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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-11 · Heft 28 (11.7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 28. Gerliir, 11 Juli ^902 Der Grmrirr-rbote. WeiLage zur „Attgemeinen Zeitung des Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 22 BerNtt, 7. Juli. Es geht uns der folgende Aufruf zur Begründung eines Vereins zur wirtschaftlichen Erforschung Palästinas zu: Das Berliner Komitee zur wirtschaftlichen Erforschung Palästinas" hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die jüdischen Kolonisationsbestrebungeu im Orient die nothwendigeu wirtschaftlichen Informationen herbeizuschaffen und den Interessenten in übersichtlicher und bequemer Weise zugänglich zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Komitee die folgenden Mittel in Aussicht genommen: Die Errichtung eines ständigen Büreaus in Berlin, Anstellung voll Hilfskräften, Gründung einer Bibliothek praktischer Orientbücher mit den einschlägigen Zeitschriften. Sammlung von Zeitungsausschnitten und Anlegung einer Palästina-Bibliographie, welche sich zunächst vornehmlich auf die letzten amtlichen Berichte der verschiedenen Kulturstaaten beschränken soll. Weiter wurden in Aussicht genommen die Ausarbeitung von Fragebogen, Expeditionen nach dem Orient, sowie Anbahnung von Verbindungen mit palästinensischen Fachleuten; die Resultate der Forschungsarbeiten sollten in geeigneten Publikationen bekannt gegeben werden. Zur Vergrößerung des Komitees wurde die Kooptation auch auswärtiger Mitglieder geplant und zur Erleichterung der Arbeit ein engeres Arbeitskomitee eingesetzt. Von diesen Plänen wurde in der Zeit seit der Begründung des Komitees (27. Oktober 1901) Folgendes ausgeführt: Es wurde provisorisch ein Büreau eingerichtet und eine Hilfskraft zeitweise beschäftigt. Für die zu errichtende Bibliothek wurde durch Anschaffung einiger Hauptwerke und durch Zusammenstellung der hauptsächlichsten Konsularberichte der Anfang gemacht. Die Bibliographie liegt in beträchtlichem Umfange vor und wird dauernd fortgesetzt. Die Frage« bogen sind zu einem großen Theil fertig und werden ebenfalls weiter ansgearbeitet und vervollständigt. Es wurde ein eigenes Organ „Palästina". Zeitschrift für die wirtschaftliche und kulturelle Erschließung des Landes begründet. Dieses Blatt erscheint zunächst jährlich in sechs Heften von durchschnittlich 40 Seiten Umfang. Von der Zeitschrift liegen bereits drei Hefte vor. Von weiteren Veröffentlichungen sind in Vorbereitung: eine Orientkarte, mit besonderer Berücksichtigung Palästinas und der jüdischen Kolonisation; zwei in größerer Auslage herzustellende Flugblätter über die wirthschastliche Lage Palästinas und eine tabellarische Uebersicht über den Umfang der jüdischen Kolonisation im heiligen Lande. Das erweiterte Komitee setzt sich ans folgenden Herren zusammen: Berliner Komitee: Berthold Feiwel, Prof. Dr. Leopold Landau, Leo Motzkin, Dr. Alfred Nossig, Prof. Dr. Martin Philippson, Dr. E. Simonson, David Trietsch, Prof. Dr. Otto Marburg, Ludwig Behr. Palästinensische Mitglieder: Agronom A. Aaronsohn, Dr. jur. Pellin, Agronom Meherowitz, Dr. S. Soskin, Ingenieur I. Treidel, Dr. med. Hillel Jofo. Andere auswärtige Mitglieder: Primarius Dr. S. Kornfeld, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Alexander Mintz, Richard Nappaport, k. k. Naurath Wilhelm Stiaßnh, Leo Weiß, sämmtlich in Wien; Dr. Moses Gaster, London, Dr. Tschlenow, Moskau, U. Ginsberg (Achad Ha'am), Odessa, Dr. Jakob Bernstein-Kohann, Kischeneff. Ueber den Eintritt weiterer Mitglieder in das Komitee schweben zur Zeit noch Unterhandlungen. Eine Expedition nach dem Orient ist für die allernächste Zeit geplant und in Vorbereitung. In Anschluß an dieselbe soll ein kurz gefaßtes Handbuch für Kolonisten erscheinen. Um die hier dargelegteu Pläne und Arbeiten in größerem Umfange betreiben und ans führen zu können, glaubt das Komitee nunmehr zur Bildung eines „Vereins zur wirtschaftlichen Erforschung Palästinas" schreiten zu sollen und bringt zu diesem Zwecke den folgenden Entwurf zur Kenutniß der interessirten Kreise: Der Zweck des Vereins ist in den vorhergehenden Allsführungen enthalten. Die Mitgliedschaft kann von Einzelnen sowie von Vereinen korporativ erworben werden. Die Einzelmitglieder erhalten für einen Jahresbeitrag