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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-16 · Heft 20 (16.5.1902) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
Seite 232 (sequence 6)
Language
German
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232 z V, i s preisen, darben und hungern nütsarnmt ihren Familien, nur um die christliche Konkurrenz todt zu machen! Welcher Opfermuth und welche Einmüthigkeit unter den armen, planlos mit einander konkurrirenden jüdischen Arbeitern! Um aber der Wahrheit die Ehre zu geben, mLUen wir berichten, daß es in der That in Wilna eine Anzahl Leute giebt. die billig verkaufen, um die Konkurrenz zu tödten. Diese Leute sind aber nicht arme jüdische Handwerker, welche die christliche Konkurrenz beseitigen wollen, sondern reiche polnische Adelige, die unter Führung des bekannten Antisemiten Grafen Tyschkewitz sich große Mühe geben, den jüdischen Handwerker zu erdrosseln. Einstweilen zählen wir in Wilna 1241 jüdische Schneider, 763 Schuhmacher, 626 Strumpfwirker, 530 Handschuhmacher und 360 Mützenmacher und Kürschner. Im Ganzen arbeiten in der Konfektion 3496 jüdische Familien, die nicht allein den lokalen Bedarf decken, sondern auch die umliegenden Gouvernements versorgen. Im Bauhandwerk sind als Maurer, Zimmerer, Tischler, Klempner, Schlosser und Schmiede 1920 Familen thätig. Ferner giebt es in Wilna 298 Schriftsetzer und Buchdrucker, 271 Buchbinder, 479 Bäcker, Fleischer und Fischer. Man sieht, trotz der Wühlarbeit des Grafen Tyschkewitz und seiner polnischen Gesinnungsgenossen bilden die Juden von Wilna immer noch die vornehmsten Repräsentanten des Handwerks daselbst. Die Interpellation die der Deputirte Henry M. Goldvogle im amerikanischen Repräsentantenhause in Betreff der Behandlung amerikanischer Bürger jüdischen Glaubens in Rußlgnd eingebracht, hat rasch eine befriedigende Erledigung gefunden. Der Staatssekretär Hay beantwortete die Interpellation kurzweg dahin, daß eine Unterscheidung einen sofortigen Protest zur Folge haben würde; der Regierung sei es nicht bekannt, haß die amerikanischen Juden vor der russischen Gesetzverwaltung anders ständen als die Juden anderer Nationalitäten. Es wird nicht schwer werden, der Regierung den Beweis zu liefern, daß tatsächlich amerikanische Juden in Rußland genau so behandelt resp. zurückgesetzt werden wie deutsche, französische und englische. Die Antwort des Staatssekretärs zeigt jedenfalls von der vorurtheilsfreien Gesinnung, die in den maßgebenden Kreisen Amerikas herrscht. Fürsorgeerziehung. Von Waisenhausdirektor Katz-Rybmk. ls vor einer Reihe von Jahren in einer jüdischen Zeitung die Familienerziehung zu der Anstaltserziehung der elternlosen Kinder in eine Parallele gestellt wurde, aus der der Verfasser die Familienerziehung als Siegerin hatte hervorgehen lassen, ivar es für mich von besonderem Reiz, in dieser geschätzten „Allgemeinen" den Gründen des Anstaltsgegners zu folgen, um sie in allen Theilen zu widerlegen. Daß mir dies gelungen war, konnte ich aus mehreren Zuschriften, die mir aus verschiedenen Theilen des Vaterlandes von erfahrenen Pädagogen zugegangen waren, entnehmen. Die Umstände, die der Anstaltserziehung der Waisen den unbedingten Vorzug vor der Familienerziehung einräumen, liegen in erhöhtem Maße bei den der „Fürsorge" anheimgefallenen Kinder vor. Obwohl nur eine jüdische Fürsorgeerziehungsanstalt für Knaben erst seit einem Jahre besteht, ein Urtheil über ihre Daseinsberechtigung noch nicht als abgeschlossen