von ihrem herrlichen jstrienaufenthalt an der Nordsee. Für die Vorzüglichkeit der Anstalt sp icht wohl nichts mehr, als daß diejenigen der Kinder, die begüterten und angesehenen Kölner Familien angehören, auf ihren dringenden Wunsch von ihren Eltern auch dieses Jahr gern nach Täse-Cuxhasen entsandt werden sollen. Anmeldungen für das Hospiz uchmen entgegen und Auskunft ertheilen in Köln die Herren Dr. med. Mersheim, Dr. med. Apfel, Dr. med. B. Auerbach und Louis ^hmann; in Hamburg Herr I. Gotthelf, Nappstraße 15. — In der l>ru dem Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels am 8. v. M. nach hier einberufeneu Versammlung von Vertretern von jüdischen Organisationen, Vereinen u. s. w.. über die wir bereits beri ölet haben, wurden folgende Leitsätze unter dem Ausdruck lebhafter! istimmung beschlossen: 1. Die Versammlung Lnlligt dje bisherige! W irksamkeit des Komitees, wünscht die Fortsetzung seiner Arbeit und ,v cd ihre möglichst energische Erweiterung erstreben. 2. Sie spricht jh.e Befriedigung aus über die Ausnahme deS Komitees als Zweigatheilung des Deutschen Nationalkomitees. 3. Die Bestrebungen zur h rbeiführung umfassender international administrativer und k minalistischer Einrichtungen zur Unterdrückung des Mädchenh ndels finden die lebhafte Sympathie der Versammlung. Die zahlreiche Betheiligung an nationalen Konferenzen und intern tionalen Kongressen von jüdischer Seite ist im Interesse der Antisk avereibewegung dringend erwünscht. 5. Die stete Verbindung zwischen dem Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels und den gioßen jüdischen Vereinigungen ist aufrecht zu erhalten und so eng nre möglich zu gestalten. 6. Alle jüdischen Vereinigungen, die an di sem Werke mitznarbeiten geeignet sind, ebenso hervorragende E uzelpersonen sind aufzusordern, dem Komitee zur Durchführung seiner Ausgabe mit allen zu Gebote stehenden ethischen und materiellen Mitteln zur Seite zu stehen. 7. Die „Freundgastliche Warnung an allein reisende Frauen und Mädchen", die jetzt ui t etwa 60 Namen verseheil ist, wohin Auskunft- und Hilfesuchende si h wenden können, muß durch weitere Namensnennungen vervolln iidigt und dann ständig in zahlreichen Exemplaren verbreitet werden. Die Aussendnng von Sendschaften zur sittlicheil, geistigen und wirthk östlichen Ausrichtung nach den osteuropäischen Quellengebieten der grsumpfung gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Komitees. — T^e Bearbeitung und Durchführung dieser Aufgabe wird den: Komitee u: heimgegeben. Auf Antrag des Vertreters des Hilssvereins der d ätschen Juden durch Herrn Dr. Paul Nathan, Berlin, wurde sod un beschlossen: 9. Zu demselben Zwecke richtet die Versammlung all u ie Glaubensgenossen in Deutschland die Bitte, zu Komitees zur Bek uipfung des Mädchenhandels zusammenzutreten und in Verbindung lu t dem Hamburger Komitee und den großen nationalen und iutern tionalen Organisationen an dem gleichen Werke rnitzuarbeiten. C idlich wurde zu Leitsatz Nr. 8 von den Vertreterinnen des Israelit chen Hilfsvereins e. V. Abtheilung für weibliche Fürsorge in Franka. M., Frau Henriette Fürth und Fräulein Bertha lappen heim. Folgendes anheimgegeben: 10. Es ist möglichst in l rbindung mit allen bestehenden jüdischen Vereinen eine erziehliche, w rthschastliche und ethische Fürsorge für die im fremden Lande gel hrdeten Mädchen in die Wege zu leiten. — Ferner ist der Ausbau d a von den Logen begründeten Arbeitsnachweise nach Kräften zu bet 4berr. n. Dresden, 14. Juli. Das hiesige Amtsblatt „Dresdener Anzeiger" luthält in seiner Nummer vom 12. d. M. unter Hof- und Personalnachrichten Folgendes: „Se. Majestät der König traf gestern Vornittag V2II Uhr zur Erledigung voll Regierungsgeschäften im Rendenzschlosse ein. Er ertheilte hier zunächst einer Deputation der israelitischen Nelig ionsge m e i n den Dresden, Leipzig, l hemnitz und Plauen i. V. unter Führung des Rabbiners Dr. Winter Audienz." — Ich füge hinzu: Dresden war durch Rabbiner Dr. Winter und Gemeindevorsteher Salzburg, Leipzig durch Nabbiiler Dr. Porges und Gemeindevorsteher Magnus, Chemnitz durch Gemeindevorsteher Bergmann. Plauen durch Gemeindevorsteher Gottheil vertreten. a. Leipzig, 14. Juli. Ein im Stillen wahrhaft gedeihlich wirkender Verein ist die hiesige Deutsch-Israelitische