Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 oereins besonders erwähnt zu werden verdient. In Begleitung des gesammteu Magistrats überbrachte Herr Bürgermeister Gen schwer die Glückwünsche der Stadt dem verdienstvollen Stadtverordneten und Kommunalarzt. Landrath Graf von Wartensleben gratnlirte Namens des Kreises. Zahlreiche Blumenspenden und Präsente, ganze Berge oon Gratulationskarten und Telegrammen legten Zeugniß für die Beliebtheit des Jubilars ab. 11. Breslau, 18. April. Am 9. d. M. beging die verdienstvolle Vorsteherin der hiesigen israelitischen Kranken-Verpflegungs- und Be- .rdigungsgesellschast Frau Amalie Sachs, geb. Rothstein ihren i'O. Geburtstag unter der allgemeinsten Theilnahme ihrer zahlreichen Freunde und Verehrer. Fran Sachs, welche sich ihrem edlen, segensreichen, aber schweren Berufe mit bewnndernswerther Hingebung seit irrer Reihe von Jahren widmet, erfreut sich der schönsten harmonischen Frische von Körper und Geist. Möchte ihr dieselbe noch lange zu unverändert segensvollem Wirken erhalten bleiben! Natibor, 20. April. Vergangenen Freitag sah unsere Stadt eine ungewöhnlich große Anzahl fremdländisch aussehender und redender Passagiere ans dem Bahnhöfe. Es waren 279 unglückliche rumänische Inden, die nach Hamburg reisen, um von dort aus nach Kanada ans Kosten der Baron Hirsch-Stiftung befördert zn werden. Die Auswanderer sind sammt und sonders Handwerker. Maurer, Zimmerleute und landwirthschastliche Arbeiter, die das Inkrafttreten des berüchtigten Gewerbegesetzes nicht erst abwarten wollen, und es daher vorziehen, das Reich bei gnter Frühlingszeit zu verlassen. Die Auswanderer erzählten während ihres achtstündigen Aufenthaltes aus dem Bahnhose wahrhaft erschütternde Einzelheiten ans ihrem elenden Leben in ihrem rumänischen Vaterlande, und die abgehärmten Gesichter der Frauen, der Kinder und der zarten Säuglinge lieferten die unwiderleglichen Beweise für die Wahrheit der Mitkheilungeu. Um einen Franken Tageslohn arbeiteten diese bescheidenen Menschen. Allein selbst diesen kargen Verdienst »vollen ihnen die rumänischen Volksvertreter dnrch einen unerhörten gesetzgeberischen bchttismus unmöglich machen. Als ihre einzige Habe führen sie eine Thorarolle. Ihre wirthschaftliche Lage spottet jeder Beschreibung. Der Vertrauensmann des Komitees, der die für die Ansiedelung in Kanada geeigneten Männer in den Dörfern aussnchte und sie begleitete, erzählt, daß Hunderte ihn bis in die späten Nachtstunden bestürmten, sie doch als Knechte mitzunehmen. Alles will fort aus dem barbarischen Lande, altes will vor dem drohenden Hungertode flüchten. Fn Rumänien geboren und seit Jahrhunderten dort ansässig, leisten die Inden Kriegsdienste, gründen sich dann, zumeist als Handwerker, Kne kümmerliche Existenz, und nun wird auch diese ihnen vernichtet. Hunderttausende Eingeborene gelten als „Fremde", als heimathlos, und die Heimathlosen sollen jetzt erwerbslos gemacht werden. — Hameln. 20. April. Bei der im März erfolgten Vorstandswähl der Chewra Kadischa, welche auf ein 250-bezw. 206jähriges Bestehen blickt, »wurden die Herren Lehrer Baehrach zum Vorsitzenden. M. Frankeustein znm stellvertretenden Vorsitzenden, M. Blankenberg znrn Schriftführer, S. Bernstein znm Nechnungsführer und S. Maybamn zum Beisitzer gewählt. Der bisherige Vorsitzende Herr (5. Michaelis wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. — Der Magistrat der hiesigen Stadt bewilligte jährlich 300 Mark zu den Kosten des K eligionsun terri ch tes. -- Der als Mitglied des Gemeindevortand es ausscheidende Herr L. Herzberg und Herr S. Bernstein, Mitglied des Repräsentantenkolleginms, wurden ans fernere drei Jahre wieder- und Herr C. Friedhein» für das letztere nengewählt. N. Hamburg, 21. April. Die Deutsch-israelitische Gemeinde hat »neu schmerzlichen, unersetzlichen Verlust erlitten. Markus Wolfs yinrichsen, daslangjährige Mitglied des Gemeindevorstaudes, ist nn 18. d. M. plötzlich aus dem Leben geschieden. Mit größter Theilrahme wurde überall die Kunde von seinem Ableben vernommen, ^enn nicht nur in unserer Gemeinde,'sondern auch im öffentlichen .eben Hamburgs hat der Verblichene eine hervorragende Nolle gespielt, um Jahre 1868 wurde er in den Vorstand der Handelskammer gewählt, von dieser in die Bürgerschaft entsandt, welcher er dann als ervorragendes Mitglied 33 Jahre ununterbrochen angehörte. Aber mch sonst hat Hinrichsen im öffentlichen Leben gewirkt, so als Mitglied der Deputation für Handel und Schifffahrt, der Steuerbehörde, er Deputation für das Zollwesen u. s. w. Auch über Hamburgs wrenzen hinaus hat er eine segensreiche Thätigkeit im Interesse unserer Vaterstadt entwickelt, nämlich als er im Jahre 1868 als Vertreter- Hamburgs