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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-18 · Heft 29 (18.7.1902) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
Seite 348 (sequence 14)
Language
German
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348 „Das ist weniger klug als ehrlich! lachte sie. „Und den Damen gegenüber — befolgen Sie dieselbe Taktik?" „Auch Damen gegenüber!" * „O weh! — Sie sagen's also offen, wenn Sie Eine nicht leiden können?" L „Nun — zeig ihr's wenigstens so. daß fie's merkt." „Und — umgekehrt . . . wenn Sie Eine recht gut leiden mögen?" — Sie sah ihn kokett lächelnd von der Seite an. „Dann — sag' ich ihr's auch nicht, — mache keine Komplimente, — gnädiges Fräulein wissen! . . . Aber geb' ihr's auch zu verstehen . . . mit Blicken . . ." Ein Blick aus den blauen Augen traf sie, daß sie die ihre n erschrocken senkte . . . Großer Gott, — was für ein Glutblick! Er liebte sie! — — Und süße Schauer zogen durch ihre Brust . . . Stumm ging sie neben ihm her. Die Schlittschuhe, die er mit seinen, zusammen am Arm trug, klirrten leise an einander. Es deuchte sie süße Musik . . . Und das Schweigen, das sie sonst langweilig gefunden haben würde, schien ihr die schönste Unterhaltung. (Forts, folgt.) Litteransche Mitteilungen. — M. Friedmann: Zoller Lliatni rabba und Zeller Llmbu 2uta (Iruum ll'be Llmbu). Wien 1902. Verlag Achiassas. Das viel citirte Wort des alten lateinischen Dichters von dem Schicksal der Bücher ist vielleicht nirgends so anwendbar wie bei dieser Ausgabe. Unter den Ausläufern des Midrasch, die meist einer poetischen Exegese mit epischer Tendenz huldigen und entweder die volksthümliche Sage oder die Geschichte der jüngsten Vergangenheit au das Wort der heiligen Schrift knüpfen, nimmt das Buch Hum ll'be LImbu seit jeher einen besonderen Rang ein. Es beruht auf der anmuthigen Fiktion von dem Wiedererscheinen Elias, von seinem Auftreten im Lehrhause, von seinen Wanderungen und Klagen, Mahnworten und Trostreden. Es bezeichnet den Uebergang von der Midraschlitteratur zu einer solchen mit ausgeprägt didaktischer Tendenz. Der gelehrte Herausgeber sah das Werk als Quellenbnch für den Talmud und Midrasch selbst an. in späteren Zeiten wurden Manuskripte von diesen Werken äußerst selten, und durch die verschiedenen Angaben der Titel entstand eine heillose Verwirrung. Die ellit!« prmeeps erschien in Venedig 1598, und zwar nach einem Manuskript aus dem Jahre 1186. Aus der Verwirrung, welche durch die verschiedenen Titel entstanden, glaubte die neuere Kritik entnehmen zu dürfen, daß es sich um zwei verschiedene Werke handle. Friedmann hat nunmehr mit überzeugender Klarheit nachgewiefen, daß nur ein Werk vorliege, daß es der Zeit Rabbi Anans, also etwa dem Ende des dritten Jahrhunderts angehöre' daß es aber natürlich später vielen Verstümmelungen und Umbildungen unterworfen gewesen sei, wie alle anderen Werke jener Zeit. Die neue Ausgabe, welche nunmehr die?rste vollständige ist, verdankt ihr Entstehen in der That einem glücklichen Zufall. Seit Jahren sammelt Friedmann Material zur Herausgabe des Sisra, die wahrscheinlich ein würdiges Seitenstück seiner ausgezeichneten Sifre-Ausgabe werden wird. Nun befinden sich in der vatikanischen Bibliothek zwei Manuskripte des Sifra, die zwei Freunde des Herausgebers während ihres Aufenthaltes in Rom für ihn photographisch kopiren ließen. Ter Photograph aber nahm in seinem Nebereifer nicht nur dieses, sondern auch 7 Blätter des Zeller LImbu mit auf. Friedmann erkannte sofort die Wichtigkeit des Manuskriptes und ließ das Ganze kopiren. Es liegt nun vollständig vor, mit der philologischen Akribie und litterarischen Sicherheit herausgegeben, die wir an Friedmann längst kennen und schätzen. Eine ausführliche hebräische Einleitung, die fast so lang ist wie das Manuskript selbst, beschäftigt sich mit Wesen und Inhalt des Buches, welches ohne Zweifel in der Zeitlitteratur einen hervorragenden Rang einnimmt, wie schon Zunz in seinen „Gottesdienstlichen Vorträgen" (S. 119. ff ) urtheilt. wenn auch Friedmann es mit dem freudigen Eifer des gelehrten Forschers zu überschätzen scheint, indem er sagt: „An stilistischer Schönheit, an ethischer Tiefe und Reichhaltigkeit, an Anregung zur Liebe der Thora wie des Volkes Israel kommt ihm kein Buch in der aggadischen Litteratur gleich." Das ist ein bischen zuviel, aber in jedem Fall ist das Buch ein Werth voller Ring in der Kette der späteren haggadischen Litteratur, uno man kann Friedmann für die Mühe und Arbeit, die er an dies» Ausgabe verwendet