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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-06 · Heft 23 (6.6.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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L Kassenbericht pro 1901 1902; 4. Bericht der Revisoren über die Prüfung d r Jahresrechnung Pro 1901/1902 und Entlastung des Ausschusses; Festsetzung des Etats 1902/1903; 6. Neuwahl eines Verbandslarstehers; 7. Neuwahl der Revisoren; 8. Etwaige Anträge von Verl mdsmitgliedern. Vor dem Gemeindetag findet eine Ausschußsitzung und Nachmittags eine Sitzung des Vorstandes des Caspar Lachmann-- s^en Provinzialwaisenhauses statt. Der wichtigste Gegenstand der L-rathnng dürfte die Wahl des Verbandsvorstehers werden, auf ü lche wir besonders hinzuweisen nicht verfehlen wollen, und zu t elcher wir die Vertreter der Gemeinden und die persönlichen Mitü ieder dringend Theil zu nehmen ersuchen. Herr Verbandsvorsteher Gustav Davidsohn in Danzig beabsichtigt wegen Überlastung und s oberer Inanspruchnahme seiner geschäftlichen Thätigkeit sein Amt n ederzulegen; dieses würde für unseren jungen Verband, dem Herr l avidsohn seit seinem Bestehen mit grober Umsicht, regem Eifer und! rvorragender Sachkenntniß vorgestanden hat, ein schwerer Verlust > erden, und man darf hoffen und wünschen, daß. es auf dem < emeindetage gelingen wird. Herrn Davidsohn von seinem Entschluß ^nbringen und seine Kraft, Energie und Tüchtigkeit als Verbandsl ersitzender dem Verbände weiter zu erhalten. Breslau, 23. Mai. Am 22. d. M. starb hier im vollendeten i . Lebensjahre Frau Henny Teichmann, geb. Jereslaw, Vorherin der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt und Beerdignngs- . sellschaft. Seit dem Jahre 1895 widmete sich die Verewigte mit aufsernder Hingebung unermüdlich dem Dienste edelster Humanität , ld wirkte segensreich in treuer Pflichterfüllung gegen arme und othleidende, Kranke und Verstorbene. Ehre ihrem Andenken! o Dresden, 25. Mai. Am 22. d. M. feierte der verdienstvolle aiitor und Lehrer der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde. dolf Wolfsohn, das silberne Ehejubiläum unter weitester Antheilahme. Die Fülle von Verehrung, Liebe und Werthschätzung, die Herr nd Frau Kantor Wolssohn in ihrer gemeinsamen beruflichen Thägkeit sich erworben haben, gelangte an diesem Tage zur deutlichen Ausprägung. In den Vormittagsstunden erschien Herr Rabbiner r. Winter und beglückwünschte das Silberpaar. In längerer, von armer Empfindung getragener Ansprache feierte der hochgeschützte ebner das Wirken und Schaffen des Ehepaares im Dienste der lesigen Gemeinde. Herr Justizrath Gustav Meyer, Vorsteher der '.aelitischen Religionsgemeinde, sprach in herzlichen Worten den lnckwunsch der Gemeinde aus, Herr Oskar Lesser sprach Namens des ynagogenvorstandes. Eine silberne Fruchtschale mit Widmung >urde dem Jubelpaar als Geschenk der Gemeinde überreicht. Als ertreter der hiesigen Fraternitas-Loge erschienen der Präsident r. med. Alfred Cohn und der Vieepräsident Dr. med. Zimmermaun ad überreichten nach längerer, tiefempfunderer Ansprache einen bernen Pokal mit Widmung. Bis spät in die Nachmittagsstunden . agen dem Jubelpaar von allen Seiten Ehrungen zu. Die Räume! ichen einem herrlichen Blumengarten. Möge es dem verehrten , ubelpaar noch lange vergönnt sein, in gleicher segensreicher Weise i re bisher zu Nutz und Frommen seiner Gemeinde zu wirken. i. Kreuznach, 19. Mai. Im hiesigen Turnerverein hielt am? . April nach freundlicher Begrüßung durch den Präsidenten Rabbiner r. Tawrogi einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag l er das Thema: „Der Arbeiterstand im Lich te der mosaischen Gesetzgebung." In einstündigen Ausführungen lenkte der Redner nen Blick in die graue Vergangenheit und entwarf den aufmerksam duschenden Zuhörern ein Bild von der Lage des Arbeiterstandes in : ner Zeit. Die mosaische Gesetzgebung über den Arbeiterstand, wie sie as den zerstreut in den 5 Büchern Mosts enthaltenen Lehren sich erebt, habe schon damals die Arbeit zu würdigen gewußt und komme r modernen Auffassung von Arbeit und Arbeiterstand nahe. „Groß die Arbeit, sie ehrt ihren Herrn" war ein Sprüchwort im jüdischen lterthum. Der Redner führt zur Beweisführung eine Anzahl dies- ' züglicher Bibelsprüche an und zieht Vergleiche zwischen den Gesetz- ( bungen der arbeitenden Klassen der Griechen und Römer und der-! uigen der Israeliten. Eine eingehende Schilderung der drei arbeitenden ' utegorien Sklaven, Tagelöhner und Handwerker, sowie der kurze, interessante Hinweis auf die neuere Zeit fand besondere Beachtung, ür den lehrreichen und fesselnden Vortrag, mit dem das Winterfester des Vereins einen schönen Abschluß fand, dankte der zweite orsitzende Herr Altenkirch dem Herrn