Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-27 · Heft 26 (27.6.1902) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 26 (27.6.1902)
Date
1902-06-27
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228473-3228500--58786-3295257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

2 Meister bei der Anstellung jüdischer Gesellen ausgedehnt haben? Eine weitere Frage lautete: „Ist Ihr Kundenkreis ausschließlich u) ein jüdischer? ti) ein christlicher? v) ein beiderseitiger?" Nur 9, und zwar ausschließlich Schlächtermeister, hatten einen ausschließlich jüdischen Kundenkreis, 33 ausschließlich einen christlichen und über 100 einen beiderseitigen. Die Frage 7: „Werden Sie von jüdischen Institutionen beschäftigt, als da sind: jüdische Gemeinde, Krankenhäuser, Wohlthätigkeitsanstalten, jüdische Vereine rc., beantworteten nur 19 mit ja, darunter also auch die, die nicht von der Gemeinde, sondern nur von jüdischen Privatvereinen rc. unterstützt werden, alleUebrigen mit nein. Der Vortragende — und wir mit ihm — glaubt zuversichtlich an die Blüthe und gedeihliche Entwickelung des Handwerks nnter den Juden in Deutschland. Er begrüßt zum Schluß die Idee des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes mit besonderer Freude, der an sämmtliche Handwerkervereine Deutschlands ein Rundschreiben erlassen hatte, worin er dieselben ersucht, sich zu einer Centrale zu vereinigen, um solchen Gehilfen und Gesellen, die durch einen ihnen zunächst liegenden Verein keine Stellung finden können, dazu verhelfen, durch einen anderen, wo Nachfrage nach derartigen Arbeitern ist, Anstellung zu verschaffen. Ans Westprertßen, im Juni. Am 8. d. M. er. fand irr Graudenz unter dem Vorsitz des Herrn G. Davidsohu-Danzig der fünfte Gemeindetag des Verbandes we stpreußi scher Synagogen gemein den statt. Die Zahl der erschienenen Vertreter der Provinzialgemeiuden und der persönlichen Mitglieder betrug an 80 Personen; bedauerlicherweise waren Vertreter der Nachbargemeindeu Strasburg. Lautenburg, Lessen, Frehstart, Bischofswerder nicht erschienen. Vor dem Gemeindetage fand eine Sitzung des Ausschusses über die dem Gemeiudetage vorliegenden Angelegenheiten statt. An derselben haben theilgenommeu G. Davidsohu, Kadisch, Dr. Freudenthal und Behrendt aus Danzig, Loeweustein-Elbiug, Wolff und Dr. Nosenberg-Thorn, Belgrad-Graudenz und Landshnt-Nenmark. Den Gemeindetag eröffnete sodann der Vorsitzende Herr Davidsohu mit einer Ansprache, worauf Herr Bankier Belgard Namens der Gemeinde Graudenz die Erschienenen begrüßte und besonders noch auf die segensreiche Thätigkeit des Verbandes auf dem Gebiete des Religionswesens und die Gründung des Provinzialwaisenhauses — Lachmaneum — in Graudenz hinwies. Es folgte sodann der Bericht des Vorsitzenden über die Thätigkeit des Verbandes im verflossenen Jahre, über die einer Anzahl kleinerer Gemeinden zürn Zwecke der Ertheilung eines ordentlichen Religionsunterrichts gewährten Subventionen, ferner der Bericht über die seitens der Provinzialrabbiner aüsgeübten Inspektionen der Religiousschulen. Letzterer gab zu einer längeren Debatte Veranlassung, aus welcher als besonders wichtig die dabei ausgeworfene Frage hervorgehoben zu werden verdient, ob und welches Recht hat der von den Gemeinden anerkannte Bezirksrabbiner zur Inspektion der ihm unterstellten Religionsschuleu dem Lehrer gegenüber? Aus dem Einzelbericht wurde bemerkt, daß der Religionslehrer in Marienburg sich weigerte, seine Religionsschule inspiziren zu lassen und auch den damaligen Gymnasialdirektor zu veranlassen gewußt hat, den jüdischen Schülern die Theilnahme an der Inspektion zu untersagen. Wenn man auch vielleicht zugeben dürfte, daß die seminaristisch gebildeten Lehrer in pädagogischer Hinsicht einen recht guten Religionsunterricht ertheilen werden, so ist es doch sehr zu beklagen, daß gerade von dieser Seite der allgemein nützlich anerkannten Einrichtung ein solcher Widerstand entgegeugebracht wird, ein ähnlicher Fall lag bereits dem Verbände vor einigen Jahren aus Gollub vor. Die weitere Berathung dieser Angelegenheit wurde dem Ausschuß zur Beschlußfassung überwiesen. Eine Eingabe der jüdischen Neligionslehrer unserer Provinz wird den Gemeinden zur Annahme empfohlen. Ferner wurde aus Antrag des Herrn Kommerzienraths Victorius-Graudenz beschlossen, den Bericht gedruckt den Mitgliedern und Gemeinden vor dem Gemeiutage zugehen zu lassen. Sodann gelangte der Etat für das neue Verwaltuugsjahr zur Annahme, derselbe wurde auf 2850 Mark festgesetzt und die Revisionskommission zur Prüfung der.Jahresrechnung gewählt. Die Wahl des Verbandsvorstehers wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da dieselbe nach den Bestimmungen des Statuts von dem Ausschuß zu vollziehen ist. