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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-13 · Heft 24 (13.6.1902) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 24 (13.6.1902)
Date
1902-06-13
Page
Seite 287 (sequence 13)
Language
German
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SK7 nie lange :r Gaffe: werlebei, und auf n: „Wey »ie ganze ckten".., >er schon irt nich! ide, un,' wie mn gaben >llte ihn: ür einen, nde In als nui i zu den zrlichkeü fromme te durch le Frau te that. -nsarten Geisterwüthete. und im lt überten Alle n Grabe : Julie, allendes ber um diesmal >s einer gen die Juden itrefsen, an entptötzlich .ode ern und e, gotth. „Ja, rnd gern» ich , Haus ch vollkommen ein, und in der Gasse gab es wieder etwas zum Lachen. Viel trugen zur Erheiterung auch die unfreiwilligen Humoristen bei, so der Landarzt, der regelmäßig seine Geschichte begann: „So Hab ich ihn behandelt — is er gestorben," was bald ständige Redensart wurde, oder der ungarische Dorfjunge, der uns durchaus mit seinem Dichtertalent imponiren wollte, und Verse verfaßte wie: „Als es mir so gut gelung Zu machen einen Abendsprung, Um euch nicht zu überraschen, Und mich doch bei euch zu waschen . . . Natürlich gingen diese poetischen Erzeugnisse von Haus zu Haus, und der Poet, der solchen gereimten Unsinn kiloweise 'erfaßte, mußte ihn überall vorlesen und wurde mit Lob überschüttet — die Kille aber hatte wieder einmal Stofs zum Lachen. Den guten Leuten, die so gar keine Sorgen hatten, als sich;u unterhalten, half aber das Geschick sehr oft zu ausgiebigen Belustigungen. Wahre Lachorgien erregte auch jener ungarische Rabbiner, der stundenlang im buntesten Kauderwelsch das innloseste Zeug zusammenschwätzte: „Da Hab ich e Uhr, die;s wie e großer Zwiebel, und heut is Schabbes, un wenn ich wer bei Pinkes Moler essen, da Wern mer gewiß e Kugel habn, die wird auch sein wie e Zwiebel oder nix wie e Zwiebel — Das war eine Gastpredigt, und die Gemeinde schüttelte sich vor Lachen, sie hatte wieder einmal ihren Zweck vollständig erreicht. — Unser ehrwürdiger Rabbiner aber, der ja selbst kein Feind von guten jüdischen Witzen war. und auch solche vorzüglich wiederzugeben vermochte, hielt den Tempel für ein solches Schauspiel nicht geeignet und ermahnte den Redner, zu schließen. „Die Gemeinde wird ungeduldig," apostrophirte erden in jagen dstem Tempo weiter Mauschelnden, „und dann ist man bei uns an deutsche Predigten gewöhnt . . ." „Nü, hör der an da! Hab ich denn nix deitsch gespeichen? Ichenner kenn mer scho gor nit." — „Nein, schenner kenn ma icho gor nit!" rief nun Alles durch einander, und jener Zamstag war einer der genußreichsten geworden für die Gasse. Der Wanderrabbiner bekam zum Dank dafür seine „Kugel" und noch viel mehr zu essen, zu trinken und mit auf die Wanderschaft. In einer kleinen Nachbargemeinde wirkte ein Rabbiner, dessen gute, treffende Bemerkungen fast ebenso bekannt waren, wie seine langen, ost zu langen Predigten. Eines Tages hatte er denn auch wieder von der Kanzel herab gesprochen und hätte bald das Aufhören vergessen. Ein Theil der Zuhörer unterhielt 'ich ganz ungenirt unter einander. Die Anderen aber waren eingeschlafen! Die Unterhaltung wurde immer lauter und ungenirter, da unterbrach sich Plötzlich der Prediger. — „Aber Kinder," rief er, „wenn Ihr Enk schon e so gut Unterhalts, weckUs mer wenigstens nix die Leut auf, was e so gilt schlafen!" Bei uns, da hatte Alles Humor, Alt und Jung, Groß und Klein, Arm und Reich; ein Jeder wußte sich durch den allzeit heiteren Sinn den engen Kreis, in dem sie lebten, zu