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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-18 · Heft 29 (18.7.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 erlegen, ohne daß ihm liebende Elternhände die Augen Andrücken > oder bei ihm in der Todesstunde weilen konnten." Mit einem Dank^ an die Vertreter der ulmu innter, an die Chargirten, die Leitung der Klinik, an die hiesige Synagogengemeinde und die übrigen Erschienenen für die erwiesenen Liebesdienste schloß er seine stimmungsvolle Rede.' die auf alle Betheiligten einen tiefen Eindruck machte. — Pinne (Provinz Posen), 8. Juli. Gefolgt von einer imposanten, nach vielen Hunderten zählenden, allen Konsessionen angehörenden Menschenmenge wurden am 3. d. M. die sterblichen Ueberreste des ' Stadtältesten, Magistratsmitgliedes u. s. w. Kaufmanns Siegismu nd - Marcus, der nach einem an inneren und äußeren Erfolgen reichen Leben im Alter von 68 Jahren starb, zu Grabe getragen. Zur Trauerfeier in der Synagoge, wohin man die Leiche gebracht, hatten sich nicht nur die Bürger unserer Stadt, sondern Freunde aus allen Theilen der Provinz, Vertreter erster Berliner und Posener Getreidefirmen sowie tust not least — eine große Anzahl Besitzer aus der Umgegend, unter ihnen der ehemalige Regierungspräsident Freiherr v. Massenbuel, eingesunden, eine Thatsache, die beredtes Zeugniß ablegt, nicht allein für die Liebe und Hochachtung, deren sich der Verstorbene in weitesten Kreisen erfreute, sondern auch für die Harmonie, die hier unter den Konfessionen herrscht. Der Ortsrabbiner Dr. Lewin feierte in warmen, tief empfundenen Worten die Verdienste des Menschen und Bürgers, der die vielen Pflichten seiner zahlreichen Ehrenämter mit seltenem Eiser erfüllte und sie von seinem Krankenlager aus niederlegen wollte, weil er — wie er sagte — nicht scheinen wolle etwas zu sein, was er in Wirklichkeit nicht mehr sein kann. — Am Grabe sprach dann Dr. Goldschmidt-Kvnigshütte, zeichnete in treffender Weise den Israeliten, der in Treue und Wahrhaftigkeit an den Traditionen des Iudenthums sesthielt und mit vielem Geschick, unterstützt von der bezwingenden Macht seiner Persönlichkeit, überall die Interessen seiner Glaubensgenossen erfolgreich vertrat, und spendete der tiefgebeugten Gattin (Enkelin Nabbi Akiba Egers) sowie den Kindern zu Herzen gehende Worte des Trostes. Schließlich sandte noch der Arzt Dr. Strant als Stadtverordnetenvorsteher mit thränenerstickter Stimme dem langjährigen Kollegen einen Scheidegrnß nach. Die Stadt und speziell die jüdische Gemeinde erleiden einen unersetzlichen Verlust, und niemals wird in den Herzen der Ueberlebenden. aller derer, die das Glück hatten, jemals mit dem Verblichenen in Berührung zu kommen, das Andenken an den Mann erlöschen, der es verdiente, in des Wortes besserer Bedeutung ein Mensch genannt zu werden! t. Breslau, 14. Juli. Lebhaftes Interesse findet hier in jüdischen Kreisen der Neubau des israelitischen Krankenhauses. Wenn man von der Kaiser Wilhelmstraße her den mit prächtigen Anlagen geschmückten Kaiser Wilhelmsplatz betritt, wird die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf eine all dem Ende der Hohenzollernstraße gelegene Häusergruppe gelenkt, die im Rohbau mit schrägen, rothen Ziegeldächern ausgeführt ist. Es sind dies die Bauten, welche zu dem neuen israelitischen Krankeilhause gehören. Die Südostgrenze des über 1*2 Hektar großen Grundstückes bildet die dort mit Vorgärten geplante breite Neudorfstraße, während im Norden das Gelände an eine im Bebauung-Plane vorgesehene, aber bisher noch nnbenannte Straße stößt. Die gesammte Bauanlage umfaßt das mit den Fronten nach der Hohenzollernstraße und einem Schmuckplatze gelegene Verwaltungsgebäude mit Poliklinik, das eigentliche, für über 100 Betten eingerichtete Krankengebände, mit der Hauptfront nach der verlängerten Neudorsstraße, und an der nördlichen Grenze das Wirtschaftsgebäude mit Maschinenraum und das Leichengebäude. Der weite Raum zwischen den vier Gebäuden ist für die zu errichtende Jnfektionsbaracke vorgesehen. Im Frühjahr vorigen Jahres wurde mit der Ausführung dieser vier Bauten begonnen, und bis zum Ende der vorjährigen Dauthätigkeit wurden sie unter der Oberleitung des Regierungsbaurneisters Ehrlich so weit in ihrer äußeren Ausführung fertiggestellt, daß in diesem Jahre sofort an den inneren Ausbau geschritten werden konnte. Auch hierin haben die Bauten schon wieder bedeutende Fortschritte gemacht. Die Centraldampsheizanlage, womit alle vier Gebäude versehen worden sind, hat die Berliner Firma Martin Grove ausgeführt. Die Tischler, Maler und Tapezierer dürften freilich noch mehrere Monate zu thun haben; doch ist zu erwarten, daß das Krankenhaus in allen seinen Theilen noch gegen Ende dieses Jahres seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die gesammte Bauanlage entspricht in ihrer äußeren