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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-16 · Heft 20 (16.5.1902) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
Seite 234 (sequence 8)
Language
German
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234 Weg zur allgemeinen Philosophie, und so ging er 1880 nach Deutschland, befleißigte sich einige Zeit in Leipzig und Jena dieser Wissenschaft und ihrer Geschichte und promovirte am letzteren Orte zum Doktor der Philosophie. „Unter allen wissenschaftlichen Problemen" — schrieb er 1882 in der Zeitschrift „Psychische Studien" — „habe ich mich mit besonderer Vorliebe denen der Providenz, der Willensfreiheit, der Unsterblichkeit und der Prüfung der Echtheit der heiligen Schrift zugewendet und ihnen meine besondere Nachforschung gewidmet. Ungeachtet meiner scharfen Kritik in Beziehung zu den obengenannten Kardinalfragen, bin ich doch stets ein warmer Anhänger der heiligen Schrift, des Glaubens an die Providenz und der Unsterblichkeit geblieben. Ich habe mich immer in Bezug auf alle philosophischen Systeme eklektisch gehalten, bestrebte mich aber erfolglos, mein eigenes allumfassendes System zu bilden. Obgleich ein fester Glaube bei mir vorhanden war, so fehlte mir doch leider noch die vollständige, sozusagen evidente Ueberzeugung. Im Herbst des Jahres 1880 hat mich die Frage der Unsterblichkeit so sehr beschäftigt, daß ich manche Nächte schlaflos zugebracht habe. In dieser Aufregung zogen an meinem vibrirenden Gehirn alle die von großen Denkern der orientalischen, klassischen und modernen wissenschaftlichen Welt aufgestellten Beweise der Unsterblichkeit wie Gespenster vorüber, aber keiner konnte meiner wunden Seele lindernden Balsam geben. So konnte ich den» als armer Tropf Die Fragen nicht ergründen. Und mit durchwachtem, müdem Kopf Erst recht nicht Antwort finden. „Mir ward von alle dem so dumm. Als ging ein Mühlrad in mir herum." Doch nie umsonst ist hohes Streben: Es werden Winke uns gegeben Sehr oft von unsichtbarer Hand, Was Vielen leider unbekannt . . . Wo war' mein Forschen wohl geblieben Nach Wahrheit, die ich selbst nicht fand. Wenn ich nicht wäre weggetrieben AuS meinem fernen Heimathland?" Mit großem Eifer begann Mandelkern im Jahre 1881 die spiritistische und spiritualistische Litteratur zu studiren, trat in persönliche Beziehung zu Professor Dr. Fr. Zöllner und dem Sekretär der „Psychischen Studien", Dr. Gr. C. Wittig und erlangte durch Protektion des Oberlehrers Dr. Sellin in Leipzig die Erlaubniß, eine physikalische Söance mitzumachen, die ihn, wie er mir oft versicherte, von der Wahrheit der spiritistischen Lehren vollständig überzeugte. Seit dieser Zeit wurde Mandelkern ein eifriger und regelmäßiger Besucher der spiritistischen Sitzungen. Von einer solchen, in der sich fünf Geister, darunter auch der Geist eines Juden Isaak Wetzel zu gleicher Zeit manifestirten, erzählte der Verblichene: „Sie haben mich an Fuß und Hüfte betastet und auf meine Fußspanne so geklopft, daß eS im ganzen Zimmer laut hörbar war. Dieselben haben mir manche religiöse Fragen gelöst, biblische, dunkel gegebene Texte erklärt; ich habe von ihrem irdischen Leben Mittheilungen erhalten, und sie haben mir schlagende Beweise für ihre wahrhaften Aussagen in jeder Hinsicht dargebracht. Auf meine Frage: Wohin sollen meine verfolgten Stammesgenossen in Rußland ziehen, nach Palästina oder nach Amerika? erhielt ich die Antwort: Weder nach Palästina noch nach Amerika, sie sollen lieber in ihrer Heimath bleiben und geduldig rin besseres Schicksal erwarten." Unterdessen arbeitete Mandelkern mit unsäglichem Fle j an seiner Lebensaufgabe: Vetsris