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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-04 · Heft 27 (4.7.1902) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
Seite 320 (sequence 10)
Language
German
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320 An den wohllöbl. Schulvorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde. Da ich nach znrückgelegten Studienjahren nun hier verweile, meinen Freunden und Gönnern zugleich eine Gelegenheit verschaffen möchte, meine Fähigkeit zu dem von mir erwählten Berufe zu prüfen: so wage ich an den wohllöbl. jüdischen Schulvorstand die ergebenste Bitte, mir erlauben zu wollen, in dem Andachtsaale eine Gast- Predigt zu halten, wobei, im Falle mir dieselbe gewährt wird, ich zugleich ersuche, mir Samstag, den 15. September oder einen anderen beliebigen als den hierzu bestimmten Tag anzugeben. Eines wohllöbl. Schulvorstandes ergebenster Abraham Geiger, jüd. Theologe. Der Schulrath bestimmte ihm, wie schon erwähnt, den 8. September zur Gastpredigt. Natürlich mußte er, der unerläßlichen Bedingung entsprechend, feine Rede vorher dem Schulrath einreichen. Ob Geiger Beifall gefunden oder nicht, darüber habe ich nirgends etwas finden können, aber er ist während seines Aufenthaltes in Frankfurt weder aufgefordert worden, noch einmal zu predigen, noch hat er die Erlaubniß hierzu nachgesucht. Jedenfalls hat sein gleichaltriger Freund Leopold Stein, der am 11. Oktober 1834 im Andachtsaale predigen durfte, mehr Glück; seine Rede fand solchen Beifall, daß er gebeten wurde, acht Tage später, als am ersten Tage des Laubhüttenfestes, noch einmal zu Predigen. " Zehn Jahre später, 1844, wird Stein als Rabbiner nach Frankfurt berufen, und mit ihm zieht die deutsche Predigt endlich auch in die Frankfurter Synagoge ein. Aber erst 1863, also 31 Jahre nach jener Gastpredigt im Andachtsaale, kehrt Abraham Geiger, nun ein weltbekannter „jüdischer Theologe", nach seiner Vaterstadt Frankfurt zurück, um die erledigte Nabbinerstelle Zu übernehmen. Mie Niestnsnrmne? Aus dem Amsterdamer Skizzenbuch von Hermann HeijermaunS. lachte Leon laut aus. Seine großen gelben Zähne glänzten fettig beim Lampenlicht, und seine Augen schwammen bor Vergnügen. „Jetzt will er sich mit uns ein Späßchen machen — ein Späßchen — versteht Ihr?" nickte Vater still vor sich hin, „ich falle nicht darauf herein . . . ." „Und ich noch weniger," lachte Mutter, „ja, ja, wir sollen eine Liste aufstellen! Nvch in zehn Jahren nicht, nein . . . ." „Eine Liste — eine Liste," meinte Mijntje, mit ihrer singenden Sprechweise, „wenn ich eine Liste aufstellen sollte, würde ich in einem ganzen Tag nicht damit fertig . . ." „Hahaha!" schrie Leon wieder — und seine dicken Hände klatschten auf seine Knie nieder, daß es dröhnte, hahaha — und wenn ich nun Butter zu den Fischen gebe . . ." „Butter zu den Fischen," wiederholte Vater, schlau verwundert. Seine Pfeife hielt er dabei zögernd inder bebenden Hand und bückte sich, um Leon unter der Lampe besser sehen zu können. h Einzig autvrisirte deutsche Uebersetzung von N. Ruben-Hambnrg. „Butter zu den Fischen?" fragte Flip. „Butter zu den Fischen? Ja, Du wirst Butter zu den ... sagte Mutter ungläubig, den Satz gar nicht 'mal beendigend Es war ja Unsinn. Der Junge wollte sich einen Spaß machen „Er wird wohl Margarine meinen," lachte Mijntje schri!- über den Tisch weg. Aber plötzlich waren sie alle paff — Vater, Mutter, Mijntj und Flip. Leon hatte die Hand in die Brnsttasche geschoben. Dich: unter die Lampe, dicht unter die nasse Papierrosette mit ihre»! Petroleuingestank und den todten Fliegen, hielt er ein ver schlissenes, ledernes Portefeuille und aus einem zerrissenen Fach desselben holte er zwei Fünfundzwanzigguldenscheine, zwe schmierige, gelbe, abgenutzte Banknoten, zwei echte, solide Bank billets. In seinen Fingern knitterte es wie Wundermusik. Einige Minuten lang sprach Niemand von ihnen. Vater saß da wie versteint. die Pfeife vvrgestreckt, den Kvp vorgestreckt, die Unterlippe vorgestreckt. Mutter blickte, schüchtern lächelnd, von Leons schmntzigei Fingern mit den schmutzigen gelben Lappen nach Flip, der tu mit weit offenen Augen starrend stand, als ob er sagen wollte Was sagt Ihr davon? aber vor lauter Erstaunen es nich herauskriegen konnte. Mijntje schlug sprachlos — so etivas lähmt die Zunge - ihre fleischigen Hände zusammen, und nochmals und nochmals schüttelte den Kopf, das bleiche sommersprossige Gesicht, mit schlug die Hände wieder zusammen. So war dreierlei Geräusch im Zimmer zu hören: De: kleine Wecker, Mijntjes klappende Hände und das Knittern de: Banknoten in Leons schwieligen Fingern. Aümälig bekamen sie ihre Sprache zurück und schrien zugleich los vor Ueberraschung und Freude. „Ist das für uns?" rief Vater, den Kopf verwundert be wegend. „Er meint es wirklich so, er meint es so!" überschrie ihr Mutter, halb aufgerichtet, um die Banknoten besser sehen z> können. „Ach, er hält uns Alle zu Narren!" sprach Mijntje singend „Wenn sie nur echt sind!" . . . „Nein, sie werden nicht echt sein!" schrie Flip. Gütig lächelnd, jenachdem bejahend oder verneinen: nickend, ohne zu sprechen, lehnte Leon in seinem Stuhl. Ein volles Jahr war er von Haus weg gewesen, hatte mi diesem und jenem, mit allem möglichen Handel getrieben in Ausland und war vor einigen Tagen nach Hause zurückgekehr »nt einem ärmlichen Geschenk für Mutter, einer lumpiger Tabakspfeife für Vater und unbedeutenden Kleinigkeiten fü: Mijntje und Flip. Damit hatteil sie sich mächtig gefreut. Die große Ueberraschung, die Surpriso, hatte er sich auf' gespart, die Summe, die er ihnen spendiren wollte, wofür er sie ordentlich ins Zeug stecken wollte, bevor er wieder als Hausirer seine Wege zog. Und nun, in völliger Verblüfftheit, starrten die armen Schlucker, die selbst Tag für Tag von ihrem kleinen Handel lebten, die in der Jodenbreestraat mit Plattfischen, Gurken Citronen und was die Saison grade mit sich brachte, ihre Kost verdienten, Sommer und Winter hindurch, manchmal hungernd, manchmal auch bei einem leckeren Stück Kopffleisch für Schabbes LVIULI-ON

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