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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-18 · Heft 29 (18.7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 29. Lerlm. 18. Znli 1902 n Werth iur, uno an dies;t sich in biete de iger, al lndlichei lich hin , die wir Rabbiner , „Wa'o m. Mil ndet sici^ lachweist, ate. „di? ans nur I durchs Element als un die Er t seinen r, inden« häßlicherthümer?rles ge Leser, , der zur plan er lrnack Breslau für Ge- Auflag ent aucu Verfasse- >en, aungen ii >ie geger >n vor manu Jahres u. Ein keln sicl h sauber refflichen l einen« n Stad! der alt un über erlaubt deutsche, ^>orizon ockhaus Wisse.n Wissen abe der te Thatjüdischr lnteresse enselben ld zeugt mg der züge des Heilung, nso wie rdnung, ldungen können; rm entm Ideal Der Gerneindebote. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung des ZuöenLHums". Korresponderrzen und Nachrichten. Drrrtschland. 22 Berlin, 14. Juli. Soeben erschien das „Verzeichn iß «er Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen an den Berliner G em e ind eschule n für das Jahr 1902/03 nebst Mittheilungen ans i ein Berliner Schulwesen, 59. Jahrgang." Das vom Berliner Lehreruerein herausgegebene Heft giebt eine erschöpfende Uebersicht des uesamrnten Schulwesens der Reichshanptstadt. Darnach bestehen gegenwärtig hier 252 Gemeindeschulen mit 4406 Klassen; diese werden von 212144 Kindern und zwar 105 403 Knaben und 106 741 Rädchen, besucht. Die Anzahl der rein katholischen Gemeindeschulen beträgt 22. Von den Lehrkräften sind 3917 evangelisch, 377 katholisch und 48 jüdisch! Und darum dieser Lärm! Und arum wird die Sache der jüdischen Lehrerinnen an den Gemeindechulen in den antisemitischen Blättern noch immer mit einem Eifer »esprochen. als handele es sich um eine große Gefahr für das Berliner Schulwesen. Und der Standpunkt der Aufsichtsbehörde, daß die Beschäftigung jüdischer Lehrpersonen von der Bedü rfn i ßfra g e ibhängig sei, gewinnt durch die oben zusanunengestellten Zahlen auch ine eigenthümliche Beleuchtung. — Berlin, 14. Juli. Eine statistische Zusammenstellung über ie größten technischen Hochschulen in Deutschland ist sür uns wn besonderem Werth, da die Klagen über die starke Vermehrung >es russisch-jüdischen Elements an diesen Hochschulen nicht verstummen vollen. Wie wenig Berechtigung diese Klagen haben, geht aus olgenden Zahlenangaben hervor: die technische Hochschule zu Berlin wird von 3141 Studirenden in diesem Sommer besucht. Darunter sind ^8 Russen — und diese sind doch nicht sämmtlich Juden! Die Gesammt- ,ahl der ausländischen Studirenden an den technischen Hochschulen Preußens beträgt 644 gegenüber 6545 deutschen Hörern. Ebenso ist das Verhältniß an anderen technischen Hochschulen in Deutschland, lnd darum Räuber und Mörder! Darum werden die härtesten Maßregeln vorgeschlagen gegen jene unglücklichen jungen Leute, die in barbarisches Gesetz in ihrer Heimath von allen Bildungsstätten russchließt. und die nun hierher zu den Quellen deutschen Wissens sich lüchten, in der Ueberzeugung. daß der deutsche Geist solche Engherzigkeit, wie sie im Zarenreiche geübt wird, niemals billigen, noch viel weniger selbst anwenden werde. §2 Berlin, 14. Juli. Unter dem Namen „Jüdisches Kinderg enesungsheim" hat sich hier ein Verein gebildet, der den Zweck verfolgt, armen kranken Kindern jüdischen Glaubens, welche geschwächt ind und guter Pflege bedürfen, einen mehrwöchigen Aufenthalt in guter Luft bei kräftiger Verpflegung zu verschaffen. Es ist wünschenswerth, daß wohlhabende Kreise auch diesem Zweige der Wohlthätigkeit hre Aufmerksamkeit und thätige Mithilfe schenken, damit der Zweck des Vereins baldigst erfüllt werden kann. Beitrittserklärungen und ventuelle Zuwendungen sind an die Schriftführerin, Lehrerin Frl Minna Cohn, Fehrbellinerstraße 7. zu richten. N. Aus Westpreutzen, im Juli. Am 22. v. M. fand im Tempel des Lachmann'schen Instituts in Gr au denz eine erhebende Trauereier zu Ehren des verstorbenen Rabbiners Dr. Baer statt, der an demselben 28 Jahre lang gewirkt hatte. Nachdem einige Trauergesänge vorgetragen waren, hielt Rabbiner Dr. Lövh-Graudenz eine ergreifende Rede, worin er die Vorzüge des Verstorbenen, seine große Gelehrsamkeit, seinen Wohlthätigkeitssinn und sein treues Walten au der Stistung betonte, besonders aber das Verdienst des Verklärten heworhob, das er sich um die Judenheit der Provinz Westpreußen rworben, indem er auf den edlen Humanitätsgedanken gekommen sei. das Lachmann'sche Institut zu