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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-06 · Heft 23 (6.6.1902) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
Seite 272 (sequence 10)
Language
German
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272 chl! HU ^l! „germanischen" gelten. (Sudermann, Sodoms Ende.) Von weiblichen Vornamen finden sich 31 ausschließlich in der jüdischen Bevölkerung, die meisten (24) nur je einmal. Unter jenen 3 deutsche (je einmal Berni, Elvira und Rudi, also 2 neumodische). Aus dem alten Testament stammen also Edna (Tob. 7,2 ff.), Reguels Weib, (griechischer Text vulgat»: Hanna) einmal (höhere Schülerin), Esther zweimal (1 höhere Schülerin, 1 Gemeindeschülerin), Recha zweimal (1 höhere Schülerin, 1 Gemeindeschülerin), Sara (1 Gemeindeschülerin). Unter den anderen sind viele „moderne" Namen, z. B. Asta, Bella, Cary, Fela, Felicia, Gerta, Harriet, Jlka, Thea (iM. mein Freund, dem ich diese Skizze vorlas, murmelte bei dieser Stelle ganz leise für sich in seinen grauen Bart: Meschugge ist Trumps). Auffallend Carmen. Größtentheils oder überwiegend jüdisch: Hanna (10 von 19), Leons (5 von 9), Lola (4 von 7), Margot (6 von 9), Regina (20 von 26), Rosa (55 von 136), Ruth (4 von 10), Susanne (5 von 18), Vera (5 von 10), darunter kein deutscher, wenige aus dem alten Testament. Den seltsamen Namen Delta bekam ein Mädchen als viertes in der Familie. Von den fremdländischen Namen haben nun die französischen, die in der jüdischen Bevölkerung häufiger waren und sind als in der christlichen, eine kleine Minderung erfahren, von 54 auf 49. Vor allem ist der Name Louis, der früher 42 mal unter dem 54 erschien, wovon 30 aus evangelische Gymnasiasten fielen, aus 13 herabgekommen, und muß den Besitz mit Henri, Jean, Jacques theilen. Der Prozentsatz der englischen Namen hat sich von 0,25 auf 0,4 gehoben, von den 62 Anwendungen der 13 Namen, die Pulvermacher ansührt, entfallen allein 39 auf Harry und James, von denen der letztere ausschließlich, der erstere überwiegend jüdisch sind. Die weiblichen englischen Rainen sind gegen früher viel stärker vermehrt als die männlichen. Vergleicht man die heutigen Zustände mit früheren, so sind die 12 überhaupt häufigsten männlichen Vornamen bei den Schülern in Berlin: Wilhelm, Paul, Friedrich. Johannes, Karl, Max, Walter, Erich, Otto, Franz. Georg, Conrad, wozu noch bei den evangelischen Gymnasiasten Ernst und Werner kommen, bei den jüdischen Ernst, Alfred, Ludwig, bei den evangelischen Gemeindeschülern Richard und Hermann, unter den jüdischen Martin, Alfred, Julius, Arthur, Hermann, Leo. Salli treten. Es sind also unter den 12 häufigsten Namen deutsch: 1. evangelische Gymnasiasten — 9; 2. evangelische Gemeindeschüler---8; 3. jüdische Gymnasiasten--?; 4. katholische Gemeindeschüler --6; 5. jüdische Gemeindeschüler — 5. Die früher beliebtesten Vornamen waren bei jüdischen Gymnasiasten Max, Paul, Julius, Karl, Ludwig. Georg. Hermann, Felix, Hugo, Ernst, Moritz, Adolf; bei den jüdischen Gemeindeschülern Julius. Hermann, Max. Adolf, Ludwig. Moritz, Isidor, Albert, Leopold, Samuel, Siegmund, David. Es sind also bei den jüdischen Gymnasiasten von den früheren 12 beliebten Namen nur 5 geblieben, davon 4 zum Theil erheblich gesunken: Max (von 1 auf 10), Paul (von 2 auf 12), Ludwig (von 5 auf 8), Georg (von 6 auf 9), dagegen Ernst