Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1902)
- Date
- 1902-06-13
- Page
- Seite 281 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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281 -sich v-rj Religion irfeu dij »tziehv 'ch solisi :n „Edell Karnpss i 1902 Herr, daß Mt als s großen lfach leint, daß ig überultus zu och trok zen, der mit den » bestellt > — und nen mi», daß man die ihr rsset euch -t euere ach mit Talmud ht. Ja, sondern das ihn Konwublikum, - bürgerbürg-rhe. Wir e einem elehrrmz;r Dinge >tahnu>ig auspieler , unterische die sondern anderer NN, ein Aufga »e zu vcrh unsere » werden r lauter schrillen ichgiltig >enn ders >on dem thnt, was er sagt. Wenn dem Rabbiner sein Judenthum nur die „melkende Kuh ist, die ihn mit Butter und anderen Dingen versorgt", wenn für ihn mir die Reichen und Mächtigen er stiren, wenn die erhabene Idee ihm zur leeren Form sich vervrrflacht, dann sind die schönsten Worte nichts werth, dann nützen alle Verrenkungen und geistreich sein sollenden Auslegungen, aber unwahren Deutungen des Bibelwortes nichts. Ter Rabbiner muß wahr und gerecht sein. Er darf nicht mit den Einflußreichen Paktiren, ihre Fehler mit schonenden Augen ansehen, dem laisser karre, laisser aller huldigen, weil er sich furchtet, es mit den Führern zu verderben. Ist er ein Nachfolger der alten Propheten, dann lerne er seinen Jesaias »ad Jeremias kennen, die sich doch wahrhaftig kein Blatt vor d>n Mund genommen haben. Daß der Rabbiner ein allgemein gebildeter Mensch sein muß, wer wird dies zu leugnen wagen? Aber vor allem verlangen wir von ihm Kenntniß des Judenthums. Ich will in einer Predigt nicht verwässerte Philosophie hören; um mich in diesem und anderen Wissenszweigen zu unterrichten, dazu gehe nicht ich und!tausende Andere in die Synagoge. Das Wort Gottes, das lebendige, künde der Rabbi dem Volke, wohlverstanden, dem! nach dem Worte Gottes hungernden Laien. Wie sagt Moses s' wunderbar schön und herrlich: „Ihr stehet heute Alle vor dem Ewigen, euerem Gotte, euere Häupter, euere Aeltesten und euere Beamten, alle Männer von Israel; euere Kinder, euere Weiber und dein Fremdling, der inmitten deinem Lager, von deinem Holzhauer bis zu deinem Wafserschöpfer." Die Letzteren halten wir für die Wichtigsten. - Dieses Volk, dieses arme, belastete, elende Volk, dies soll der Prediger aufrichten, erheben, trösten, mit Zuversicht erfüllen; er sei ein Redner, Berather, Helfer, fürsorglich stehe er ihm bei in seiner ozialen Noth. Dazu braucht man keinen Gestus, keine Pose, keinen seidenen Talles, keine Bäffchen, keine hervorragende Gestalt, kein angenehm klingendes, modulationsfähiges Organ, dazu braucht man keinen überreichen Wortschatz und keine geistreichen Antithesen, dazu braucht mau nur etwas sehr Winziges und doch sehr Wichtiges, dazu braucht man — Herz. Was ist es, das die katholische Geistlichkeit zu einer solchen Macht stempelt, wie wir sie oft, gestehen wir es »ur. mit Neid bewundern? Sie steigen zum Volke hernieder, sprechen mit ihm in seiner Sprache, kennen seine Bedürfnisse und beschränken sich nicht darauf, an irgend einem Festtage eine wohlausgeklügelte, mit reichlichen Citaten gespickte Rede zu halten. Wir aber stellen Rabbiner an, wenn ihre „Probepredigt" gefällt. Ich will nicht wiederholen, was in diesen Blättern von anderer Seite schon so vortrefflich über dieses Zurschaustellen, über diesen ganz unwürdiger» Spektakel gesagt wurde; solange aber bei uns der Prediger nur der „Vortragsmeister" sein wird, ist uns nicht geholfen. Das mögen die Wiener Gemeinde und andere Gemeinden bedenken. Dann wundert man sich, wenn die Führung in den Gemeinden den Rabbinern leider abhanden