Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1902)
- Date
- 1902-07-18
- Page
- Seite 345 (sequence 11)
- Language
- German
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345 Die mit Schildern Speeren, die mit Kriegerheeren, Uns blieb dein Wort, der Kriegsnoth zu wehren, Sie wird nur ihr Muth verzehren. Die mit lautem Trosse, die auf hohem Rosse, Der Gott des Lichts ist unser Kampfgenosse, Licht wirst die stärksten Wurfgeschosse. Die mit Waffenklirren. die mit Schergen, Sbirren. Doch wer mit ihm, den Furcht nicht kann beirren, Er wird der Stolzen Stolz verwirren. Die mit Hörnerschmettern, die mit Heulen, Zetern, Wir haben ihn, der mit der Stimme Wettern Die Felsen streut gleich Herbstesblättern. Die mit Schlachtkolonnen, die mit Schlächterwonnen. Den Ohnegleichen haben wir gewonnen. Durch den wir sichern Tod entronnen. Die mit Kampfgedränge, die mit Mordgepränge, Doch unser er. nicht werden Adlerfänge, Nie Täubchen würgen auf die Länge. wie mein Herz verzagt, üenn dieser Festtag tagt lud Gott uns schon verklagt. 9enk' ich der Sünde Schmach, 9enk ich dem Schöpfer nach, üird die Verzweiflung wach. seh das Weltgericht, 9a zieht der Bösewicht, 9er Geister Furcht ans Licht. bin vor Sündennoth, rschrocken in den Tod, lud Tod ist's der mir droht. Mir selbst bin ich verhaßt. Von Ekel Lief erfaßt, Trag' ich der Schande Last. Denn wahr ist's: man verdirbt, Eh man die Gnad' erwirbt, Der Tag kommt, da man stirbt. Eh noch dein Geist entschwebt, Dein Lichtlein ausgebebt. Sei Gutes denn erstrebt. Du, des Erbarmens Hort! Meld' uns das Trosteswort: Lebt, lebt ihr alle fort! Lieber Freund! Das Vorstehende hatte ich eo superleio ^ratiae ber aus einem mir selbst gar nicht erklärlichen Drange übersetzt, als ente Ihr Brief ankam. Zch kenne Lagarde nicht. Er soll an inen persönlichen Gott und Teufel treu glauben, die Juden assen, dabei aber ein hoch- und vielgelehrter, und vor allem ein (irlicher Mensch sein. Seien Sie also vorsichtig, aber unerbittlich, chen Sie ihm ohne Bitterkeit, aber mit der ganzen Rüstung der Sittlichkeit zu Leibe, so daß er auch innerlich sich vernichtet fühlt. 9ie haben mir wohl zitirt: „verübt von Isaak Jbn Gajjath," ließen edoch gar nicht merken, daß Sie das Stück übersetzt wünschen und ^zeichneten ausdrücklich nur 15, 31—33 als die vorzunehmendeu Lummern. Nun Hab ich Nr. 18 gelesen, glaube jedoch nicht, daß es — - wie alle diese kosmischen Sachen — gut übersetzbar ist. Finde ich doch eine glückliche, sehr glückliche Stunde, so will ichs versuchen, hrem Herrn Schwiegerpapa bin ich für seine gute Meinung sehr Veranden; daß ich dieselbe theile, beweist die Grabschrift, die ich mir im origen Jahre machte. Sie lautet: Religiös und Atheist, Ein frommer Jude, ein frommer Christ, Mit großem Ziel, doch frei von Zweck, Und Kopf und Herz am rechten Fleck, Fand ich. was stets die Welt mir gab, Die tiefste Nuh auch hier im Grab. Nun ist aber der Uebelstand da, daß so eine Narewab auf keinem '6tb Olam der Welt zugelassen würde; ich müßte also auf eigenem nund und Boden mich begraben lassen, den ich jedoch, ich 2a6LK nnim, nicht habe. Wie wäre es also — aloüm sebekol essek kein udinctru —-y wen»: er das gütigst besorgte. Ihr hierüber ganz unbesorgter S. Heller. y Eine Anspielung auf die bekannte Stelle in Gen. 23, 15. wo Abraham von Efron dem Chititer eine Grabstätte käuflich erwirkt. Aus Fritz Meuters Leben. ekanntlich galt der große Dichter in den letzten Jahren seines Lebens nicht als ein Freund der Juden. Eine unbesonnene Aeußerung, die er aber sicherlich nur in dem