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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-06 · Heft 23 (6.6.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Revisoren durch Akklamation rviedergewählt. An die Mitgliederversammlung schloß sich eine Besichtigung deS Genesungsheimes an. Von Küche und Keller hinauf bis zu den obersten Räumen wurden sämmtliche Theile 5es Hauses gezeigt, und in der That, es brauchte kein einziger Raum den neugierigen Blicken der Besucher entzogen werden. Nur eine einzige bewundernde Stimme des Lobes wurde laut über die peinliche Akkuratesse, in welcher das Heim prangt, über die zweckmäßige Anlage, Ausstattung und Behaglichkeit der Wolm- und Gesellschaftsräume, und mit berechtigtem Stolze konnte das Stifterehepaar. Herr Louis Sachs und Frau, die allseitigen warmen Anerkennungen entgegennehmen. Augenblicklich sind im Heim, dessen gastliche Pforten von Mitte März bis Mitte Dezember geöffnet sind, 52 Pfleglinge untergebracht, für 58 Pfleglinge ist bisher Platz vorgesehen. Die Verpflegung ist eine glänzende und mustergiltige. Zum Beweise dafür geben wir nur einige flüchtige Zahlen. Für die 52 Pfleglinge werden täglich 22 Pfund Fleisch — d. h. fast V2 Pfund Fleisch pro Kopf —, 90 Liter Milch, 2 Schock Eier. 220 Weißbrode und 5 Schwarzbrode verbraucht. Alle Insassen erhalten Malzbier, und der Verbrauch an Bier stellt sich auf eine halbe Tonne (62* 2 Liter) wöchentlich. Die Erfolge konnten bei einer derartigen Verpflegung naturgemäß vorzügliche sein, und bei einzelnen Pfleglingen konnten Gewichtszunahmen von 12 bis 13 Pfund während eines vierwöchentlichen Aufenthaltes festgestellt werden. In den freien Stunden stehen den Pfleglingen außer einer reichhaltigen Bibliothek die mannigfachsten Unterhaltungsspiele zur Verfügung; eine größere Zahl von Turngerätheu soll demnächst zur Ausstellung gelangen. Für den Transport der Schwerkranken und Schwachen von und zur Bahn sorgt ein eigenes Eselsfuhrwerk. Mehr wollen wir voll den Schönheiten und Vorzügen der Anstalt unseren Lesern nicht erzählen, hat uns doch in liebenswürdigster Weise die jetzige Leiterin der Anstalt einen Sonderartikel für unser Blatt versprochen, und keine Feder erscheint berufener als die ihrige, uns über die Einzelheiten eines Tages in Lehnitz Genaueres zu berichten. Es ist geradezu bewundernswerth, in wie kurzer Zeit sich aus einer kleinen Allregung heraus das Heim von den Miethsräumen in Briese und Lehnitz all bis zu dem jetzigen Prächtigen Eigenhaus dichtamlandschaftlich reizvollen,waldumrauschtenLehnitzer See entwickelt hat. Und doch — soll der Verein das leisten, was er sich zum Ziele gesteckt hat, so muß die Zahl seiner Gönner und Freunde eine erheblich größere werden. Gern geben wir auch an dieser Stelle der Bitte des Stifters Raum, alle edlen Menschenfreunde zum Anschluß all den Verein auszufordern, um durch den Zuwachs an Mitgliedern die Grenzen der Aufnahmefähigkeit in die Anstalt zu erweitern, deren wohlthätige Wirkung bisher vor allem in der Aufgabe beruht, die Erwerbsfähigkeit der Leidenden wieder herzustelleu, den Schwachen Kräftigung und den in der Genesung Begriffenen volle Gesundheit zu haben. n. Berlin, 1. Juni. Am 29. v. M. fand in der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde die Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen statt. Nachdem die Sitzung durch Waisenhausdirektor Dr. Jutrosinski eröffnet worden war, erstattete der Schrijtsührer, Seminardirektor Dr. Holzman, Bericht über die Wirksamkeit des Vereins in den letzten drei Jahren. Leider hatte der Verein in der Berichtsperiode den Tod mehrerer hervorragender Mitglieder zu beklagen, namentlich des Dr. Kirschstein, von dem der Berichterstatter die Weite seines Blicks, die Schärfe seines Urtheils, die Vornehmheit seiner Gesinnung und die Humanität seines Wesens rühmte, Eigenschaften, die ihn in Stand gesetzt hätten, als Mitglied des Vorstandes Vortreffliches für den Verein zu leisten. An Unterstützungen sind in drei Berichtsjahren 14 157.50 Mark verausgabt worden?) Das Vereiusvermögen ist in dieser Zeit von 65 780.06 Mark auf 76 829.23 Mark gewachsen. Dieser bedeutende Zuwachs ist in erster Linie den Nachlaßpflegern des in Nizza verstorbenen Jacob Plaut zu verdanken, die dem Verein einer Spende von 10 000 Mark ans der Hinterlassenschaft zugewiesen haben. Neue Mitglieder sind dem Verein nicht in wünschenswerthem Maße beigetreten, und der Berichterstatter richtete deshalb am Schlüsse seiner Ausführungen au die Versammelten die Bitte, durch Werbung neuer Mitglieder die I Im Jahre 1899 kamen 4705 Mark an 33 emeritirte Lehrer und Lehrerinnen und Lehrerwittwen zur Vertheilung, im Jahre 1900 wurden 43 Personen mit 5377.50 Mark und im Jahre 1901 30 Personen mit 4075 Mark unterstützt. Kräfte des Vereins zu heben. — Anknüpfend an die Erwähnung der verdienstvollen Thätigkeit des sel. Dr. Kirschstein stellte der Vorsitzend den Antrag, Dr. Kirschstein zum immerwährenden Mitgliede zu ernennen. Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und die Anwesenden ehrten das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. — Besonders wichtig war diese Generalversammlung dadurch, daß in ihr beschlossen wurde, die Eintragung des Vereins in das Vereiusregister zu beantragen. Die dadurch nothwendig gewordenen neuen Satzungen wurden fast ohne Debatte angenommen Um die Eintragung zu erlangen, war auch erforderlich, daß ein vol! ständig neuer Vorstand gewählt wurde. ' Die bisherigen Vorstände Mitglieder legten deshalb ihr Amt nieder, wurden aber durch At klamation wiedergewählt. Nur an Stelle des Herrn Julius Grünwald, der sich durch Rücksichten auf seine Gesundheit gezwungen gesehen Hai, aus eine Wiederwahl zu verzichten, trat Herr Berthold Jablonski nesiZ den Vorstand ein, der nunmehr aus den folgenden Herren besteht Dr. Jutrosinski, Dr. Gutmann, Dr. Holzmau. Berthold Jablonski Julius Jacobh, Georg Lachmann, Alexander Löwenherz. Zu Revisoren wurden die Herren Hugo Heitmann, Louis Herzfeld und Theodor Schück gewählt. — Möge es dem Verein, der im nächsten Jahre cun eine 50jährige Thätigkeit zurückblicken kann, vergönnt sein, seine segensreiche Wirksamkeit in immer größerem Umfange auszuüben. 0. Berlin, 2. Juni. Die Baruch Auer bach'schen Waisen Erziehungs-Anstalten, die unter dem Protektorate des Kaisers und der Kaiserin Friedrich eine gedeihliche Entwickelung erfahren haben, bieten nach ihrem eben erschienenen 69. Jahresbericht in ihrem neuen Heim an der Schönhauser Allee einer um die Hälfte des bisherigen Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Raum, doch reichen die Einnahmen zu einer wesentlichen Erweiterung der ganz aus eigenen Mitteln unterhaltenen Anstalten noch nicht aus, so daß im Ganzen nur erst sechs neue Zöglingsstellen geschaffen werden konnten. Am Schluß des Berichtsjahres zählte das Knabenwaisenhaus 53, das Mädchenwaisenhaus 30Zöglinge, die den Unterricht größtentheils in höheren Schulen genossen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangs- Prüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Der weitreichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, welche besonders wirksam bei ihrer Selbständigmachung oder Verheirathung eintritt, dient eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, die einschließlich Gottesdienst, Büreau, Renten, Stipendien und anderer Zuschüsse 76 800 Mark betragen haben, davon zur Verpflegung 18 722 Mark, d. h. für den Kops und Tag etwa 50?-i Pfennig, sind die Anstalten auf die Zinsen ihres Vermögens im Betrage von rund 47 700 Mark, auf 9100 Mark Jahresbeiträge und auf sonstige Zuwendungen ihrer Freunde und Gönner angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Berthold Marckwald, Kommerzienrath E. Lohlistein, Generalkonsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Liebermann, Hermann N. Israel und Kommerzienrath Isidor Loewe. Ehreumütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Professor Dr. Cücilie Liebermanu 22 Berlin, 3. Juni. Das 79. Jahresfest beging vorgestern Abend in der Dreifaltigkeitskirche die „Gesellschaft zur Beförderung desChristenthums unter denJud en". Dem von Pastor Bieling gegebenen Jahresbericht ist zu entnehmen, „daß das Werk langsam, aber stetig fortschreitet". (?) 44 Personen meldeten sich neu im vergangenen Jahr zur Theilnahme an dem Taufuuterricht, 9 wurden aus dem Unterricht fortgeschickt, „weil es ihnen nicht Ernst war mit dem Christ werden", 13 schieden aus, „weil sie die Schwierigkeit des Uebertritts unterschätzt hatten", von den Verbleibenden wurden 10 Frauen und 15 Männer getauft. Diesen war es also Ernst mit dem „Christ werden"! Der Verein, der für seine Gottesdienste bisher die französische Louisenstadtkirche benutzt, gedenkt sich in der Kastanienallee ein eigenes Heim mit Betsaal zu gründen und bereits Oktober zu beziehen. 1. Aus Westpreutzen, im Mai. Am königlichen Progymnasium in Neumark (Westpr.) wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr S. Friede nthal, welcher dortselbst schon mehrere Jahre beschäftigt war, zum Oberlehrer ernannt. — Am 8. Juni cr. wird der Verband der we st preußischen Synagogen ge mein den in Grande nz einen Gemeindetag abhalten. Die Tagesordnung enthält: 1. Die Thätigkeit des Verbandes im fünften Verbandsjahr; 2. den Bericht über die abgehaltenen Inspektionen der Religionsschulen; 3. den

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