einem Waisenhaus sür die Provinz Westpreußen zu erweitern. Ja, viele Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg gestellt, hätte er wegzuräumen verstanden. Der Name des Dr. Baer wird also als der des Gründers unseres Waisenhauses unvergeßlich bleiben. Möge sein Bestreben für alle Zeit Segen stiften. W. L. Allenstein, Ostpr., 14. Juli. Der Stadtälteste und Stadtrath M. G. Simon ist am 28. v. M. von 25 versammelten Stadtverordneten einstimmig zum fünften Male zum Stadtrath erwählt worden. Es wurde in der Versammlung besonders betont, daß Herr Simon seit 31 Jahren (7 Jahre als Stadtverordneter) in uneigennütziger Weise, dabei als vielbeschäftigter Kaufmann, seine Kräfte in den Dienst der Stadt stellt und hat während seiner Thätigkeit mit vier Bürgermeistern für das Wohl der Stadt geschaffen. Schon vor acht Jahren wurde Herrn Simon bei Gelegenheit seiner Silberhochzeit ein Ehrengeschenk von Seiten der Stadt und das Diplom als Stadtältester überreicht. Er ist stellvertretender Vorsitzender der städtischen Sparkasse, Mitglied verschiedener Kommissionen, Vorsitzender der Marktkommission und des Stadtkassenvorstandes und lang bewährter Vorsitzender der Armenkommission. Was noch ganz besonders rühmend an Simon hervorzuheben, ist seine Pünktlichkeit, Treue und Hingebung verbunden mit einer wahrhaft rührenden Einfachheit und Bescheidenheit. §. Stettin, 13. Juli. Am 11. Mai, Vormittags 11 Uhr. fand Hierselbst in dem Sitzungssaals unserer Synagoge der Gemeindetag desVerbandes der Synagogengemeinden Pommerns statt. Vertreten waren die Gemeinden Stettin, Stargard, Pasewalk, Pyritz. Schivelbein, Belgard, Colberg und Polzin. Nachdem Rechtsanwalt Dr. Levin als Vorsitzender die Gemeiudevertreter begrüßt und den Geschäftsbericht verlesen hatte, gab Herr Moses den Kassenbericht. Bei der hierauf folgenden Neuwahl wurden die alten Ausschußmitglieder wiedergewählt. Es sind dies die Herren Rechtsanwalt Dr. Levin, Rabbiner Dr. Vogelstein, M. Moses und Dr. Ehrenberg- Stettin, Levy-Polzin, Rabbiner Dr. Finkel-Pasewalk, Blach-Stralsund, Loewenstein-Belgard, Rabbiner Dr. Goldschmidt-Colberg. Rechtsanwalt Meyer und Zachau-Stargard und Hahn-Pyritz. Zn einer eingehenden Debatte führte der Bericht des Rabbiners Dr. Finkel-Pasewalk über die Schulkommission. Allgemein kam die Ansicht zum Ausdruck, daß eine Besserung unserer Schulverhältnisse nur durch Koalition der Gemeinden zu erzielen wäre; es wurde angeregt, die Schechitah von dem Lehrerberuf zu trennen und Wanderlehrer anzustellen. Allgelllein bedauert wurde die Gleichgiltigkeit der Gemeinden und der mangelhafte Besuch des Gemeindetages. Dann berichtete Dr. Vogelstein über den Gemeinde-uud Verbandstag in Berlin sowie über die Fürsorgeanstalt in Repzill. Für letztere Anstalt wurde auf drei Jahre ein Jahresbeitrag von 200 Mark bewilligt. Zum Schluß gab Dr. Levin einen kurzen Bericht über das Arbeiterasyl in Weißensee, sür welches ebenfalls ein jährlicher Betrag von 100 Mark genehmigt wurde. H. Greifswald, 8. Juli. Am 25. v. M. wurde der Student Regensburg aus Friedrichstadt bei Riga zu Grabe getragen. Obwohl der junge Mann hier nur seinem Studium lebte und unter seinen Kommilitonen fast gar keinen Anschluß hatte, hat es sich die Universität nicht nehmen lassen, auch diesem akademischen Bürger das letzte Geleit zu geben. Wir bemerkten seine Magnificenz den Herrn Rektor und die Herren Dozenten der philosophischen Fakultät sowie die Herren Chargirten mehrerer Verbindungen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Finkel aus Pasewalk hielt die Trauerrede. Ausgehend von dem Propheten Jesaias 22, 16: „Was hast du hier, und wen hast du hier, daß du dir hier ein Grab hast aushauen lassen?" schilderte er das tragische Geschick dieses jungen Menschen. Besonders ergreifend war der Passus der Rede: „Und wenn die Seelen der hier auf dem Gottesacker bereits Ruhenden den neuen Ankömmling fragen: Was hast du hier, und wen hast du hier rc., so giebt er ihnen eine Antwort, die herzergreifend ist. Er erzählt ihnen, wie er in seiner Heimath wegen der dort herrschenden engherzigen Gesetze, die den Bekennern des Judenthums den Zutritt zu den Stätten der Wissenschaft versagen, gezwungen war, sein Vaterland zu verlasseil und die Universität Greifswald auszusuchen, um hier seinen Wissensdurst zu stillen. Um aber rasch zum Ziele zu kommen, hat er durch allzu eifriges Studium seine ohnehin schwächliche Gesundheit erschüttert und ist der Krankheit

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