Zustande gemacht haben konnte, in dem er sich damals leider nicht selten befand, zog ihm von jüdischer Seite sogar entschiedene Zurückweisung zu. Aeltere Leser erinnern sich gewiß noch der Broschüre eines Leipziger jüdischen Rechtsanwalts Wachtel gegen Fritz Reuter, die damals einiges Aufsehen erregte. Um so sympathischer berührt uns das Verhältnis; des Dichters zu den Juden in seiner Blüthezeit, und gern vergessen wir über diesem entzückenden Idyll die Verirrungen seiner Leidensjahre. « Es war schon früher bekannt, daß Fritz Reuter billige seiner besten Freunde unter den Juden seiner Heimath hatte, llnd aufmerksame Leser seiner herrlichen Dichtungen wußten längst, daß er verschiedene jüdische Typen mit besonderer Wärme geschildert habe. Namentlich war eS sein Freundschaftsverhältniß zu dem Arzt in Stavenhagen, Dr. Michael Lieb mann, das einen wahrhaft idealen Charakter trug. K. Fr. Gaedertz, der unermüdliche Reuterforscher, hat in seinen: Buche: „Aus Fritz Reuters alten und jungen Tagen" (Wismar 1897, S. 132) einen Brief des Dichters an seinen Freund mitgetheilt, der jetzt, wo die Besitzerin desselben, die verwittwete Frau Sanitätsrath Neß, die Tochter Liebmanns, hier in Berlin gestorben ist, wieder die Runde durch die Blätter macht. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut: „Mein lieber, treuer Bruder! Weiß Gott! Mit wahrem Schauder setze ich mich täglich an den Schreibtisch, um eine fast erdrückende Korrespondenz abzuwickeln, aber heute Morgen ist es anders, heute Morgen ist es eine Freude für mich. — Wie ich aus den mecklenburgischen Zeitungen ersehen habe, habt Ihr Stemhäger einen lange ersehnten Wunsch meines Vaters, die Errichtung eines Krankenhauses, der Erfüllung nahe gebracht, und da wollte ich doch auch gern mein Scherflein beisteuern. Der gütige Gott hat meine Schriftstellerei reichlich gesegnet, so daß ich nach menschlichem Ermessen wohl ohne Sorge in die Zukunft schauen kann, und nun läuft mir da gestern ein hübsches Goldfischlein in mein Netz, und das, denke ich, soll Euch für das Krankenhaus zu Gute kommen. Mir ist nämlich die große Ehre geworden, daß mir die deutsche Nation durch daS Komitee der Tiedge-Stiftung in Dresden einen Ehrenpreis von 100 Dukaten übermittelt hat. Und von dieser Summe habe ich für meine liebe Vaterstadt die einliegenden 250 Thäler preußisch Courant zu dem oben angeführten Zweck bestimmt, der Rest soll in ähnlicher Weise verwendet werden; ich halte es nämlich für Unrecht, eine solche ehrenvolle Gabe für Fleisch und Brod und Hosen und Röcke zu verwenden, wenn man's nicht gerade hochnöthig hat. Nicht weil Dein und Deines Schwiegersohnes Name in dem betreffenden Zeitungsartikel genannt wurde, sondern weil ich seit langen, langen Jahren Dein treues, ehrenvolles Wirken in Deinem Berufe und Deine Liebe und Freundschaft für mich kenne, sende ich diese Gabe an Dich. — Dir, dem Juden, der in trübster Zeit, in Noth und Tod treu zu mir gestanden hat, verdanke ich viel mehr als manchem durch seinen Glauben ausgeputzten Christe n m enschen. Nun kommen sie, Viele, ach sehr Viele! Es sind die bravsten Leute und aufrichtigsten Freunde darunter; aber damals, als es noth that, da hatte ich wirklich Keinen, der mir so treu zur Seite stand wie Du. Nun grüße mir Deine liebe Anna von ihrem alten Onkel und von dessen Frau, streich' ihr in deren Namen das schöne Haar von der.weißen, hohen Stirn, und dann geh' zu den Meinigen, grüß' sie ebenso warm,Z und dann zu dem ehrenhaften, lieben Pastor Niederhöfer und dank' ihm für seine Treue in meinem Namen.