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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-30 · Heft 22 (30.5.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 22 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 verschiedenen Bänden ansspricht. Das Werk hat lange die Anerkennung nicht gefunden, welche es verdient." 11. Aus Westpreutzen, im Mai. Ein schönes Fest beging der jüdische Frauenverein in Lauten bürg, Westpreußen, unter Leitung der Vorstandsdamen Frau Lina Jacobsohn und Frau Elsa Karo am Vorabend des verflossenen Pnrimfestes. welches in seinem Verlauf wohlgelnngen war, und dessen Ertrag einer bedrängteil Familie Hilfe und Leidenden Wohlthat brachte. Das Gelingen der festlichen Veranstaltung ist zumeist seinem Kassirer, Herrn Julius Kreszin. wie Herrn Cäsar Cohn zu danken, die weder Mühe noch Arbeit scheuten, um es den Theilnehmern recht angenehm zu arrangiren. Den stimmungsvollen Prolog sprach Fräulein Helene Kreszi ndann sang Fräulein Anna Cohn ein Lied. Mehrere junge Damen und Herren führten ein sehr hübsches Lustspiel in vortrefflicher Weise auf. Frau Segall spendete ein Bild, eine Landschaft aus Palästina darstellend; dasselbe wurde verauktiouirt. — Der früher in Strasburg (Westpr.) ansässig gewesene Kaufmann Nathan Jsraelski wurde vor längerer Zeit von der Straskammer w gen Erpressung zu einem halben Jahr Zuchthaus verurtheilt. Er hatte sich von einer bei ihm beschästigl gewesenen Verkäuferin einen Schuldschein darüber ausstellen lassen, daß sie ihm Maaren im Werthe von 400 Mark gestohlen habe. Diesen Schuldschein hat er aber später dem Fräulein zurückgegeben und den Diebstahl auch nicht angezeigt. Auf seine Berufung hat das Reichsgericht das Urtheil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor die Strafkammer in Strasburg verwiesen. Nun wurde Jsraelski f r e i g e sp r o ch e n. — Seit Bestehen der kleinen Gemeinde Carthaus, Westpr. (1850) fand zum ersten Male ein Purimvergnügen statt, dessen Reinertrag zur Ausschmückung der dortigen Synagoge bestimmt war. — Der Einbrecher in die Konitzer Synagoge ist ermittelt. Ein Mann Namens Akrubat aus Labiau (Ostpr.) beging kürzlich einen Postraub in Baldenburg, nun ist die Identität desselben mit dem Einbrecher in der Konitzer Synagoge festgestellt worden. Bei dem Glasermeister Lach mann in Könitz (Schnhmacherstraße) stellte sich kurz vor dem Einbruch in die Synagoge ein Fremder ein, der sich nach verschiedenen örtlichen Verhältnissen, u. a. auch nach der Synagoge, erkundigte. Herr Lachmann ist nun dem Baldenburger Posträuber Akrubat gegenübergestellt worden und hat in ihm den wißbegierigen Fremdling sofort wiedererkannt. Auch ein an der Thür der Synagoge von der Polizei gefundenes Stück Holz, welches genau in den Griff des unter dem in Bromberg beschlagnahmten Handwerkszeug des Akrubat Vorgefundenen Stemmeisens hineinpaßt, bestätigt die Annahme, daß der Posträuber den Synagogeneinbruch verübte. Xp. Aus -er Provinz Posen, im Mai. Vor Kurzem feierte das Handelsmann David Mosessche Ehepaar in Fi lehne das Fest der diamantenen Hochzeit, aus welchem Anlasse dem Jubelpaare von den städtischen Behörden sowie von der Synagogengemeinde ehrende Aufmerksamkeiten erwiesen wurden. — Kaufmann Wilhelm Davidsohn in Mur. Goslin ist zum Stadtverordneten daselbst neugewählt worden. — Der israelitische Beerdigungsverein in Grätz verfügt über einen Kassenbestand von nahezu 16000 Mark. — Zürn Kantor in Borek ist der Kultusbeamte Marcus Schmückt er in Xions gewählt worden. — Der 40 .Mitglieder zählende israelitische Bürgerverein in Ostrowo hat irr seiner letzten Generalversammlung beschlossen, mehrere Mitglieder auf Vereinskosten in der Krankenpflege ausbilden zu lassen, um gegebenen Falls den Vereinsmitgliedern Hilfe leisten zu können. — In Posen ist der langjährige Arrnenrath Kaufmann Valentin Nussak im Alter von 52 Jahren nach zweitägigem Krankenlager gestorben. — Kantor Wroblewski in Schrimm beging kürzlich sein 25jähriges Dienstjubiläum. — Der Etat der Synagogengemeinde in Ostrowo schließt für das Jahr 1902/05 in Einnahmen und Ausgaben mit 16 265 Mark. Hiervon betragen die direkten Steuern, welche 75 Prozent der Staatseilikommensteuer ausmachen, 7965 Mark. — Die Shnagogengemeinde in Schildberg hat den Rabbiner Dr. Friedmann in Lublinitz zum Rabbiner gewählt. — Am 4. d. M. beging Lehrer Nathan Lauser in Gerotschin sein 25 jähriges Amisjubiläum. Aus diesem Anlässe fand in seinem Hause eine würdige Feier statt, bei welcher Rabbiner Bloch, Bürgermeister Friese und Kreisschulinspektor Heidrich ehrende Ansprachen hielten. Neben einer bedeutenden Jubiläumsgabe und einem Ehrendiplom vom Schulvorstande überreichte der Lehrerverein 12 silberne Messer und Gabele und die