Darlehnskasse für Frauen un d Jungfrau en. Dem letzten Jahresbericht entnehmen wir, daß die Einnahmen im Jahre 1901 sich auf ca. 4550 M. belaufen haben. Davon sind aber im Ganzen nur 160 M. Jahresbeiträge, und diese wieder nur — aus Frankfurt a. M. Warum hat ein solches Institut, das Frauen und Jungfrauen zum Studium, zu selbstständiger Arbeit, zur Begründung und zur Aushilfe im Geschäft Darlehen gewährt, nicht statt 160 mindestens 1600 M. Jahresbeiträge aus allen Gemeinden Deutschlands? Wir glauben, daß die Erreichung dieses Zieles keine Utopie ist, und zweifeln nicht einen Augenblick daran, daß ein? geschickte Agitation gerade für dieses Institut, das die soziale Fürsorge für das weibliche Geschlecht innerhalb der deutschen Judenheit allem ausübt, gerade jetzt von großem Erfolge sein würden. Die Ausgaben deckten sich mit den Einnahmen. Sie bestanden in 17 Darlehen an 5 Wittwen und 12 Mädchen. Eine Spezifikation dieser Darlehen wird beweisen, welche eminent praktische Bedeutung dieser Verein hat. Es wurden also gegeben: eine Beihilfe zur Errichtung eines Pensionats 300 M., fünf Beihilfen zur Errichtung eines Waarengeschäfts 1400 M., drei Beihilfen zur Errichtung eines Putz- und Weißwaarengeschäfts 600 M., eine Beihilfe zur Errichtung einer Pntzmacherei 300 M., eine Beihilfe zur Errichtung einer Arbeitsstube für Schneiderei 300 M., eine Beihilfe zur Betheiligung an einem Herrengarderobegeschäft 200 M.. eine Beihilfe zur Erlernung der Schneiderei und Anschaffung einer Nähmaschine 300 M. zwei Beihilfen zur Ausbildung als Schneiderin 350 M.. eine Beihilfe zur Allsbildung als Oberlehrerin 300 M., eine Beilage zum Studium der Zahnheilkunde 500 M. Das Vermögen des Instituts beläuft sich auf M. 55484.70. Es ist interessant ans dem Kassenbericht zu erfahren, daß im abgelanfenen Jahre 18 Darlehnsempfängerinnen im Ganzen 1103 M. zurückgezahlt haben. Wie wir hören, stammen die Letzteren meist aus kleinen Städten und Landgemeinden, da Bewerberinnen ans großen Gemeinden mit Reckt prinzipiell nicht berücksichtigt werden. Der Verwaltungsrath der Durlehnskasse, die die Beachtung und Theilnahme aller Menschenfreunde in hohem Grade verdient, besteht aus folgenden Herren und Damen: Fritz Nachod, Vorsitzender und Kassirer; Henriette Goldschmidt, stellvertretende Vorsitzende; Ignatz Witkowski, Schriftführer, Fanny Finkelstein, Adele Frankel, Flora Meyer. n. Aus Württemberg, im Juli. Daß der Partiknlarismus bei uns in Württemberg im Schwinden begriffen ist, zeigte uns in jüngster Zeit die Einführung unserer Einheitsmarke. Der aufmerksame Leser wird aber auch in dem soeben erschienenen 71. Jahresbericht der Israelitischen Waisen an st alt in Eßlingen das Aufgeben eines Partikularistischen Gedankens entdecken. Während nämlich bis jetzt nur solche Kinder, die in Württemberg heimathberechtigt sind, in die Anstalt ausgenommen wurden, können seit der kürzlich erfolgten Abänderung der Statuten nunmehr auch Kinder von deutschen Staatsangehörigen ausgenommen werden, wenn der Vater oder die Müllerin Württemberg geboren sind. Diese Neuerung darf mit Befriedigung ausgenommen werden, sofern sie den Wirkungskreis des Hauses, das bis jetzt innerhalb Württembergs so Tüchtiges geleistet hat, auch über unsere Grenzpfähle hinaus erweitert. Erfreulicherweise zeigt uns der vorliegende Bericht weiter, daß auch im verflossenen Jahre schöne Erfolge, sowohl auf dem Gebiete der Erziehuug als auch in der Schule, zu verzeichnen sind. Ein Blick auf diesen und die früheren Berichte Leigt uns, daß die zur Entlassung kommenden Zöglinge «wist solchen Bernfsarten sich zuwenden, die weitergehende Ansprüche an die Schulbildung erfordern. Mit Genugthuung kann das Hans auf eine stattliche Anzahl ehemaliger Zöglinge blicken, die sich jetzt im Leben eine geachtete und gesicherte Stellung erworben haben. Wir können deshalb nur wünschen, die Anstalt möge bald in die Lage kommen, obige erleichterte Aufnahmebedingungen, die jetzt erst theoretisch festgelegt sind, auch znr Anwendung zu bringen, um so auch weiterhin und in weiteren Kreisen sich nutzbringend bethätigen zu könn?n. m. Aus dem Elsaß, 1. Juli. Am 16. v. M. wurde in Straßburg nach eingehender Besprechung der voll den Rabbinern Dr. Bloch- Oberehnheim D re y f u s-Saargemüud, G in sb urg e r-Sulz. Weilt-