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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-16 · Heft 20 (16.5.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Sprache die Worte zu lesen: „Der Ewige behüte deinen Ansgang und deinen Eingang!" Zu einem Festessen, das der katholische Pfarrer ans Anlaß der Anwesenheit des Kardinals am Sonnabend gab, war auch unser Rabbiner Dr. Norden als Vertreter der jüdischen Gemeinde geladen; der Pfarrer hatte sogar für streng rituelle Kost Sorge getragen. I.. Hannover, 11. Mai. Am 19. und 20. d. M. wird hier die 38. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover stattfinden. Es ist folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Berichterstattung. 2. Vorstandswahl. 3. Bericht über den Verbandstag in Hamburg (die Delegirten). 4. Das Verbandsthema: „Die Psalmen im Religionsunterricht." Referent: Katz- Dransfeld. 5. „Das Unterrichtsverfahren in den hebräischen Disziplinen," Referent: Seminarlehrer Levy-Hannover. 6. Leseprobe über Psalm 24 (Oberstufe) Löwenstein-Bremke. 7. Bericht der Kommission über „die Anstellungsverhältnisse der jüdischen Lehrer in der Provinz Hannover", Referent: Spanier-S^lzenau. 8. Vorlage der von der eingesetzten Kommission umgeänderten Vereinssatznngen: Blumenfeld-Adelebsen. 9. Rechnungsablage und Entlastung des Rechnungsführers nach Prüfling der Kasse durch zwei Vereinsmitglieder. 10. Freie Besprechungen. 11. Feststellung der Zeit ynd des Ortes der nächstjährigen Versammlung. — Im Allschluß all die Lehrerversammlung j wird für die Mitglieder der U n t er stü tz u n g s k a ss e eine Generalversammlung abgehalten werden. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern und drei Stellvertretern. 3. Etwaige Anträge von Mitgliedern. Chemnitz, 9. Mai. Dem V er w a l t u ng s b eri ch t des Vorstandes der hiesigen israelitischen Gemeinde für das Jahr 1901 entnehmen wir folgende Mittheilungen: Unsere Gemeinde zählt 1186! Seelen. Die Anzahl der selbständigen Haushaltungen im Jahre 1901 betrug 265 und diejenige der steuerzahlenden Mitglieder derselben 392, von welchen sechs auswärts wohnhaft (freiwillige Mitglieder) waren. Die Gemeinde gehört dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde an und unterstützte den Verein zur Fürsorge Strafenilasseller zu Chemnitz durch einen Jahresbeitrag. Im August feierte unser Rabbiner Dr. Mühlfelder das Fest der Silberhochzeit, aus welchem Anlaß seitens des Vorstandes und der Gemeindeverordneten ein Glückwunschschreiben an Denselben gerichtet wurde. Außerdem wurde Dr. Mnhlselder nach seiner Rückkehr aus Bad Nauheim durch eine Deputation eine Ehrengabe überreicht. Zu der Feier der Enthüllung des Theodor Körner- Denkmales am 18. Oktober wurde auch unsere Gemeinde in der Person des Vorsitzenden des Vorstandes durch den Rath der Stadt und den Vorstand des Vereins „Körnertisch" eingeladen. Der ehrenvollen Einladung wurde seitens des Herrn Max Bergmann entsprochen. In der Angelegenheit einer anderweitigen erweiterten Abgrenzung des Steuerbezirks unserer Gemeinde, welche seit dem Jahre 1898 verfolgt wurde, hat der Vorstand bei den Behörden der in Betracht kommenden Städte Informationen eingeholt. Hiernach erscheint es rathsam, diese Angelegenheit als aussichtslos und ohne irgend welchen Vortheil für unsere Gemeinde auf sich beruhen zu lassen, da die Anzahl der eventuell zur Steuer Heranzuziehenden eine zu geringe ist. Eine finanzielle Einbuße erlitt die Gemeinde durch die Zahlungseinstellung der Leipziger Bank, bei welcher wir seit Jahren die verfügbaren Gelder der Gemeinde gegen Quittungsbuch hinterlegt hatten. Das Guthaben beträgt 9238.35 Mark, wovon voraussichtlich ca. 60-65 Prozent eingehen werden. Die kurz vor den hohen Feiertagen eingetretene Erkrankung unseres Rabbiners machte die Berufung eines Predigers finden Versöhnungstag sowie die Allstellung eines Stellvertreters in den Funktionen als Prediger und Lehrer nöthig. Als Prediger am Versöhnungstage fungirte wie im vergangenen Jahre Nabbinatskandidat Martin Lewin aus Berlin. Die Stellvertretung des Dr. Mühlfelder wurde Rabbiner Dr. Julius Grünthal aus Breslau übertragen, welcher dieses Amt am 18. Oktober übernahm. Wie seither, so wurde auch in diesem Jahre auf die weitere Verschönerung und Verherrlichung unseres Gottesdienstes Bedacht genommen. Hierbei unterstützte uns besonders der Synagogenchorverein, welcher unter der Leitung des Herrn Kantor Goldberg jederzeit Vorzügliches geleistet hat. Die Anzahl der Schüler der Religionsschnle betrug 186 <95 Knaben und 91 Mädchen). In das Lehrerkollegium, welches aus dem Schulleiter Dr. Mühlfelder. Lehrer Sommerfeld und Kantor Goldberg bestand, trat kurz nach Beginn des Winterhalbjahres