und inneren Ausführung im weitgehendstell Maße allen Anforderungen, die an ein Krankenhaus in der Neuzeit! gestellt werden. Ganz besonders ist es auch durch seine ganz vorzügliche Lage in dem schönstell Theile der Umgegend Breslaus ausgezeichnet. Im Verwaltungsgebäude an der Hohenzollernstraße enthält die von den übrigen Räumen völlig getrennte und mit besonderem Eingang von der Straße Versehelle Poliklinik drei große. Oldinationszimmer mit Wartezimmern, Dunkelränmen und Ankleideabtheilungen, einen Erholungsraum für Narkotisirte, ein Aerztezimmer, einen Saal für medikomechanische Apparate und die erforderlichen Nebenräume. In diesem Gebäude ist auch ein Sitzungssaal für die Aerzte, Beamten und den Verwaltungsrath und ein Betsaal für die Kranken eingerichtet. Das Hauptinteresse nimmt das Krankengebände mit 110 Meter Frontlänge in Anspruch. In ihm werden in entsprechender Trennung und Uebersichtlichkeit vier verschiedene Krankenabtheilungen (chirurgische, Frauen, innere Kranke und Hautkranke) in drei getrennten Klassenstufen, ferner zwei Operationssäle, zwei Laboratorien (chemisch und bakteriologisch). Röntgenzinnner, photographisches Atelier. Wohn-, Schlaf- und Gesellschastsränme für die Aerzte und das Personal, die erforderlichen Baderäume. Küchen- und Tageräume untergebracht. Die großen Krankettsäle löseil sich pavillonartig mit dreiseitiger Lnftzuführung voll der Hauptrichtnng des Gebäudenach Westen ab, und die Krankenzimmer der erstell Klasse, mit Vorzimmer und Loggien versehen, haben mit denjenigen der zweiten Klasse in einem besonderen Flügel Platz gesunden. Für den Aufenthalt der bettlägerigen Kranken im Freien ist durch die Anlage von Terrassen, Loggien und die mittelst großer Schiebefenster in offene Hallen zu verwandelnden TagerÜume in ausgedehntestem Maße für alle Krallten vorgesorgt. I.. Hannover, 13. Juli. Dem Rechenschaftsbericht des „Wohlthätigkeits-Vereins der Synagogen-Ge mein de Hannover" entnehmen wir: Der Verein besteht 140 Jahre. Die Einnahmen im letzten Vereinsjahre betrugen 20 326.94 M., die Ausgaben 19475.87 M., es bleibt demnach ein Kassabestand von 851.07 M. Im Jahre 1901 wurden 32 Männer, 16 Frauen, 3 Knaben und 2 Mädchen, im Ganzen 53 Personen, ans dem Friedhofe beerdigt; davoll gehörten dem Verein 14 als Mitglieder an, bezw. sechs Frauen von Mitgliedern, während ans Kosten desselben 16 Leichen bestattet wurden. Nach außerhalb überführt wurden 7 Leichen. Im letzten Jahre wurden 17 neue Mitglieder ausgenommen; der Verein zählt gegenwärtig 397 Mitglieder und 61 beitragende Frauen. Das hiesige Komitee für Ferienkolonien, welches seine Sorge unterschiedslos den Kindern aller Konfessionell zuwendet, bei den jüdischen Kindern aber noch durch Vermittelung des Herrn Landrabbiners dafür sorgt, daß sie in Familien untergebracht werden, in denen sie rituelle Beköstigung erhalten, hat in diesem Jahre 25 kränklichen und schwächlichen Kindern jüdischen Glaubens, 18 Knaben lind 7 Mädchen, die Wohlthat einer kräftigen Sommerfrische zu Theil werden lassen, wosnr dem Komitee herzlichsten Dank ausgesprochen wird. Zur Bestreitung der durch rituelle Beköstigung erwachsenden Mehrkosten wurden auch in diesem Jahre vom Vereine 150 Mark gezahlt. Unterstützt wurden regelmäßig 24 hiesige Kranke, 78 je nach Bedürfnis;. Eine große Anzahl Kranker hat in dem israelitischen Krankenhause au zusammen 1453 Verpfleguugstagen Aufnahme gefunden; im hiesigen städtischen Krankenhause waren 3 Kranken mit zusammen 58 Verpflegungstagen untergebracht, während Fürsorge für eine Geisteskranke durch einen Zuschuß zu deren Unterhaltungskosten getroffen werden konnte. Zum Schlüsse meldet der Bericht den schweren Verlust, den der Verein durch den Tod des am 25. Oktober v. I. verstorbenen ersten Vorstehers der Synagogengemeinde, Herrn J.Kauffmaun, erlitten hat. Der Verstorbene hat über ein Menschenalter der Verwaltung des Vereins augehört, in heiligem, von inniger Frömmigkeit getragenem Ernste cm den Arbeiten sich betheiligt und durch seinen klaren Blick und seinen einsichtsvollen Rath den Verein in ausgezeichnetem Maße gefördert. Die Generalversammlung findet am 3. Juli statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Rechenschaftsbericht und daran sich etwa anknüpfende Anträge. 2. Wahlen s) eines Vorstehers an Stelle des Herrn B. Löwenstein auf drei Jahre; eines Direktionsmitgliedes an Stelle des am 7. d. Mts verstorbenen Herrn Sammy Neuberg auf fünf Jahre; e) zweier Kommissiousmitglieder an Stelle des im Turnus ausscheidenden Herrn I. Katz und des in die Direktion gewählten Herrn Michael Löwenberg auf vier Jahre. 6. Hamburg, 11. Juli. Das im vorigen Jahre eröffnete Seehospiz Döse-Cuxhafen an der Nordsee kann allen Eltern, die ihren Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren während der Ferien Kräftigung

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