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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-06 · Heft 23 (6.6.1902) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
Seite 270 (sequence 8)
Language
German
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270 Bemühungen die fünsbändige englische Uebersetzung der Graetzschen Geschichte, die früher recht kostspielig war, jetzt für etwa 20 Mark im englischen Buchhandel zu haben ist, so daß die Anschaffung derselben für Viele leicht gemacht worden ist. die sonst außer Stande gewesen wären, sie durch Ankauf zum Eigenthum zu machen. Auch für die .lervist» Luezwlopueciiu gewann Air. Mhers viele Abonnenten in England, und er förderte demnach weit und breit das Interesse der jüdischen Litteratnr, wofür wohl die Mit- und Nachwelt ihm ein ehrendes Andenken bewahren wird. — In fast allen jüdischen Gemeinden im ganzen britischen Reiche werden jetzt Vorbereitungen getroffen, um die bevorstehende K rönnng des jetzigen Königs von England in würdiger und passender Weise zu feiern. Und dies ist wirklich, wie es fein soll. Denn Edward VIl. hat von jeher, und auch schon als Kronprinz, stets Wohlwollen den Juden gegenüber gezeigt, und augenblicklich zählt er sogar einige jüdische Notabilitäten in England zu feinen persönlichen Freunden, die er gelegentlich mit seinem hohen Besuch beehrt. Bedenkt man, in welcher Aufregung und Furcht für ihr Leben die englischen Juden waren, als z. B. Richard t. gekrönt wurde, so kann die gegenwärtige Generation der Juden Englands mit Recht und mit dankerfülltem Herzen ausrnfen: „Ilaruell m'seluume ittim!" Das jetzige Heft der „.lecvisli Onarlertz lievisvv" enthält unter verschiedenen anderen lesbaren Artikeln auch einen von Dr. Felix Perl es, der zur Aufschrift hat: „Was können die Juden von Hariiack lernen?" In der Einleitung desselben bespricht der Autor die betrübende Erscheinung in der Gegenwart, daß nämlich so viele Juden sich leichten Herzens taufen lassen, und meint, daß dies weniger aus dem Grunde geschieht, weil sie die herrlichen Prinzipien ihrer angestammten Religion gar nicht kennen, sondern vielmehr, weil sie sich sorglos in die Arme des Christenthums stürzen, ohne zu wissen, was das Wesen und der Charakter desselben eigentlich sei. Wäre letzteres nicht der Fall, so würde jeder tauflnstige Jude schwerlich so mir nichts dir nichts seine Religion um eine andere nmwechseln, die Professor Harnack als höchst mangelhaft bezeichnet. Nun scheint cs aber, daß der Verfasser des fraglichen Artikels die ganze Sachlage von einem unrichtigen Standpunkte ans betrachtet hat, denn allem Anschein nach nehmen viele Inden ans dem Kontinente die Taufe an, weil sie als Nichtjuden besser vorwärts zu kommen glauben, nicht aber, weil sie weder das Wesen der jüdischen noch der christlichen Religion kennen. Dies ist eine alte Geschichte, die sich in neuester Zeit nur wiederholt, und die Erfahrung lehrt, daß in Staaten, wo die Bekenner des Jndenthums Praktisch und nicht blos theoretisch emanzipirt sind, Jndentaufen nur recht selten und gewöhnlich nur dann stattfinden, wenn die Betheiligten von ihrem Glaubenswechsel gewisse pekuniäre Vvrtheile zu erhalten in Aussicht haben. - Augenblicklich wird in einem der ersten Londoner Theater ein Drama mit stark jüdischer Färbung aufgeführt, das allgemein recht viel Aufsehen erregt. Dasselbe ist „Ben-Hur" fder Sohn Hnrs) betitelt, und die wichtigsten ctramatis persmirm darin sind Juden und Jüdinnen, deren