angesehen werden kann, tauchen bereits Stimmen auf. die — angesiflsts der Forderung nach Gründung einer ähnlichen Anstalt für cte, cm Mädchen — wiederum der Familienpflege nachdrücklichst du! Wort reden. Ich erachte es deshalb für eine Pflicht, diesen Stimm,, ud drei urtheilsfähige gegenüber zu stellen, umsomehr, als dies aus den Erfahrungen schöpfen, die auf dem Gebiete d Zwangserziehungswesens gesammelt sind. Zunächst der Staat. DaS Fürsorgeerziehungsges i-isi fordert die Unterbringung in einer geeigneten Familie oder > l"d- > e it -ns aiet ihr iw. ,d ußl ,-or >nn , re einer Anstalt und setzt die Errichtung solcher Anstalten vc, den Kommunalverbändeu voraus. Diese Forderung bewe aber, wie von vornherein mit der Thatsache gerechnet ist, d< O es an den geeigneten Familien fehlen und daß es Fälle geb„ werde, in denen die Familienerziehung überhaupt nicht sondern nur die Anstaltserziehung in Frage kommen werde. Die Vertreter der deutschen Reichsfechtschuh die ihre der Zwangserziehung verfalleilen Kinder in eigen, Heimstätten und nicht in Familien erziehen lassen, sind zu dies Maßnahme durch die Erfahrung gelangt, daß die Unterbringung der Kinder in Familien nicht allgemein denjenigen Vorzi vor der Anstaltserziehung verdiene, den man ihr von viel,,, Seiten znschreibe. Nach ihrer Ansicht werde die Familie;, > >t, erziehung nur ausnahmsweise und bei dem Vorhandensein besonders günstiger Vorbedingungen von Nutzen sein. Fi, die große Mehrheit bleibe eine von schablonenhaftem Zwanzi freie Erziehung in der Anstalt, in der die Kinder unt Aufsicht und Leitung tüchtiger Vorsteher nach Familien«,! erzogen werden, das erstrebenswerthe Ziel. In energischer Weise nimmt als Dritter Pastor Kotterb>D-li in einem Aufsatz: „Die bei der Fürsorgeerziehung zu berü ksichtigende Familien- und Anstaltspflege" zu unserem Then a Stellung. Er sagt: «In Fürsorgeerziehung werden ja gerade Kinder gegeben die entweder infolge mangelhafter elterlicher Erziehung sittl gefährdet sind, oder deren eigene Veranlagung zum Schlecht,,, neigt. Gerade die Fehler und Mängel der elterlichen C ziehung haben die Fürsorgeerziehungsanstalten nothwend gemacht." Die körperlich, geistig und sittlich verwahrlosten Kind:, können aber schlechterdings nicht in Familienerziehung gegeb „ werden. Sie würden für die Kinder einer anderen Fami-ie nur eine sittliche Gefahr sein, wie sie es früher im Elternhaus! waren, und müssen erst durch Anstaltserziehung so weit ge fördert werden, daß sie später Familienerziehung zu genieß ,, fähig und würdig sind. Die Familien selbst müssen durch ihren Lebenswandel, i,, religiös-sittliches Verhalten und ihre gesicherte wirthschaftli, ,e Lage die Gewähr bieten, daß sie zur Aufnahme von Zögling > geeignet sind. Daß solche Familien nicht allzu zahlreich ve, Händen sind, ist eine erklärliche Thatsache, denn selten wi.d eine Familie fremde, verwahrloste Kinder uneigennützig i Haus nehmen. Wo wird sich aber ein jüdisches Elternpaar finden, dadurch Aufnahme verwahrloster Kinder seine eigenen in io große Gefahr bringt? Oder ist ein kinderloses Ehepaar, das weder von Kindeliebe noch -Erziehung einen Hauch verspürt, geeignet, gerade ein verwahrlostes Kind zu erziehen? Oder genießt eine des materiellen Zuschusses bedürftig Familie auf dem Lande das Vertrauen, einem verwahrlost,» Kinde das zu sei», was ihm so außerordentlich noth thut: ei» >ag „m „id , r „ d l'b i ac aug n ,?r ),rb in, wer;ar ü,n ,,'li >!ati

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