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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-18 · Heft 29 (18.7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 29. Allgemeine Berlin, 18. Inli 1902 eitung öes Zu-mtbums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel,! Post oder direkt von der Expedition in Berlin > unter Streifband bezogen vierteljährl.3M. I Rebacleur: Gustav Karpeles.! Begründet von Rabbiner Dr Ludwig Phiiippson-Konrr. Verlags-GrpedUion: Lerlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse: Verlag der I „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin I 8W., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. I Inlslljl. Leitartikel: Vom deutschen Rabbinerverband. — Die Woche. - Das Wesen des Judenthmns. Von Dr. Ielski. I. — David Kaufmann und Seligmann Heller. (Mit ungedruckten Briefen Hellers.) — Aus Fritz ileuters Leben. — Feuilleton: Jrrthümer. Eine Erzählung von B. Ginser g. V. — Literarische Mittheilungen. Dev Gemein-ebote. Korrespondenzen irnd Nachrichten: Berlin, Aus Westpreußen, Allenstein i. Ostpr., Stettin, Greifswald, Pinne, Breslau, Hannover/ Hamburg, Dresden, Leipzig, Aus Württemberg, Aus dem Elsaß, Wien. — Bon Nah und Fern. — Misectteu. — Geschäftliche Notizen. Vom deutschen Nabbinerverband. Berlin, 15. Juli. des deutschen Rabbinerverbandes, die am 7. und 8. d. M. in Frankfurt a. M. stattgefunden hat, ist ein Ereignis, das hohe Beachtung fordert. Die Themata, die da besprochen, die Anträge, die diskntirt und angenommen wurden, greifen so tief in das religiöse und soziale Leben des Judenthums ein, daß schon dadurch ein Beweis für die Nothwendigkeit der Existenz des Verbandes, zugleich aber auch erfreulicherweise für seine bedeutende Leistungsfähigkeit geliefert worden ist. Wir geben deute zunächst einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen und behalten uns vor, über den Gesammteindruck, sowie über die wichtigsten Punkte der Verhandlungen unsere Meinung auszusprechen. Frankfurt a. M., 7. Juli. Erster Sitzungstag, Montag den 7. Juli. Dr. May bäum eröffnet die Sitzung, spricht seine Bewunderung oer alten Gemeinde Frankfurt aus, die stets ein großes Verständniß ür die allgemeinen Aufgaben des Judenthums gehabt habe. Er bittet oie Versammlung, die Leitung dem verehrten Rabbiner Dr. Horovitz Ul übertragen. Rabbiner Dr. Horovitz übernimmt das Präsidium und bittet Dr. Werner, ihn dabei zu unterstützen. Er gedenkt sodann in wehmüthigen Worten Derjenigen, die in den letzten vier Jahren Vahingeschieden. Eine schwere, unaussüllbare Lücke sei am Vorstandsische entstanden. Es fehle jener Mann, den sie Alle neidlos als ihren Vesten anerkannt hätten, Dr. Selig Auerbach, eine markige Erscheinung, 'oll Energie im Willen, voll Kraft im Geiste, Zähigkeit im Charakter, ooll Güte im Herzen, voller Milde im goldreinen Gemüthe, der römmste Rabbiner Deutschlands, zugleich der duldsamste, vielleicht darum, weil der frömmste. Denkwürdig und unvergeßlich seien die Worte, welche der edle Verklärte bei der Eröffnung der ersten Tagung sprach, ein Programm der Kollegialität, der Duldsamkeit, der Frömmigkeit. Ohne ihn wäre die Reorganisation des Verbandes nie zustande gekommen. Sie wollten auch nicht ohne ihn weiter arbeiten; mit dem Rückblick auf sein Vorbild werde die Arbeit gelingen. Das Andenken dieses Gerechten werde ihnen allen zum Segen gereichen. Nach diesen Worten, welche die Versammlung stehend mit anhörte, verlas Werner die Namen der Herren, welche sich entschuldigt hatten. Ein Glückwunschtelegramm ist von Dr. Uugerleider eingelaufen. Die