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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-11 · Heft 28 (11.7.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Gemeindevorstände aus naheliegenden Gründen eine solche nicht wünschen und sich ihr zu entziehen suchen. Der Ausschuß hat in Ausübung der ihm vom Gemeindetage übertragenen Befugnisse für das Jahr 1901/92 11 Gemeinden Beihilfen im Gesammtbetrage von 1890M. bewilligt, davon 3 Gemeinden zusammen 690 Mark unter der Bedingung, daß sie selbst 380 Mark zu den Kosteil des Religionsunterrichts beisteuern. In den subventionirten 11 Schulen erhallen 219 Kinder Religionsunterricht. Für das Jahr 190203 hat der Allsschuß bis jetzt 10 Gemeinden Beihilfen im Gesammtbetrage von 1565 Mark bewilligt. Der Vorstand des Caspar Lachmann'schen Provinzialwaisenhauses in Graudenz hat im verflossenen Jahre sein Hauptaugenmerk auf Verstärkung des Kapitalfonds und auf Erlangung von Jahrsbeiträgen richten müssen. An einmaligen Beiträgen sind 30 500 Mark, an Jahresbeiträgen 3310 Mark gezeichnet worden. Nur 7 von ausgeforderten 17 VerbandSgemeinden haben sich bis jetzt an diesen Zeichnungen mit 1670 Mark Jahresbeiträgen betheiligt. Der Vorstand des Vereins jüdischer Religionslehrer Westpreußens hat sich mit einem ausführlich begründeten Anträge an den Ausschuß gewandt, dahingehend: 1. seinen Einfluß auf die Einzelgemeinden dahin auszuüben, daß diese ihre Religionslehrer nach einem drei- oder fünfjährigen Provisorium lebenslänglich anstellen, 2. die Einsetzung einer gemischten Kommission, bestehend aus Vertretern der Gemeinden und der Lehrerschaft, behufs Regelung der Anstellungs- und Versorgungsverhältnisse, zu beschließen. Der Ausschuß hat darauf beschlossen, den Verbandsgemeinden zu empfehlen: 1. ihre Neligionslehrer. wenn sie sich in einem dreieventuell fünfjährigen Provisorium bewährt haben, lebenslänglich auzustellen, 2. ihre Religionslehrer in die Ostpreußische, Westpreußische und Pommersche Peusionskasse einzukaufeu, den Alltrag auf Einsetzung einer Kommission aber abzulehneu. Diese Beschlüsse sind dem Vorstande des Vereins jüdischer Lehrer Westpreußens mitgetheilt, und an sämmtliche VerbandSgemeinden ist ein Rundschreiben erlassen worden, in dem ihnen empfohlen wird, die Anstellungsverhältnisse ihrer Lehrer entsprechend zu regeln. Es folgt noch ein herzliches Abschiedswort des verdienstvollen bisherigen Vorsitzenden Gustav Davidsohn-Danzig, der wegen zunehmender Belastung mit Berufsgeschästen sein Amt niederlegen mußte, und bei seinem Scheiden in gerechter Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde. kp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Die zu Wreschen gehörige Filialsynagogengemeinde Stralkowo hat zu ihrem Kultusbeamten den Kantor Stiebe! berufen. — Zum Kantor und Neligionslehrer in Jnowrazlaw ist der bisherige Kantor Cahn in Memel gewählt worden. — Das Kaufmann Joseph Hollände r'sche Ehepaar in Samt er beging neulich unter reger Betheiligung und Ehrung der dortigen städtischen Körperschaften und Synagogengemeindeverwaltung das Fest der goldenen Hochzeit. — Kommerzienrath Aronsohn in Bromberg hat der Stadt Wisset, deren Ehrenbürger er ist, ein prächtiges Kaiserbild für das dort neu erbaute Rathhaus geschenkt. — Die LVittwe des jüngst in Posen verstorbenen Geheimen Justizraths O rg!er hat eine Stiftung voll 10 000 Mark dem Magistrat mit der Bestimmung übergeben, daß die Zinsen zur Unterstützung bedürftiger Handwerker lind Gewerbetreibender der Stadt Posen verwendet werden. — Kaufmann Emanuel Jakobowicz in Ostrowo ist zum Schulvorsteher der dortigen jüdischen Schulgemeinde gewählt worden. — Der dort seit 14 Jahren al- Kantor und Schächter im Amte thätige Kantor Fried mann trat am 1. Juli cr. in den Ruhestand. Pakosch, 4. Juli. Die hiesige Gemeinde ist genöthigt. ein neues Gotteshaus zu bauen. Die Gemeinde ist sehr klein und die Kosten eines Gotteshauses sehr groß; der Wunsch der Gemeinde kann daher nur erfüllt werden aus dem Wege der Wohlthätigkeit und Mildthätigkeit. Möchten nur Viele dem hochherzigen Beispiele des Herrn Assessor Dr. Levy-Jnowrazlaw folgen, dann könnte die Gemeinde sorglos mit dem Bau des Tempels beginnen. Der genannte Herr Dr. Levy hat dem Gemeindevorsteher Herrn Samelson 200 Mark übergeben und den ganzen zum Baue nöthigen Kalk zugesagt. Herr Oberleutnant Dr. Levy ist nämlich Besitzer der großen Kalkwerke in Wapjeno unweit Pakosch. Wir wünschen und hoffen, daß Viele diesem Beispiele folgen und das der Religion geweihte Unternehmen unterstützen und fördern werden. a. Natibor, 6. Juli. Heute wurde auf dem Friedhofe der hiesigen israelitischen Gemeinde Herr