Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-04 · Heft 27 (4.7.1902) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228501--58807-3295279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 gegen 2 Mir. Der Schriftführer Tichauer gab nunmehr einen kurzen Bericht über das verflossene Vereinsjahr, wobei er Alllab nahm, besonders die Kollegen in der Provinz zu recht kräftiger Propaganda für den Verein aufzufordern. Denn ihr persönliches Einwirken aus die noch abseits stehenden Kollegen könne noch am ehesten Erfolg haben. Es folgte der Bericht über den Verbandstag in Hamburg durch den Vorsitzenden. der als Delegirter den Verein vertreten hatte. Dr. Fiegel beschränkte sich, da die gedruckten Protokolle über die Verhandlungen in Hamburg den Anwesenden Vorlagen, auf einige ergänzende Details. Nach ordnungsmäßiger Entlastung des Schatzmeisters Weber-Berlin schritt man zur Wahl des Vorstandes. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden bis auf Kollegen Kamerase-Kottbus wieder gewählt. Da Kollege Kamerase dnrchBernfspflichten wiederholt verhindert war, zu den Vereinsversammluugen zu kommen, trat an seine Stelle als zweiter Vorsitzender Kollege Pulvermacher-Wriezen in den Vorstand ein. Nach einigen internen Mitteilungen berieth die Versammlung einige Anträge. Unter anderem wurde beschlossen, zu der beabsichtigten Gehaltsregulirung für die Lehrer au den Religionsschulen der jüdischen Gemeinde zu Berlin Stellung zu nehmen und in einer Eingabe die Gemeindevertretung zu bitten, vor einer endgiltigen Festsetzung der Gehaltsskala die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin in dieser Frage anzuhören. Die übrigen Punkte der Tagesordnung fanden schnelle Erledigung. — Berlin, 1. Juli. Die letzte Generalversammlung der seit ca. 20 Jahren bestehenden „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, deren Wittwen und Waisen in Deutschland" hat sich mit Stimmeneinheit dahin erklärt, auf dem Boden der bestehenden Organisation die Förderung der gesummten Interessen des Kantorenstandes in Deutschland zu ihrer Aufgabe zu machen. Der Vorstand erklärt deshalb folgenden Aufruf: „Wir wollen nicht länger mit verschränkten Händen zusehen, wie viele, ja die meisten unserer Standesgenossen der Willkür der jeweiligen Machthaber überliefert sind, wie sie, alt oder dienstunfähig geworden, Noth leiden, die Wittwen und Waisen, ihres Ernährers beraubt, einem traurigen Schicksal anheimfallen. Wir wollen diesem unhaltbaren, unseres Standes durchaus unwürdigen Zustande abhelfeu. Wir wollen aber auch das geistige Niveau unseres Standes zu heben suchen,— kurz: Wir wollen alle Interessen des Kantorenstaudes in Deutschland fördern helfen. Darum rufen wir allen unseren Kollegen zu: Schließt Euch uns an! Ihr habt gesehen, wie wenig wir aus die Hilfe anderer zu rechnen haben. Helfen wir uns selbst! Legen wir selbst Hand ans Werk! Im Vertrauen auf Gott und auf unser gutes Recht werden wir hoffentlich das erreichen, was uns von Anderer Seite bisher versagt worden ist. Unseren vereinten Kräften wird der Sieg sein! Mit vereinten Kräften werden wir viel, einzeln nichts vermögen! Eine stattliche Anzahl unserer Kollegen hat sich bereits mit der Erweiterung der „Hilfskasse" zu einem Kultusbeamtenverbande in Deutschland einverstanden erklärt; aber Alle, Alle sollen sich an dem hoffentlich segensreichen Werke betheiligen. Auch eine große Anzahl außerordentlicher Mitglieder, insbesondere in Berlin und Umgegend unterstützen die Kasse mit namhaften Beiträgen. Können Sie, werther Herr Kollege auf Grund unseres Statuts nicht ordentliches Mitglied unserer „Hilsskasse" werden, so werden Sie uns doch als außerordentliches Mitglied herzlich willkommen sein, und Ihre Mithilfe wird uns in hohem Maße erwünscht sein. Zur Beitrittserklärung diene beiliegende Karte." Der Vorstand besteht aus den Herrn: Dr. Fedor Stern, Justizrath, Ehrenvorsitzender; A. Friedmann, erster Vorsitzender, A. Nosenthal, Beisitzer, I. Epstein, Beisitzer. Hauptkantoren der jüdischen Gemeinde zu Berlin; Z. Schönberger, Oberkantor in Potsdam, zweiter Vorsitzender; Emil Flauter, Lehrer und Redakteur, erster Schriftführer; S. Dubowskh, Oberkantor der Shnagogengemeinde Ad.-Jsr. in Berlin, zweiter Schriftführer; I. Sarasohn, Oberkantor in Stettin; H. Lewit, Kantor in Berlin; Emil Benjamin, Rendant, Berlin ^V.. Nettelbeckstraße 23. f. Berlin, 29. Juni. Die heutige Generalversammlung des Vereins Esra war ungewöhnlich stark besucht. 