Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1902)
- Date
- 1902-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228473-3228496--58701-3295168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
66. Halsrgang. Nr. 22. Gerlin, 30. Mai 1902 ir können m, tiefe,» unst lockl. jüdische» die jetzt und alte >e, wen» Andacht schrieben i Struik den für» lgeliefen, isganq" er Man» der eben schein der i läßt (ec l), ist ei» , steht ir, -Machen ensspruet! sich bei Linsamen >n Trost hen wü a Ruhr Die neu gen. Er hlen, das, in seinem nnert für tande der tesomim nnd dir Friede» niigliche, mg einer jüdische,, st an dir »ist „Der zugeheu as hiesige derartig en habe» ches def meine» n Kinde, ,on dieser mterrichi ieligions ienkschrisr , hiesige» gium zu i, welche Zeitung eman n. Dev Grmrlirdelurle. Werkage zur „ALtgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 22. Mai. In der heutigen, zahlreich besuchten Delestrien-Versammlung des Verbandes für jüdische Wohlthätigteitspflege sprach Dr. med. M. Radzicjewski über „Aerztliche Fürsorge und Wohlthätigkeitspflege". In trefflicher Weise erörterte oer Redner die innigen Beziehungen, welche zwischen diesen beiden ältesten, aus den dringendsten Bedürfnissen zur Erhaltung des Daseins erwachsenen Kulturbestrebungen bestehen. Jedes für sich und beide nsammeu bilden Hauptpfeiler zur Stütze unseres Gesellschaftsbestandes. Aerztliche Fürsorge ohne den wohlthätigen Sinn der Bürger hätte nichts zu schaffen vermocht, und dieser wieder ohne jene hätte vertändnißlos gerungen. Jedes für sich kann Großes leisten und hat bereits Großes geleistet, durch vereintes Wirken wird jedoch der beste Erfolg gewährleistet. Beide müssen danach streben, einander zu ordern und sich gegenseitig die Wege zu ebnen. Dann wird das Bewußtsein der inneren Krast der beiden Arten der Liebesbethätigung steigen, und in weiteren Kreisen wird die Mitarbeiterschaft wachgernfen werden, um das Höchste zu schaffen: die Glückseligkeit unter den Mitmenschen zu verbreiten. Zum Schluß seines nach Form und Inhalt vorzüglichen Vortrages, der übrigens im Druck erscheinen soll, empfahl der Redner den Vereinen, ärztliche Beihilfen zur Mitwirkung Heraufziehen sowie den Aerzten für die Zwecke ihrer therapeutischen Maßnahmen eine Liste aller Wohlthätigkeitsvereine zu überweisen, welche Auen kurzen Hinweis auf die Thätigkeit jedes Vereins und dessen Meldestelle enthält. — Der Verbandsvorsitzende, Justizrath Breslauer, erstattete alsdann über die Thätigkeit des Verbandes Bericht. Seit dem!. April d. I. ist die Organisation der Wöchnerinnenpflege durchqeführt. Die Thätigkeit ist, wie bereits im vorigen Bericht von uns nntgetheilt wurde, auf drei Vereine vertheilt, als vierter Verein hat sich jetzt der Frauenverein der Berliner Logen angeschlossen, welcher diejenigen Fälle übernimmt, in denen das Kind noch nicht geboren ist. Alle Gesuche gehen zunächst an die Centralstelle des Verbandes, welche dieselben innerhalb 24 Stunden demjenigen Verein zuweist, dessen Bezirk der Fall unterstellt ist. Die Organisation hat sich bereits sehr gut bewährt. So gingen vom 1. April bis 19. Mai von 54 Parteien 117 Gesuche ein, und zwar waren 29 an einen Verein, sieben an zwei Vereine, acht an drei Vereine, fünf an vier Vereitle, zwei au fünf Vereine, eines an sechs Vereine, zwei sogar an sieben Vereine zu gleicher Zeit gerichtet. Statt der 117 Gesuche brauchten somit nur 54 einer Prüfung unterzogen zu werden. In drei Fällen brauchten nur 10 Mark bewilligt zu werden, dagegen sind auf die übrigen 51 Fälle 815 Mark oerwendet worden. Durch die Aussonderung der vielfachen Gesuche eines Petenten ist eine Ersparniß von über 500 Mark erzielt worden, obwohl die Unterstützungen selbst, welche vertheilt wurden, eine Erhöhung erfahren haben. Zwei Fälle mußten abgewiesen werden, weil die Mutter nicht ortsangehörig war. und im zweiten Falle, weil es sich um ein uneheliches Kind gehandelt hat. Doch soll in Zukunft statutarisch dafür Vorsorge getroffen worden, daß auch diese Fälle ordnungsmäßig zur Erledigung kommen können. Nachdem die Zusammenfassung mehrerer Vereine zur Unterstützung der Wöchnerinnen von bestem Erfolge begleitet ist. wird der Verband weiterhin der Frage der Krankenpflege und insbesondere der Hauspflege seine Aufmerksamkeit widmen. Es soll zunächst eine größere Zahl von Pflegerinnen — es sind bisher nur sechs Pflegerinnen vorhanden — ausgebildet werden. Der Verband hofft schließlich dahin zu kommen, daß die Armenverwaltung ihre Thätigkeit nur auf die Almosenempfänger beschränken wird, während alle anderen Gebiete von