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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-09 · Heft 19 (9.5.1902) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
Seite 219 (sequence 5)
Language
German
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219 ns dir inzelnc r ver könnte »effentu dem e eine uit de! ies er ntrag< lalisten antrae lzelnen Theil, mt für nch - kt, ani ) jeder de den e „an- Was geht dieser Prozeß aber uns an? Die Antwort liegt nahe. Die Antisemiten haben sie gegeben, indem sie Gumbinnen und Könitz in Parallele stellten und die gute Gelegenheit beim Schopf ergriffen, um gegen die Polizei die lächerlichsten und unberechtigtsten Angriffe in öffentlichen Volksversammlungen zu erheben. Eine Parallele zwischen den beiden Vorgängen kann mall allerdings ziehen, aber nach einer ganz anderen Richtung. Friedrich Dernburg hat dies in einem geistvollen Aufsatz in der Sonntagsnummer des „Berliner Tageblatt" ausgeführt, indem er sagte: „Die Kaserne von Gumbinnen hat ihr Geheimnis bewahrt wie der See voll Könitz das seine. Alle Versuche, es ihnen zu entreißen, waren vergeblich. I^io uüülo! So gewann die Tragödie von Gumbinnen in den Augen des Publikums nach und nach das Ansehen eines Tendenzprozesses, wie die Tragödie von Könitz ihn noch bis auf diesen Augenblick trägt. Es ist kein Zweifel, daß die Untersuchung voll Könitz zu einem Stoß in die Luft wurde, weil die Suggestion, daß es „die Zuden" gewesen sein müßten, sich der Gemüther bemächtigt hatte. Es fand sich ein Mensch, der es mit eigenen Augen gesehen haben wollte, wie die versammelten Schächter an die Blutarbeit sich begaben. Aehnlich hatte sich an die zwei Unteroffiziere, die ein unsicherer Schwadroneur an der Stallthnre hat stehen gesehen, die ganze Untersuchung geklammert. Auch sie ist in ihren unzähligen Bemühungen ein Stoß in die Lust geblieben. Vor diesen Unteroffizieren blieb die Untersuchung hypnotisirt stehen wie in Könitz vor den Juden." Mai. trags ringen in den cht sie nderen 1, der Jedem e Frei igionsöffent mrger freiher dneten lls ari lerührl andes Nich' igiösen ue all? lg über r Ver , einer hriften treten en ein e oder äuge en Been drei ulen. n ha> gelenkt. Nun hat diePetitionskommission des Reichstags den Antisemiten auch noch den Schmerz bereitet, die mit mehr als hundert Unterschriften versehene Petition, die den Reichskanzler auffordert, Klärung über den Konitzer Mord zu schaffen, für ungeeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären. Dr. Lenzmaun vertrat die Ansicht, daß die Nichtzuständigkeit auch dann geboten sei, sobald ein rechtsgiltiges richterliches Urtheil vorliege, selbst wenn dasselbe ein Unrecht enthalte. In einer früheren Sitzung hatte derselbe Abgeordnete diese Auffassung dahin zugespitzt, daß der Reichstag sich selbst dann nicht fürzuständig erachten dürfe, wenn Jemand wegen Nichtreinigung der Straßen zu verurtheilen sei. Ein bindender Beschluß über die prinzipielle Frage wurde aber noch nicht gefaßt. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vomd. M. kam die Petition der jüdischen Lehrer wegen „Beilegung der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst an die jüdischen Bolksschullehrer zur Verhandlung. Die Kommission beantragte Ueberweisung als Material an die Regierung. Der Abgeordnete Nölle (natl.) bat um Ueberweisung zur Erwägung. Die konfessionellen Unterschiede müßten beseitigt werden. Die jüdischen Zöglinge seien auf die jüdischen Seminare angewiesen, da sie ui christliche nicht ausgenommen werden könnten. Der Abgeordnete Peltasohn (freis. Vp.) trat für den Antrag Nölle entschieden ein. Irr Namen der Regierung erklärte Geheimrath Brandy: „Da die Privaten Seminare nicht das Recht haben, Berechtigungsscheine zu ertheilen, so kann diese Befähigung auch >en jüdischen Seminaren nicht zugestanden werden. Ich bitte um Ueberweisung als Material." Der Regierungsvertreter ^stritt überdies auch noch die Kompetenz des Hauses, sich in niese