kam, wenn sich oft ganz untaugliche und unwürdige Elemente allenthalben vordrängen, wenn die Achtung vor der Religion sinkt, und das Judenthum zu einem Stellenvermittelungsamte herabgewürdigt wird. Hätten sich die Führer um die Armen f gekümmert, so müßten es nicht Andere thun; wären sie überall die Lehrer des Volkes, so hätten sich nicht Unberufene vorgedrängt, und eS wäre vieles anders geworden. Wir wollen ja nicht leugnen, daß es sehr viele ehrwürdige Vertreter des Rabbinerstandes giebt, die wirkliche Väter des Volkes sind. Und wie werden diese verehrt und geachtet! Aber wenn wir an manche ihrer Genossen denken, die sich von der großen Menge abschließen, sie nicht kennen, keine Berührung mit den Armen haben, nur hier und da die Kanzel besteigen, um wohlgedrechselte, schöne Worte von sich zu geben und irr maßloser Eitelkeit immer als die Demosthenes und Bossuet angebetet werden wollen, dann möchten wir den Gemeindevertretungen ein warnendes Wort zurufen, derartigen Eitelkeiten nicht zu stöhnen und dieses Uebel auszumerzen. Hinweg mit der Schaustellung, hinweg mit der Pose und all dem schauspielerischen Hausrath. „DerWorte sind nun genug gewechselt, lasset uns Thateu sehen." Gott hat geredet, an uns ist die That, und da sei der Rabbiner, wie zu alten Zeiten so auch heute stets voran. Er ziehe sich nicht zurück, um nur an hohen Feiertagen mit einer schönen Rede aufzutauchen. So ist das Judenthum mit lauter schönen Worten nahezu todtgeschlagen worden, und selbst die schönste Leichenrede kann den Todten nicht aufwecken. Nicht wie man spricht, sondern was man spricht und wie man wirkt im Leben, das ist die Hauptsache wohl bei jedem Menschen, und, wir brauchen es wohl nicht zu sagen, insonderheit beim Rabbiner. Schönreden, deutlich sprechen, künstlerischen Gestus, verlangt alles dies in Gottes Namen von euren Schauspielern; einen edlen Charakter, Wahrheit, Recht mnd Liebe, besonders zu seinem Volke, fordern wir aber vom Rabbiner. Irvri. Zur Versöhnung. Von Eugen Kornfeld, Baumeister.') ch bin ein Jude und kenne meine Religion. Ich bin kein Gelehrter auf den Gebieten jüdischer Litteratur und jüdischer Gesetzeslehre; ich bin ebenso ein Jude, wie Hurrderttausende von Christen Christen sind. Ich stehe als deutscher Jude mit humanistischer Bildung, die ich auf deutschen Lehranstalten und deutschen Hochschulen von deutschen Lehrern christlichen Glaubens gemeinsam mit deutschen Mitschülern und Studenten christlichen Glaubens erhalten habe, der jüdischen Orthodoxie ebenso fern als Tausende von gebildeten deutschen Christen, die unter denselben Einflüssen erzogen sind, der christlichen Orthodoxie fernstehen! Die orthodoxen Richtungen beider Religionsgemeinschaften haben mehr Berührungspunkte, als der Fernstehende glaubt. So wie die Denker und Gebildeter» aller Nationen und Religionsgenossenschaften ein gemeinsames Ziel verbindet, das Streber» nach Fortschritt auf dein Gebiete des Naturerkennens, der spekulativen Philosophie und des Nutzbarinacheirs der Kräfte in der Natur zu Zwecken der Menschheit, so waren die Orthodoxer» jeder Religionsgenossenschast die Mitglieder derselben, die die starren Glaubenslehren früherer Jahrtausende fesseln, um sie auf alle Fälle zu ihren Zwecken auszunützen. ') Der obige Aufsatz ist das geistige Testament eines hochbegabten Mannes, der im 4t. Lebensjahre (am 22. April 1902) gestorben ist. Auch selbst die, welche nicht mit allen hier ausgesprochenen Ansichten übereinstimmen, werden doch sicher die edle Gesinnung, die hohe Lebensanschauung des Frühverblichenen anerkennen, der — und das ist hier zweifellos von charakteristischer Bedeutung — ein Urenkel des Rabbi Akiba Eger war! Die Red.