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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-23 · Heft 21 (23.5.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 warmen und eindringenden Worten betonte er die Nothwendigkeit eines energischen Kampfes zur Abwehr gehässiger Angriffe, zur Wahrung unserer Rechte, die in fortwährender Gefahr, uns geschmälert oder vorenthatten zu werden. Und in Zeiten der Gefahr, sei es Pflicht eines jeden ehrenhaften Menschen, an diesem Kampfe Theil zu nehmen, auch selbst wenn man persönlich nicht darunter leidet, sei es durch geistige Mithilfe, sei es durch materielle Förderung, damit Jeder sagen könne: meine Schuldigkeit habe ich gethan. Der Verein müsse nicht im Namen von 100 000, sondern im Namen aller deutschen Juden reden, dann würden die Erfolge, die in den letzten Jahren zu verzeichnen gewesen, noch größere werden. Berlin, 20. Mai. Der Vorstand der „Hilsskasse fürisraelitische Knltnsbeamte und deren Witt wen und Waiseil in Deutschland" sieht sich genöthigt, den so oft betätigten Wohlthätigkeitssinn der deutschen Judenheit in Anspruch zu nehmen und erläßt zu diesem Zwecke den folgenden beherzigenswerten Aufruf: „Während wohl für alle Beamte, Geschäftsangestellte, Arbeiter rc. durch gesetzliche und soziale Maßnahmen gesorgt wird, daß sie im Alter oder im Falle der Invalidität, und daß ihre Familien nach dem Tode des Ernährers vor Noth geschuht sind, entbehren die jüdischen Kultnsbeamten solcher Vergünstigungen gänzlich. Die durch Alter oder Krankheit ganz oder auch nur teilweise dienstunfähig gewordenen Kultnsbeamten werden einfach entlassen und so der Noth preisgegeben, ihre Wittwen und Waisen ihrem traurigen Schicksal überlassen. Nur wenige Großgemeinden haben sich ausnahmsweise zur Gewährung von Pension an ihre Kultnsbeamten bereit gefunden. Die Mehrzahl der kleinen Gemeinden ist aber häufig beim besten Willen nicht im Stande, ihren Beamten Pension und Reliktenversorgung zu gewähren; wird ihnen doch durch den Wegzug der wohlhabenden Mitglieder nach großen Plätzen schon die Besoldung der Beamten schwer genug. Alle bisherigen Versuche, diesen der deutschen Judenheit unwürdigen Zustand zu beseitigen, sind erfolglos geblieben. So müssen wir unsere Hoffnung auf Besserung der trostlosen Verhältnisse des Kultusbeamtenstandes in die Privathilse unserer Glaubensgenossen setzen. Aus dieser Erkenntniß ist eine stattliche Anzahl hervorragender Glaubensgenossen als außerordentliche Mitglieder unserer Hilfskasse beigetreten, und nicht znm Mindesten durch ihre Hilfe ist es uns möglich gewesen, so manche bittere Noth zu lindern, manche Thräne zu trocknen. In den letzten drei Jahren konnten wir ca. 9000 Mark an einmaligeil und laufenden Unterstützungen verausgaben. Leider übersteigen aber die an uns gestellten Anforderungen bei weitem unsere Mittel. Deshalb wenden wir uns an Sie, sehr geehrter Herr, mit der herzlichen Bitte: Treten Sie unserer „Hilfskasse" durch Zeichnung eines von Ihnen selbst zu bemessenden Jahresbeitrages als außerordentliches Mitglied bei. oder helfen Sie uns durch eiue einmalige Zuwendung dieses wahrhaft humane Werk fördern! Jahresbeiträge und Zuwendungen. über die wir öffentlich guittiren werden, sind nur an unfern Rendanten. Herrn Emil Benjamin, Berlin >V., Nettelbeckstr. 24, zu richten. Der Vorstand: Dr. Fedor Stern, Justizrath, Ehrenvorsitzender, A. Friedmanu, 1. Vorsitzender. A. Nosenthal, Beisitzer, I. Epstein, Beisitzer, Hanptkantoren der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Z. Schönberger. Oberkantor in Potsdam, 2. Vorsitzender, Emil Flanter, Lehrer und Redakteur. 1. Schriftführer, S. Dubowsky, Oberkantor der Shu.-Gem. Ad.-Jsr. in Berlin, 2. Schriftführer, I. Sarasohn, Oben kantor in Stettin. H. Lewit, Kalltor in Berlin, Emil Benjamin, Rendant. 13. Berlin, 13. Mai. Am 6. d. M. fand die Antrittskueipe des Vereins Jüdischer Studenten (B. I. C.) zusammen mit dem V. I. St. Charlottenburg statt. Dieselbe war von zahlreichen Gästen besucht und verlief in schönster Weise. Vbr. Moses begrüßte die Gäste. Vbr. Rosenkranz hielt eine treffliche, eindrucksvolle Tendenzrede, die mit einem Salamander auf die Gäste schloß. Aus den B. I. C. sprach Bbr. Berlowitz (V. I. St. Charlottenburg). Für das laufende Semester wurden auf dem Antrittskonvent zu Chargirten gewählt: Moses. I. Cohn, Holz. Saliuger, Kassenwart. Perlitz, Turn- und Fechtwart. Was die Arbeit im kommenden Semester anbetrifft, so sollen die Mitglieder durch regelmäßige wöchentlich stattfindende Vorträge. Geschichtskurse, Diskussionen rc. weiter zur regsten Anteilnahme an allen Fragen des jüdischen Lebens angeregt werden; besonders soll ihnen Gelegeilheit geboten werden, sich