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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-09 · Heft 19 (9.5.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 finden, auch hier zur Förderung wohlthätigster Menschenliebe sreudigst einzngreisen. Die Einnahmen betrugen Mark 79151.19, die Ausgaben Mark 78319.81, das Baarvermögen Mark 170831.88. Die Verwaltung der Kuranstalt besteht aus den Herren: Dr. med. E. Nosenbaum, Vorsitzender; Mich. Mos. Mainz, stellvertretender Vorsitzender; Lismann Fürth, Kassirer; Daniel Aug. Worms, Oekonom; Bernhard Frenkel. Schriftführer; Manfred S. Goldschmidt, Heinrich Wisloch, sämmtlich in Frankfurt a. M. --- Homburg v. H., 2. Mai. Der seit mehr als 80 Jahren hier wohlthätig wirkende Israelitische Holz-Verein und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) versendet den Rechenschaftsbericht für 1901. Mit dein Holzverein beginnend, lassen wir eine Uebersicht der Vereinsthätigkeit folgen: 13 hiesige Reflektanten wurden mit ca. 450 Centner Kohlen, 10 auswärtige mit 105 Centner Kohlen und 5 Klafter Brennholz bedacht. Die Gesammtaufwendung hierfür betrug 1033 Mark. Die Einnahmen betrugen 3176 Mark und deckten sich so ziemlich mit den Ausgaben. — Dem Mädchenausstattungsverein war es im abgelaufenen Jahre vergönnt, bei Stiftung einer Ehe finanziell einzngreifen. Nebenbei gewährte der Verein einem hiesigen jungen Mädchen die Mittel zum Bestich der Frankfurter Handelsschule zwecks Ermöglichung ihrer späteren Selbsthilfe. Die Einnahmen betrugen 6518.76 Mark, die Ansgabeit 6189.61 Mark. Der Vorstand des Holzvertheilungsvereins besteht aus den Herrett: S. Wertheim, Carl Kaufmann. Em. Holz» mann. Mor. Rothschild, Ad. L. Holzmann. Js. Idstein, Sigm. Hirsch. Den Vorstand des Mädchenansstattnngsvereins bilden die Herren: Jul. Brannschweig, M. Denkelspühler, Mos. Wiesenthal, Leop. Schiff, Em. Neugaß. ."8. Llrrgsbnrg, 6. Mai. Am 1. Mai feierte Herr Gabriel Hausmann. Kultnsbeamter hier, sein 25 jähriges Amtsjubiläum in hiesiger Gemeinde. Einige Herren der Gemeindeverwaltung brachten ihm unter besonderer Anerkennung seiner Verdienste die Glückwünsche der Gemeinde entgegen und überreichten ihm ein schmeichelhaftes Schreibet! und ein namhaftes Geldgeschenk. Auch von privater Seite wurden dem Jubilar viele Ehrungen zu Theit. Möge es dem wackeren Manne vergönnt sein, noch viele Jahre seines Amtes in Rüstigkeit zu walten. Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 5. Mai. Vor einigen Tagen wurde die Generalversammlung des Philanthropischen Vereins abgehalten. Dieser humanitäre Verein wird zumeist von den Spenden der jüdischen Millionäre erhalten und weist eine ansehnliche Thätigkeit auf. — In wahrhaft erbitterter, für die Unbetheiligten jedoch recht komischer Weise tobt der Kampf der All- und Ostdeutschen weiter; nur schade, das; demselben so gar keine Wichtigkeit beigemessen wird — es sei denn im eigenen Lager. — In der letzten Generalversammlung der Wiener- Allianz haben die hiesigen Zionisten wieder ordentlich Lärm. geschlagen. Aber es ist ihnen doch nicht gelungen, auch nur einen ihrer Anträge durehzubringen. Wenn von dem Zionismus nichts mehrübrig sein wird — das eine Verdienst wird man ihm stets nachrühmen dürfen, daß er den Nadauton in die jüdischen Versammlungen getragen hat, denen er bis dahin absolut fremd war. — Der Kaiser hat den, Zahnarzt Dr. Isidor Klauber in Prag den Titel eines kaiserlichen Nathes verliehen. — In geradezu schauerlicher Weise mehren sich die Fälle, wo einsam lebende und sich kümmerlich sortbringende jüdische Eheleute ermordet werden; in Kniazdwor im Bezirk Kolomea wurden neuerdings der jüdische Volksschullehrer Carl Berkowitzsch und seine Gattin auf bestialische Weise getödtet, drei dieses Mordes verdächtige Bauern sind bereits dem Gerichte eingeliefert worden. — Dr. Julius Ro senkerg wurde an Stelle des verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Koloman Tisza bei der Ersatzwahl in Abrudbanya zum Abgeordneten gewählt. Derselbe wurde auch seitens des ungarischen Reichstages in die Delegation entsandt. Mit Dr. Nosenberg sitzen im ungarischen Abgeordnetenhaus 20 jüdische Abgeordnete. Von Nah und Fern. Hier hat sich am 29. v. M. ein Komitee zur Errichtung einerjüdischen Lu n geu h eilstä tte konstituirt. — HerrG ust a v Michaelis der langjährige verdienstvolle Vorsitzende des Humanitätsvereins, Gewuld Tow, ist im Alter von 57 Jahren verschieden. — Der Geheime Kommerzienrat!) Goldberger hat den