Existenz in die Zeit verlegt wurde, als der Gründer der christlichen Religion lebte, und der jüdische Staat der römischen Herrschaft unterworfen war. Eines Tages stand Ben - Hur auf dem flachen Dache seines in Jerusalem gelegenen herrlichen Palastes, den er von seinem verstorbenen Vater geerbt, um den Einzug des neuernannten römischen Statthalters Valerius Gratus in Augenschein zu nehmen. Unglücklicherweise aber lehnte er sich etwas vorwärts, um die Prozession besser sehen zu können, und während er dies that, berührte er emen losen Stein, der herunterrollte und so auf den herbeifahrenden Statthalter fiel. Sofort, und ohne jede Untersuchung anzusteüen, ob dieser Stein wirklich malitiöserweise heruntergeworfen wurde oder nicht, stürzten römische Soldaten in Ben- Hurs Palast und richteten eine große Verwüstung darin an. Zugleich schleppten sie die alte Mutter des Beu-Hur und dessen in jugendlicher Schönheit blühende Schwester ins Gefängniß, während er selbst auf ein römisches Kriegsschiff gebracht wurde, wo er einige Jahre die niedrigsten Arbeiten eines gewöhnlichen Sklaven verrichtete. Durch seinen Fleiß und sein edles Benehmen aber zog er bald die Aufmerksamkeit des Schiffskommandanten auf sich, und da er eines Tages bei einem Schiffbruche dessen Leben rettete, so verschaffte dieser ihm die Freiheit. Diese benutzte Ben-Hur dazu, um vor Allem nach Jerusalem znrückznkehren und seine Mutter und Schwester aufzusuchen und sie dem Kerker zu entreißen, welche Bemühung auch am Ende erfolgreich war. Schließlich, nach all dem gehabten Leiden, genossen Ben-Hur und seine beiden Angehörigen wieder ein freudiges Zusammenleben, und damit endete diese charakteristische Episode im Leben einer edlen jüdischen Familie der Vorzeit. Freilich hat das fragliche Drama hier und da eine christlich-religiöse Schattirung, die hier nicht in Betracht gezogen werden braucht. Was auf den jüdischen und vielleicht auch christlichen Zuschauer einen bleibenden Eindruck macht, das sind die guten Charaktere der darin vorkvmmenden Juden, und namentlich der des Helden des Stückes Ben-Hur. Da begegnen wir nicht den Lachen und Verachtung erregenden jüdischen Fratzen, wie sie Zangwill in einem seiner Theaterstücke zeichnet, sondern Juden wie Ben-Hur, der wie Josef in der Bibel selbst in einer untergeordneten Stellung seine Pflicht und Schuldigkeit thut. Und wiederum wie der zum Vizekönig von Aegypten erhobene Josef es als erste Pflicht ererachtet, seinen Vater zu sich kommen zu lassen, um ihm eine glückliche Zukunft zu verschaffen, so eilt Ben-Hur bei Erlangung seiner Freiheit, seine verloren geglaubte Mutter und Schwester aufzusuchen und ihr trauriges Loos zu verbessern. Dies ist ein echt jüdischer Charakter, dessen zeitweiliges öffentliches Auftreten dein gesammten Judenthum nur Ehre bringen kann. Vornamen-Studien. Von Dr. Julius Moses-Berli». eber Namensstudien hatte ich schon mehrfach Gelegenheit, interessante Aufsätze und Abhandlungen zu lesen. Ich erinnere nur an die wunderschöne Skizze von K. E. Franzos in den neuen Kulturbildern auS Halbasien, an Leop. Zunz's werthvolle Abhandlung: Namen der Juden rc. Eine Arbeit, die sich ausschließlich mit den Vornamen beschäftigt, war mir bisher unbekannt geblieben, obwohl wahrscheinlich auch solche bereits existiren werden. Daß nun eine derartige, auf wissenschaftlicher Basis beruhende Untersuchung über die Vornamen, die man den Kindern in einer bestimmten Zeit-

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