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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-04 · Heft 27 (4.7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Ar. 27. Gerlin. 4. Mi 1902 Weitage zur „Mkgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Bern», 29. Juni. In der heutigen Sitzung der Repräsentant e n v e r sam ml u ng vor den Ferien wurde der Rest der uner- 1 digten Vorlagen und einige neu eingegangene aufgearbeitet. Nach k ner kleinen Geschäftsordnungsdebatte lvnrden die William und 2 m alie Sch önlan k-Stiftung im Betrage von 20 000 Mark zur ( rhaltung der Gräber, die von uns bereits erwähnte Stiftung in v öhe von 20 000 Mark für das II. Waisenhaus in Pankow, als deren Spender jetzt Herr Dr. Edmund Lach mann bekannt gegeben i nrde, und die Louis Philipp und Henriette Maaß-Stiftung i n Betrage von 5000 Mark, welche ebenfalls dem zweiten Waisenl ause in Pankow zufallen sollen, debattelos angenommen. — An bedürftige Schüler und Schülerinnen sollen 2500 Exemplare der Auerbach Aschen Schul- und Hansbibel vertheilt werden; auf Antrag es Ausschusses soll eine Neubearbeitung durch die Herren tabbiner Dr. Mahbaum und Direktor Dr. Holzman orgenommen werden. — Eine längere Debatte schloß sich an den lntrag des Vereins Montefiore um Bewilligung einer Subvention on 400 Mark. Dem Verein waren früher der Gemeinde gehörige Säume zu seinen Unterrichtsknrsen eingeräumt gewesen, doch ist ihm ufolge Unzuträglichkeiten zur Zeit diese Erlaubniß entzogen worden, wr Schadloshaltnng sind ihm wie bisher auch diesmal 300 Mark als Seitrag seitens der Gemeinde gewährt worden. Der Referent der Vorige Rechtsanwalt Dr. Cohn begründete die Erhöhung damit, daß >er Mitgliederbestand von 75 auf 106 gestiegen sei und die Ausgaben burch die Mehrzahl der Mitglieder bedeutend größere geworden seien. Born Vorstand sprach Dr. Lachmann, welcher die vom Referenten hervorgehobene wissenschaftliche und soziale Ausgabe nicht verkannte, gegen die Erhöhung, auch scholl aus dem Grunde, da die Lehrerschaft des Vereins nicht zn den Mitgliedern der Hanptgemeinde zähle. Herr Nanheimer verwies darauf, daß der Ausschuß uiemals ohne wingende Gründe über die Vorstandsbeschlüsse hinausgegangen sei. Herr Martin Simon und nach ihm Gemeiudesrindikus Lilienthal beonten die prinzipielle Seite, daß der Gemeindevorstand unmöglich alle Vereine und alte Bestrebungen unterstützen dürfe, um nicht ans eine schiefe Lbene zu gerathen. Herr Hirsch, dem es just zu rechter Zeit noch infiel, daß er Mitglied des petitionireuden Vereins sei, trat für die Zrhöhnng der Subvention ein. Der Referent, welcher sich für die Angelegenheit sehr zu interessiren schien, griff mit anerkennenswerther Beharrlichkeit mehrmals in die Debatte ein. Er hatte zwar die Freude, die Erhöhung um 100 Mark mit 10 gegen 7 Stimmen durch-- wbringeu, doch hat selbstverständlich noch der Vorstand das Recht >iese abzulehnen und, wie es scheint, wird der Vorstand in vorliegendem Falle auch von seinem Rechte Gebrauch machen. — Herr- Sa chs hatte die Ermächtigung der Versammlung zur Miethung dreier Räume zn den Festgottesdiensten einznholen. Es handelt sich um den Saal in der Schöllhauser Allee 148, welcher 650 Personell saßt, in der Swinemünderstraße 42 und um den architektonisch würdigen und akustisch guten Saal des Langenbeckhauses in der Ziegelstrabe. Die Miethung dieser neuen Räume ist, wie Herr Martin Simon allseinandersetzt, nothwendig geworden, weil der Vertrag mit dem Grand Hotel Alexanderplatz, dessen Saal sich als unzureichend erwiesen hat. nicht erneuert worden ist. Der Saal des Langenbeckhauses ist deshalb gewählt worden, um die zahlreichen Reflektanten aus Plätze in der Neuen Synagoge, die ans Mangel au Raum abgewiesen werden müssen, zufriedenstellen zu können. Der Jugendgottesdieust soll, wie bisher, im Beethovensaal und in der Aula der Knabenschule abgehalten werden. In Allssicht ist noch der Saal des Bruder-Vereins (Unter den Linden) genommen, nachdem sich die Aula des Reichenheim'schen Waisenhauses, welche man zunächst wählen wollte, als zn klein erwiesen hatte. Der Referent regte bei dieser Vorlage all, die Leiter der