Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1902)
- Date
- 1902-05-09
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 bulle n nach Kräften. Inspektionen haben im Lause des letzten Jahres nicht stattgefunden. Während der letzten hohen Festtage ist Gottesdienst mit Predigt ans Anregung des Verbandes in mehreren der Verbandsgemeinden abgehalten worden. Bitterfeld, Burg, Eisleben, Stendal und Tangernn'lnde haben um Entsendung von Predigern znm Neujahrsfest und zum Versöhnungstage ersucht. Während des lausenden Jahres hofft der Vorstand, wenn möglich noch in erhöhtem Maße, den Wünschen der Gerneinden entsprechen zu können. Am 28. April 1901 hat hier der Gemeindetag stattgesunden. Voraufgegangen war an demselben Tage daselbst eine Sitzung des Verbandsausschnsses. In derselben war an Stelle von Simon Singer Benjamin Hirsch-Halberstadt zum Verbandsvorsteher und Rechtsanwalt L ich tw itz-Magdebnrg zu seinem Stellvertreter gewählt worden. Neu hinzugewählt und znm Schatzmeister ernannt wurde I. Li n d e n t h al - Magdeburg- Ans dem Verbandstag waren 7 Verbandsgemeillden und die Rabbiner vertreten. Die Einnahmen des Verbandes betrugen Mark 4164.88, die Ausgaben Mark 2504.68. das Gesamrntvermögen Mark 1600.20. Am 4. Juli 1901 hat Herr S. Blnmenthal (Egeln), der sich besonders um die Begründung des Verbands verdient gemacht hat, infolge Verlegung seines Wohnsitzes nach Berlin sein Amt als Mitglied des Ausschusses uiedergelegt. Mit Rücksicht auf die kurze Dauer der noch laufenden Wahlperiode ist von einer Ergäuzungswahl Abstand genommen. Auf dein 11. Verbaudstage. der am 24. Februar in Berlin stattgefunden hat. war der Verband durch den stellvertretenden Verbandsvorsteher vertreten. Es wäre dringend zu wünschen, daß auch diejenigen Gemeinden unserer Provinz, die noch immer abseits stehen, die Vorzüge eines solchen Verbandes erkennen möchten. r. Hannover, 6. Mai. Der Verein ehemaliger Schüler der Meyer Michael Davidschen Freischule hielt am 24. v. M. seine diesjährige erste Vorstandssitzung ab. Auch weitere Kreise dürfte es interessiren, über diesen Verein Näheres zu erfahren. Die Schule, welche eine Stiftung des bekannten königlich großbritannischeu Kammeragenten M. M. David ist, blickt auf ein mehr als hundert jähriges Bestehen. Obwohl vom Stifter für damalige Zeit mit beinahe verschwenderischer Großmnth dotirt, hat die Stiftung in den letzten Jahren ihre segensreiche Thätigkeit nicht in vollem Umfange entfalten können. Hier helfend und ergänzend einzutreten, ist die Aufgabe des Vereins. Derselbe wurde anläßlich der vor drei Jahren stattgehabteu Säkulärfeier gegründet, und schon heute hat es sich deutlich gezeigt, daß er nicht nur berechtigt, sondern nothwendig ist. Zunächst gewährte er einen nicht unwesentlichen Zuschuß zu den Kosten, die eine zeitgemäßere und gesundere Einrichtung der Schulräume erfordert, des weiteren subventionirt er eine beträchtliche Anzahl früherer Schüler dcr Anstalt, wodurch er Diesen theils den Besuch höherer Schulen ermöglicht, theils ihnen bei der Erlernung eines Handwerks n. s. w. behilflich ist, endlich ermöglicht er durch Zuschuß zu den Lehrergehältern die Anstellung von Lehrkräften für Unterrichtsgegenstände, die in der Stistungsurkunde nicht vorgesehen sind. So ist die Zahl der Benefizianten des Vereins bereits zu eitler ausehnlichen angewachsen. Welch reichen Segen könnte der Verein stiften, wenn alle ehemaligen Mitschüler der Anstalt ihm beiträten! Der Vorstand besitzt nur ein geringes Material von Adressen ehemaliger Schüler der Stiftnngsschule und giebt sich der Hoffnung hin. daß diese Zeilen den Einen oder Anderen veranlassen dürsten, dem Verein veizmreten bezw. seine Adresse dem derzeitigen Inspektor Meyer (Münzstraße 4) anfzugeben. — Fraukfrnt a. M., 4. Mai. Am 24. v.M. verstarb Plötzlich am Herzschlag Herr GeorgSPeyer im 68. Lebensjahre, der bekannte und namentlich wegen seiner Humanitären Bestrebungen hochgeschätzte Chef des Bankhauses Lazard Speher-Elissen; die „Frankfurter Zeitung" nennt ihn einen unserer besten Mitbürger, dessen Name in Frankfurt einen besonders guten Klang hatte, und erinnert besonders an die hochherzige Millionenstiftung, die der Heimgegegangeue unter der Bezeichnung „Georg und Franziska Speyer-Stiftung" im vorigen Herbst erst für wissenschaftliche Zwecke errichtete, sowie an seine eifrige Thätigkeit in der hiesigen Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen, die einen großen Theil ihrer Clfolge der rastlosen Mühewaltung des Verstorbenen zu danken hat. Georg Speyer wurde am Nenjahrstage 183-5 als Sohn des Bankiers Lazard Speyer, des Begründers des Bankhauses, das noch jetzt seinen Namen trägt, geboren und erhielt seine Ausbildung im Philauthropin. In den sechziger Jahren trat er in das väterliche Bankgeschäft ein, das damals von den Brüdern