Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- Seite 231 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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231 zeleistel: 0 Mail ark. zl -! Mar, daß die r in der fftreitei, in, daß ommer. aximuri ung z i lM vo! de ihrei oppelte i z. B. die tiefonds och nur zurüäkeinerlei en Miiu stehe > darüber Beiträge itsdane :e, auci ffsen, e n ersten m. )entliche fsgeld , ^ng der azahlei. zeld zu ch gern welcl- Erlau währen meiller )ebatten O.-S. Mai. wir^ r mas - Nr. 1' Llleran-!chte de itrunu; Jude ind be it den sen di kannten Mission, > die den Gesetzentwurf betreffend die Freiheit der Religionsübung zu berathen hatte, völlig auf dem Boden dieser auch von der Regierung MMten Anschauung stand, lehrt schon ein flüchtiger Blick in die!Naterialsammlung zu dem oben erwähnten Gesetzentwurf, wo vor r llem das Reichsgesetz vom 3. Juli 1869, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlichen und staatsbürgerlicher Beziehung, dann r ber auch viele Sonderbestimmnngen aus Sachsen und anderen Bundesstaaten angeführt find, die nur den Juden gegenüber als Beschränkungen l nzusehen sind. Eine besondere Veranlassung, sich mit dieser Seite der t?rage zu beschäftigen, lag weder für den katholischen Dr. Roeren i och für den protestantischen Professor Hieber vor; es wäre das wohl ttache der liberalen Parteien oder eines Politikers gewesen, der aus dem Boden Ihres Bekenntnisses steht." Wie unsere Leser aus diesen dankenswerthen Mittheilungen ersehen, mit denen wir bis auf den Schluß einverstanden sind denn nach unserer Ansicht haben die Abgeordneten nicht Ue Rechte ihrer Konfession allein, sondern die der Gesammtl evölkerung wahrzunehmen), ist unsere Anschauung über die Bedeutung des Toleranzantrags für die Interessen der Juden die richtige gewesen. Eine andere Frage ist freilich die, ob der . anze Antrag überhaupt irgendwelche praktische Bedeutung erhalten wird. Die Mittheilungen aus Rumänien überstürzen sich. So i hreibt man Wiener Blättern aus Bukarest: Carada, der Vertrauensmann der Regierung, ist soeben aus d aris zurückgekehrt. Da die europäischen Finanz Mächte nach seinen Informationen einmüthig entschlossen sind, unter den heutigen derouten Uerhältnissen die Konversion nicht durchzusühren, so ist Sturdza ents hlossen, in den sauren Apfel zu beißen und eine außerordentliche ession einzuberufen, in der er bezüglich der jüdischen Handwerkeri age eine bindende unzweideutige Erklärung abgeben will. Vederemo! , «zwischen zieht die Auswanderung immer weitere Kreise. Demgegenüber ist es wahrhaft ergötzlich, in der „Kreuzütung" Folgendes zu lesen: „Nicht lange bevor das jetzige Ministerium Sturdza ins Amt trat, r urden der damaligen Negierung von Paris aus Anleihen von c nigen hundert Millionen angeboten unter der Bedingung, daß die lolitische Gleichberechtigung der Juden in die Wege geleitet würde. Rumänien hat es aber vorgezogen, seine nationale Verfassung nicht NM Handelsobjekt herabzuwürdigen." Man kann sich denken, mit welchem schallenden Gelächter diese Mittheilung in den Kreisen ausgenommen wurde, die die enschlägigen Verhältnisse genauer kennen. Was null die Auswanderung aus dem lieblichen Lande anbelangt, so nimmt ^eselbe inzwischen — freilich ohne bestimmtes System — ihren? ortgang. In der letzten Woche haben zahlreiche Gruppen j bischer Familien aus allen Theilen des Landes, im Ganzen e wa 3000 Personen, das Land verlassen, um auf Kosten der ( esellschaft „Jea" nach Amerika ausznwandern. Die Ausanderer begeben sich von Budapest-Wien nach Rotterdam, r o bereits eine Anzahl Hotels für sie gemiethet wurden, in d nen sie abermals auf Kosten der „Jca" so lange Wohnung r nd Verpflegung finden werden, bis die Reihe der Einschiffung l r sie kommt. Ferner wird gemeldet, daß zu dem gleichen Termin eine große Anzahl deutscher Arbeiter und kleiner Eewerbslente, welche früher in den verschiedenen industriellen ablissements des Landes eine sichere und auskömmliche ^ristenz gefunden hatten, aber infolge der Geschäftskrisis entweder entlassen oder in ihrem Verdienste stark reduzirt wurden, ebenfalls das Land verlassen haben. Nun kommt a er die Kehrseite der