der Armenpflege abgetrennt und dem Verbände überwiesen werden können. An den Vortrag und den Verbandsbericht schloß sich eine sehr angeregte Diskussion, in welcher unter anderem der Verband auch auf die Pflege der Säuglinge, deren Mortalität bei den Juden bekanntlich eine außerordentlich günstige ist. als auf ein dankbares und lösbares Gebiet der sozialen Frage hingewiesen wurde. In der weitumfassenden und schwierigen Frage der Krankenpflege konnte im engen Rahmen der Diskussion selbstverständlich noch keine Klärung herbeigeführt werden. x. Berlin, 19. Mai. Im hiesigen „Verein Jüdischer Studenteil'' sprach am 18. d. M. Dr. Alfred Nossig über „Jüdische Statistik". Dr. Nossig führte aus, daß die psychologischen Gründe einer jüdischen Statistik in den Verfolgungen und Unterdrückungen des jüdischen Stammes zu suchen seien, indem ein so gedrücktes Volk nothwendig Betrachtungeil darüber anstellen müsse, ob sein Charakter wirklich gerechten Anlaß zur Gehässigkeit biete. Andererseits seien die beständigen Verfolgungen auch daran schuld, daß bisher so wenig auf dem Gebiete der Statistik von den Juden gethan sei. Namentlich hätten die osteuropäischen Juden, denen eine Statistik doch den meisten Nutzen bringen würde, infolge des fortwährenden Druckes und ihrer Zerstreuung bisher zu wenig Gelegenheit und vor allem zu wenig Sinn für ein solches Werk gehabt. Sodann schilderte Dr. N. den großeil Nutzen einer Statistik, indem diese alle modernen jüdischen Bewegungen in vernunftgemäße Bahnen weisen und vor einer kurzsichtigen, aber auch vor einer phantastischen Politik fernhalten würde. Redner gab ferner eine Uebersicht über die Leistungen aus diesem Gebiete bis zu dem Zeitpunkte, wo er selbst mit einem Büchlein „Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes" vor die Oeffentlichkeit trat (1885). Bereits in diesem Werke hatte er eine Eintheilung vorgeschlagen, nach der statistische Aufnahmen zu erheben seien. Diese Eintheilung betrifft folgende Punkte: 1. Bevölkerung. 2. ökonomische Lage. 3. gesellschaftliches und politisches Leben, 4. ethisches lind geistiges Leben, 5. das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung unter sich, zum Staate und zur nichtjüdischen Bevölkerung. Das bearbeitete Material, das mail bei statistischen Erhebungen benutzen könne, finde sich, soweit es staatliche Interessen angelst, in öffentlichen Tabellen, z. B. in Steuerlisten oder in bereits herausgegebenen allgemeinen statistischen Lehrbüchern sowie in jüdischen Zeitschriften, doch erstrecke sich dies Material nur auf wenige Gebiete und sei zum Theil von sehr zweifelhaftem Werthe. Das noch nicht bearbeitete Material finde sich in den Archiven mancher Staaten und in den Akten der einzelnen Knltnsgemeinden, doch sei die Verarbeitung desselben sehr schwierig. In den letzten Tagen hat sich ein Komitee gebildet, das eine Statistik der Juden ausstellen will, und welches ein Jeder nach Kräften unterstützen möge. Der Plan, nach welchem die vorläufigen Arbeiten bewerkstelligt werden sollen, ist folgender: Es soll ein Centralbüreau eingerichtet werden, an welches alles auftreibbare Material eingeschickt wird. Sollte eine Arbeit in größerem Umfange in dem Staate einen Gegner finden oder sich als zu schwierig Herausstellen, dann solle man sich damit begnügen, die Listen der Kultusgemeinden zu benutzen, was allerdings nicht überall möglich oder fruchtbar sei. Vor der Hand solle man kleineres Material sammeln und aus staatlichen Publikationen, aus Monographien und Zeitschriften schöpfen. Mit einer an dies Thema sich knüpfenden lebhaften Diskussion schloß der wissenschaftliche Theil des Abends. Neubrattdeuhurg, 2. Mai. Kürzlich feierte unser Oberlandesrabbiner Dr. I. Hamburger in Strelitz sein 50 jähriges Rabbiner- und Doktorjubiläum; dem Jubilar wurden aus vielen, verschiedenen Kreisen seiner Freunde nnd Verehrer die verdiente Allerkennung seiner Leistungen im Amte in verehrnngsvoller Weise dargebracht. Aus Chikago schreibt ihm Nabbiller Dr. Felsenthal: „Ihnen hat der gütige Gott die volle Gesundheit, Kraft und Geistessrische verliehen, um das große, inhaltsreiche Werk zu Ende zu führen und nun dankbar sein zu können. Zur Freude Ihrer Angehörigen und Ihrer vielen Freunde sowie zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums möge der Allvater auch ferner mit Ihnen sein und Sie noch lauge gesund und frisch erhalten!" Ein anderer Gönner, Rabbiner Dr. Nülf in Bonn, richtet an ihn die freundlichen Worte: „Ich bin ein großer Verehrer und Bewunderer Ihres immensen Fleißes und ihrer Gelehrsamkeit, welche sich in diesen