Lazard, Philipp und Gustav geleitet wurde und frühzeitig seine Verzweigungen in London und Newyork hatte. Seit jener Zeit gehört Georg Speyer ununterbrochen dem Stammhause und den überseeischen Speyerschen Firmen an. die er in treuester Pflichterfüllung und in Gemeinschaft mit bewährter: und tüchtigen Mitarbeitern zu ihrer heutigen Vlüthe fördern half. Seine anerkannte Sachkenntnis; auf allen Gebieten des Finanzwesens sicherten ihm die Werthschätznng seiner Berufskollegen. Daneben fanden alle sozialen Bestrebungen in ihm einen thatkräftigen Förderer. — Die Bestattung erfolgte am 27. April ans dem israelitischen Friedhose. Die Gedächtnißrede hielt Rabbiner Dr. Plaut, der des Heimgegangenen Charakterzüge, seine Nächstenliebe und Bescheidenheit pries. Für die israelitische Gemeinde sprach Rechtsanwalt Ptotke; den Dank der Stadt sprach Herr Oberbürgermeister Adickes, indem er namens derselben einen Kranz überreichte. irr folgenden Worten ans: „Dem Edlen, Hilfreichen. Guten, der viel zu früh seiner Familie, uns Allen entrissen wurde, dem großen Menschenfreund, dem selbstlos die einzige Freude die war. die Thränen Anderer zu trocknen, dessen Herz allen Bestrebungen sozialer Natur geöffnet war. dem treuen Sohne der Stadt, dessen Name obenan steht unter den Todten hochherziger: Vurgersinns, sei es Wohnstätten für Minderbemittelte zu schaffen, sei es in der Fürsorge für die Kinder, sei es in der Hilfe für Leidende, ihn:, der zuletzt in Gemeinschaft mit seiner edlen Gattin die Stndienstiftung ins Leben rief, als Ansporn für Andere, womit er eine neue Grundlage für die wissenschaftlichen Bestrebungen schuf: ihm widme ich namens der dankbaren Vaterstadt diesen Kranz. Sein Andenken wird uns unvergessen bleibe::." l. Frankfurt a. M, 5. Mai. Der sechste Jahresbericht des Vereins „Kindergarten für Israeliten" sür die Jahre 1900 und 1901 weist eine stetige Entwickelung des Kindergartens auf. Die Einnahme:: betrugen in: Vorjahre 9788.68 Mark, die Ausgaben 8971.39 Mark. Im Jahre 1901 betrugen die Einnahmen 19 495.40 Mark, die Ausgaben 18434 Mark. In beiden Jahren war die Anzahl der Zöglinge 60, die Frequenz betrug durchschnittlich etwa 55. Der Gesundheitszustand war namentlich in: letzten Jahre ein Gott sei Dank recht guter. Die Kinderfeste tour den in herkömmlicher Weise gefeiert. Beide Male stellte der Vorstand dss Kaufmännischen Verems den großen Saal seines Vereinshauses unentgeltlich für die Abhaltung der Feste zur Verfügung. Auch dieses Jahr hat der Bericht viele Beweise freundlichen Entgegenkommens seitens unserer Glaubensgenossen in unserer Stadt zu verzeichnen, und nun gedenkt der Vorstand durch einen entscheidenden Schritt ihn dauernd für die Zukunft, soweit menschliche Berechnung reicht, sicherzustellen. Was zur Entfaltung und zur Sicherung gefehlt, war ein eigenes Heim. Es soll nun eine Musteranstalt, die allen Anforderungen an Räumlichkeit und hygienischen Einrichtungen Rechnung trägt, errichtet werden. Dies zu thnn. ist in einer der letzten Vorstandssitzungen beschlossen worden, und der Beschluß ist durch den Ankauf eines Hauses mit Garten inzwischen wohl schon zur Thatsache geworden. Die Verwaltung des Vereins besteht aus den Herren Aron Meyer, Vorsitzender; Professor Dr. A. Sulzbach, stellvertretender Vorsitzender; Rechtsanwalt Adolf Fuld, Schriftführer; Jacob E. Scbwarzschild, Gegenschreiber; Sally Löwenick. Oekonom; Leo Holzmann, Kassirer; Eduard Cohen. Beisitzer; Dr. med. Gustav Levi, Dr. med. Heinr. Mayer, Dr. med. Lndw. Mehler, ärztliche Mitglieder der Verwaltung. x. Soden n. T.. 2. Mai. Die hiesige Kuranstalt für arme Israeliten hat ihren Bericht pro 1901 herausgegeben. Dieser gedenkt pietätvoll an erster Stelle des Mannes, in den: die Anstalt ihren hervorragendsten Gönner und Wohlthäter betrauert, des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild. In dankbarer Erinnerung au den Dahillgeschiedenen erhielt die Anstalt von dessen.Hinterbliebenen für den Kapitalsonds den Betrag von 10000 Mark und für den gleichen Fonds ein Legat des sel. Baron Adolphe von Rothschild in Paris im Betrage von 5000 Mark. Ferner wurden von Frau Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild 5000 Mark, von Herrn Max B. H. Goldschmidt 5000 Mark und von Frau Baronin Edmund von Rothschild in Paris 6780 Mark für den Betriebsfonds überwiesen. Wenn auch durch die vorerwähnten Zuwendungen die Einnahmen sich günstiger gestalteten als in: Vorjahre, mußten dennoch die Leistungen leider etwas eingeschränkt werde::, da bei der größeren Frequenz im vergangenen Jahre die Räumlichkeiten sich als unzureichend erwiesen haben. Es war nicht möglich, inehr als 214 Patienten gegen 241 in 1900 in den jetzigen Gebäuden ausznnehmen. In einer Stadt, in der die Wvhlthätigkeit in so hohen: Maße ausgeübt wird, werden sich sicher Glaubensgenossen