Medaille! Wie die rumänische „Gazeta Konservators" aus „sicherster Quelle" erfahren haben will, wird Herr V. Braescu, Redakteur des Regierungsblattes „Liberalul", gleich nach den Festtagen in Begleitung einiger Studenten eine Rundreise durch die Städte der Moldau machen, um Volksversammlungen zu veranstalten, in denen gegen die Juden agitirt werden soll, weil sie angeblich ausländischen Zeitungen über die rumänischen Zustände Mittheilung gemacht hätten. Dieses Vorgehen sei in Uebereinstimmung mit dem Jassyer Distriktspräfekten und nach Meldung an den Minister Sturdza beschlossen worden. Braescu soll bei seiner Rundreise der Unterstützung der Stadtbehörden theilhaftig werden. Ob sich diese Nachricht der „Gazeta Conservatore" bestätigen wird, bleibt abzuwarten. » Wie wir hören, soll demnächst auf Grund der 1897 in Rußland stattgehabten Volkszählung eine nach Konfessionell getrennte russische Berufsstatt stik veröffentlicht werden. Es wird das eine für die dortigen Juden sehr wichtige Publikation sein, durch welche wir über die Beschäftigung eines großen Theils der russischen Juden endlich etwas Authentisches . erfahren werden. Wie diese Berufsstatistik anssehen wird, davoll erhält man einen Vorgeschmack, wenn man die folgenden, uns aus dem Gouvernement Wilna vorliegenden Zahlen betrachtet. Danach leben 3921 Juden 1,9 Prozent der jüdischen Bevölkerung des Gouvernements Wilna gegen 84,1 der nichtjüdischen Bevölkerung ausschließlich vom Ackerbau. Man sieht, die jüdische Bevölkerung des Gouvernements Wilna hat „keinen Boden unter den Füßen". Ebensowenig können die Juden daselbst Viehzucht treiben, da dieselbe ohne Bodenbesitz ebenso wie der Ackerbau unmöglich ist. Daß aber die Juden auch hier ihr Möglichstes thun und alles aufbieten, lim jede ihnen zu Gebote stehende Chance zu verlverthen, wird durch die interessante Angabe zugegeben, wonach die Juden die Ziegenzucht fast monopolisirt haben. Die anspruchslose Ziege findet auch in den Städten und Städtchen genügend Nahrung, und ihre Zucht erfordert keinen ausgedehnten Grundbesitz wie die Pferde- und Mastviehzucht. Uebrigens wissen die Juden auch bei der Viehzucht, wenn auch nicht direkt, so doch wenigstens indirekt sich sehr nützlich zu machen: sie kaufen nämlich dem Bauer sein mageres und wenig werthvolles Vieh ab, lassen es auf ihre eigene Rechnung in den Brennereien mit Treber mästen, um es dann, wenn es an Gewicht und Nährwerth bedeutend zugenommen hat, aus den Markt zu bringen. So erscheinen die Juden durch den von ihnen betriebenen rationellen Viehhandel im besten Sinne des Wortes produktiv, indem sie neue Werthe schaffen. Sehr bedeutend ist der Antheil der Juden des Gouvernements Wilna am Handwerk. Von den 31145 daselbst vom Handwerk lebenden Meistern. Gesellen und Lehrlingen sind weit über 20 000 Juden. Die Bedeutung der Juden als Handwerker tritt besonders in der Stadt Wilna selbst hervor, wo es nach einer von dem Chemiker und Fabrikbesitzer Boris Goldberg gesammelten und im „Woschod" veröffentlichten, sehr zuverlässigen Privatstatistik nicht weniger als 8181 jüdische Handwerkerfamilien giebt. Außerdem weist die Stadt Wilna 732 jüdische Kutscher, 480 Flößer und 921 Fabrikarbeiter auf. Dieses macht zusammen 10 313 Familien aus, welche sich von ihrer Hände Arbeit ernähren. Dazu kommen noch die zahlreichen jüdischen Lastträger, Steinklopfer, Wasserträger und sonstigen ungelernten Arbeitern hinzu. Leider steht diesem großen Angebot von Arbeit eine sehr geringe Nachfrage gegenüber, und die armen jüdischen Handwerker sind gezwungen ihre Arbeitskraft um jeden Preis zu verkaufen. Diese einfache Erklärung der niedrigen Arbeitslöhne im Gouvernement Wilna scheint aber den Behörden nicht plausibel genug, denn in dem Berichte der Behörden heißt es. „Die Juden arbeiten zu Spottpreisen, um die christlichen Konkurrenten todt zu machen." Die Antisemiten wittern selbst da eine gewaltige jüdische Organisation, wo thatsächlich nur ein wüster und rninirender Konkurrenzkampf unter den Juden selber wüthet. Unsere Feinde überschätzen uns doch gar sehr! Man denke: über 20 000 über das ganze Gouvernement Wilna verstreute jüdische Handwerker verkaufen ihre Erzeugnisse zu Spott-