Religionsschulen zu ersuchen, die Kinder auf die Wurde deS Gottesdienstes hinzuweisen, um den vielfachen Störungen des Gottesdienstes, welche durch die Unterhaltungen der Erwachsenen sowohl wie der Kinder herbeigeführt werden, wirksam vorzubeugen. Zum gleichen Zwecke soll den Eintrittskarten anfgedrnckt werden, daß es nothwendig ist, Ruhe und Ordnung während des Gottesdienstes zu Pflegen und insbesondere den Anfsichtsbeamten unbedingt Folge zu leisten. Der Referent bat auch, Vorkehrungen zn treffen, um das Feilhalten voll Blumen unmittelbar vor den Eingängen zn den Betlokalen zu hindern. Landgerichtsrath Löwe dankte im Namen des Vorstandes sür die Anregungen, deren Ausführung der Vorstand in Erwägung ziehen werde. — An bedürftige Personen und einzelne Wohlthätigkeitsanstalten sind im Jahre 1902 für 8223 Mark Mazzoth vertheilt worden, im Vorjahre sür 7386 Mark an 7763 Personen; die Ueberausgabe voll 223,15 Mark wurde nachbewilligt. Für die Speisung von 119 Gefangenen sind 6.90 Mark Mehrallsgaben entstanden, welche ebenfalls nicht beanstandet werden. Von der rituellen Speisung während der Passahfeiertage haben im Jahre 1900 28. im Jahre 1901 22 und in diesem Jahre 24 Soldaten Gebrauch gemacht. Die Kosten von 437 Mark wurden bewilligt. — Der Rechnungsabschluß der FriedhofskomMission ergiebt einen Gesammtüberschuß von 32 157 Mark. Der Verkauf der Erbbegräbnisse hat einen Ueberschuß voll 35 000 Mark ergeben. Ans dem Friedhose der Schönhauser Allee hat der Frost einen Schaden voll 11 000 Mark verursacht. In Weißensee haben die Ausfälle 28 173 Mark gegen 29 700 Mark im Vorjahre betragen. 359 Personen wurden unentgeltlich beerdigt. — Die Anstellung zweier Leichenträger wurde gut geheißen. Kommissar Netter begründet die Nothwendigkeit dieser Vorlage, da seit Anfang des Jahres die Sterblichkeit bedeutend Angenommen habe und in den letzten Wochen und Monaten wesentlich mehr Beerdigungen als zu gleicher Zeit des Vorjahres stattgefnnden hätten. In den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße wurde an Stelle des Herrn Berthold Israel, welcher dieses Amt wegen der weiten Entfernung abgelehnt hat, Herr Aron Hirsch, in die Friedhosskommission an Stelle des ausgesclnedeneu Herrn Nosenberg Herr- Moritz Bloch gewählt. — Unter der Form der dringlichen Anträge wurden noch 3000 Mark sür Reparaturen in der Synagoge Kaiserstraße und 1000Mark für den Neligionsverein Ahawas torah bewilligt. — Der öffentlichen Sitzung folgte eine geheime, in welcher Vorlagen von wesentlicher Bedeutung nicht zur Beratung standen. L2 BerLilt, 1. Juli. Wie mall uns mittheilt, ist in der letzten Sitzung des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums Herr Dr. I. Elb ogen vom LoItvZi'o kabbLnieo in Florenz zum Dozenten gewählt worden. Derselbe wird seine Stellung schon am 1. Oktober d. I. antretett. Dr. Elbogen, den unsere Leser als Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Jlldenthnms" kennen, ist ein tüchtiger Historiker aus der Breslauer Schule, der hier sicher eine gedeihliche Wirksamkeit entfalten wird. k". Berlin, 29. Juni. Am 8. d. M. fand hier die Generalversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg statt. Mitglieder und Gäste versammelten sich zunächst in der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, wo als erster Punkt der Tagesordnung eine Lehrprobe des Kollegen Kahn-Luckenwalde über: „Elternliebe" erledigt wurde. Hierauf begab sich die Versammlung nach „Dräsels Festsälen", wo die weiteren Verhandlungen stattfinden sollten. DerVorsitzende Dr. Fiegel begrüßte die Anwesenden, dankte ihnen sür das Interesse, das sie den Berathnngen des Vereins entgegenbrächten und forderte zum Schluß seiner Rede die Versammlung zn eitlem kräftigen Hoch auf unseren erlauchten Kaiser auf, unterdessen kraftvoller Negierung der Friede und die Wohlfahrt des Vaterlandes und die hierauf gerichteten Bestrebungen gefördert werden. Die Versammlung stimmte freudig in dies Hoch ein. Darauf begannen die Berathnngen mit der Diskussion über die Lehrprobe. Die Besprechung, die sich recht anregend und belehrend gestaltete, endigte erst

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