Dr. Grünthal für den erkrankten Herrn Dr. Mühlfelder ein, dessen Klassen Derselbe übernahm. Unserer Gemeinde sind auch im Jahre 1901 verschiedene Geschenke und Spenden überwiesen worden. Bedauerlicherweise ist in Hinsicht auf die Ergebnisse früherer Jahre von einer erheblichen Verminderung der Spenden zu berichten. Der Vorstand der Gemeinde war im Jahre 1901 folgendermaßen zusammengesetzt: Max Bergmann, Vorsitzender; Bernhard Kupferberg, stellvertretender Vorsitzender; Hugo Oppenheim, Schriftführer; Markus Bernstein, stellvertretender Schriftführer; Willy Lippmann, Kassirer; L. I. Joachimsthal, stellvertretender Kassirer. Das Gemeindeverordnetenkollegium hatte folgende Zusammensetzung; Moritz Fränkel. Vorsitzender; Felix Frank, stellvertretender Vorstzender; A. I. Kalitzki, Schriftführer, Max Grünberg. stellvertretender Schriftführer; Eduard Becker, Jakob Bloch, Dr. med. Emil Fröhlich. Hermann Großmann, Bernhard Roos, Salomon Seidler, Julius Simon, Gotthold Schreiber, Salomou Schulen. Theodor Wangenheim, Joses Wolfs als Besitzer. Die Chebrah Kedoschah, Krankenpflege-. Unterstützungs- und Bestattungsverein, zählte 193 Mitglieder. Unterstützungen wurden im Betrage von 1337.10 Mark gewährt. Die Kosten der Leichenwachen rc. betrugen 332.06 Mark. Die Gesammteinnahmen im Jahre 1901 beliefen sich auf 2767.94 Mark. Die Gesammtausgaben 2301.49 Mark. Der Israelitische Frauenverein zählte 143 Mitglieder. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen 37 838.89 Mark, die Ausgaben 34 373.39 Mark. 0. Bochum, 12. Mai. Vor einigen Tagen wurde hier die 21. Generalversammlung des Central - Armenverban des der Synag og engem ei nden Bochum. Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hoerde, Iserlohn, Mülheim a. d. Ruhr, Steele, Ruhrort, Wattenscheid und Witten abgehalten. Dem Protokoll der Generalversammlung entnehmen wir folgende Thatsachen: Im Jahre 1901/1902 erhielten im Ganzen im Vorort Bochum 1810 Personen. und zwar 1567 Männer, 141 Frauen und 102 Kinder, 4288.50 Mark Unterstützung, das macht durchschnittlich auf die Person 2.37 Mark gegen 1757 Personell mit 4708 Mark und 2.68 Mark Durchschnittsunterstützung im Vorjahre. Dem Beruf nach waren 62 Rabbiner, Lehrer und Kantoren, 829 Handwerker und Arbeiter, 303 Kaufleute und Kommis, 402 Handelsleute und Hausirer, 214 waren ohne Beruf, darunter 21 Krüppel. Heimathsberechtigt waren in Deutschland 674, in Oesterreich und seinen Nachbarländern 636, in Rußland 346, in Balkanhalbinsel und außereuropäischen Staateil 154. Zwei Referate, und zwar das des Herrn Liebenfeld-Bochnm über die Verhandlungen des zweiten Verbandstages des D.-J. G.-B. und das des Herrn Feilchenfeld-Cöln über Unterstützungen, Wanderbettelei, und namentlich über die Erfolge der in Cöln errichteten Arbeitsstätte für jüdische Wanderbettler, fanden den vollen Beifall der Versammlung. Oesterreich - Ungarn. Wien, 12. Mai. Der Bericht über die Thätigkeit der Baron Hirsch-Schulen für 1900—1901 ist erschienen. Die Zahl der Schulen beträgt gegenwärtig 50, die Anzahl der Schüler 5634. Im Lause des Schuljahres wurde das Oeffentlichkeitsrecht den Schulen in Obertyn und Zloczow verliehen, so daß gegenwärtig 16 Schulen mit dem Oeffentlichkeitsrechte allsgestattet sind. 24 Schulen sind höherer, 26 niederer Ordnung. 31 Schulgebäude sind Eigenthum der Stiftung; ill 19 Orten sind die Schulräume gemiethet. Im Ganzen stehen 176 Klassenräume zur Verfügung, in welchen 247 Lehrkräfte wirken. Unter ihnen lehrten 10 Lehrer nicht blos die gewöhnlichen Unterrichtsgegenstände, sondern ertheilten in der schulfreien Zeit an 154 Schüler ill 17 Abtheilungen Unterricht in Handfertigkeit (Slöyd). Von den Knaben wurden im Laufe des Jahres mit Hilfe der vom Kuratorium ill ansehnlicher Zahl hergestettten Werkzeuge 508 größere Tischlerei-, 183 Drechslerei- und 289 Buchbindereierzeugnisse hergestellt. Das ist ein sehr erfreuliches Resultat. — Gelegentlich der Wahl eines Stadtraths in Prag, für den der jüdische Magistratssekretär Dr.Stein noininirt war. gab es auch dort ein antisemitisches Intermezzo: mehrere antisemitische Gemeinderäthe protestirten energisch gegen die Ernennung eines Juden, allein trotz heftiger Agitation wurde Dr. Stein mit großer Stimmenmehrheit gewählt. — Der Präsident der Wiener Handels-, kanllner Max Ma uthner ist in den Freiherrustand erhoben worden — Hier ist Herr Moritz Steinschneider, der 50 Jahre lang Funktionär der Kultusgemeinde war, im Atter von 88 Jahren gestorben. — In Triest ist der Rabbiner Gustav Nacah im jugendlichen Alter von 30 Jahren verschieden. Er war Verfasser einer preisgekrönten Schrift über die Ehescheidung nach jüdischem Recht. Ehre seinem Andenken!

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