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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-16 · Heft 20 (16.5.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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66. Jahrgang. Ar. 20. Berlin, 16. Mm 1902 Dev GemeLn-ebote. 'Ueikage zur „Akkgemeinen Zeitung des ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ----- Berlin, 11. Mai. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten waren an Stelle der am Erscheinen verhinderten Herren Mannheimer und Oppenheim die Stellvertreter Herren Oskar Berlin und Bodenstein einberufen. Aus der Reihe der zur Verhandlung kommenden kleinen Vorlagen sei hervorgehoben die Bewilligung einer Subvention der Erziehungsanstalt in Ahlem von 800 Mark und einer Ausgabe von 500 Mark für eine Dachreparatur der Mädchenschule. — Für gottesdienstliche Veranstaltungeil an den Hauptfesttagen wird wieder ein Miethsvertrag mit der Brauerei Friedrichshain in Aussicht genommen, der auf eine möglichst lange Reihe von Jahren lauten soll, und 3500 Mark Saalmiethe festgesetzt, ferner ein Vertrag mit dem Deutschen Hause, Luckauerstraße. — Das Statut des Krankenhauses bedarf zur behördlichen Bestätigung noch einiger kleinen Abänderungen, die sich im Wesentlichen auf den Ankauf und die Verwaltung der Grundstücke beziehen. Als unzulässig ist auch der § 18 beanstandet worden, wonach sich die Gemeinde das Recht vorbehielt, beim Tode eines Pfleglings der Anstalt sich aus seinem Nachlaß für rückständige Pflegegelder bezahlt zu machen. Die Abänderung wird nun in dem Sinne erfolgen, daß die Gemeinde sich bei Aufnahme der Pfleglinge das Pfandrecht ausbedingt. Die vorgeschlagenen Aendernngen werden in erster und zweiter Lesung ohne Debatte acceptirt. — Um den Bau der Mädchenschule in Angriff nehmen zu können, mußte den Miethern der Häuser Kaiserstrabe 29/30 zum 1. Oktober gekündigt werden, was bis aus zwei Miether auch geschehen ist. Diesen Beiden mußte wegen längerer Kontraktdauer ein halbjähriger Miethserlaß und eine Baarzahlung von je 100 Mark als Entschädigung geboten werden. Den gleichen Vortheil soll auch eine andere Bewohnerin des Hauses, die Lehrerin der Mädchenschule, Fräulein Wormann genießen. Die Versammlung stimmt dem Vorschläge Kn. — Das Hauptinteresse der heutigen Sitzung hat die Vorage betreffs die Neuordnung des Honorars der Lehrer an den Religionsschulen. Das dieser Neuordnung zu Grunde liegende Princip ist eine mit dem Dienstalter aussteigende Skala mit niedrigerem Beginn als bisher. Das Maximalgehalt pro Jahresstunde soll nach 15 jähriger Dienstzeit erreicht werden und für Lehrer 13z Mark, für Lehrerinnen 100 Mark betragen, das Minimalgehalt 100 Mark beziehungsweise 80 Mark. — Der neuen Skala entsprechend sollen alle ab 1. April 1901 angestellten Lehrkräfte besoldet werden, während die älteren bei ihrem jetzigen Gehalt belassen werden. — Gegen die Vorlage werden verschiedene Bedenken geltend gemacht. Herr Geheimrath Blum enthal tadelt die niedrige Bemessung der Gehälter im Vergleich zu Provinzialstädten und zu den Honorarsätzeu. die die Stadt zahlt; ganz besonders aber rügt er die schlechte Besoldung der Lehrerinnen, die durchaus nicht dazu beitragen würde, dem Mangel an Lehrerinnen abzuhelfen. Er beantragt, die Vorlage dem Ausschuß III zur nochmaligen Berathung zu überweisen. — Ein Antrag Blaschke, Minden, Cohn wünscht Einsetzung einer gemischten Deputation aus vier Repräsentanten, je zwei Mitgliedern des Gemeindevorstandes und des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes. Professor Geiger spricht sich gegen diesen Antrag aus, weil der Sommer mit seinen Ferien nahe sei und zu viel Zeit damit verloren würde. Die Normirung des Höchstgehaltes scheint ihm jedoch einige Ungerechtigkeit zu enthalten, und er behalte sich vor. bei der Berathung im Plenum dessen Erhöhung zu beantragen. Auch Professor Blaschke erkennt die Berechtigung dieses Tadels der Vorlage an, befürwortet jedoch gerade deswegen und wegen noch einiger sonstiger Bedenken die Einsetzung einer gemischten Deputation, die nahezu einstimmig beschlossen wird. Von den Repräsentanten werden im weiteren Verlaus der Verhandlungen die Herren Blumenthal, Geiger, Blaschke und Senator