25 Zweigvereine waren auf derselben vertreten, und die Delegirten vertraten 96 Stimmen. Herr Dorn eröffnet die Sitzung und erstattet den Bericht über die Thätigkeit des Vereins im letzten Jahre. Aus demselben ist hervorzuheben, daß die Mitgliederzahl auf rund 5300 gestiegen ist, und die Einnahmen dementsprechend gewachsen sind. Der Verein hat seine Thätigkeit zunächst der Kolonie Machnaim zugewendet und einige Beträge zur Erhaltung der Kolonisten bestimmt. Da sich aber herausstellte, daß wegen eines Prozesses, der zur Zeit schwebt, die Bemü Hungen zur definitiven Sanirung der Kolonie verschoben werden müssen, so hat der „Esra" der Kolonie Bnei Jehudah seine Arninerksamkeit zugewendet. Zunächst erhielt diese Kolonie 1000 Mark durch Vermittelung der Londoner Chowewe Zion, alsdann wurde der Vertrauensmann des Vereins in Palästina. Dr. Soskin, beauftrag sich an Ort und Stelle zu begeben und einen Plan auszuarbeiten zweck; vollständiger Jnstallirung dieserKolonie. Dieser Plan, dessen Nealisiruw, einen Aufwand von ca. 40000 Mark erfordert, ist jetzt eingetroffe; und liegt dem Centralkomitee zur Prüfung vor. Der Vorsitzend' verliest den Bericht der Revisoren, die Decharge beantragen un) erlheilt dem Kasiirer Konsul Friedemann das Wort zum Kassenbericht Die Einnahmen des Vereins betrugen im Jahre 1901 15 664.37 Man die Ausgaben 6097.20 Mark. Der gegenwärtige Kassenbestand beträgt 3714.42 Mark, wozu der Effektenbesitz des Vereins mit 16 100 Marl nominal, zur Zeit im Börsenwerth von 18000 Mark, hinzukomrm. Die Decharge wird einstimmig ausgesprochen, an den Bericht de Vorsitzenden knüpft sich eine kurze Debatte. Bei den folgenden Wähler wurden von den vier ausscheidenden Herren der Vorsitzende Morin Dorn sowie, die drei Beisitzer Dr. H. Hildesheimer. Professor Landau Dr. M. Sobernheim wieder- und an Stelle des wegen Krankheit ein Wiederwahl ablehnenden Herrn Anders Rabbiner Dr. Eschelbachs neugewählt. Auf eine Anfrage von zionistischer Seite präzisirte der Vorsitzende Herr Dorn die Stellung des Centralkomitees gegenübeder Behauptung, daß in den Mittheilungen des Vereins der Zionismus beleidigt worden sei, dahin: Er betrachte den Verein Esra als voll ständig neutralen Boden, auf dem sich Liberale und Orthodoxe Zionisten und Antizionisten zu gemeinsamer Arbeit zusammenfindel könnten und sollten. Selbstverständlich sei ihm der Friede innerhalb des Vereins von größter Wichtigkeit, und es fei dem Centralkomite jede Absicht fern, irgend Jemand oder irgend eine Partei innerhalb des Judenthums beleidigen zu wollen. Dr. Hildesheimer wies daraui hin, daß sowohl Herr Dorn als mehrere andere Mitglieder de Centralkomitees bereits früher in der Generalversammlung de; Berliner Zweigvereins dieselbe Erklärung abgegeben haben. In einigen Zeitungen ist dieselbe aber entstellt wiedergegeben worden, und Herr Dr. Hildesheimer bat die anwesenden Berichterstatte' diesmal um korrektere Wiedergabe. Herr Bambus konstatirte, daß ir, jener Generalversammlung des Berliner Zweigvereins sowohl Herrn Dorn wie Redner selbst und Dr. Hildesheimer ausdrücklich erklärt haben, daß die Empfindlichkeit der Zionisten unberechtigt und in den: betreffenden Passus der Mittheilungen eine Beleidigung des Zionismus nicht enthalten war. Wegen der vorgerückten Zeit mußte die Ver sammlung geschlossen werden, der Bericht über den gegenwärtigen Stand der Kolonisation, den Herr Bambus erstatten wollte, wird in den Mittheilungen erscheinen. Berlin, 1. Juli. Die K ontrolstati onen an de russischen Grenze, die im Interesse der ärmeren jüdischen Be völkerung eingerichtet wurden, haben sich, wie man uns schreibt, al nützlich und segensreich erwiesen. Früher wurden die armen russische jüdischen Auswanderer an der ganzen Grenze herumgehetzt und vor Christen und Juden, Deutschen und Russen gleichmäßig ausgebeutck. bis sie irgendwo ein Loch fanden, durch welches sie heimlich bei Nack und Nebel durch die Grenze schlüpften, um dann ebenso heimlich durc Deutschland zu ziehen, überall verfolgt, aufgehoben und zurück geschoben u. s. w. Im Jahre 1888 wurde es endlich bei der Staats regierung erreicht, daß sie die Hamburg-Amerika-Linie und den Nord deutschen Lloyd für die russischen Auswanderer konzessionirte. Di Konsequenz dieser Konzessionen waren die Kontrolstationen. Berlin, I.Juli. Am Sonnabend, den 5. Juli, Abends 8'/s UH findet in den G er m ani a sälen . Chausseestraße 103/104, ein Vortra von Herrn Mathias Acher-Wien über das Thema: „Das jüdisch Proletariat in Osteuropa und die Judensrage" statt. — Memel, 27. Juni. Aus dem Bericht des hiesigen jüdischen Krankenhauses für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 190 ist zu ersehen, daß dem Bestreben, die segensreiche Wirksamkeit, welch die Anstalt zu entfalten bestimmt ist. und die sie nun schon seit Jahre; zum Heile unserer kranken und armen russischen Brüder bethätigt hat möglichst uneingeschränkt walten zu lassen, nicht unerhebliche Hindernisse entgegentraten. Von den zahlreichen Gönnern entzogen hiee und dort einige ihren Beitrag und andere besonders hochherzig. Wohlthäter wurden durch den Tod entrissen. Nur der Opferwilligkeir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.