Rabbiner Dr. Tawrogi und widmete ihm ein dreifaches Hoch, in das'die Lurnerschaft freudig einstimmte. ----- Günzenhausen, 28. Mai. Am 18. und 19. d. M. tagte hier die achte Konferenz der bayerischen Rabbiner nach Usus unter dem Vorsitz des jeweiligen Distriktsrabbiners, hier des Ansbache* Rabbiners Herrn Dr. Kohn. Nach Absendung eines Huldigungstelegramms an den Prin zregen t e n Luitpold trat die Konferenz in die Tagesordnung ein, in deren Rahmen vor allem die seelsorgerische Thätigkeit an den Armen und Elenden, an Körper und Geist einer sorgfältigen Erörterung unterzogen wurde. Das Resultat war die Einsetzung einer Kommission (der Rabbiner Dr. Kohn. Kuznitzky und Stein), welche der nächsten Konferenz präcise Vorschläge zu unterbreiten die Ausgabe hat. Ebenso wurden Zustände, welche sich aus den sozialen Verhältnissen für die Seelsorge an der schulentwachsenen Jugend ergeben, in den Bereich der Debatte gezogen. Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die Sorge für einen ausgiebigen und erfolgreichen Religionsunterricht, hier wiederum in erster Reihe die Besprechung des von Herrn Rabbiner Dr. Groß-Augsburg verfaßten, von einer Kommission sorgfältigst vorgeprüften Neligionsbuches für die oberen Gymnasialklassen. Es besteht als Resultat der diesjährigen Verhandlungen begründete Aussicht, daß in Bälde das schöne Ziel, ein einheitliches Lehrbuch für alle Gymnasien Bayerns zu schaffen, erreicht sein wird. Mit der einstimmigen Wiederwahl des bisherigen geschäftsführenden Ausschusses und mit einer tiefempfundenen Erneuerung des Gelöbnisses der Liebe und Treue für Wittelsbachs Thron und das Vaterland schloß die Versammlung, welche von der israelitischen Kultusgemeinde Günzenhausen mit liebevoller Gastfreundschaft ausgenommen worden war. Gleichzeitig tagte unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Werner-München die Generalversammlung der Pensions- und Reliktenkasse bayerischer Rabbiner (e. V.). Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt und eine Statutenänderung zufolge einer Negierungsentschließung konform dem 8 101 des Reichsgesetzes vom 12. Mai 1901 angenommen. Es sei hier noch bemerkt, daß die vor 4^2 Jahren unter Staatsaufsicht begründete und mit einem Staatsznschnß ausgerüstete Pensionskasse bereits eine Pensionslast von cirka 2000 Mark zu trageu hat und es sehr zu wünscheil wäre, daß die Zahl der Ehrenmitglieder an Korporationen nnd Privatleuten sich stetig mehre, namentlich da mit Beginn des Jahres 1903 dem königlichen Staatsministerium der Nachweis über die Existenzfähigkeit der Pensionskasse erbracht werden muß. Aus dem Kabinet des Prinzregenten lief am 19. d. M. an den Vorsitzenden der Konferenz folgendes Antworttelegramm ein : „Seine Königliche Hoheit der Prinz- Regent lassen den versammelten bayerischen Rabbinern für die an Allerhöchstdieselben gerichtete loyale Kundgebung Ihren besten Dank entbieten. Im Allerhöchsten Auftrag: Graf Lerchenfeld, General der Kavallerie, Generaladjutant." r. Fürth, 23. Mai. Gestern wurde die sterbliche Hülle des verewigten Fabrikbesitzers Louis Berlin. Magistraksraths und königlichen Handelsrichters, voll der Leichenhalle des israelitischen Friedhofs aus zur letzten Ruhe bestattet. Zu der Leichenseier hatte sich eine überaus große Trauerversammlung eingefunden. Es waren erschienen Magistrat und Gemeindekollegium, an ihrer Spitze der erste Bürgermeister und der Gemeindekollegiums-Vorstand. Vertreter der königlichen Behörden, des Bezirksgremiums, der Kaufmannschaft, Abordnungen des hiesigen Offizierkorps, zahlreiche Bürger und Freunde des Verblichenen. Auch eine stattliche Anzahl Nürnberger wohnten der Leichenfeierlichkeit bei, darunter der Seuatsprüsident am Oberlandes" gericht v. Merz, der Präsident der Handels- und Gewerbekammer von Mittelsranken, Kommerzienrath Soldan. Die Leichenrede hielt — in Vertretung des erkrankten hiesigen Rabbiners — Dr. Ziemlich-Nüruberg. Welcher Hochachtung und welcher Liebe sich der Verblichene erfreut habe, so ungefähr führte der Redner aus. das beweise die so zahlreich hier anwesende Trauerversammlung. Männer aller Stände und jeden Berufs, der verschiedenen Konfessionen, die Spitzen der Behörden. die Vertreter der Stadt, deren langjähriges, verdienstvolles Mitglied er gewesen, des Handelsrichterkollegiums und Bezirksgremiulns. denen er angehört, seien erschienen, um ihm die letzte Ehre zn erweisen. Er hat überall seines Amtes stets treu gewaltet! Anknüpfend an das Gebet „Nimm mich, o Herr, nicht hinweg vor meiner Zeit" betonte Redner, daß es die Verhältnisse des Verblichenen mit sich brachten, sich das Leben zu einem recht glücklichen zu gestalten. Ein Sprößling einer hochangeseheuen, weit über die Grenzen der

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