für diese Kommission oelegirt. — Ferner wird an Stelle des Justizraths Landauer, der die Wahl abgelehnt hat. Dr. Alexander in die Kommission für festgottesdienstliche und musikalische Angelegenheiten entsendet und in den Vorstand der Synagoge Lindenstraße Herr Albert Silbermann an Stelle des verstorbenen Herrn Siegfried Sachs. Zuvor fand um 12 Uhr die Einführung des neuen Vorstandsmitgliedes, Landgerichtsrath Karl Pleßner, statt. Der Vorsitzende hieß ihn in üblicher Weise willkommen und sprach die Hoffnung ans, daß er sein Amt als Vertrauensmann aller Parteien ausüben werde, da er ja bisher nicht im Dienste der Gemeinde gestanden und so dem Getriebe des Parteilebens serngeblieben sei. Er hoffe von seiner Amtsführung Förderung der Gemeindeinteressen in religiöser wie in jeder anderen Richtung. An die öffentliche Sitzung schließt sich um 12'/4 Uhr eine geheime. o. Berlin, 11. Mai. Wir haben noch nachträglich über eine Anzahl von Religionsschulberichten zu referiren, die wir wegen Raummangel bisher nicht anzeigen konnten. Da es sich um Mittheilungen handelt, deren Interesse nicht veraltet, so kommt eine Anzeige wohl auch heute noch nicht zu spät. Voran geht der sehr eingehende 35. Bericht über den Religionsunterrricht der Synagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. Eingeleitet wird dieser durch eine Studie des Dirigenten Rabbiner Dr. Vogelstein über „Die Anfänge des Talmud und die Entstehung des Christensthums", auf die wir an anderer Stelle zurückkommen. In dem Schulberichte wird mitgetheilt, daß die Organisation des Unterrichtswesens durch Neuregelung des Religionsunterrichtes der Mädchen auf absehbare Zeit hinaus zu befriedigendem Abschluß gelangt sei. Die Schülerzahl betrug 396 (260 Knaben und 136 Mädchen), außerdem nahmen im Sommerhalbjahr 39 Knaben und 5 Mädchen, die den Religionsunterricht in einer der öffentlichen Lehranstalten erhalten, an dem hebräischen Unterricht in der Religionsschnle Theil. Der Unterricht wird vom Dirigenten, von Rabbiner Dr. Perles, Oberkantor Birnbaum, den Kantoren Cohn und Wolf, den Lehrern Nosenthal, Samuel und Sandler ertheilt. Im Anschluß daran folgt der 29. Rechenschaftsbericht des Bekleidungvereins für arme Zöglinge der Religionsschnle. Der Verein hat 2077.28 Mark eingenommen und 979.20 Mark ausgegeben. — Der Jahresbericht der Synagogengemeinde zu Danzig wird zum ersten Male vom Schuldirigenten Rabbiner Dr. Freudenthal erstattet. Die Verhältnisse liegen dort noch sehr schwierig. Voll 117 Knaben, welche zur Zeit die Handelslehranstalten besuchen, haben bei Abschluß des Schuljahres nur 22, von 82 Mädchen aus den höheren Töchterschulen nur 7 die Religionsschule besucht. Im Ganzen war die Frequenz am Schluß des Schuljahres: 63 Knaben und 51 Mädchen. Das Lehrerkollegium bestand aus dem Dirigenten, den Lehrern Schreiber und Friedländer und dem Kalltor Kali scher. Außer der Religionsschule ist noch ein Vorbereitungskursus zur Barmizwah und zur öffentlichen Konfirmationsfeier eingesührt. — Der 59. Jahresbericht der Gemeinde-Religionsnnterrichtsanstalt zu Breslau enthält zunächst eine sehr lesenswerthe Abhandlung über systematischen Unterricht von dem den Dirigenten vertretenden Rabbiner Fabian. Die Anzahl der Zöglinge betrug in beiden Abtheilungen 543. und zwar 320 Knaben und 231 Mädchen. Der Unterricht wird vom Schuldirigenten Rabbiner Dr. Gutmann, ferner von den Herren Rabbinern Fabian, S ch önfel d, Dr. D ienemann, Sachs, Moops und Dr. Wilde ertheilt. — In den verschiedenen Abteilungen der israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M. wurden im abgelaufenen Schuljahr 586 Schüler und Schülerinnen (gegen 560 im Vorjahr) unterrichtet, und zwar in der Schule am Hermesweg 158 Schüler und 154 Schülerinnen, in der Schule an der Unterlindau 44 Schüler und 36 Schülerinnen, in den drei Gymnasien und der Adlerflychtschule 172 Schüler, im Bethhamidrasch 12, in der Vorbereitungsklasse für den rabbinischen Beruf 10. Das Lehrerkollegium besteht aus den Herren Dr. Grün bäum, Schwab, Unna, Stamm. Dr. S. Horovitz, Klibansky, Dr. Höxter, Hoffmann, Levy, Lipinsky und den Damen Frl. Straub und Frau Meyer. Die Bibliothek der Schule hat einen

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