Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1902)
- Date
- 1902-06-20
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Synagogenverwaltung in Bnk hat beschlossen, für das laufende Jahr 80 Prozent der Einkommensteuer als Korporationsbeitrag zu erheben. — Kantor Werblowski in Schrimm beging neulich sein 25 jähriges Dienstjubiläum. — Kaufmann Salomon Unger in Ostrowo konnte Mitte d. M. auf seine 25jährige Thätigkeit als Repräsentant der dortigen Synagogengemeinde zurückblicken. Aus diesem Anlasse wurden ihm voll der Gemeindeverwaltung sowie von Gemeindemitgliedern zahlreiche Ehrungen zu theil. u. Hamburg, 15. Juni. Der Bericht des „Israelitischen Unterstützungs-Vereins für Obdachlose" über seine vorjährige Wirksamkeit ist ausgegeben worden. Der Zweck des von dem Kl. D. H. Wormser begründeten Vereins ist den auswandernden Juden, welche unsere Stadt passiren, während ihres Aufenthalts Unterkunft, Beköstigung. Kleidung, in Krankheitsfällen Hospitalpflege und den Rückwanderern Neiseunterstützung zu gewähren. Im abielaufenen Jahre wurden 8273 Personen mit Nachtquartier. 1996 mit Kleidungsstücken, 2603 mit Neisemitteln bedacht. 7193 Tassen Kaffee und nicht weniger als 35 674 Portionen Mittagessen verabfolgt. Hierfür sind insgesammt 23 345.76 Mark (gegen 21040 Mark im Vorjahre) nusgegeben worden, denen an Einnahmen 27 875 Mark gegenüberüeheu, davon nur 6373.65 Mk. Jahresbeiträge. Den Vorstand bilden die Herren Rechtsanwalt I. Alexander, Vorsitzender, Paul Laskar, Stellvertreter, M. Goldfarb, Kassirer, Leo Mendelsohn, Schriftführer, Dr. L. Allen. I. Moses, N. A. Stern und Max M. Marburg, Beider. — Am 8. d. M. tagte hier in den Räumen der Henry Hones-Loge unter dem Präsidium des Vorsitzenden des von der Großloge des Ordens Benai Berith eingesetzten Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, des Herrn Gustav Tuch, eine Konferenz verschiedener jüdischer Verbände, um über oie Stellungnahme derselben zu der Frage der Bekämpfung des Mädchenhandels ans dem im Oktober d. I. in Frankfurt a. M. statt- 'indenden großen internationalen Kongreß zu berathen. Es waren ine große Anzahl Logen des Ordens des Hilfsvereins der Deutschen Juden, die Alliance israolito universelle, die Jenusk Kolonisation Association, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, die Je>visb Dssociation kor tlie protection ok Oirls null Women, London, der israelitische Verein für weibliche Fürsorge in Frankfurt a. M., der Israelitisch-Humanitäre Verein in Hamburg, die jüdische Gemeinde Altona, der Verband jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reich, der Israelitische Unterstützungsverein sür Obdachlose in Hamburg, der Herein für Arbeitsnachweis irr Hamburg u. a. m. vertreten. Die Verhandlungen ergaben die Uebereinstimmung sämmtlicher Delegirten, deell und materiell zusammenzuwirken zur Ausrottung des schmachvollen Mädchenhandels. An die Verhandlungen schloß sich ein von oer Henry Jones-Loge gebotenes Diner an und eine gemeinschaftliche Elbfahrt nach Blankenese. — In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums der Gemeinde wurde au Stelle des verewigten Herrn M. W. Hinrichsen Herr Markus Beith zum Gemeindevorsteher gewählt. Herr M. Beith. Seniorchef der bekannten Kaufmannsfirma Heine Fleischmann, hat sich als langjähriges Mitglied des Repräsentantenwllegiums sowie als Vorsitzender der Verwaltung des israelitischen Krankenhauses und auch auf sonstigen Gebieten der Gemeindeverwaltung seit vielen Jahren hervorragend bethätigt. — Hannover, 16. Juni. Die Deutsche Militärdienst- und Lebens-Versicherungs-Anstalt auf Gegenseitigkeit n Hannover weist nach ihrem jüngsten Geschäftsbericht folgende Resultate auf: Der Gesammtzugang im Jahre 1901 betrug: 8809 Anlage über 18082170,88 Mark Versicherungssumme; zum Abschluß gelangten: 8441 Versicherungen über 16 171 570,88 Mark Kapital. Bestand Ende 1901: 214 450 Versicherungen über 296 978 661 Mark Kapital. Der reine Zuwachs an Versicherungssumme in 1901 beträgt: 2 285059.88 Mark. Es betrugen insgesammt: 1. die Prämieneinnahme Ml 10 691 788,90 Mark (1900: 10 891 471.63 Mark); 2. die Prämienreserve und Prämienüberträge 110 406124.24 Mark <104 415 091.90 Mark); D die Hypotheken 106 493 418.75 Mark (100 136 350.