Reichssache zu mischen. Hierauf bemerkte der Abgeordnete Oeser (freis. Vp.): Wir haben auch heute nichts gehört, was gegen die Petition spräche. Wir müssen auch auf diesem niebiete die konfessionelle Gleichberechtigung durchführen. Deshalb sind wir für den Antrag Nölle. Schließlich erklärte sich der Abgeordnete Dittrich (Ctr.) aus formellen Gründen gegen die Ueberweisung zur Erwägung. Hierauf wurde der Kommissiousantrag angenommen. Die jüdischen Lehrer werden selbstverständlich nicht müde werden, für ihr gutes Recht auch weiter zu kämpfen. Was auch in dem konstitutionell regierten lieben Oesterreich heute noch alles möglich ist, zeigt uns recht deutlich die folgende wahrhaft sensationelle Mittheilung, die Dr. Josef Bloch in der letzten Sitzung der Wiener Allianz gemacht hat: „In Amerika hat eine große Versammlung stattgefunden, weil dort ein Fall aus Oesterreich zur Kenntniß gebracht wurde, von dem hier noch nichts in die Oeffentlichkeit gelangt ist, wiewohl er sich in Oesterreich — in Galizien — ereignet hat. Fünf jüdische Familienhäupter sind seit sechs Wochen in Hast, verdächtigt, einen Knaben, der sich taufen ließ, ermordet zu haben. Fünf Inden sind seit sechs Wochen im Kerker, hier aber weiß kein Mensch etwas davon. Erst ein amerikanischer Delegirter bringt uns Kunde. Der angebli ch ermordete Knabe ist nämlich nach Amerika ausgewan - dert. Die Angehörigen der Verhafteten haben sich an das österreichischungarische Konsulat in Newyork gewendet, um die Anwesenheit des Knaben zu konstatiren. Das Konsulat telegraphirt an das Gericht, daß der Junge sich in Newhork befindet. — Die Verhafteten werden nicht sreigelassen. Aus Amerika wird die Photographie des angeblich Ermordeten, der sich aber ganz wohl befindet, eingesendet und der Jdeutitätsnachweis geführt. Thut nichts, die fünf Juden schmachten nach wie vor im Kerker in Dombrowa bei Tarnow. Die Newyorker Juden haben deswegen den Jungen — Schnur — mit einem Delegirten hierher gesendet — er befindet sich in meiner Wohnung — und nun muß es sich doch endlich zeigen, ob der Justizminister eine solche Handhabung der Rechtspflege in Galizien noch weiter dulden wird." 4 In Rumänien ist es auffallend still. Keine Auswanderungen mehr, keine hungernden jüdischen Handwerker, keine Würgegesetze: in Rumänien ist Ruhe. Der Herr Ministerpräsident Sturdza hat es in die ganze Welt hinaustetegraphirt nach einer Unterredung mit dem Prediger Dr. Beck in Bukarest, und der Herr Ministerpräsident ist der Mann, der es auch zu Stande bringen will. Auf die Mittel zur Erreichung dieses Zustandes kommt es gar nicht an. Gesetzverdrehungen, Lügen, Drohungell, Heuchelei, alles ist gilt, wenn es Hilst, die nothweudigen 175 Millionen Francs zu bekommen. Denn diese 175 Millionen sind sehr, ach sehr nothweudig. So sehr, daß mall sogar das Opfer von Kabinetsänderungen bringen, daß mau den Urheber des Handwerkergesetzes, den Minister Missir, fallen lassen will (wohlverstanden, nicht das Handwerkergesetz, sondern den Minister), denn es ist sonst sogar Gefahr, daß das ganze Ministerium wegen dieser nothweudigen Millionen fallen könnte. Soll Sturdza da zögern? Man begreift es, daß die rumänische Negierung vor nichts zurückschreckt, aber das letztgebrauchte Lockmittel können wir doch nicht völlig begreifen. Die „Welt" theilt darüber Folgendes mit: „Vorige Woche wurden nämlich unter den jüdischen Handwerkern Rumäniens Tausende von Flugschriften vertheilt. Die Flugschriften sind in hebräischer Sprache verfaßt und anonym. Sie kommen aber aus Bukarest, und die dortigen jüdischen Handwerker erklären, nichts voll den Flugschriften zu wissen. Es wäre auch schwer zu begreifen wie die jüdischen Handwerker voll einem beglückenden (!) neuen Handwerkergesetze sprecheil sollten, nachdem von ihnen eine Woche zuvor das in der vorigen Nummer pnblizirte Manifest verbreitet worden ist. Die hebräische Negierungsftugschnst enthält Verschiedenes. So

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