Laudgerichtsrath Sa moje aus Graudenz zur Ruhe gebettet. Herr Samoje, welcher einer angesehenen hiesigen Familie entstammte, zeichnete sich durch tiefgründiges Wissen und großen Scharfsinn aus, und genoß wegen seines edlen Sinnes an der Stätte seiner Wirksamkeit weithin Liebe und Verehrung. Die juristischen Behörden von Graudenz sagen in ihrem öffentlichen Nachruf: „Ausgestattet mit reichen Geistesgaben und vielseitigem Wissen ein stets bereiter, zuverlässiger Rathgeber, hat Herr Samoje seit dem 15. September 1883 dem hiesigen Landgericht angehört, während dieser Zeit in treuer Pflichterfüllung an der Förderung der Rechtspflege regsten Antheil genommen und sich die Hochachtung aller Derer gewonnen, die mit ihm in amtliche Berührung gekommen sind. Wir verlieren in dem leider so früh und plötzlich Abgerusenen einen braven Kollegen, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden." Diese Worte ehren ebettsosehr^ den Entschlafenen wie das Bekenntnis dem er allgehörte. Der im 55. Lebensjahre Verstorbene fand in seiner Heimath seine letzte Ruhestätte. Unter großer Betheiligung der Richterwelt fand in ergreifender Feier die Beisetzung statt. Rabbiner Dr. Blumenthal zeichnete das Bild des Heimgegangenen vortrefflichen Mannes. ---- Hirschberg i. Schl., 4. Juli. Auf Antrag desVorstandes der hiesigen Shnagogengemeinde hat die Repräsentantenversammlung einstimmig beschlossen, unseren hochverehrten Herrn Rabbiner Dr. Bira m. der schon 15 Jahre in unserer Gemeinde segensreich wirkt, lebenslänglich anzustellen. n. Dresden, 3. Juli. Der Gedächtnißgottesdienst für den hochseligen König Albert hat in der hiesigen Synagoge am 29. v. M.. Nachmittags 6 Uhr. stattgefundeu. Er wurde durch ein Orgel- Präludium und den Chorgesang: „Seele, was betrübst du dich?" eröffnet. Dann saug Kantor Hofstein: ,,^6onk^ mo ociom". Hierauf hielt Rabbiner Dr. Winter die Gedächtnißrede, die allgemein einen tiefen Eindruck erregte. Mit dem Chorgesang „Still ruht das Herz", dem von Chor und Vorbeter gesungenen Psalm 16, dem Kadisch- Gebet schloß die Feier wirkungsvoll und ergreifend ab. Die Gemeindemitglieder und deren Angehörige nahmen an der Trauerfeier innigen Antheil und füllten die Synagoge. Diese erstrahlte im Lichterglanze und der elektrischen Beleuchtung und war mit Trauerdraperien und schwarzen Behängen, auch mit Pflanzenschmuck, Palmen und Lorbeerbäumen, versehen. Rabbiner Dr. Winter legte seiner tief empfundenen Gedächtnißrede Psalm 37. Vers 37: „Habe acht auf den Untadeligen; siehe hin auf den Gerechten; denn eine Hoffnung hat der Mann des Friedens" zu Grunde, und schloß seine Rede mit der Bitte zu Gott, daß er mit seinem reichsten Segen den König Georg, die Königin- Wittwe Carola und alle Mitglieder des Königshauses beglücken möge jetzt und immerdar. Auf die von Rabbiner und Vorstand der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde eingereichten Beileidsadressen anläßlich des Ablebens des Königs Albert, ist von dem König Georg und von der Königin-Wittwe Carola je ein Dankschreiben durch die betreffenden Oberhofmarschallämter eingegangen. 1. Seesen, im Juli. Dem Bericht über die Jacobson-Schule hier, der ein beredtes Zeugniß von der gedeihlichen Entwickelung dieser bewährten Anstalt ablegt, ist diesmal eine besonders werthvolle Festschrift beigelegt werden: Die Hundertjahrfeier der Jacobson-Schule nebst zwei Festpredigten und drei Festreden. Die Feste vom 25., 26. und 27. September v. I. werden darin in allen Einzelheiten ausführlich geschildert, dann folgen die beiden Predigten des Herrn Landrabbiners Dr. Rülf und des Herrn Pastors Lang sowie die Festreden des Kuratoriumsmitglieds Dr. I. Jacobson, des Direktors Professor Philippson und des SchulrathS Professor Dauber. Allen, die die erhebende Feier mitgemacht, und Allen, die je zu der Jacobson-Schule in Beziehung gestanden, wird diese Festschrift eine schöne Erinnerung sein. Sind ja aus derselben bisher nicht weniger als 4177 Schüler hervorgegangen und 700 bis 800 von Diesen haben alle Wohlthaten der Anstalt genossen, die ohne staatliche oder gemeindliche Beihilfe, ohne über allzugroße Kapitalien zu verfügen, doch wohlsundirt dasteht und das ihr von dem edlen Stifter gesteckte Ziel unaufhaltsam weiter verfolgt, unbekümmert um alle Strömungen und Irrungen des Tages. 1. Osnabrück, 2. Juli. Wie wir vor längerer Zeit berichteten, ist die jüdische Volksschule zu Liugen auf den Antrag der dortigen Synagogengemeinde, trotz der Bemühung des Landrabbiners zu Emden um Erhaltung derselben, und obwohl die königliche Regierung zu diesem Zwecke außer dem gesetzlichen Staatsbeitrag von

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