hat, aufrichtig dankbar sein. — Eine erfreuliche Rüstigkeit und Arbeitsfreudigkeit zeigt sich in letzter Zeit unter unseren jüngeren Theologen auf dem Gebiete de Apologetik. Wir begrüßen diese Erscheinung nur so aufrichtiger, al wir die Ersten waren, die auf die Nothwendigkeit einer gründliche! Bearbeitung dieses und der verwandten Gebiete unermüdlich hin gewiesen haben. Heute liegen uns wieder zwei Schriften vor, die wir mit besonderem Vergnügen anzeigen. Die erste ist von Rabbiner Dr. Felix Perles in Königsberg i. P. Sie führt den Titel: „Wa^ lehrt uns Harnack?" Frankfurt a. M. 1902, I. Kauffmann. Mi! grober Sachkenntnis mit Geist und eindringender Schärfe wendet sin der Verfasser gegen Harnacks Werk, von dem er mit Recht Nachweis:, daß es, ohne daß der Verfasser es wollte oder auch nur ahnte, „di? glänzendste Rechtfertigung des Judenthums sei, die wir uns nur wünschen können." Dies führt Perles im Einzelnen geistvoll durch er zeigt uns, daß Harnacks Standpunkt gerade diejenigen Element aus dem Christenthum ausscheidet, die auch dem Judenthum als un annehmbar erscheinen. Gerade deshalb bemüht er sich aber, die Er kenntniß von der Uebereinstimmung des Judenthums mit seinen eigenen Anschauungen so weit wie möglich von sich zu weisen, indem er das alte Testament zu verkleinern sucht und ein recht häßliche- Bild von dem Judenthum zur Zeit Christi entwirft. Die Jrrthümer die er sich dabei zu Schulden kommen läßt, werden von Perles ge bührend zurückgewieseu. Wir können die Schrift allen Leser, wärmstens empfehlen. — Der erste unserer jungen Theologen, der zur Verteidigung des Judentums gegen Harnack aus dem Plan er schienen ist, war Dr. Leo Bäck in Oppeln. Sein Essay: Harnack Vorlesungen über das Wesen des Judenthums (Breslau W. Koebner 1902) ist als Sonderdruck aus der „Monatsschrift für Grschichte und Wissenschaft des Judenthums" nunmehr in zweiter Auflag erschienen. Das ist ein gutes Zeichen, aber die Arbeit verdient cuwi allgemeine Aufmerksamkeit. In der zweiten Auflage hat der Verfassei sich mit einzelnen Einwendungen, die ihm gemacht worden, au einaudergesetzt und au verschiedenen Stetten seine Ausführungen n wirksamer Weise ergänzt. Die Schrift gehört zu den besten, die gegen Harnack geschrieben worden sind. ---- Von dem neuen revidirten Konversationslexikon vor Brockhaus liegen nun schon sechs Bände vor. Es ist eine monu mentale Leistung des Verlegers und Druckers, in weniger als Jahres frist eine solche Anzahl stattlicher Bände erscheinen zu lassen. Ein langwieriger Weg ist zu durchlaufen, bis Tausende von Artikeln sict in das Ganze fügen, revidirt und redigirt sind und endlich sauber gedruckt mit den dazu gehörigen, sorgsam ausgewählten trefflichen Holzschnitten, Chromotafeln. Karten und Plänen u. s. w. in einen neuzeitlichen Einband beim Sortimentsbnchhändler einer jeden Stad! bereit liegen. Dazu gehören die großartigen Einrichtungen der alt berühmten Firma F. A. Brockhaus, dazu ist aber auch die uuüber troffene Organisation des deutschen Buchhandels nöthig. die es erlaubt das Werk ohne jeden Preisaufschlag in die fernste Stadt des Deutscher Reiches, Oesterreichs und der Schweiz zu liefern. Was am Horizori des denkenden Menschen neu austaucht, registrirt der Brockhans Nichts scheint der umsichtigen Redaktion zu entgehen in der Wissen schaft und Technik, im Bereiche der Politik und der sozialen Wissen schäften oder des Rechtslebens. Diese neue revidirte Ausgabe der 14. Auflage ist wieder ein schlagender Beweis sür die bekannte That sache. Für uns sind natürlich die Artikel über biblische und jüdische Litteratur, über Juden und Judenthum von besonderem Interesse Was davon in diesen sechs Bänden enthalten ist, athmet denselben vorurtheilsfreien Geist, der seit jeher in diesem Werke wehte, und zeugt von großer Sachkenntniß wie von vollständiger Beherrschung der Materie. Man kann wohl sagen, daß die oft gerühmten Vorzüge des Brockhaus: unübertroffene Zuverlässigkeit, ebenmäßige Raumvertheiluug, systematische Bearbeitung, klarer, großer Druck des Textes, ebenso wie große Reichhaltigkeit, ernste Wissenschaftlichkeit, geschickte Anordnung, systematische Auswahl und vollendete Ausführung der Abbildungen auch in dieser neu revidirten Ausgabe alle Wünsche befriedigen können; daß dieselbe den höchsten Anforderungen an Inhalt und Form entspricht, und somit das Streben deS Verlegers, sein Lexikon dem Ideal eines Nachschlagewerkes immer näher zu bringen, erreicht. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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