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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-23 · Heft 21 (23.5.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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8 Abstammung : „die segnenden Hände und die Krone des Priesterthums". Ganz vereinzelt deutet ein Bild den Beruf des Verstorbenem nur einmal den Familiennamen au. Bemerkenswerth sind die Familieuwappen. Für die Herstellung der Grabsteine durch jüdische Künstler sprechen verschiedene Gründe und Belege. Unter den auf dem Friedhof Bestatteten sind besonders hervorzuheben: Dr. Rodrigo de Castro, dessen Grab man bisher vergebens gesucht hat, Abraham Teixeira, der Resident der Königin Christine von Schweden, früher Pagador (Schatzmeister) des Königs von Spanien, dem die kaiserliche Regierung vergebens einen Jnquisitionsprozeß zu machen versucht hat. Elia Aboab, wie es heißt, der Erbauer der ersten Synagoge in Hamburg, Mose Gideon Abudiente, der bekannte Dichter und Grammatiker und David Cohen de Lara, über dessen Lebensschicksale das Protokollbuch der Gemeinde wichtige Aufschlüsse giebt und dessen Bild sehr wahrscheinlich in dem Bildniß eines Rabbiners in der Dresdener Bildergalerie zu sehen ist. Von Abraham Teixeira berichtet eine Urkunde im Hamburger Staatsarchiv, er habe zum Bau der Michaeliskirche das gesammte Kupfer im Werthe von 10000 Thalern geschenkt. Die Ausführungen des Redners fanden bei den zahlreichen Hörern lebhafte Anerkennung. X. TlltS dem Elsaß, 14. Mai. Tie Ergänzungswahlen drfü as israelitische Konsistorium des Unterelsaß verliefen ungemein ruhig. Die Gründe, die zur Demission von drei Mitgliedern geführt hatten, wurden den Wählern nicht bekannt gegeben. Trotzdem war die Betheiligung an der Wahl eine rege, und wurden die von den zurückgetreteneu Mitgliedern empfohlenen Kandidaten mit großer Majorität gewählt, nämlich die Herren Myrtil Blum, Mathieu Bloch. Gustav Stein, sämmtlich Kaufleute in Straßburg, und Theodore Meyer. Bankier in Ingweiler. Der Sieg, oder besser die rege Betheiligung, die eine Stichwahl unnöthig machte, dürfte in erster Linie den Fehlern der Gegenpartei zu verdanken sein, die wenig bekannte Kandidaten aufstellte, statt eines Programms einige leere Redensarten brachte und außerdem in einem besonderen Cirkular von dem dieses Mal nicht kandidirendeu Herrn Durlach empfohlen wurde, eine Empfehlung, die angesichts der ihnen bereits gemeldeten Vorkommnisse nur Entrüstung über den vermeintlichen Einfluß erzeugte. Nicht ganz ohne Einfluß mag auch der Wunsch vieler Friedensfreunde gewesen sein, zur Vermeidung eines weiteren „Chilul Haschern" die unter der Hand ja doch bekannt gewordenen Mißstäude, die zur Demission geführt haben, nicht vor aller Oeffentlichkeit zu besprechen. Ob dies hier zu Lande so beliebte Vertuschungssystem aber eine Besserung bringen wird, muß die Zukunft lehren. — Nun haben auch die Rabbiner Elsaß- Lothringens sich endlich aufgerafft und in einer zahlreich besuchten Versammlung am 2. April die Gründung eines Rabbiuerverbandes zur Wahrung ihrer Interessen beschlossen und eine Kommission zur Ausarbeitung der Statuten gewählt haben. Außerdem wurde auf Antrag des Rabbiners Dr. Koch-Weißenburg folgende Resolution einstimmig angenommen: Die versammelten Rabbiner sprechen den Wunsch aus: 1. Es möge als jährliche Prämie für die Pensionskasse für Wittweu und Waisen von Rabbinern die Summe von 15 Mark festgesetzt werden. 2. Diejenigen Rabbiner, welche sich sedoch verpflichten, eine jährliche Prämie von 40 Mark zu bezahlen, deren Wittwen und Waisen sollen gleich den Wittwen und Waisen der Oberrabbiner Anspruch haben auf eine jährliche Pension von 1000 Mark. — Die Agitation für ein Cen tra lk on s i st o r i u m dauert noch immer fort. In Stratzburg bat vor Kurzem eine Versammlung von Vertrauensmännern stattgesuuden, um zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Nur ein Herr sprach sich gegen die Bildung nnes Oberkonsistoriums aus, während alle anderen Anwesenden diese Einrichtung für ein großes Bedürfuiß der Zeit hielten. Die Versammlung wählte ein Komitee, bestehend aus Landgerichtsrath Levi, Rechtsanwalt Lange und Kaufmann Kraemer, welches ein Gesuch an >as kaiserliche Ministerium richten, und in demselben sagen soll, Dr. Heinrich Lewy habe einem allgemeinen Wunsche in seiner Petition ,n den Laudesausschuß Ausdruck gegeben, und Landesausschuß- -bgeordneter Mannheimer befand sich im Jrrthum, als er erklärte, in Bedürfnis; oder Verlangen nach einem Oberkonsistorium läge nicht wr. Man bitte also das Oberkousistorium wieder herzustellen mit denselben Befugnissen wie das französische Ceutralkonsistorium, und