lestamenli Loneorckkmtnu Hobraiese ntgrw ekaläaieas eto. und unterzog sich zugleicl um den Druck deS Riesenwerkes zu ermöglichen, der fürchterliche, Mühe, 500 Subskribenten auf dasselbe zu verschaffen; ein, zweifache Aufgabe, die er, trotz verschiedener Fehler und Mänge des Werkes, nach beiden Richtungen glänzend gelöst, wobei .» aber leider seine Gesundheit vollständig eingebüßt hat. Obwohl wir Mandelkern seit Mitte der achtziger Jahn fast immer auf Reisen, mit seinem Subskriptionsbuch in alle, Herren Ländern sahen, so fand er doch immer noch Zn und Muße, die jüdische sowie die allgemeine Litteratur wi! einer stattlichen Anzahl Publikationen zu bereichern, von denn manche einen bleibenden Werth haben. Von seinen, theil- Uebersetzungen, theils Originalwerken seien hier nur einig: erwähnt: Zur Lehre von der Unsterblichkeit der Seele; Bogdai Chmelnitzky 1882; die Mapu'schen hebräischen Romane „Die Lie»: Zions" und „Die Sünde Samarias" 1884, 1890; Byron, Ilebrsvv Nelockies 1890; Hist. Chrestomathie d. russischen Li:l von ihrem Anfang bis ans die neueste Zeit, 1891; Deutsch-Rnsj und Russ.-Dtsch. Wörterbuch, 1896; Cod. der biblischen Parallel stellen, 1901. (Dieses Werk befindet sich noch unter der Druk presse.) Besonders erwähnt zu werden verdienen seine hebräische« Gedichte (Leipzig, 3 Bände, 1882, 1889, 1902), aus denen uns der Geist des echten, unverfälschten Hebraismus entgegenathm t Ob die von dem Verblichenen in noch so jugendliche» Alter eingegangene Ehe durch den Tod der Gattin ode> durch Scheidung aufgelöst wurde, wissen wir nicht. Mand l kern berührte dies« Episode seines vielbewegten Lebens nur sch selten; dagegen hatte er uns gegenüber schon vor 15 Jahr» den Wunsch geäußert, er möchte nach Fertigstellung der Con cordanz seinen in Newyork lebenden Sohn Wiedersehen. Als ich vor drei Jahren geschäftlich in Leipzig war, erfuhr cl von seiner zweiten Frau, einer geborenen Byck aus Brody, die e> am 7. Juli 1876 geheirathet, daß er trotz seiner angegriffenen Ce sundheit die überseeische Reise unternommen habe, um, wie e: sich ausdrückte, „sein Fleisch und Blut an sein Herz zu drücken Die amerikanischen Zeitungel» brachten spaltenlange? r tikel über den Verfasser der Concordanz. sein Bild prangte »> den dortigen Buch- und Kunsthandlungen, und scheint«: glücklich ui»d zufrieden kehrt« Mandelkern heim zu seiner Gatt n mit der er am 7. Juli 1901 das Fest der silbernen Hochzei feierte. Allein das Fest war für die Gattin kein freudiges me»>r Mandelkern war aus Newyork wie verwandelt zurück gekehrt: seine Lebensfreude war dahin, das Feuer seines blitzend» Auges erloschen — sein Geist umnachtet. Der vielseitig begal t, Mann, der noch Großes und Bedeutendes hätte leisten können war leider ein Opfer seines Strebens und Suchens nach Wahr heit geworden, die er zu seinem Verderben im Spiritismus ge funden zu haben glaubte. Die Eindrücke der Kindheit, die kabbalistischen Studien u»i die Lehren des Chassidismus, deren beengende Fesseln er >> jungen Jahren seelenstark und geistesmächtig gesprengt ha k erwachten in ihm, als er die spiritistische Litteratur kenne» lernte, zu neuem Leben, verwirrten und verdunkelten von Iah zu Jahr immer mehr und mehr seinen Sinn und verfolgte» ihn mit ihrem Irrlicht bis zu seinem Lebensende. Dr. Salomon Mandelkern ist am 24. März d. I. in Wie» gestorben, allein sein einst so klarer Geist war schon frühe in das Reich der Ewigkeit eingegangen. Er ruhe in Frieden Z!!ei auf!rm ma ieit üg in an ru Le 'iii Zu aio vr an Ho ein an an >o mc de io Ae ei we A ha sto ia, sei av ho Hl kli ka Ti N. ke w ui ui T ai H E ze bi B ai ei

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