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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-06 · Heft 23 (6.6.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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60. 2al>rgüng. Nr. 23. iöerlin, 6. Zurri 1902. Der Gerneirrdebote. 'Neikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 1. Juni. In der heutigen Repräsentanten; Sitzung wurden eine Reihe Vorlagen voll nur geringer Bedeutung säst debattelos erledigt. Eine Zuwendung der William und Amalie Schoenlank'schen Eheleute voll 40000 Mark für die Altersversorgungsanstalt wurde angenommen. Eilte Subvention von « 00 Mark wird dem jüdischen Arbeiterasyl in Weißensee bewilligt. Die Wege ans dem dortigen Friedhofe bedürfen der Ausbesserung, wofür 8242.34 Mark bereitgestellt werden; ebenso 7020.10 Mark für die Verlängerung der Umfassungsmauer dortselbst. Ein darangrenzendes Stück Ackerland wird auf weitere fünf Jahre verpachtet gegen einen Iahreszins von 900 Mark statt bisher 800 Mark. Auch die Anstellung cines IV. Kolonnenfnhrers für die Beerdigungen mit dem Jahresgehalt "on 1800 Mark wird beschlossen. Eine Subvention von 400 Mark wird «ein Rixdorfer Neligionsverein zugewendet, dessen Schülerzahl sich wesentlich vermehrt hat. Der Errichtung einer Zahlstelle bei der Deutschen Bank für die Einlösung von Zins- und verloosten Anleihescheinen stimmt die Versammlung zu und wählt in den Vorstand der Zynagoge Kaiserstraße Herrn Verth old Israel, in die gemischte Kommission zur Berathung von Fragen des Religionsunterrichts Herrn Dr. Cohn an Stelle des verstorbenen Herrn AlbertSachs. — Eine recht lebhafte Diskussion ruft die Vorlage betreffs der Zuwendung an den Deuts ch-Jsrael. Gemeindebund hervor. Der Bund hatte auf «einem letzten Delegirlentage den Wunsch ausgesprochen, die Gemeinden mögen ihm einen Jahresbeitrag von 1 pCt. ihrer Steuererträge zuwenden, um speziell die kleineren Gemeinden zu entsprechend größeren Beiträgen Oeranzuziehen. Der Gemeindevorstand hat sich jedoch diesem Wunsche nicht fügen wollen, sondern beschlossen, seinen Jahresbeitrag von bisher 0500 Mark aus rund 10 000 zu bemessen, worin die Beiträge für Repzin mit 3500 Mark und für die Anstalt in Plötzensee mit 4000 Mark enthalten sind. Der Ausschuß hat sich diesem Vorschläge des Vorstandes ungeschlossen. Herr Geheimrath Blumenthal bittet zwar die Vorlage anznnehmen, jedoch schlägt er außerdem eine Resolution vor, wonach im nächsten Etat eine prozentuale Quote der Steuererträge für den D. I. G. B. eingestellt werden möge. Diese Resolution wird auch von Herrn Professor Bla schk e unterstützt; beide Herren -alten es für sehr wünschenswerth, den D. I. G. B. nach Maßgabe seiner jetzigen großen Aufgaben zu unterstützen. Herr Geheimrath Blumen thal betont namentlich, wie bedeutsam es ür die gesammte Judenheit sei, daß auch die kleinen bedürftigen Gemeinden durch den D. I. G. B. in den Stand gesetzt würden, einen geordneten Religionsunterricht einzuführen, da stets die Gesannntheit unter dem Mangel an der Erziehung der einzelnen Juden zu leiden mtte. Vom Vorstandstisch spricht sich Herr Syndikus Dr. Lilienhal gegen die Resolution aus und Herr Landgerichtsrath Dr. L o ewe egt dar, daß der Vorstand vom gesetzlichen Standpunkte ansgehe, adern er sich gegen die prozentuale Abgabe erkläre. Der preußischen Gesetzgebung zufolge dürfen Steuern zwangsweise nur für die gesetzlich wrgeschriebenen Zwecke — also Unterhaltung der Synagogen und Religionsschulen — erhoben werden, und es könnten sich Schwierigkeiten ergeben, wollte man einen gewissen Prozentsatz all libitum für andere Zwecke von den erhobenen Beträgen fortgeben. Auch könne der Berliner Etat nicht mit dem der anderen Gemeinden gleichgestellt werden, die, wie das sehr reiche Frankfurt a. M., nur Synagogen und Unterrichtsausgabeu in ihrem Etat haben, während die bedeutenden Ansgaben für Wohlthätigkeitsinstitute ausschließlich privat verwaltet würden. Der Beitrag von 10 000 Mark sei durchaus danach bemessen, um auch den kleineren Gemeinden zu höheren Beiträgen ein Beispiel zu geben. Die weitere Debatte ergiebt keine neuen Gesichtspunkte Die Borlage wird einstimmig angenommen, die Resolution abgelehnt. — Eine nicht minder lebhafte Besprechung ergiebt die Vorlage