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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-13 · Heft 24 (13.6.1902) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 24 (13.6.1902)
Date
1902-06-13
Page
Seite 285 (sequence 11)
Language
German
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hlichkeit nschheil, knnbeil lebnisse ilufgab? Lenden', Knaben n. Di'? :r. Di? nde gewo de? für die s maß iten in wo die ld nicht enntnis: r a gischg, wen: bürdet? rMehr Helde, zehende inaben, tert, zu Kleinze Held strengter der alten chbiner ater - s Fuß- >nt sich iegt in Sehn isartet. Spiel, -rischen ewigen en sür keine rlichen rischer gefühl znissen ervorgehoben haben, eine psychologische Skizze, die den Entwickelungsgang eines „verkannten" Knaben schildern will. Und der arme Knabe ist wirklich verkannt. Er sehnt sich nach Poesie — unbewußt selbstverständlich — und ringsum findet er die öde, dürre Wirklichkeit: er soll lernen — wozu? Darauf findet er leine Antwort — und die Kasuistik der Gemara liegt seinem seinen, zarten Gefühl so unendlich fern! Es ist klar, daß auf solchem Boden die Abgeschlossenheit und Melancholie eine reiche Nahrung finden. Und es entwickelt sich in der gequälten Zeele eine Sehnsucht nach dem Mystischen. Ein Zufall hat es gewollt, daß Leo bei der Verlobung 'eines Onkels ein mit allen Reizen der Jugend ausgestattetes Mädchen sieht. Das Mädchen wird von dem immer traurigen Knaben zu einer Göttin erhoben. Seine Phantasie findet den sängst ersehnten Stoff, und unbewußt verliebt er sich. Er weiß nicht, was in ihm vorgeht; er schwärmt von seiner Verlobung mit dem bildschönen Mädchen. Er schwärmt, daß l r von ihr Briefe bekommt, daß mal die Zeit kommen wird, wo sie zusammen sein werden: „Dann sind wir sehr reich und -ähren durch die ganze Welt in einer silbernen Eisenbahn ..." Dieser naive Traum wird der Inhalt seines traurigen Lebens, sr besitzt sein Ideal, so hoch über den Schmutz des Lebens erhaben. Und obgleich das Mädchen mit einem Offizier durchgebrannt und sogar zum Christenthum übergegangen ist, glaubt der Knabe doch stets, daß sie wiederkehren wird, und der Tag seines Verlöbnisses kommen muß. Er wahrt streng sein Geheimniß, und Keiner soll es wissen. Das ist sein Schiboleth, sein einziges Heiligthum. Doch — er kann nicht in ewiger Einsamkeit leben. Die Schwärmer — wenn sie auch Knaben sind — müssen immer eine mitfühlende Seele haben. Und Leo vertraut sein Geheimniß einem Schulfreunde. Dieser Schritt aber wird sür ihn verhängnißvoll. Denn der „gesunde Menschenverstand" eines fürSchwärmerei nicht angelegten Freundes kann für Leos Träume keine verständnißvolle Würdigung finden. Der Schwärmer wird ausgelacht, und die Schulfreunde, die ihn — seiner Verschlossenheit wegen — lange haßten, erfahren endlich das Geheimniß. Leo wird verspottet; seine Träume werden in den Schmutz gezogen, und er selbst lebt in einem Zustande nervöser Aufregung: wehe, wenn der strenge Vater über seine „Verlobung" was erfahren sollte! Und der einsame, verlassene Knabe muß für sein Ideal kämpfen: er vernachlässigt die Schulstunden, er wird faul und erträgt ohne Verzagtheit Schläge und Hiebe. Der einzige Gedanke überwältigt ihn: sein Geheimniß soll heilig bleiben; er wird immer das Bild der in der Ferne weilenden Geliebten als höchstes Gut im Herzen bewahren. Und einen schweren Kampf muß er auskämpfen. Da es einmal in Gottes Rath geschrieben ist, daß alle Schwärmer im ungleichen Streite unterliegen, wird auch der jugendliche Held von Schlägen des Schicksals getroffen. Doch