Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-11 · Heft 28 (11.7.1902) · p. Seite 331

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
Seite 331 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228502--58821-3295294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

331 er diese wir decken ist zre Er-!N der ue und nd seij es sind emeint. sei als die als m oder s das. der die . Wir er und üudete aschaft, Aber it mitt, der ziehers n, von hatte ls eine en um an den >d Bechwert > dick- Recht Zuruf miedet ich sich m wir Juden Pheten e des m an r ihm ,'inung ig ere, von inlich' übernnten, ilie zu eliten, einer iottes, nschen ynrpia niung >ernen innen, neder- : ause und Anlage für Methaphysik hatten als die Neger und Samoaner. und sich bei ihnen niemals auch nur ein Ansah zu einer echten Rechtsbilduug gezeigt; daß Jesus ein Arier war und Paulus aus einer Mischehe mit einer Hellenin stammte; diese und hundert andere Aenßerungen und Ausgeburten können beweisen, daß ioir im Zeitalter der Erfindungen leben und es eine unaboeisbare Notwendigkeit geworden, unser Gesammtwissen einer gründlichen Revision zu unterziehen. Den neuesten Errungenschaften der Wissenschaft ist es auch u verdanken, daß wir endlich Klarheit darüber bekommen haben, warum es heutzutage so viele Juden giebt, die sich „aus >er Heimath des strengen Gesetzes und des schmucklosen Lebens" zur Freiheit des Denkens und Genießens geflüchtet haben. Wir haben darin ganz einfach den Einfluß des in ihren Adern ollenden Blutes des „domo sznineus" zu erblicken, der vor Jahrtausenden von dem „domo fickseus", in dessen Familie >r einst hineingeheirathet, sich etwa unterschieden hat, wie der heitere Tag sich unterscheidet von der finstern Nacht. Zwar st ja die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß beispielsweise >er Großvater eines Schriftstellers, der für die Einrichtung eines Sonntagsgottesdienstes in der Synagoge sich begeistert, ein orthodox gesinnter Rabbiner war, der sich am wohlsten fühlte in der Heimath des strengen Gesetzes und des schmucklosen Lebens; wir müßten aber in einem solchen Falle annehmen, daß im Großvater der „liomo s^rmeus" noch geschlummert hat, der im Enkel dann zum Vorschein gekommen ist. Und sollte etwa Jemand von meinen geehrten Lesern sich darüber zu beklagen haben, daß er bei der Vertheilung der Nasen zu gut fortgekvmmen sei, io mag er sich mit dem Beivußtsein trösten, daß dieses Phänomen nichts anderes ist als ein Erbstück des mit einer Anzahl von edlen Eigenschaften ausgestatteten „Hettiters", und er kann das Profil seines Urahns auf Seite 361 der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" mit gebührender Ehrfurcht betrachten! Daß der Rabbi von Nazareth der Rasse nach ein Arier gewesen, auch das ist eine Behauptung, die durch Neuheit und Ursprünglichkeit sich keineswegs auszeichnet. Nur sind sich die Gelehrten über diese schwierige Frage noch nicht ganz einig. Die Einen halten ihn mit Rücksicht auf die Haarfarbe für einen Germanen oder Engländer, die Anderen halten ihn für einen Serben. Chamberlain geht noch weiter, indem er sogar die Propheten die „Bern ein er des jüdischen Wesens" nennt; er scheint also auch die Propheten für Arier zu halten, und >eine Einfalt scheint noch größer als die fromme Einfalt der Frau aus dem polnischen Volke, welche die „Mutter Gottes" für eine Polin hielt. Ja, wenn der Mann ein Gläubiger wäre, io hätte der Satz einen Sinn: „Jesus war nicht ein Sohn Judas, er war der Sohn Gottes!" Ein Mann aber, der über die „Judenbibel" die Lauge des Spottes auszugießen wagt, ein Entgötterer der Natur und Leugner der religiösen Grundlehren, der Erfinder einer germanischen Religion, ein Mann, an welchem die ganze Größe der Gefahr bewiesen wird, die auch dem Christenthum vom Antisemitismus droht, ein solcher Mann verdiente eigentlich die schlimmste Strafe, die sich