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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-04 · Heft 27 (4.7.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 1er Mitglieder der hiesigen Gemeinde im Verein mit den Zuwendungen auswärtiger Freunde, hauptsächlich aber dem lebhaften Interesse so vieler Gemeinden, Verbände und Logen ist es zu danken, das; es gelungen ist, einen relativ günstigen Kassenabschluß zu erzielen. Frau Baronin Edmund v. Rothschild zu Paris hat zum Andenken an ihren verstorbenen Vater die Summe von 1000 Mark gestiftet; die Hinterbliebenen des Kuratoriummitgliedes Saul Bloch, s. A., haben zum ehrenden Andenken an Diesen ebenfalls 1000 Mark gespendet Ue Erben des Herrn Jakob Plaut, s. A.. die Summe von 10 000 Mark. Die Einnahmen beliefen sich auf 12 263.79 Mark, die Ausgaben auf 11 976.83 Mark, das Gesammtvermögen aus 79 466 Mark. us der Chronik der Anstalt wäre der große Verlust zu verzeichnen, den dieselbe durch den Tod des Herrn Saul Bloch erlitten t at. Mit liebevollem Eingehen und weisem Rath hat es der Vers orbene verstanden, die Interessen des Krankenhauses wahrznnehmen i ad zu fördern. Im Ganzen sind im Jahre 1901 120 Kranke verpflegt worden, und zwar 54 männliche und 66 weibliche Personen. ie entstammten überwiegend der russischen Grenzbevölkerung oder ) aren Auswanderer, die aus der Reise erkrankten oder wegen anseckender Krankheiten (infektiöse Augenkrankheiten) von den überwachenden Aerzten der Kontrolstationen von der Weiterreise ausgeschlossen wurden. Für diese auf ihre knappen Neisemittel Angewiesenen war das Krankenhaus eine willkommene Zufluchtsstätte, die von den Uebergangsstationen einer weiten Grenzstrecke aus aufvesucht wurde. Es hat sich in diesen wie in vielen anderen Noth- Blleu wiederum gezeigt, welch ein Segen für die russisch-jüdische Bevölkerung die Existenz eines jüdischen Krankenhauses an der Grenze ledeutet. Von den 120 verpflegten Kranken entstammten 107 dem russische Reiche, 10 der Stadt und dem Kreise Memel. 2 dem sonstigen Bnslande, 1 dem sonstigen Inlands. Das Kuratorium besteht jetzt . ns den Herren Rabbiner Dr. Emanuel Carlebach, Max Cohn, Dr. med. mdikowski, I. M. Schapiro, Landgerichtsrath Wechselmann. ----- PYritz, 20. Juni. Aus dem Neichstagswahlkreise Pyritz- Baaßig wird den „Mittheilungen zur Abwehr des Antisemitismus" über den bekannten Pastor Krösell Folgendes geschrieben: „Er ist bgethan, der Mann des „erwiesenen" Ritualmordes. Von der Heldenrolle, die er kurze Zeit im Pyritzer Kreise — kaum darüber hinaus — g espielt hat, und von der er wohl träumte, daß sie ihn zu den Höhen wnes Reichstagsmandats führen würde, ist er jetzt zur Nolle eines Batisten herabgestiegen, die er beim „Deutschen Volksbunde" des ^errn von Mosch spielt. Dieser „Deutsche Volksbund" hofft und i rbeitet mit Eifer daran, die Ernte einzubekommen, die aus der Saat er Krösell'jchen Blutreden hervorgegangen ist. Da wo der Pastor— v enn auch unfreiwillig — aufgehört hat, hat der Mosch'sche Volksl und eingesetzt, und der heidnisch-germanische Bund übertrumpft — wenn das möglich — den christlichen Pastor in der Verhetzung. -Belchen Kalibers dieser „Volksbnnd" sein muß, geht daraus hervor, baß sogar Pastor Krösell, der wiederholt an den Veranstaltungen Beses Bundes theilgenonnuen hat, in einer Sitzung erklärte, er könne v fiziell dem „Deutschen Volksbunde" nicht beitreten, würde aber einen Arbeiter vorschicken, durch den er den Beitrag für sich zahlen lassen würde. Im Uebrigen steht Pastor Krösell — außer seinen antiw nitischen Bundesbrüdern — so ziemlich von aller Welt verlassen da. Bvine Amtsbrüder meiden ihn und haben sich zum Theil sehr scharf i .d abfällig über sein Thun und Treiben geäußert. Sein Patron, v n adliger Herr und Rittmeister, hat ihm sein Haus, ja das Betreten wmer Feldmark verboten. Seine Rolle ist ausgespielt. ----- Ruwitsch, 29. Juni. In seltener Rüstigkeit beging dieser Tage i Kreise seiner Kinder und Enkelkinder Herr Samuel Nosenthal B r seinen 80. Geburtstag. Herr Rosenthal ist seit vielen Jahren Präsentantenvorsteher der Synagogengemeinde, seit mehr als 30 ühreu gehört er dem Vorstande der Chewra-Kadischa an. im Armen* rnterstützungsverein sür jüdische Durchreisende versieht er seit der Be* V ündttng desselben das mühsame Amt des auszahlenden Vorstehers, und er verwaltet diese Aemter und noch verschiedene andere trotz seines B.'hen Alters mit einer seltenen Umsicht und Gewissenhaftigkeit. Zur > ier des Tages waren deshalb Vorstand und Repräsentanten in seiner -Bohnung erschienen, um ihn im Namen der Gemeindeverwaltung zu Glückwünschen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrath reslauer, überreichte eine kunstvoll ausgeführte Adresse und dankte Jubilar in bewegten Worten