voll 6 Mark je ein Exemplar sämmtlicher Publikationen des Vereins und zwar: die Zeitschrift „Palästina", Separatdrucke und Einzelhefte, Kartell, Flugblätter (zu Propagandazwecken in größerer Anzahl). Vereine, welche korporativ beitreten, erhalten für einen Jahresbeitrag von 20 Mark säuuntliche Publikationen in je sechs Exemplaren (Flugblätter nach Bedarf bis zu je 100 Stück) und haben das Vorrecht, für je 3 Mark über den Grnndbetrag hinaus je ein weiteres Exemplar der Publikationen zu erhalten. Die Leitung der Geschäfte untersteht bis auf Weiteres dem Berliner Komitee. Der Arbeitsausschuß besteht aus den Herren: Leo Motzkin, Dr. Alfred Nossig, Dr. E. Simonson, Davis Trietsch, Prof. Dr. Otto Marburg. Beitrittserklärungen und Geldsendungen nimmt entgegen die Expedition der Zeitschrift „Palästina", Berlin-Halensee. Ringbahnstraße 125. 1^. 6. Berlin, 6. Juli. Der hier seit einem Jahre bestehende „Verband der Synagogen vereine voll Berlin und den Vororten" hat am 17. Juni seine diesjährige und zugleich seine erste Generalversammlung abgehalten. In seinem Bericht konstatirte der Vorsitzende Herr Lewinski, daß die Absicht, die gesetzestreuen Synagogenvereine in Berlin zu einem gemeinsamen Verbände behufs Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuschließeu, schon seit Jahren vorhanden gewesen wäre, aber erst vor Jahresfrist nach verschiedenen früheren vergeblichen Versuchen durch die Gründung des Verbandes in feste Form gebracht wurde. Der Verband solle jedoch nichtein bloßer Wahlverein seill, sondern würde durch öffentliche Besprechung von Fragen, die die jüdischen Gemeindeangelegeuheiten in Berlin und überhaupt jüdische Dinge beträfen, zu wirken suchen. Der von Herrn Direktor Wolpe erstattete Kassenbericht erwies einen Bestand von Mark 186.25. Die Ausgaben im ersteil Vereinsjahre betrugen annähernd 1300 Mark. Bei den Neuwahlen zum Vorstand wurde der bisherige Vorstand, bestehend ans den Herren Lewinsky Zornber, Wolpe, Hermann, Bernstein, Heilbrunn, Lewysohu wiedergewählt. Es schloß sich darall noch eine lebhafte Debatte über eine Reihe von Anregungen, die ans der Versammlung gegeben wurden, an welcher sich namentlich n. a. die Herren Wedell, Lewald und Behr betheiligten und welche voll der regsten Antheilnahme an den Interessen des Vereins zeugten. — Danzig, 5. Juli. Der Bericht über die Thätigkeit des Ver" ball des der W est Pr e uß i sche u S y n a g o g e n g e m e i n d eu im fünften Verbandsjahre bietet noch manche interessante Notiz, die in dem Bericht über den letzten Verbaudstag in Graudenz nicht enthalten lvar. Der Verband bestand bei Beginn des Verbandsjahres 1901 1902 aus 41 Gemeinden. Im Laufe des Jahres schied eine Gemeinde (Flatow) aus, während 3 Gemeinden hinzukamen, so daß der Verband gegenwärtig 43 Gemeinden umfaßt, während 11 Gemeinden sich noch nicht angeschlossen haben. Die Zahl der persönlichen Mitglieder beträgt gegenwärtig 241. Der Verband Westpreußischer Nabbiller hat zufolge Mittheilung seines Vorsitzenden 49 Schuleil der Provinz auf seine 12 Mitglieder zur Inspektion vertheilt, außerdem sollten nach einem früheren Beschlüsse des Nabbillerverbandes dem Verbände alljährlich Bericht über die Religionsschulen in den 12 Nabbinergemeinden erstattet werden. Es durften somit erwartet werden Berichte über 61 Schulen mit 2109 Kindern, dagegen sind nur eingegangen Berichte über 17 Schulen mit 817 Kindern. Während im ersten Verbandsjahre 1897,98: 19. 1898/99: 18, 18991900: 20, 1901 01: 25 Revisionen stattfanden, sind im letzten Verbandsjahre, nur 13 Nevisiousberichte eingegangen. Dieser Rückgang in der Nevisionsthätigkeit erscheint in hohem Grade beklagenswerth. Wie weiter unten dargelegt werden wird, snbventiouirt der Verband eine Anzahl kleiner Gemeinden ill der Provinz mit nicht unbedeutenden Beträgen. Dabei ist Voraussetzung, daß die Wirkung solcher Subventionen durch periodische Revisionen der betreffenden Schulen kontrolirt wird. Aber auch von den 11 subventionirten Schulen sind 4 im vergangenen Jahre unrevidirt geblieben, wofür nur bei zweien eine genügende Motivirung vorliegt. Der Verband wird mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinzmvirken haben, daß eine geregelte Schnlinspektion in der ganzen Provinz durchgeführt wird, namentlich auch da, wo die

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