für ihn ausdeuken läßt, er verdiente, daß man ihn für einen Semiten hält! Und der Beweis dafür wäre gar nicht Io schwer zu erbringen. Denn Chamberlain ist ein Fanatiker der schlimmsten Sorte, der Anbeter eines Gottes der Rache. Ja, Chamberlain ist noch schlimmer als ein Jude! Denn der „Judengott" sucht heim die Sünden der Väter bis ins dritte und vierte Geschlecht. Chamberlain aber sucht die Sünden unserer Väter heim bis ins tausendste Geschlecht! Chamberlain ist ein Jude, das könnte man mit gutem Grunde behaupten, wenn man sich nicht sagen müßte: das erste Kennzeichen eines Sohnes vom Stamme Israel ist die Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Chamberlain zeigt aber keine Spur von Barmherzigkeit, ja auch nur von Theilnahme für den beispiellosen Leidensgang Israels. Er bewundert das Heldenthum und das Uebermenschliche der Kreuzesthat, aber kein Herz und kein Verständniß, kein Wort der Theilnahme und der Anerkennung hat er für die tausendfach in der Geschichte an allen Enden der Erde sich wiederholende Kreuzesthat des Judenthums, für das Heldenthum des Glaubens, das Israel an den Tag gelegt. Chamberlain hat keine Barmherzigkeit, er ist kein Jude; er ist auch kein Christ. Was würde Christus zu einem solchen Anbeter sagen? Man sollte meinen, was ich glaube und was ich denke, das müßte ich selbst am besten wissen. Aber nein, Chamberlain und die anderen Erzieher des deutschen Volkes wissen jdas besser, sie entwerfen, um einen dunkeln Hintergrund zu bekommen, eine Karikatur von einer Religion und rufen aus: „Dies sind deine Götter, Israel!" Man sollte meinen, einen Baum müßte man am richtigsten beurtheilen nach den Früchten, die er hervorgebracht, und eine Mutter am zutreffendsten beurtheilen nach den Töchtern, in denen ihr Geist wirksam ist. Es gehört aber mit zu unserem Schicksal, daß man sich unsere Früchte gut schmecken läßt, dann aber behauptet, sie seien nicht auf unserem Baume gewachsen, und daß man sich für die Tochter zwar begeistert, aber die Legitimität ihrer Abstammung leugnet. Eine Verherrlichung des Christenthums ist eine Verherrlichung des Judenthums. Nach Chamberlain aber giebt es eigentlich zwei verschiedene Judenthümer: ein jüdisches und ein christliches, ein semitisches und ein arisches Judenthum. Ja, hat denn der Mann niemals eine Lutherische Bibel in Händen gehabt? An den Quellenangaben, die da zwischen den Versen enthalten sind, hätte er bemerken müssen, daß kein Gedanke im Neuen Testament erscheint, der nicht geflossen wäre aus dem Quell der „Judenbibel", und kein Wort dort enthalten ist, das nicht geprägt wäre mit der Münze der Propheten oder gar der Rabbinen.') Wo sollte er denn sonst die Bilder und Gleichnisse hergenommen haben, in denen er gesprochen, wenn Jesus, wie Harnack für wahrscheinlich hält, nicht durch die Schule der Rabbinen gegangen sein soll? Unser ist er, der Rabbi von Nazareth, nicht blos Fleisch von unserem Fleische, wie Luther gesagt hat, sondern Geist von unserem Geiste! Das Wesen des Christenthums ist das Judenthum!") Wir leben wie in einem Kriegszustand. Ehemals mußten unsere Väter ihren materiellen Besitzstand vertheidigen, den der Feind ihnen wegplündern wollte, wir müssen heutzutage unseren geistigen Besitzstand vertheidigen, den man uns wegplündern will, als wäre er willkommene Beute. Das Urheberrecht des Judenthums ist auch ein Recht, das des Schutzes bedarf. Man will uns aus unserer letzten Position verdrängen, man will Vgl.: Die Moral der Evangelien und des Talmuds von M. Dufchak. ") Der aufmerksame Leser wird finden, daß Harnack in seinen Vorlesungen über das Wesen des Christenthums auch kein anderes Facit herausbekommen hat als dies: Das Neue, das Jesus verkündet hat, ist eigentlich ein Altes und doch ein Neues, ein Vergangenes, das er sich blos gegenwärtig und lebendig machte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.