Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1902)
- Date
- 1902-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 der Grundsätze und Forderungen der israelitischen Religion: rechtschaffen leben, Liebe üben und in Dernuth Gottes Wege wandeln. Mit einem kurzen allgemeinen Gebet schloß die erhebende Feier. Darauf wurde der Sarg ans den Leichenwagen gesetzt, vor dem Schülerinnen und Schüler des Verstorbenen gingen, während eine zahlreiche Trauerversammlung folgte. Auf dem an der Freienwalder Chaussee liegenden Friedhof augekommen, wurde der Sarg mit best sterblichen Ueberresten des allgemein beliebten Kantors in die kühle Gruft gesenkt. Nach einer kurzen Ansprache und einem Gebete des Predigers war die Trauerfeierlichkeit beendet. — Königsberg, 9. Juni. Der Bericht über die Thätigkeit des Hilfsvereins für kranke ru sfifche Jsraelite n für das abgelaufene Jahr konstatirt zunächst, daß sich erfreulicherweise die Ansprüche, welche an den Verein gestellt wurden, nicht erhöht haben. Die Ausgaben belaufen sich auf 11 947.49 Mark, wozu die Kranken selbst 3116.10 Mark beisteuerten. Der Verlauf des russischen Kommissionsgeschäfts war auch im verflossenen Jahre recht unbefriedigend doch erreichten die dem Verein zugeflosseuen Abgaben ungefähr die vorjährige Höhe. Die augenblickliche wenig günstige Geschäftslage ließ auch nicht aus diesem Geschäftszweige eine Erhöhung der Einnahmen erwarten. Die Eingänge aus dem Heringsexport haben sich verringert, während aus der Holzbranche eine nennenswerthe Mehr» eiuuahrne zu verzeichnen ist. Auch seitens der Hanf- und Flachsexporteure wurden uns im Berichtsjahr namhafte Abgaben zugeführtv Die Anzahl der Mitglieder des Vereins ist um 14 auf 263 gestiegen. Dem eisernen Fonds wurden die Zinseingänge der letzten Jahre mit 2761.96 Mark überwiesen und für den Baarbestand desselben 3000 Mark Z'/yprozentige Ostpreußifche Pfandbriefe angekauft, so daß der eiserne Fonds nunmehr im Ganzen nominell 23000 Mark Ostprenßische Pfandbriefe nebst einem kleinen Baarrest von 145.90 Mark besitzt. Die Einnahmen gestatteten wie in früheren Jahren einen Betrag derselben zu fester Anlage zu verwenden. Es wurden 3000 Mark 3V.,prozentige Ostpreußifche Pfandbriefe angeschafft. Der Vorstand besteht aus den Herren: George Marx, Vorsitzender, Max Arendt, Simon Eger- Heymaun Ginsburg. M. Grodsensky, CH. Hurwitz, N. Landsberger, A. I. Lewiu, L. Smoira. — Britow, 6. Juni. Der „Bütower Anzeiger" ist seit der Konitzer Affäre eines der bösartigsten antisemitischen Hetzorgane des Ostens. In einer Privatbeleidigungsklage des Besitzers des Blattes, Dzimski, gegen den früheren Redakteur des „Bütower Tageblatts", Reichel, hat die als Berufungsinstanz angerufene Strafkammer in Stolp die antisemitische Tendenz des „Bütower Anzeigers" auch gerichtlich festgestellt. Das Gericht ermäßigte die von dem Bütower Schöffengericht gegen Reichel verhängte Strafe von 150 Mark aus 50 Mark und begründete in der Urtheilsausfertiguug die Straft ermäßigung wie folgt: „Der vom Angeklagten für die Wahrheit des Inhalts dieses Vorwurfs augetretene und in der erneuten Haupt- Verhandlung durch Verlesung einer Allzahl von Stellen aus dem „Bütower Anzeiger" erhobene Beweis hat nun zwar überzeugend ergeben, daß der „Bütower Anzeiger" nicht blos antisemitisch gerichtet ist, was bereits gerichtsbekannt ist, sondern auch in aller möglichen Art und Weise die Juden, die er „Fremdlinge" nennt, herunterzuziehen, lächerlich zu machen, zu verdächtigen und gegen sie in geschäftliche? uild sonstiger Beziehung aufzuhetzen sucht. Damit ist allerdings dev Beweis der Wahrheit für die vom Angeklagten behauptete Thatsache dahin erbracht, daß der „Bütower Anzeiger" gegen den jüdischen Theil der Bevölkerung eine Tendenz der Unduldsamkeit und Verhetzung verfolgt." nt. Posen, 17. Juni. Der Bericht über die fünfte ordentliche Generalversammlung des Verb all des der Synagogen« gemeinden des Negieruugsbezirks Posen, die am 25. v. Mstattgefuuden, ist soeben erschienen. Vertreten waren folgende Gemeinden : 1. Grätz durch Herrn A. Herzfeld, 2. Ostrowo durch Herrn Rechtsanwalt Goldschmidt, 3. Posen durch die Herren: S. Schoenlank, Verbandsvorsteher; D. Peltesohn, Jsr. Friedlaeuder, S. Friedenthal, M. Werner, Jgn. Goldschmidt, W. Guttmanu, 4. Rawitsch durch Herrn Justizrath Breslauer. Zur Zeit gehören dem Verbände folgende 34 Gemeinden an: Adelnau, Betsche, Birnbaum, Bojanowo, Borek, Buk, Czempin, Grätz, Jarotschin, Kobhliu, Koschmin, Kosten, Kostschin, Kriewen, Kurnik, Moschin, Neustadt a. W., Ostrowo, Pinne, Pleschen, Posen, Nakwitz, Rawitsch. Samter, Santomischel, Schmiegel, Schroda, Schwerin a. W., Schwerseuz, Tirschtiegel, Wollstein, Wreschen, Wronke, Zduny. Im Betriebsjahre haben die