Versammlung beschließt, eS zu erwidern. Hierauf ergreift Rechtsanwalt Plotke das Wort zu einigen Begrüßungsworten im Namen des Vorstandes der Frankfurter Gemeinde. Er zieht eine Parallele zwischen der alten Frankfurter Gemeinde und den: Nabbinerverbande. Jene habe es stets für ihren schönsten Ehrenpunkt gehalten, eine Mutter in Israel genannt zu werden. Sie habe sich nie aus die eigenen lokalen Interessen beschränkt, sondern stets auch an dem Wohl und Wehe der Gesanuntheit theilgenornmen. Das Gleiche gelte vom Nabbinerverbande, der neben den Standesinteressen auch denen der Gesammtheit im vollsten Umfange Rechnung trage. Es sei eine Garantie seines Bestandes, daß sich Rabbiner aller Richtungen zusammengefunden und in friedlicher Arbeit die einigenden Gesichtspunkte hervorgehoben hätten. Die reiche Tagesordnung beweise, wie viel gemeinsame nützliche Thätigkeit das Rabbinerthum entfalten könne. Er freue sich besonders über die eingehende Erörterung, welche die soziale Thätigkeit des Rabbiners finden solle. Hier müsse unermüdlich auf allen Gebieten gearbeitet werden. Man dürfe auch nicht davor zurückschrecken, schwere Schäden und Mißstände aufzudecken, wozu ja bei der Besprechung des Mädchenhandels Gelegenheit geboten sei. So würden sie für das Wohl des Judenthums wie auch für das des Staates arbeiten. Es gebe keine getrennten Interessen zwischen Jndenthum und Vaterland. Er wünsche ihnen Segen bei der Arbeit, zum Wohle des Judenthums, des Vaterlandes und der Menschheit. Dr. Horovitz dankt für die herzlichen Worte und Lheilt zugleich mit. die Stadtbibliothek habe anläßlich der Tagung des Rabbiner- Verbandes eine Ausstellung seltener hebräischer Druckwerke veranstaltet, zu deren Eröffnung sie der Direktor. Herr Konsistorialrath Professor Dr. Ebrard. in der liebenswürdigsten Weise eingeladen habe. Er bitte Versammlung, vollzählig zu erscheinen. Vor dem Gebäude der Stadtbibliothek stehe das Denkmal Lessings, der mit ruhigem Blick über den Main hinwegsehe. Ein Symbol der Duldsamkeit sei das Denkmal dieses Mannes, der das hohe Lied der Toleranz gedichtet. Diese Duldsamkeit herrsche auch seit Langem in Frankfurt und schaue triumphireud über alle Strömungen der Zeit hinweg. In der Vorhalle des Bibliothekgebäudes würden sie die Denkmäler der besteil Söhne Frankfurts finden, unter ihnen auch das eines Juden, Lazarus Geigers eines treuen Sohnes seiner Stadt und seines Glaubens. Das neueste Denkmal der Toleranz sei nunmehr diese Ausstellung werthvoller hebräischer Druckwerke zu Ehren des Rabbinerverbandes. Die Versammlung erhebt sich zu Ehren dieses städtischen Amtes von ihren Plätzen und stimmt dann begeistert in das von dem Vorsitzenden ausgebrcichte Hoch auf den Kaiser ein. Hierauf erhält Maybaum das Wort zu seinem Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes während der letzten vier Jahre. In erster Line habe sich der Verband mit der Abwehr der Allgriffe beschäftigt, welche seitens eines großen Theils der Thierschntzvereiue gegen daS rituelle Schlachtverfahren erhoben würden. Diese Angriffe seien nicht zu unterschätzen. Man versuche nicht ohne Erfolg, die städtischen Behörden, die Landes- und Neichsgesetzgebung zu beeinflussen. Redner zählt die ans den Zeitungen schon bekannten Anträge im Reichstage und im hessischen Landtage aus. Da die wissenschaftlichen Gutachten sich in überwältigender Majorität für das Schächten ausgesprochen, so wende man sich all die beamteten Thierärzte und Schlachthausinspektoren, um andere Gutachten zu erlangen.

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