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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-20 · Heft 25 (20.6.1902) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
Seite 292 (sequence 6)
Language
German
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29Z gegebenen Zahlen richtig sind. Im ganzen letzten Jahre ist nur 1 Prozent aller Einwanderer von den amerikanischen Behörden am Landen verhindert worden. Von diesen sind nur 383 Personen, darunter 180 Engländer auf ihrem Rückwege in England hängen geblieben. Es find das nur 5 Prozent aller in Amerika zurückgewiesenen Personen und selbst von diesen haben viele nachträglich England wieder verlassen." In Rußland geht der alte Kurs „unentwegt" weiter. Dem Londoner „Standard" wird aus Odessa berichtet: „Nach einem Gouvernementsedikt sollen alle Juden, die in den Eisenerz- und Kohlenbergwerken des Gouvernements Jekaterinoslaw beschäftigt sind, im Laufe des Monats aus ihrem Dienstverhältniß entlassen werden. Diejenigen, denen gesetzlich kein Domizilrecht zusteht, sollen außerdem aus dem Gonvernement ausgewiesen werden. Einige Ausnahmen werden mit Bezug auf solche Juden gemacht, die in den Bureaus der betreffenden Bergwerksgesellschaften thätig sind, doch soll auch deren Ausweisung in Zukunst dem Gouverneur der Provinz freistehen. Durch das Edikt ^werden 40000 bis 50000 Juden betroffen." Ob der Senat hier nicht wieder einschreiten wird? Ist doch diese Behörde allein noch in Rußland berufen, der Hort der Unglücklichen zu sein. Briefe aus Rußland. Von Leon A. Trachtenberg. Odessa, im Juni. ie Frühlingsausstellung in der kaiserlichen Akademie der Künste in Petersburg ist in diesem Jahre viel interessanter als im vorigen. Besonders ausgezeichnet ist die Skulpturabtheilung. Diesmal gehört der größte Theil der besten Arbeiten dem Meißel jüdischer Bildhauer an. Eine graziöse Statuette „Maky" stellte die bekannte Bildhauerin Marie Lwowna Dillon aus, die von der Kaiserin Alexandra Feodorowna angekauft wurde. Der berühmte Bildhauer I. I. Günzburg exponirte sehr ähnliche Büsten der auch in Deutschland bekannten Schauspielerin Sawina und des Schriftstellers P. I. Steinberg. Recht interessant im Ausdruck der Gesichter und in den Bewegungen ist die kleine Gruppe ans Bronze „Vordem Bade". Ebenso gelungen sind die Schöpfungen von P. S. Aronsohn. Dieser junge Künstler besitzt großen Geschmack und eine feste Zeichnung, wodurch er die besondere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Seine große Statue aus Gips „Der Durst" stellt einen Menschen dar, der vom Durste gequält und nach Wasser lechzend, eine Quelle inmitten der Felsen findet. Sein „Liebeslager" aus Marmor stellt ein von Liebe beseligtes Pärchen, von den Wellen des Ozeans getragen, dar. Sehr gut ist seine Bronzebüste des Grasen Leo Tolstoi, nach der Natur in Jasnoi-Poljana selbst geschaffen. Der Künstler erfaßte den edlen Ausdruck des Gesichtes des berühmten Schriftstellers. Ebenfalls interessant ist seine Gruppe „Das Nest" (es stellt zwei Knaben dar, die auf einem Felsen sich aneinander schmiegen). Ferner die Büste der Frau Sawina, di« des Dichters Fet-- Schenschn, „Die Schlesierin", „Die Bretonin", „Die Arlesianerin", „Der Märtyrer", „Jurotschka", im Besitze des bekannten Herrn Suworin, „Der Blinde" und noch vieles andere. Sehr gut sind auch die Arbeiten von Synajeff-Bernstein: die marmorne Büste der Großfürstin Helene Wladimirowna, „Der süße Traum" und „Das Echo der Wellen"; dasselbe zeigt ein