für seine reiche, selbstlose Thätigkeit -u Dienste der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Cohn gedachte in einer längeren Ansprache der vielseitigen Verdienste des Herrn Nosenthal und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Derselbe zum Segen der Gemeinde noch recht lange im Stande sein möge, seine verschiedenen Aemter mit der gleichen Freudigkeit und Pflichttreue zu verwalten. Der stellvertretend.e Vorsteher der Repräsentantenversammlung, Herr- Julius Löwy, dankte im Namen der Repräsentanten für die umsichtige Leitung der Geschäfte namentlich in den vergangenen, oft recht schwierigen Zeiten. Die Chewra-Kadischa ehrte ihren langjährigen Vorsitzenden durch Ernennung zum Ehrenmitglieds. Das reich ausgestattete Ehrendiplom wurde durch den Vorsteher der Chewra, Herrn Adolf Braun, überreicht. Der Gefeierte dankte tiefgerührt sür alle ihn; zu Theil gewordenen Ehrungen. — Dortmund, 29. Juni. Der zwölfte ordentliche Gemeindetag des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens, zugleich die Generalversammlung der Beamtenpensionskasse des Verbandes, fand heute hier im Saale des Hotels Wenker-Paxmann statt. Die Tagesordnung war folgende: 1. Bericht über unsere Thätigkeit im elften Geschäftsjahre. 2. Kassenbericht des Rendanten und Ertheilung der Decharge. 3. Bericht des Delegirten zum 9. deutschisraelischen Gemeindetage und 2. deutsch-israelitischen Verbandstage über die Verhandlungen beider Versammlungen. 4. Bericht über die Thätigkeit der Kommission zur Hebung der finanziellen Verhältnisse der Marks-Haindors'schen Stiftung. 5. Bericht über die Thätigkeit der Kommission in Sachen der Ablösung der Kasualien. 6. Antrag des Ausschusses auf Gründung eines Provinzialkomitees des „Hilfsvereins der deutschen Juden". 7. Neuwahl eines Ausschußmitgliedes für den verstorbenen Herrn I. Steinberg-Münster. 8. Antrag des Vorstandes der Pensionskasse, betreffend Deklarirung des § 12 des Statuts. 9. Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. 10. Freie Besprechungen. Bericht in nächster Nummer. O Aus dem Fürstenthum Birkeufeld, 22. Juni. Das Fürstenthum hatte die Freude. Anfang dieses Monats den Besuch seilles Landesherrn, des Groß Herzogs und der Großherzogin von Oldenburg, zu erhalten. Durch den Regierungspräsidenten wurde Landrabbiner Dr. Lewit die schriftliche Mittheilnng, daß „Seine königliche Hoheit den Herrn Landrabbiner am Donnerstag, den 12. d. M., zur Audienz zu empfangen geruhen." Das Fürstenpaar hatte bei seinem Besuche des Landes auch Hoppstädten beehrt, das auf das Festlichste mit Guirlanden, Blumen und Ehrenpforten geschmückt war. An der Ehrenpforte am Bahnhofe hatten der Gemeinderath, der Kriegerverein, die Schulen Aufstellung genommen. Hier hielt im Aufträge der Politischen Ortsgemeinde Landrabbiner Dr. Lewit eine treffliche und sehr warme Begrüßungsrede au das großherzogliche Paar, die mit einem Hoch abschloß, in das die zahlreich Versammelten begeistert einstimmteu. — In der Audienz hat der Grobherzog eingehend mit Herrn Landrabbiner Dr. Lewit über die Verhältnisie der jüdischen Gemeinden des Fürstenthums gesprochen. Zur großheczoglicheu Tafel war Derselbe auch geladen worden. Hier beauftragte die Großherzogin den Herrn Landrabbiner, den Hoppstädtern ganz besonderen Dank für die herzliche Aufnahme auszusprecheu. An allen Orten des Fürstenthnms, die das großherzogliche Paar besucht hatte, unterhielt sich der Großherzog auch leutseligst mit den Lehrern und den Lehrerinnen der israelitischen Volksschulen. In Hoppstädten überreichte je eine Schülerin der katholischen und der israelitischen Volksschule den königlichen Hoheiten unter Vortrag eines Gedichtes ein Bouqnet. Oesterreich - Ungarn. Wien, 30. Juni. Die Verwilderung und Ausartung gewisser Kreise unserer Gemeinde wurde so recht durch einen Prozeß in trauriger Weise illustrirt, der in dieser Woche die Runde durch die Blätter machte. Eine der angesehensten und besten unter den reichen jüdischen Familien Wiens im letzten Viertel des abgelaufenen Jahrhunderts war die Familie v. Sch eh. Nach dem Tode des Mannes, der das Ansehen wie den Reichthum der Familie begründet hatte, änderte sich das aus verschiedenen Gründen, und nun bietet diese Familie das folgende Sittenbild dar: Der am 8. April vorigen Jahres verstorbene Baron PH. v. Schey bestimmte letztwillig, daß Jeder der von ihm bedachten Erben, der vom Judenthum abfalle, den Anspruch auf das ihm vermachte Vermögen verliere und eventuell, falls er schon etwas erhalten habe, dies zurückstetten müsse. Er hatte unter anderen Personen auch zwei Neffen bedacht, nämlich den Privaten Victor und den Rittmeister Paul Baron v. Schey, Jeden mit der Summe von 100000 Gulden.

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