früheren Schüler eine goldene Uhr lind Kette. Die Gemeinde überbrachte zwei werthvolle dreiarmige silberne Leuchter. — Die jüdische Schule in Tirschtiegel wird gegenwärtig nur von sechs Kindern besucht, weshalb schon mehrfach Verhandlungen wegen ihrer Auflösung stattgefunden haben. Die Gemeinde hat nunmehr in die Auflösung gewilligt, aber die Negierung ersucht, ihr eiue Beihilfe zur Besoldung des Kantors und Religionslehrers zu gewähren. — Der praktische Arzt Dr. Löffler in Schub in beging neulich sein 50jähriges Doktorjubilänm. x. Wrescherr, 23. Mai. Am 13. d. M. verstarb hierfelbst im Alter von 75 Jahren Herr Rentier Hermann Mirels. Derselbe, ein Kind hiesiger Stadt, entstammte einer sehr frommen Familie, in der Thorastudium und edles Menschenthum sich in schönster Weise einten. Der Großvater und Urgroßvater des Verblichenen waren hier Rabbiner der Vater, ein Kaufmann, trieb fleißig Talmudstudien und unterwies auch seinen Sohn in denselben. Nachdem Derselbe einige Jahre in Amerika weilte, kehrte er zur Heimath zurück und unternahm bald eine Reise nach dem heiligen Lande. Dem Kaufmannsstande ange hörend, fand er bald Gelegenheit, seine Arbeitsfreudigkeit, seinen guten Rath, seine versöhnende Persönlichkeit in den Dienst der Stadt und jüdischen Gemeinde zu stellen. Er war abwechselnd Stadtrath, Stadt verordneter, Waisenrath, im Kuratorium der Kreissparkasse, Schulvor steher und Vorstandsmitglied der Gemeinde, dessen Vorsitz er tro(- körperlichen Leidens zuletzt ein Jahr lang inne hatte. Obwohl er als Kaufmann sehr viel zu thun hatte, widmete er sich allen Ehrenämtern mit voller Hingebung und fand noch immer Zeit, eifrig jüdisch? Litteratur zu treiben. Daß er Gemillus Cheßed in reichem Maße übte, still und geräuschlos, war seine schönste Tugend. So kann man von ihm sagen: „Sein Leben war schön, bestrahlt von dem Segen der Arbeit." Der imposante Leichenzug gab Zengniß über dieses Leben das Herr Rabbiner Dr. Lewin in zu Herzen gehenden Worten am Grabe entrollte, wo sich alle Konfessionen heute begegneten. (1. Myslowitz, 20. Mai. Am 16. d. M. wurde unter zahlreicher Betheiligung der em. Kantor Lew in, ein braver und gepachteter Mann, im Alter von 76 Jahren zu Grabe getragen. Es waren zur Beerdigung erschienen die Herren Oberkantoren Davidsohn-Gleiwitz, de Beer-Beuthen O.-S., Rosenbaum-Königshütte und Tandesar Zabrze, um dem trefflichen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Ans dem Friedhofe begann der unter Leitung des Oberkantors Spandau stehende Synagogenchor „^clouoz mo oäour". Alsdann hob Rabbiner Dr. Norden hier die Bedeutung Lewins als Vorbeter in einer tiefergreifenden Gedächtnißrede hervor. Hieran schloß sich ein warmer, zu Herzen gehender Nachruf des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt-Königshütte. Als Vorsitzender des Kantorenverbandes für Schlesien und Posen ergriff zum Schluß Oberkantor Davidsohn-Gleiwitz das Wort, um dem Heimgegangenen Senior der oberschlesischen Kantoren tief empfundene Abschiedsworte zu widmen. Nachdem Oberkantor Spandau das ,,^osell6>v-b6-8S68soi?" vorgetragen hatte, wurde die irdische Hülle der Erde übergeben. Lewin war 40 Jahre hier Kantor. Sein Andenken ist ein gesegnetes! 8. O. Ansbach, 25. Mai. Am 19. d. M. hielt der Landesverein für israelitische Kultusgemeiuden in dem freundlichen Altmühlstädtchen Günzenhausen eine zahlreich besuchte Ausschuß sitzung ab. Fast alle größeren Kultusgemeinden — wir vermißten nur Würzburg und Regensburg — waren durch Delegirte vertreten. Am vorausgehenden Sonntag tagte die Konferenz bayerischer Rabbiner, und als greifbares Resultat dieser eingehenden Berathungen begrüßen wir die baldige Herausgabe eines Religionsbuches für die höheren Klaffendes Gymnasiums, welches Rabbiner Dr. Groß-Angsburg auf Anregung verfaßt hatte und das allseitige Zustimmung fand. Alls ein an den Prinzregenten abgesandtes Huldigungstelegramm erfolgte huldvolle Antwort. Die Verhandlungen des Landesvereins begannen um l'/o Uhr und währten ohne Unterbrechung bis nahezu 7 Uhr. Deil Vorsitz führte mit bewundernswerther Ausdauer der um das bayerische Judenthum hochverdiente erste Vorsitzende, Justizrath Gunzellhäuser aus Fürth, der stellvertretende Vorsitzende, Geheimrath Josephthal-Nürnberg, war leider durch Unwohlsein an der Theilnahme verhindert. Dem Jahresbericht entnehmen wir folgende Daten: An Unterstützungen wurden im Jahre 1901 für 56 Gemeinden 7340 Mark bewilligt, so daß die Summe der in den sieben Jahren de- Bestandes dieses Vereins gewährten Unterstützungen 45735 Mark beträgt. 3390 Mark der pro 1901 bewilligten Gelder dienten Unterrichtszwecken, 1115 Mark verschiedenen KultuSzwecken, 900 Mark zu Syuagogenbauten

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