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausscheidenden Herrn Davidsohn wurde Herr Kaufmann Eiveu-Dauzig in den Aus» schuß gewählt und auf Vorschlag des Ausschusses Herr Davidsohu seiner großen Verdienste wegen um den Verband einstimmig zum > Ehrenmitgliede desselben ernannt. — Nach den Berathungen fand ein von der Synagogengemeinde veranstaltetes Festmahl statt, welche, durch viele Reden gewürzt wurde. Herr Rechtsanwalt Grün-Graudenz toastete Namens der Gemeinde auf den Provinzialverbaud und seinen Ausschuß. Nach dem Festmahl und einem gemüthlichen Beisammensein wurde das Lachmannsche Provinzialwaisenhaus besichtigt. Dasselbe soll am 1. Oktober cr. eröffnet werden. Die Uebernahme desselben seitens des Verbandes der westprenßischen Synagogeugemeinden hol bereits stattgefuuden, auch ist die landesherrliche Genehmigung zur Umwandlung dieser hochherzigen Stiftung der Caspar Lachmann'scheu Erben schon verfolgt. — Am 15. d. M. ist ans der Rückreise von Karlsbad in Berlin der Rabbiner Dr. Bernhard Baer aus Graudenz im 58. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene war zuerst in Wreschen und dann an der Caspar Lachmann-Stiftung alc Rabbiner thätig. Die Beerdigung fand auf dem Friedhofe der Adast- Jisroel-Gemeinde irr Weißensee am 18. d. M. statt. Rabbiner Dr. C. Munk hielt die Grabrede, in der er das Leben und die geistige Bedeutung des Verstorbenen schilderte, der sich in seinem Kreise allgemeiner Achtung zu erfreuen hatte. Friede seinem Andenken! — Kattowitz, im Juni. Am 29. v. M. fand hier eine Versamm lung des Verbands der Rabbiner Oberschlesiens statt. Nae! Erledigung interner Verbandsangelegenheiten berichtet der Vorsitzend Dr. Cohn-Kattowitz über die Verhandlungen des Centralausschussec des deutschen Rabbinerverbandes am 12. Mai d. I. Kollege Du Loewenthal erstattet hierauf einReseratüber die Frage der Zweckmäßigkeit einen Knaben, an dem die Circumcision nicht vollzogen, einzusegneu. Die Frage, die eine längere Erörterung und Debatte hervorrief, an der sich außer dem Referenten besonders die Kollegen Cohn, Kaatz Rau, Kopfstein u. A. betheiligten, wurde nicht entschieden und soll noc!; einmal in der nächsten Verbaudssitzung behandelt werden. Kolleg Kaatz übernimmt ein dementsprechendes Referat. — Ebenso soll di von der heutigen Tagesordnung abgesetzte Besprechung der Erfahrungen und Wahrnehmungen bei der vorgenommenen Inspektion des Religions Unterrichts einen Gegenstand der Tagesordnung der nächsten Sitzung bilden. Bezüglich der Vertretung während der Ferien werden die Kollegen dem Vorsitzenden noch rechtzeitig über die Zei ihrer eventuellen Abwesenheit Mittheilung zugehen lassen. Ec folgt hierauf die Besprechung der Thesen des Kollegen Norden betreffend Bibettesen beim Religionsunterricht. Der Gegenstand bildete bereits die Grundlage eines Referats des Kollegen Norden und einer siä' daran anschließenden Diskussion in einer früheren Sitzung. Die Thesen werden berathen und in folgender Fassung angenommen: 1. De- Unterricht in der biblischen Geschichte und in der Religionslehre kann die Kenntniß der heiligen Schrift selbst keineswegs entbehrlich machen 2. Von dem Urtext der Schrift lernen die Kinder unter gewöhnlicher Verhältnissen nur einen Bruchtheil kennen. Es ist daher erforderlich daß Dieselben ihre Kenntnisse durch fleißiges Lesen in einer deutscher Bibel vervollständigen. 3. Dieses Lesen in der deutschen Bibel ist nichr nur dem häuslichen Fleiß zu überlassen, sondern soll auch Gegenstand des Schulunterrichts werden. 4. Mit dem Bibellesen soll möglichst früh, etwa mit dem 12. Lebensjahre, begonnen werden. 5. Der hebräische Unterricht darf unter keinen Umständen durch das deutsch Bibellesen Einbuße erleiden. Die für dasselbe erforderliche Zeit in vielmehr durch Kürzung der für den Unterricht in der systematischen Neligiouslehre bestimmten Zeit zu gewinnen. 6. Am geeignetsten sü. diesen Unterricht ist ein für die Jugend bearbeiteter Auszug aus der Bibel, wie Auerbach. Tachau. 7. Mit der Anerkennung des Bibellesem als eines wichtigen Bestandtheils des Religionsunterrichts wird ein Aenderung der vorhandenen Normalpläne für den jüdischen Religions unterricht zur Nothwendigkeit. — Ueber die Methodik respektive Stofsi vertheilung für diesen Unterricht soll in der nächsten Sitzung ver handelt werden, und übernehmen die Kollegen Norden und Emmriä dementsprechende Referate. Kollege Münz übernimmt die Erörterung eines von ihm bereits namhaft gemachten talmudischen Themas. Am den vom Kollegen Kopfstein zu erstattenden Bericht über den Antrag des Rabbinerverbandes auf dem letzten Gemeindetag verzichtet di« Versammlung im Einverständniß mit dem Referenten, da dieselbe übel die Verhandlungen genügend aufgeklärt ist durch die in den jüdische'.' Zeitungen veröffentlichten Berichte. — Glogau, 19. Juni. Vor der Strafkammer des Glogauer Land gerichtes hatte sich heute Graf P ü ckler-Klein-Tschirne, seil

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.