iner ähnlichen Zusammensetzung unter Berücksichtigung der wegen es kleineren Bezirkes uöthigcn Aendernngen. Oesterreich - Ungarn. Wien, 19. Mai. Auch der Bericht über die Thätigkeit der Barouin Clara von Hirsch Ka is e r - I u b i l üu m s - S ti s tu ng ist jetzt erschienen. Die Stiftung dient zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich; sie besitzt ein Vermögen von 4467300 Kronen. In Erfüllung des ersten Zweckes der Stiftung: armen Kindern, welche die Schulen der Baron Hirsch-Stiftung in Galizien und der Bukowina besuchen, Miltagskost und Kleidungsstücke zu gewähren, wurden 11 895 Frühstücke und 197 016 Mittagmahle verabreicht und ca. 6000 Kinder mit Kleidern, Mützen und Schuhen betheilt. Iusgesammt wurde für den Zweck der Bekleidung und Beköstigung ein Betrag von 98 531 Kronen verausgabt. Dem weiteren Zwecke: israelitischen, insbesondere in Galizien und in der Bukowina wohnhaften Mädchen durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen, wurde nach verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. Das Kuratorium wandte in erster Linie seine Fürsorge den im Jahre 1899 gegründeten vier Mädchenarbeitsschulen in Buczacz, Kolomea, Stanislau und Taruow zu und beschloß die Errichtung von mehrereil, aber kleiner angelegten Nähstubeu in Bohorodczanh, Bursztyu und Zaleszcyki. Außerdem wurden au 34 Mädchen, die zum Theil in Wien, zum Theil in ihrer Heimath verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandteu, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt und weiteren 42 Mädchen zum Theil Schulgeldbeiträge bewilligt, zum Theil für sie das ganze UnLerrichtshonorar erlegt. Das Kuratorium hat in den Vorjahren an 20 galizische Mädchen monatliche Stipendien von je 20 Krollen bewilligt und in diesem Jahre die Anzahl der Stipeudistiuneu auf 25 erhöht. Diese Mädchen waren in Wien bei Schneiderinnen, Modistinnen, Kravattenmacherinneu, Wäscheerzengerinnen, Handschuhmachern rc. in der Lehre, wurden bei der betreffenden Genossenschaft ordnungsmäßig aufgeduugen und freigesprochen und erhielten während der Dauer der Lehrzeit, die bisweilen zwei Jahre beträgt, freie Wohnung, Kost, Quartier, Kleider und Wäsche. Das Kuratorium hat weiter vier im israelitischen Waisenhause in Wien untergebrachten galizischen Mädchen Stipendien von zusammen 1000 Krollen, dem Waisenhause in Brody eine Subvention für 10 Mädchen von zusammen 1200 Kronen, der Osias Gotthelffschen Handelsschule in Sambor für Frequentautinnen des Handelskurses für Mädchen 400 Kronen und sechs Schülerinnen der gelverblichen Fortbildungsschule für Mädchen in Storozhnetz die Bezahlung des halben Schulgeldes per 165 Kronen bewilligt. Der zweite Stiftnngszweck besteht darin, den durch die Baron Hirsch-Stiftung zu Handwerksgesellen herangebildeteu, in Galizien und der Bukowina wohnhaften israelitischen Kindern Unterstützungen zum Behuse weiterer Ausbildung in ihrem Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Ausland zu gewähren. Durch den hierfür bestehenden Fonds war es möglich, den zu Handwerksgesellen herangebildeten ehemaligen Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich ins Ausland zu begeben, nicht blos, um sich weiter auszubilden, sondern auch dort, lvo oft ein größerer Bedarf au speziellen Arbeitskräften bestand als im Inlands, sich Erwerb zu schaffen. Das Kuratorium hat in zahlreichen Fällen Handwerksgesellen, die schon durch billige Jahre gearbeitet hatten, nach Paris, London. Berlin, Offenbach a. M. u. a. gesendet und hierfür 3750 Kronen verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen einlangten, lauteten durchwegs günstig. Eine gleich ersprießliche Ergänzung erfuhr die Stiftnngsthätigkeit durch den weiteren Zweck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerks körperlich untauglich sind, durch Er" theilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Berusszweiges zu ermöglichen." Hierdurch war das Kuratorium in die Lage gesetzt, nicht allein jenen Kindern, welche wegen körperlicher Schwäche gezwungen waren, Handels-, Gewerbe- oder Mittelschulen w. zu besuchen, Stipendien zu gewähren, auch für eine Reihe unglücklicher, verkrüppelter Personell konnte durch Anschaffung eigens koustrnirter Strickmaschinen rc. die Möglichkeit eines Erwerbes geschaffen werden. Jnsgesammt wurden ans diesem Fonds 22 452 Kronen verausgabt. — Die Alldeutschen zerfleischell sich immer weiter. Der Abg. Schalk hat jetzt K. H. Wolf in Linz bezichtigt, eine Wechselfälschung verübt zu haben, ferner hat er Mols Mißhandlung der eignen Frau und Vergewaltigung zweier Mädchen znm Vorwurf gemacht. Sollst nichts! —

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