gestiegen (von 10 aus 5). Hier hat die größte Geschmacksänderuug stattgefunden. Unter den 7 nicht vertretenen Namen befinden sich schon 6 von den 7 „neuen", und zwar fast sämmtlich schon an den ersten Stellen: Friedrich (Fritz), Johannes (Hans). (Anmerkung des Verfassers: Von Juden war Johannes, obwohl hebräisch: Jochanan — Gott hat es gegeben, stets als speziell christlicher Name, was er auch wirklich vom 15. Jahrhundert an war. vermieden worden, und so ist es auch heute, denn es finden sich nur zwei jüdische Johannes, aber 97 Hans.) Ferner Konrad (Kurt), Erich, Walter, Wilhelm (Willi). Auch bei den jüdischen Gemeindeschülern sind die hebräischen resp. speziell jüdischen Namen seltener geworden. Die 12 häufigsten weiblichen Vornamen sind bei den jüdischen höheren Schülerinnen: Margarete, Charlotte, Gertrud. Else, Käthe, Erna, Alice, Lucie, Erna, Frieda, Rosa, Edith; bei den jüdischen Gemeindeschülerinnen: Gertrud, Margarete, Frieda, Else, Erna, Rosa. Hertha, Johanna, Betti, Regina, Ella, Hedwig. Hervorzuheben ist ferner noch, daß sich den männlichen Vornamen: Werner, Erwin, Herbert, Hellmuth, Günther, und den weiblichen: Lucie, Alice, Hertha, Hildegard, Elsriede die jüdische Bevölkerung Berlins in sehr starkem Maße zuwendet, während sie sich von alter Ueberlieferung ganz oder fast ganz losgelöst. Es würde auf die jüdischen Schüler nach ihrem Antheil a» der Gesammtzahl der Modenamen 10 Prozent der Fälle kommen, also von den jüngsten männlichen Mvdenamen 70, von den weiblichen 159. Statt dessen sind es dort 111, hier sogar 387. Im Einzelnen z. B. Herbert 57 mal statt 11, Werner 24 statt 11; Kurt 105 statt 54, dagegen Karl nur 34 statt 105, Otto 11 statt 87 mal. Inwieweit sich jetzt schon aus diesen interessanten Untersuchungen Rückschlüsse auf irgend welche konfessionellen Eigenarten machen lassen, mag dahingestellt bleiben. Sicher wird, wie der Verfasser ganz richtig betont, bei der Namenwahl, zumal wen» es sich um weibliche Namen handelt, nicht selten der Geschmack der Mutter, von weiblichen Bekannten oder eigener Romanlektüre beeinflußt, ausschlaggebend sein, wie es vor einigen tausend Jahren war, und wenn die Zeichen nicht trügen, wohl auch bleiben wird. In neuester Zeit taucht übrigens auch die alte Sitte, einen Doppelrufnamen zu führe», j wieder auf. Sie entstand zuerst unter dem Adel, wurde dann / später von den Bürgern als neue, vornehme Mode nachgeahmt, so daß im 18. Jahrhundert die Doppelnamen sogar häufiger waren als die einfachen. Im 19. Jahrhundert nahm daun die Mode schnell ab und war bis vor Kurzem vergessen. Nur im Adel erhielt sie sich, und so finden wir auch, daß ein großer Theil der jetzigen Doppelnamen aus diesen Kreisen stammt. Di« männlichen Doppelnamen waren ausschließlich evangelisch, von den 17 weiblichen Doppelnamen war einer jüdisch: Annemarie. — Wie sagt doch Storni so wunderschön: Bedeutsam sind die Namen: Und fasse mir dein liebes Bild Nun i» den rechten Rahmen. Denn ob der Nam' den Menschen macht, Ob sich der Mensch den Namen, Da» ist, weshalb mir oft, mein Freund, Bescheidene Zweifel kamen; Ein» aber weiß ich ganz gewiß, Bedeutsam sind die Namen! So schickt für Mädchen Lisbeth sich, Elisabeth für Damen; Auch fing sich oft ein Freier schon, Dem Fischlein gleich am Hamen. An einem ambradustigen, Klanghaften Mädchennamen.

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