bleibt er seinem Ideal treu: im Krankenbette fiebernd und Phantasirend liegt er „mit zusammengebissenen Zähnen, als sollte er sich jetzt doch das Geheimniß nicht entreißen lassen". Und er nimmt es mit ins Grab. Es ist die feine, psychologische Analyse, die uns in der Skizze von Frisch besonders fesselt. Freilich, scheint uns der mystische Liebestrieb, der das ganze Leben eines zwölfjährigen Knaben durchweht, etwas unnatürlich und gekünstelt. Doch wir müssen darauf Rücksicht nehmen, daß für den Knaben die dürre Wirklichkeit keine anziehende Kraft besaß, daß das Unbekannte sich früher oder später in irgend einer Art „verkörpern" mußte. Solche unnatürliche Vorgänge Pflegen bei Kindern nur dann vorzukommen, wenn die Erziehung in künstliche Bahnen gelenkt wird. Und das ist leider der Fall bei jüdischer Erziehung nach den längst verschollenen Mustern der Vergangenheit. Es hätte deshalb der Verfasser auf dem Titelblatts des Buches vermerken sollen, daß seine Skizze die Geschichte eines „jüdischen" Knaben behandelt. — Sehr jüdisch klingt der Titel der zweiten zu besprechenden Erzählung. Wir werden über dieselbe nicht viele Worte verlieren. Eigentlich waren die Vorsätze des Verfassers sehr gut: er wollte uns eine ausführliche Beschreibung des Passahfestes in einer kleinen Provinzstadt geben. Er stellt uns eine kleinbürgerliche Familie mit sämmtlichen Mitgliedern dar. Zum Besuch kommt auch der Sohn, der in der Kreisstadt das Gymnasium besucht. Und es folgen die weitschweifigsten Beschreibungen, manchmal sogar mit naturalistischer Schattirung. Wenn der Verfasser mit der Passahfeier zu Ende ist, beginnt er den Seelenzustand des Gymnasiasten zu beschreiben: verarme Junge muß nach der freudvollen Festwoche zur Arbeit zurück. Es folgen anscheinend sehr geistvolle Bemerkungen über das Vergängliche im Leben und über die bittere Noth unseres Daseins. Die Bemerkungen sind leider nicht immer interessant — ja — es scheint, daß der Gymnasiast sich in dem gefährlichen Zustande befindet, in welchem man zum Dichten Muth bekommt. So ist auch der psychologische Theil der Erzählung zu weitschweifig und zu seicht. Und dazu heißt das ganze Werk: „Erlebnisse einer jungen Seele." Der Titel verspricht viel — desto größer aber ist die Enttäuschung. 3. kl. mi.L.L'ron Humor drr Gasse. Von Carola Buchheim. man ihn noch? — Scheint es doch, als sei der jüdische Humor ansgestorben, als wäre die klare, erfrischende Quelle jüdischer Laune und schlagfertigen Witzes für immer versiegt! Nichts wäre natürlicher: selbst der heiterste Sinn, die gesundeste Laune muß vor den traurigen Erscheinungen des Tages verblassen! Welch gesunder Kern aber dem jüdischen Stamme innewohnt. zeigt der Umstand, daß die Juden trotz aller Mühsal des Lebens, trotz aller Schmähungen und Verfolgungen, sich dennoch ein gut Theil froher Laune erhalten haben, um die sie wohl manch starrer, verbissener Antisemit beneiden könnte. Ist doch der Humor stets ein willkommener Freund der Menschen, und Diejenigen, denen er versagt ist, wissen nichts von der echten und rechten Lebensfrendigkeit. Allerdings begegnen wir in der Gegenwart dem jüdischen Humoristen seltener als vor einigen Jahrzehnten. War das stets ein lustiges Hin- und Herreden in der Gasse; heitere Scherzworte, untermischt mit leichtem, nicht verletzendem Spott, flogen da von einem „Bänkel" der Gasse zum anderen. Und wie wenig brauchten alle diese Leute, um von Herzen fröhlich zu sein! Ein einziges Witzwort, ein heiterer Zwischenfall, die in der

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