praktisch im j ü di s ch en Lebe n zu betätigen. Auch die körperliche Ausbildung! oll wie bisher durch Turnen und F.echten gepflegt werden. Zu er- 1 wähnen ist ferner die Gründung einer Zeitung des Bundes Jüdischer Korporationen. Das Blatt, das unter dem Namen „Der jüdische Student" monatlich erscheint, soll nicht blos einen Mittelpunkt für die einzelnen Kartellvereine bilden, sondern ein Centum für das gesammte jüdisch-akademische Leben werden, indem es die Tendenzen der Vereine Indischer Studenten in immer weitere Kreise der jüdischen Studentenschaft trägt. Jüdisches Selbstbewußtsein zu pflegen. Feuer und Begeisterung für das angestammte Judenthum zu wecken, soll der Grundzug des „Jüdischen Studenten" seiu, dessen Motto lautet: Für Freiheit und Judenthum! Die Schristleituug befindet sich in den Händen des Herrn Dr. Heinrich Loewe in Berlin. LLZMerlin, 16. Mai. Das Stipendium der von dem zu Berlin verstorbenen Geheimen Medizinalrath Professor Dr. med. Joseph Meyer testamentarisch begründeten Julius-Adelheidstiftung im Betrage von 240 Mark soll sür das Studienjahr 1902 bis 1903 an einen talentvollen, würdigen und bedürftigen jüdischen Stndirenden des Baufachs verliehen werden. Geeignete Bewerber werden aufgefordert, ihre Gesuche bis zum 15. Juli an das Kuratorium zu Händen des Professors Dr. Kalischer. 50, Ansbacherstraße 14, einznreicheu. --- Königsberg i. Pr., 15. Mai. Die Pensionskasse fürjüdische Neligi onslehrer und Kn ltnsbe a mte in Ostpreußen hat ihren ersten Rechenschaftsbericht sür das Jahr 1901/2 herausgegeben. Das Problem einer geordneten Fürsorge für die Emeriten, Wittwen und Warfen jüdischer Beamten ist mit der Existenz und durch die gewonnene Ausdehnung dieser Kasse sür unsre Provinz bereits heute schon im Wesentlichen als gelöst anzusehen. Etwa zwei Drittel aller im öffentlichen Dienste ostpreußischer jüdischer Gemeinden stehenden Beamten befinden sich jetzt schon in gesicherter Versorgung. Was zur Gewinnung eines allgemeinen Versorgungstandes in unserer Provinz zur Zeit noch fehlt, dürfte sicher schon die nächste Zukunft bringen. Das Ziel ist schon heute: eine gleichmäßige Pensiousleistung von 500 Mark für den arbeitsunfähig gewordenen Mann und von 300 Mark für die Hinterbliebenen desselben. Die Kasse zählte am Ende des Verwaltungsjahres 29 Gemeinden mit 31 Beamten als Mitglieder, die — wie bei den zu übernehmenden Uebergangsverhältnissen nicht anders zu erwarten war — zumeist der Versorgungskasse (Abtheilung II der Pensionskasse) angehören. Die in Verbindung mit dem Verbandstage des Ostpreußischen Synagogenverbaudes am 26. Dezember 1900 in Königsberg abgehaltene konstitnirende Generalversammlung der Pensionskasse hatte eiue Nachrevision desKaffenstatuts vorgenommen, die in allen Punken inzwischen die Genehmigung der königlichen Regierung erhalten hat. Die diesjährige Generalversammlung hat in Verbindung mit der am 19. und 20. d. M. hierher cmberamnten provinzialen Lehrerversammlnng stattgefunden. Bericht folgt. Das-Vermögen der Pensionskasse beträgt Mark 7320,60. Hoffentlich vermehrt sich dasselbe bald durch Stiftungen und Schenkungen oder Legate edler Menschen. Der Vorstand der Pellsionskasse besteht aus folgenden Herren: Rechtsanwalt Schey-Allenstein, Vorsitzender. Stadtrath Jsaac Eichelbaum-Jnsterbnrg, Verbandsvorsteher. Kaufmann S. Jacoby-Osterode. Dr. med. Kamnitzer-Allenstein. Rentier Joseph Silnonsohn-Königsberg, I. Fließstraße 14, Schatzmeister. Kantor Davidsohn-Rastenburg. Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg, Schriftführer. Prediger Sturmann-Osterode. M. Hamburg. 12. Mai. Im Verein für Kunst und Wissenschaft hielt Rabbiner Dr. M. Grün Wald einen Vortrag über den Friedhof der portugiesischen Gemeinde in Altona. Der Redner betonte in seinen interessanten Ausführungen: Das wichtigste Denkmal aus der Vergangenheit der portugiesisch-jüdischen Gemeinde ist der Friedhof an der Königstraße in Altona, wo jetzt zur Verbreiterung der Straße eine Anzahl Gräber exhnmirt wird. Er ist älter und in mancher Hinsicht bedeutender als der berühmte Friedhcü der Amsterdamer Portugiesen zu Qudekerk. 1611 wurde er von Hamburger Juden von dem Grafen Ernst von Schauenburg erworben und bis 1877 zur Bestattung von Leichen benutzt. Die Bilder auf den Grabsteinen sind von kunstgeschichtlicher Bedeutung. Sie sind dem biblischen Bilderkreis, znm Theil auch dem rabbinischen Schriftthum entlehnt. Daneben finden sich auch antike und Renaissancetypen. Einzelnes ist mit Darstellungen aus Qudekerk identisch. Nirgends findet sich das sonst ans jüdischen Grabsteinen übliche Zeichen des Levitenthums „Kanne oder Becher" dagegen das Symbol ahronidischer

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