betreffend den Umbau des II. Wa i > en han s es in Pankow. Nach den vorgelegteu Plänen und Kostenanschlägen soll ein kleineres neues Haus als Wohnhaus für den Direktor angebaut, die dadurch frei werdenden unteren Räume im alten Hause theilweise in Schlafsäte und einen größeren Versammlungsraum zur Abhaltung eines würdigen Gottesdienstes umgewandelt werden. Von den hierfür erforderlichen 26 000 Mark sind 20000 Mark von einem anonymen Wohlthäter gespendet und 6000 Mark soll die Gemeinde dazu beitragen. Der Ausschuß hat sich in seinen Vorberathungen nicht für eine unbedingte Annahme der Vorlage erklärt, weil ihm einerseits ein völliger Neubau mit einem Kostenaufwande von 110 000 Mark wünschenswerth erscheint andererseits auch durch Ueberweisung der älteren Zöglinge in das LehrlingSheim eine wirksame Abhilfe der vorhandenen Uebelstäude gegeben scheint. Er schlägt daher Ueberweisung all eine gemischte Deputation vor. Im Verlaufe der Debatte erweist sich aber die Dringlichkeit eines Umbaues so klar ans der ungenügenden Beschaffenheit der Schlafräume — Herr Dr. Steril als Mitglied des Kuratoriums erklärt, daß es unmöglich sei. bei der jetzigen Temperatur wie bisher 17 Schüler iu einer Mansarde schlafen zu lassen, die ganz in der Nähe des Schornsteins liegt. Die Ueberweisung von älteren Zöglingen an das Lehrlingsheim wird sowohl ans pädagogischen Erwägungen, lvie auch in Rücksicht ans die Statuten der Anstalt, die speziell zur Erziehung jüdischer Knaben sür das Handwerk gegründet ist, als unzulässig erkannt, und die Versammlung entschließt sich sür Annahme der Vorlage unter Ablehnung des Ausschußantrages 8. Berlin, 1. Juni. Nicht ohne Absicht hat der Verein „Jüdisches Genesungsheim Berlin" siine Mitgliederversammlung auf den sechsten Kalendermonat verlegt; wollte er doch dadurch den Mitgliedern und Freunden des Vereins Gelegenheit geben, das Heim iu Lehnitz aus eigener Anschauung kennen zn lernen. Der Zweck ist in vollem Maaße erreicht worden; in großer Zahl kamen die Mitglieder mit ihren Frauen und Kindern zur heutigen Versammlung, um sich von den hochersrenlichen Fortschritten zu überzeugen, die der Verein seit der kurzen Zeit seines Bestehens gemacht. Und wahrlich — Erfreuliches wußte der Vereiusvorsitzende Herr Martin Simon zu berichten. Seit 1900 sind dem Verein 180 neue Mitglieder beigetreten, so daß er jetzt über 400 ordentliche und 13 immerwährende Mitglieder zählt. Die finanzielle Lage ist hierdurch naturgemäß gestärkt worden. Die Jahresbeiträge sind auf 5629 Mark, das Grundkapital von 13 800 Mark auf 29 500 Mark gestiegen. Die einmaligen Beiträge haben sich um 2500 Mark, voll 16 087 Mark auf 18 595 Mark erhöht, allerdings ist iu die letzte Summe ein Plauth'sches Legat in Höhe voll 10 000 Mark eingerechnet. Auch die Stiftungen sind um 7000 Mark gewachsen, sodaß sich die Gesammtfouds des Vereins, dessen Heim schuldenfrei ist, auf 47 500 Mark belaufen. Durch landesherrliche Genehmigung ist im vergangenen Jahre der Verein als milde Stiftung anerkannt worden und damit sür die ihm überwiesenen Legate von Stempelkosten befreit. An Verpflegungszuschüssen gingen vom Krankenhaus und der Armenkommission 9490.50 Mark ein. Für 304 Pfleglinge, welche während des vergangenen Jahres verpflegt wurden, sind 11 008,02 Mark an Gehältern und Löhnen, ärztlichem Honorar, Verwaltung«- und allgemeinen Unkosten 6532 Mark ausgegeben worden. Die dem Vorstand angehörende Frau Rosa Meyer, welche bisher die Wirthschaftsführung im Heim hatte, hat aus Gesundheitsrücksichten die Leitung niederlegen müssen. Der Vorsitzende zollte ihr für die uneigennützige Thätigkeit gebührende Anerkennung und sprach ihr sür ihr Wirken den Dank des Vereinsvorstandes aus. Die Leitung ist nunmehr Frau Oberin Herzfeld-Heynemann, einer weitgereisten, umsichtigen und vielerfahrenen Dame, übertragen worden, welche als Krankenschwester im rothcn Kreuz in Karlsruhe ansgebildet ist nnd sich bereits in langjähriger praktischer Thätigkeit bestens bewährt hat. —Die ferneren Punkte der Tagesordnung fanden eine debattelose Genehmigung. Dem Vorstande wurde auf Alltrag der Revisoren Entlastung erlheilt, die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden durch Zettelwahl, die drei bisherigen

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