in das deutsche Zollparlameut und den Norddeutscher» Reichstag entsandt »runde, dem er bis 1871 angehörte. Während seiner Thätigkeit in Berlin hatte Hinrichsen sich auch stets der besonderen Gunst des Fürste»» Bismarck zu erfreuen. Stets war er auch bereit, für de»» engeren Kreis der Glaubensgenossen seine bewährte Thatkrast einzusetzen. Seit vielen Jahren gehörte er als einer der Leiter der Abtheilung Hainburg der ^Unnwe igrnelite an. Die vielen russischen Aus- resp. Rückwanderer, die Hambnrg paffiren, haben ihre»» hervorragendsten Beschützer verloren. Au der Börse war sein Name hochgeachtet, und er zählte bei vielen kommerzielle»» Unternehmungen zu de»» leitende»» Mitglieder»». Die gestern stattgefundene Beerdigung fand unter großer Betheiligung der Bevölkerung statt. Im Sterbehause hatte»» sich als Vertreter des Senats die Senatoren Reifardt, Dr. Schröder und Shndikus Noeloffs eiugefnnden. Als Vertreter von Altona war Oberbürgermeister Giese erschiene»». Die Bürgerschaft war dnrch ihre»» Präsidenten Siegmund Hinrichsen und Mitglieder aller Fraktionen vertreten. Die Handelskamrner »»nd die übrigen vielen Institutionen hatten Delegirte zur Trauerseier entsandt. Der Gemeiudevorstand und das Nepräsentantenkolleginm der Gemeinde waren vollzählig anwesend, während die^Vlliuutw i^iru'äi'ta und die viele»» übrigen Wohlthätigkeitsvereine dnrch Deputationen vertrete»» wäre»». Zahlreiche kostbare Kranzspenden liefe»» sowohl von der Handelskammer, der Bürgerschaft w. ei»», wnrden jedoch, da die Bestattung »»ach streng jüdischen» Ritus stattfand, nicht auf de»» Sarg niedergelegt. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner M. Hirsch, der in vortrefflicher Weise ei»» Lebensbild des Dahingeschiedenen entwickelte. In der Friedhofskapelle widmete zunächst Prediger Dr. Leimdörser als persönlicher Frennd dem Verstorbenen einige Worte des Nachrufs, indem erbetonte, »vie der Verblichene gewirkt für Gott, für Deutschland, für Hamburg und für die gesammte nothleidende Menschheit. Als letzter Redner sprach dann noch in» Namen des Liberalen Vereins Pastor Hoede. Redner schloß mit den Worten: „Wir werden ihn noch oft bei unseren Berathungen vermissen und sein Andenken stets in Ehren halten, den»» er war ein echter Israelit, ai» dem kein Falsch und Fehl war." Soda»»»» wurde der einfache Sarg in die Gruft gesenkt, die die irdischen Ueberreste eines nn» das Jndenthnm »vie um seine Heimath wohlverdienten Mannes birgt. Ehre seinen» Andenken! — Ems. 18. April. Der 13. und 14. Bericht der „Emser Heilquelle" (Na.jlw Inijeselwoll) des Unterst»'»h»nigsverei»»s für arme jüdische Kurbedürftige ist eiu beredtes Zeugniß für den Segen, den der Verein trotz der geringen Einnahmen einer verhältnißmäßlg stattlichen Anzahl armer, Heilung suchender Glaubensgenossen zu Theil werden lasse»» konnte. Der Plan der Errichtung eines eigene»» Anstaltsgebäudes »uußte vorläufig aufgegeben werden. Der Vorstand wendeL sich deshalb dringend an alle unsere Glaubensgenossen mit der Bitte um Zuwendung von Spenden, ganz besonders aber an alle wohlhabenden Kurgäste, welche selbst in der glückliche»» Lage sind, die berühmten Heilquellen aufzusnchen und an denselben ihre Gesundheit zu kräftige»». In» Sommer 1900 erhielte»» 14 und im Sommer 1901 19 Patienten zum Theil vollständige Freikur, znm Theil freie ärztliche Behandlung, Bäder, Inhalationen, Freifahrt auf den Malberg und einen größeren oder geringeren Pensionsbeitrag. Die Einnahmen des Vereins betrugen im letzten Jahre 1678.38 Mark, die Ausgaben 1475.88 Mark, das Vermögen 7660.27 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. med. Aronsohu, Arzt, Ems-Nizza; Dr. Weingarten, Bezirksrabbiner. Ems; I. Thalheimer, Kultnsvorsteher, Ems; H. Löwenstein, Vorstehergehilfe, Ems; I. A. Ettlinger-Halpern. Frankfurt a. M. k. Ans der Nheittproviriz, im April. Die jüdische Gemeinde St. Johann-Saarbrücken ist ii» die Reihe derjenigen Gemeinden eingetreten, die, ein wahres Verständniß für den Beruf eines Jugendbildners und Seelsorgers bekundend, mit ihrem bisherige»» Kultusbeamten. dem- Lehrer und Kantor I. Lißner, der nun schon fast 10 Jahre zur vollen Zufriedenheit seines Amtes waltet, einen seine Zukunft sichernde»» neuen Anstellungsvertrag, in dein die Pensionsberechtigung ausgesprochen ist. unter Zugrundelegung der bezüglichen Gesetze vom 27. März 1872, 31. März 1882 und 6. Juli 1885 abgeschlossen hat. Ist dies einerseits ein Beweis für das gute Einverständniß, das bisher stets zwischen der Gemeinde St. Johann- Saarbrücken und ihrem Knltusbeamten herrschte, so wirkt andererseits ans den gesummten Stand die Thatsache wohlthnend, daß insbesondere die größeren, leistungsfähigen Ge»neinden demselben ein erhöhtes