- Mark); 4. die Werthpapiere 3 393 837,30 Mark (4 064 548.30 Mark); 5. die Zinsennähme 4 519 212.58 Mark (4 205 285.52 Mark»; 6. der Neberschuß 663 500.84 Mark <590 315,37 Mark); 7. der Sicherheitsfonds und der Garantiefonds 1452 381,51 Mark (1 384 918,26 Mark); 8. der Dividendensonds und der Dividendenreservesonds 3 638 236,43 Mark (2 917140,43 Mark »; 9. der Hypotheken- und Effektenreservefonds 75 0(U,— Mark (57 740.10 Mark); 10. der Kriegsreservefonds der Abtheilung II 175 551.31 Mark (152 478.17 Mark). Der Zweck der Anstalt ist: 1. Deckung der Kosten des Militärdienstes, Unterstützung von Berufssoldaten. Versorgung'von Invaliden Nur Knaben unter 12 Jahren finden in dieser Abtheilung Aufnahme. 2. Versorgung voll Hinterbliebenen und Altersversorgung. Sicherung von Kapitalien zur Beschaffung von Aussteuern und für Studienzwecke. Personen beiderlei Geschlechts finden vom 10. Lebensjahre ab in dieser Abtheilung Aufnahme. Wir brauchen aus die Bedeutung dieser Anstalt auch sür unsere Glaubensgenossen wohl nicht erst besonders hillzuweisen. o. Wiesbaden, 13. Juni. Der „Nassauische Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden" erstattet Bericht über seine Thätigkeit sür die Jahre 1899/1902. Welch großen Anklang die Gründung des Vereins gefunden, geht daraus hervor, daß sich demselben sofort etwa 150 Mitglieder der hiesigen und eine ansehnliche Anzahl auswärtiger Gemeinden anschlossen. Bis jetzt wurden 14 Lehrlinge in Obhut genommen, welche bis auf die drei ersten, die vor Gründung des Vereins bereits in Stellung waren, mit Beihilfe des Vorstandes Lehrstellen erhielten und zwar: zwei Schuhmacher, ein Sattler, drei Schneider, zwei Tapezirer. drei Metzger, zwei Uhrmacher, ein Buchbinder, von welchen sechs ihre Lehrzeit bereits beendigt haben. Für diese Lehrlinge sind in den drei abgelaufenen Jahren circa 3200 Mark verwendet worden; voraussichtlich werden in Zukunft noch größere Geldmittel nothwendig werden, weil bei den von auswärts hier untergebrachten Lehrlingen die rituelle Beköstigung ziemlich bedeutende Ausgaben bedingt. Sämmtlichen Lehrlingen wurden aus Kosten des Vereins Beköstigung, Kleidung und Handwerkszeug gewährt, und außerdem hat der Verein in einzelnen Fällen Lehrlingen aus unserem Bezirke, die aber anderwärts in die Lehre getreten waren, durch Geldmittel Unterstützung zn Theil werden lassen. Gegenwärtig befinden sich noch acht Lehrlinge unter Obhut des Vereins. Der Vorstand hat es sich angelegen sein lassen, von Zeit zn Zeit mündlichen Bericht über seine Pflegebefohlenen bei deren Meistern einzuziehen und wir können erfreulicherweise berichten, daß im Großen und Ganzen die Handwerksmeister mit ihren Zöglingen zufrieden gewesen find. Die Einnahmen des Vereins betrugen im letzten Jahre Mark 2542.94, die Ausgaben Mark 1396.41, der Vermögensbestand Mark 1146.53. Der Vorstand besteht aus den Herren Moritz Simon, Vorsitzender; Dr. Ferd. Lahnstein, stellvertretender Vorsitzender; Albert Frank, Kassirer; Benedikt Straus, Schriftführer; M. D. Strauß, Oekonom; Beruh. Baer, Mayer Baum, Max Berger. Dr. med. Kornblum, Benj. Marxheimer, Wilh. Simon, särnmtlich in Wiesbaden; A. Königsberger in Diez; Ferd. Wolf in Idstein; Emanuel Marxheimer in Langenschwalbach. — GaMttgerr, 16. Juni. Seit dem Jahre 1892 existirt dahier eine jüdische Unterrichtsanstalt unter dem Namen Handelsschule mit Pensionat Gailingen a. Rh. Die Schule steht unter staatlicher Aufsicht, und ihre Leistungen sind, besonders seitdem sie unter Leitung des jetzigen Direktors Herrn A. Roßmann steht, anerkannt gute. In Anbetracht dessen beschloß nun der Bürgerausschuß auf Antrag des Gemeinderaths mit großer Majorität, eine Anzahl von Söhnen ärmerer Bürger auf Gemeindekosten in die Anstalt zu schicken, ein Beschluß, der ein ehrendes Zeugniß für die von keinerlei kleinlichen konfessionellen Bedenken eingeengte Loyalität der Gemeindevertretung ist, aber auch ein Beweis für die umsichtige und gewissenhafte Leitung der Anstalt. o. Metz, im Juni. Der Bericht über die IX. Generalversammlung der Genossenschaft znrFürsorge sür die aus denElementarschulen in Metz entlassenen Zöglinge zeigt uns, daß auch im letztverflossenen Jahre der Verein Gutes gestiftet hat; er war bestrebt dazu beizutragen, einen tüchtigen und sittlich guten Handwerkerstand heranzubilden. Leider verscherzen noch immer viele arme Familien die Vortheile, welche die Genossenschaft ihnen bietet, und anstatt ihre Jünglinge einem guten Handwerker in die Lehre zu geben, suchen sie nur möglichst früh Kapital aus ihnen zu schlagen. Diese Familien durch Zureden und Unterstützung anders zu bestimmen, und späterhin den Lehrlingen durch Rath und That beizustehen, ist und