erweitern, und dadurch, daß sie es verstanden, jedem Ereigniß und jeder Person die komische Seite abzugewinnen, wurde eben alles zur Quelle heiteren Genusses. Niemand fühlte den Stachel des Spottes zu tief, wußte man ja, daß am nächsten Tage wieder ein Anderer zur Zielscheibe berühmter Spottlust wurde. Ja, die Getroffenen lachten zumeist selbst mit. So hat nicht nur die Gemeinde, nein auch jener junge Mann selbst, der als blutjunger Student seinem Lehrer eine urkomische Grabrede hielt, sich über diese Rede lange Zeit unterhalten. Besagter Student, der heute ein großer Mann geworden ist, lacht selbst sicher noch, wenn er sich erinnert, daß er damals dem todten Lehrer nachrief: „Der Schlag, der ihn getroffen hat, hat nns getroffen!" Zur ausgelassensten Fröhlichkeit jedoch bot der Purim reichlichste Gelegenheit. Was da an Maskeraden, Umzügen. Scherzgedichten und unsinnigen Possen und Aufzügen in unserem „Killele" geleistet wurde, war wohl nicht sobald nachzuahmen, und unsere Gemeinde war darin einzig. Da zogen die „Verstellten" von Haus zu Haus, überall wurden sie sehr freundlich empfangen, überall zum Speisen genöthigt und überall verbreiteten sie die köstlichste Laune, trotzdem sie unter der Maske den Leuten allerhand Frechheiten sagten. Unvergeßlich blieb lange der Purim, der auf einen Samstag fiel. Da zog eine vornehme Frau als Werkelmann verkleidet von Haus zu Haus. Kaum hatte sie jedoch die paarhalsbrecherischen Stufen zu unserer Wohnung erklommen und zu spielen begonnen, als auch schon hageldicht die Faustschläge auf ihren Kopf niedersausten. Mit ihrer ganzen Gewalt bearbeitete unsere gute alte Großmutter den harten Schädel des Werkelmannes,- der aber krümmte sich vor Lachen, was die fromme, alte Frau noch mehr erbitterte. „Ruckes zn-itscll!" (Geh weg), schrie sie höhnisch den Leiermann an, „weist nix, hier wohnt der Rabbin, und heit haben mir Samstag" . . . Und da er noch immer weiter werkelt, packt sie ihn am Nock, ein Stoß, und der gute Werkelmann stiegt über alle Treppen auf die Gasse hinunter; unten tosendes Gelächter. Die Frau aber, die den Werkelmann so gut spielte, ist so entzückt von diesem Abenteuer, daß sie auf der Stelle zehn Gulden für die Armen spendet, was einem der tonangebendsten Schnorrer, Meyer Schulklopper genannt zu dem Bers veranlaßte: „Sehr gut is das Bierl, Es soll lebe» die Frau Mirl!" Dieser Meher Schulklopper war übrigens auch ein Dichter, denn er besang bei festlichen Anlässen stets die „blaue Sonne am grünen Firmament". Für mich selbst waren die „Verstellten" stets ein Gegenstand des Schreckens, und ich versteckte mich immer zitternd in den entferntesten Winkel unserer Wohnung. „Ich fürcht mi ja nicht vor die Maksen," rief ich angsterfüllt aus, „aber nur sehen will ich sie nicht!" Und als unsere Mutter, die in solchen Sachen keinen Spaß verstand, mich mit Gewalt hervorzuholen versprach, wenn die Masken koiiimen würden, da wußte ich mir in meiner kindischen Angst nicht anders zu helfen: ich nahm von einer antiken Uhr, die wir besaßen, eine zierliche kleine Figur, die wir „die Dame" nannten, hinweg, um sie Jtzig Lindner, dem größten Spaßmacher der Gemeinde, für mich aber auch dein furchtbarsten der „Maksen", zum Präsent zu machen. Er nahm sie, denn was hätte ein Mann von damals nicht genommen! - Aber mir bekam die Sache übel; nicht genug, daß ich eine Tracht Prügel erhielt, als die Mutter den Abgang der „Dame" bemerkte, mußte ich noch — entsetzlich — zu Jtzig Lindner hiuaufgehen und von dem Gefürchteten selbst die „Dame" znrückverlangen.

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