Medschidjeorden II. Klasse erhalten. — Herr Arnold Ia bl o n ski-Nürnberg hat seiner Heimathsstadt Grätz ein Bild des Fürsten Bismarck für die Ortsgruppe des Ostmarkenvereins geschenkt. — Von den 1199 Zöglingen. welche seit 1. April 1901 in der NHeinprovinz der Fürsorgeerziehung unterstellt worden sind, gehören 823 dem katholischen, 372 den, protestantischen und 4 dem jüdischen Bekenntnisse an. Nach dem Bevölkerungsantheil der Juden hätten Diese mit 17 Zöglingen betheiligt sein müssen. Im Uebrigen entsprechen die Zahlen dem Bevölkerungsverhältnisse der Konfessionen. — Anläßlich des Jubiläums des Großherzogs von B a d en wurden noch dekorirt: LandgerichtsraLH Dr. S. Maas in Karlsruhe mit dem Ritterkreuz I. Klasse, Hauptlehrer E. Iakobin Bü h l mit dem Verdienstkreuz vom ZähringerLöwen. — Der „Israelitische Verein für Ferienkolonien" in München hat in Hürben ein Anwesen zur Errichtung eines Ferienheims erworben, welches nach dem erforderlichen Umbau bereits in, nächsten Sommer- IM Kinder aufnehmen soll. — Neallehrer Dr. M. Bacharach in Würz bürg ist zum Professor ernannt worden. — Dr. jur. Farbstein und Kaufmann Max Noou in Zürich sind Ln den Kantonsrath gewählt worden; es sind die ersten jüdischen Mitglieder des Zürcher Kantonsraths, dem sie als Vertreter der sozialdemokratische,, Partei angehören werden. — Anläßlich der Wahlen wurden, wie die „Neue Freie Presse" meldet, im vierten Arrondissement von Paris große Plakate in hebräischen Lettern angeschlagen. Es ist der Wahlaufruf des revolutionären Sozialistei, Bousquet, welcher die Stimmen der jüdischen Wähler erbittet und ihnen vorstellt, daß sie nur durch Verwirklichung des Progammes von Karl Marx glücklich werden könnten. Der Aufruf ist in hebräischer Sprache abgefaßt. — Professor Meyer Lambert vom Rabbinerseminar in Paris ist zum Lehrer für Hebräisch und Syrisch an der Leolo üos llautes-ötuäes von der Regierung angestellt worden. — Der amerikanische Bildhauer Leo Mielziener hat in, Pariser Salon eine Bronzebüste von Israel Zangwill ausgestellt. — Die beiden bisherigen jüdischen Abgeordneten Bischofsheim und Klotz sind bei den letzten französischen Wahlen wiedergewählt worden. — Professor Rosenstein in Leyden hat den Rothen Adlerorden HI. Klasse erhalten. — Am 29. Juni findet eine Konferenz sämmtlicher jüdischer Litteraturvereine Englands in London statt. Es handelt sich um Begründung eines Verbandes und um das Projekt einer populären jüdischen Zeitschrift. — In Tottenham bei London sind infolge Differenzen zwischen einigen englischen Arbeitern und einer Anzahl von Fremden, meist russischen und Polnischen Juden, Streitigkeiten entstanden, welche dadurch verursacht wurden, daß die Juden sich zum Abladen von Zimmerwerk zu niedrigeren Preisen verpflichtet hatten, als sie an anderen Quais an dem Leafluß bezahlt wurden. Montag haben sich die Ruhestörungen wiederholt, indem eine angesammelte Menge die Umzäunung des Werkes, wo die Juden arbeiteten, durchbrach und mit den Zaunpfählen Thüren und Fenster einschlug. Erst die Ankunft einer starken Polizeimacht konnte die Ordnung wieder Herstellen. — Die Opfer- Willigkeit für Zwecke der jüdischen Wissenschaft in A m e r i ka ist wirklich eine außerordentliche. Neuerdings haben dieselben Mäcene in Newyork, die dem jüdisch-theologischen Seminar daselbst 200000 Dollars und der 96vvi8li Lue^olopriüia 100 000 Dollars zugewendet, den Obmännern des Jsaac M. Wise-Fond, der 500 000 Dollars für das I46bi'6>v Union Oollogo in Cincinnati sammeln will, den Beitrag von 100000 Dollars zugesichert, sobald die Summe von 400 000 Dollars außerhalb Newyorks beisammen ist. — In Cleveland ist einer der größten ungarischen Patrioten. Adolph Kl ine, gestorben, der unter Kossuth an dem Befreiungskämpfe seiner Nation in hervorragender Weise sich betheiligt und, nachdem er verurteilt war, glücklich nach Amerika entkommen ist. — Am 19. v. M. ist in Chicago Dr. Julius Wise, ein Sohn von Isaak M. Wise, im 52. Lebensjahre gestorben. Er war ein sehr bekannter und angesehener Arzt. Unter dem Namen Nickerdown war er auch in jüdischen Kreisen als Mitarbeiter des „Israelito" sehr populär. -- Die amerikanische Rabbinerkonferenz fand von, 5. bis 7. d. M. in New- Orleans statt. Die wichtigsten Punkte des Programms sind der über die Religionsschnlen und über die Sabbathfrage. Ein Bericht über die Verhandlungen folgt. Truck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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