junges Mädchen auf einem Felsen, die dem Geräusch der Wellen lauscht, ferner „Die Rast des Arbeiters". In den Malerausstellungen treffen wir den jüdischen Künstler K. A. Feldmann mit zwei Bildern „Im Dorfe" uiw „Das Ende des Sommers". Zum erstell Male exponirt aus dieser Ausstellung S. D. Hirschenberg-Lodz ein großes Bild - „Auf dem jüdischen Friedhöfe." Auf dem Vorderplan sehen wir die von der Zeit zusammengesunkenen Grabdenkmäler mit den charakteristischen hebräischen Inschriften; etwas weiter davon eine alte Frau und hinter ihr zwei arme Mädchen, bitter weinend, und die ihnen theueren Todten um Vertretung und Schutz anstehend. Schade, daß der Künstler sich blos mit drei Figuren begnügte; das Bild wäre viel interessanter bei einer großen Staffage von Menschen, wie es gewöhnlich in den Tagen des Monats Elnl der Fall ist. S. M. Seidenberg stellte die Porträts von Karpoi.' und des Künstlers Stoliz aus. Recht schön ist das Porträt de - Künstlers Mjadojedow — eine Arbeit von O. I. Perelmanri Schließlich erwähnen wir noch die Landschaft von M. Schirlenl. „Die Mondnacht." Man wird zugeben, daß der Antheil der russischen Juden an der bildenden Kunst ihres Vaterlandes ein bemerksnswerther ist. — Im Journal ,Mir Loj^" („Die Welt Gottes") erzähl! Elias Günzburg, auf welche Weise er Bildhauer wurde, und unter anderem giebt er seine Erinnerungen an Antokolskn in der Epoche des Anfanges seines Ruhmes . . . „Dainals war die Zeit der allgemeinen Erhebung de Geistes der intelligenten Gesellschaft," erzählt Herr Günzburg „Alle waren freundschaftlich gegen einander, das Gute wurde aufgegriffen und emporgehoben. Der Jude, der Kleinrusst der Pole, Alle waren gleich, Alle hatten eine und dieselbe Aufgabe, denselben Zweck: die allgemeine Bildung, und die Liebe zur Wissenschaft und zur Kunst. Sehr oft versammelte!! sich bei Antvkolsky die Kameradenkünstler, stritten über die Kunst und über die Aufgaben des Künstlers. Ihr Streit war aufrichtig und anziehend. Der Wirth selbst — ein Jude, de; Pole Siemiradsky, der Kleinrusie Repin und der Großrusse Maksimow — sie Alle waren aufrichtige Kameraden, und keine nationale Frage vergiftete ihre Beziehungen zu einander Ganze Abende verbrachten sie zusammen am bescheidenen Theetische und sprachen bis spät nach Mitternacht über di. Kunst. Manchmal saß unter ihnen der ewig junge W. W. Stasow dieser wahre Verehrer der jungen Originaltalente. An einein besonderen Tische sitzend und meine Aufgaben vorbereitend hörte ich den Gesprächen zu, und wiewohl ich vieles nicht ver stand, fühlte ich, daß diese Leute von dein allgemein geliebten Gegenstände begeistert sind, an ihre Sache glauben und deshalb einander lieben. Und oft dachte ich daran, wie glücklich ich bin, daß ich unter solchen Glücklichen lebe, und daß ick einst ebenso nützlich (dainals schien es mir, daß Alle an den Nutzen der Aufklärung und an der Kunst glauben) und ein guter Arbeiter sein werde. Im Januar beendigte Antvkolsky die Statue „Iwan der Schreckliche." Der hochselige Kaiser Alexander II. bestieg die vierte Etage um diese Statue in Augenschein zu nehmen und kaufte dieselbe. Die Akademie verlieh Antokolsly den Grad eines Akademikers. Alle Welt sprach von der Statue, das Atelier war den ganzen Tag voll von Menschen. Der Name Antvkolsky bekam noch einen größeren Ruf, nachdem Stasvn und Turgenjew Aufsätze voll von Lobeserhebungen über ihn schrieben. Von allen Seiten wurde Antvkolsky eingeladen.

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