Einnahmen Mark 2076.89, die Ausgaben Mark 1369.12 betragen. Es verbleibt demnach ein Bestand von Mark 707.77. Während der Berichtszeit haben 5 Kandidaten an dev Ausbildung von Kultusbeamten theilgenommen, von denen 2 in einigen Wochen mit dem Reifezeugniß entlassen werden sollen. Letztere sind bereits von den Gemeinden Stralkowo und Raschkow als Kultusbeamte engagirt worden. Zur Zeit werden acht Kandidaten ausgebildet. Die Meldungen wegen Zuweisung ausgebildeter Kultusbeamten sind zahlreich. Infolge des am 5. Mai v. I. von der Generalversammlung gefaßten Beschlusses hat der Verband bei dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde unter eingehender Begründung die Subventionirung dieser, auch weiteren Kreiselt zu gute kommenden Ausbildung beantragt. Ueber diesen Antrag wurde aus dem letzten Verbandstage berathen und folgender Beschluß gefaßt: „Der Verbandstag empfiehlt den Antrag des Verbandes Posen Punkt 5 der Tagesordnung unter dev Voraussetzung, daß die besprochene Einrichtung in Posen nur Kantoren und Schächter heranzubilden beabsichtigt, der Berücksichtigung." Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeiudebundes hat demzufolge in seiner Sitzung vom 31. März d. I. beschlossen: „die in Posen bestehende Anstalt zur Heranbildung von Kantoren nnd Schächtern unter der Bedingung zu subventioniren, daß deren Zöglinge einen Revers unterschreiben, ohne weitere Ausbildung auf einem Lehrerseminar nicht als Religionslehrer funktioniren zu wollen." Es ist bedauerlich, daß hiernach für die Subventionirung eine Bedingung gestellt wurde, auf welche diesseits nicht eingegangen werden kann, weil die meisten kleineren Gemeinden, seien es solche in unserer Provinz oder in anderen Theilen der Monarchie, nicht in der Lage sind, ihrem Beamten ein solches Gehalt zu gewähren, welches einem seminaristisch ausgebildeten Lehrer, der auch als Schächter und Vorbeter ausgebildet ist, gewährt werden müßte. Der Anregung der vorjährigen Generalversammlung. an die zuständigen Behörden die Bitte zu richten, daß einem Delegirten der einzelnen Shnagogengemeiuden gestattet werde, bei Feststellung der Lehrpläne für den jüdischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen mitzuwirkeu und auf die Ertheilung des Unterrichts Einfluß zu üben, hat der D.-J. G.-B. Folge gegeben. Es ist aber noch kein Bescheid erfolgt. Die Aufforderung des D.-J. G.-V., der Verband solle sich die Rechte einer juristischen Person ertheilen lassen, wurde abgelehnt. In dem Voranschlag für 1902 werden 950 Mark zur Ausbildung von Kultusbeamten, 450 Mark zur Förderung von Kultusangelegenheiten vorgesehen. Infolge des Beschlusses der vorjährigen Generalversammlung, daß der Verband dahin wirken solle, daß die einzelnen Synagogengemeinden die Ertheilung des bisher privatim ertheilten Unterrichts im Hebräischen als Gemeindeangelegenheit übernehmen und denselben durch ihre Rabbiner oder Delegirte des Verbandes überwachen lassen, wurde ein Rundschreiben nebst Fragebogen an alle Synagogengemeinden des diesseitigen Bezirks erlassen, aus welches 30 Antworten eingegangen sind. Den letzteren ist zu entnehmen, daß bereits in 18 Gemeinden die Honorirung des Religionsunterrichts durch die Gemeinderespektive Schnlkasse erfolgt. Die Ueberwachung durch einen Rabbiner erfolgt fast nur da, wo ein solcher am Orte ist. Die Ueberwachung durch einen Delegirten des Verbandes konnte nur in geringem Umfange erzielt werden. Ferner wurde beschlossen, die Zustimmung zur Schaffung einer „Gesammtorganisation der Deutschen Israeliten" nach Maßgabe der Aufforderung des Ausschusses vom September v. I. zu ertheilen. Bei der Wahl von sechs Ausschußmitgliedern werden wiedergewählt die Herren: Kommerzienrath Herz-Posen, Justizrath Salz-Posen, M. Werner-Posen, A. Herzfeld-Grätz, Rittergutsbesitzer Isidor Nohr-Langguhle, neugewählt Rechtsanwalt Goldschmidt-Ostrowo. Zum Verbandsvorsteher wurde Herr Schoenlank, zum stellvertretenden Verbandsvorsteher Herr Justizrath Salz, zum Kassenführer Herr Silberberg wiedergewählt. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Kaufmann Adolf Lubiuski in Witkowo ist neulich im Alter von 45 Jahren gostorben. Derselbe war längere Zeit Repräsentant der Synagogengemeinde und Rendant des jüdischen Litteratur- und Geschichtsvereins daselbst. — Zu Repräsentanten der jüdischen Volksschule in Schwerin a. W. sind kürzlich die Herren Rentier Gustav Jeremias. Kaufmann Gustav Hanfs und Kürschnermeister Adolf Jonas gewählt worden. — Im Alter von 90 Jahren ist der Ehrenbürger der Stadt Rogasen, Rentier Marcus Kürschner, gestorben. Derselbe hat sich durch langjährige Verwaltung der höchsten städtischen Ehrenämter sehr um die Hebung des Kommunalwesens daselbst verdient gemacht. Auch inner-