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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-25 · Heft 17 (25.4.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 17 (25.4.1902)
Date
1902-04-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 wurde»! sowohl nach der erziehlichen Seite als auch hinsichtlich der manuellen Ausbildung mit gutem Erfolge betrieben. Die Anstalt ist bestrebt, den Kindern das Elternhaus möglichst zu ersetzen. Ihre Anliegen müssen die Kinder stets mündlich Vorbringen und sich im Verkehr der Lautsprache bedienen. Um nun auch noch die Berufswahl der Zöglinge zu erwähnen, sei bemerkt, daß in den meisten Fällen die früheren Schüler bei tüchtigen Handwerksmeistern untergebracht wurden, um ein passendes Handwerk zu erlernen. Es sind darunter tüchtige und fleißige Schuhmacher, Schneider, Schriftsetzer, Lithographen, Lederarbeiter. Sattler, Buchbinder, Buchbinder, Buchdrucker u. s. w.. die gegenwärtig selbstständig arbeiten und sich fast alle gut ernähren. Freilich ist es nicht leicht, passende Lehrherreil zu finden, da die meisten derselben den erschwerten Umgang mit den Taubstummen ernstlich scheuen. Die weiblichen Zöglinge kehren gewöhnlich in die Heimath zurück, um sich daselbst durch häusliche Arbeiten oder durch Wäschenahen und Schneidern zu ernähren. Zu erwähnen sei noch, daß die Zahl der Zöglinge schon demnächst scholl um fünf zunehmen, und daß zu den vier Schulklassen mit zwei Abtheilungen noch eine fünfte hinzukommen wird. Die Aufnahme wird jedoch von nun ab nur einmal jährlich, und zwar immer im Oktober, stattfinden." Mit Dankesworten all alle Gönner und Förderer der Vereinsbestrebungen schloß der Referent seinen erschöpfenden und nach mancher Seite lehrreichen Bericht. Nachdem der Antrag des Vorstandes, Herrn Alphons Jacobson in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein zum immerwährenden Ehrenmitglied zu ernennen, voll der Versammlung einstimmig und mit großem Beifall acceptirt wurde, verlas Herr Heinrich Fränkel den Kassenbericht und beantragte für den Schatzmeister Herrn Willebald Löwenthal die Dechargeertheilung. die einstimmig erfolgte. Nach der Festsetzung des Etats für das Jahr 1902 mit 27 700 Mark in Einnahmerl und Ausgaben fanden die Wahlen statt. An Stelle des wegen Berufsgeschäfte aus dem Vorstand ausgeschiedenen Herrn Alphons Jacobson wurde Herr Kommerzienrath Kirchdörfer-München gewählt. Per Akklamation wiedergewählt wurden die statutenmäßig in diesen! Jahre ausscheidenden Herren Geheimrath Boas, Fabrikbesitzer Ludwig Giusberg-Berlin. Bankier Köhler-Fürstenwalde. Ferdinand Landsberger- Breslau. Gustav Tuch-Hamburg sowie die Revisoren Herren Oscar Berlin. Heinrich Fränkel und Oscar Rathenau-Berlin. — Beim letzter! Punkt der Tagesordnung. Vereinsangelegenheiten, tarn durch Herrn Rechtsanwalt Kraft die von Herrn Ludwig Ginsberg in der letzten Generalversammlung des Vereins Lehrlingsheim Pankow gegebene Anregung zur Sprache, entlassene Zöglinge aus der Taubstummenanstalt zu ihrem ferneren Fortkommen dem Lehrlingsheim in Pankow zu überweisen. Da nach den Ausführungen des Herrn Reich der Umgang mit ausgebildeten Taubstummen kein allzuschwerer und störender sei, wurde diese Anregung allerseits sympathisch begrüßt. Wir wünschen dem aus kleinen Anfängen hervorgegangenen Verein zum Wohle dieser Unglücklichsten der Unglücklichen auch ferner das beste Gedeihen. 2XD Berlin, 14. April. Die Gesellschaft Hachnassath Kallah zur Ausstattung von Bräuten erstattet einen Bericht über die Jahre 1899. 1900, 1901. Die Gesellschaft ist bekanntlich gegründet im Jahre 1720 und erfreut sich noch heute eines festen Bestandes, obwohl die veränderten Zeitverhältnisse und Anschauungen den Bestrebungen, die Versorgung der weiblichen Jugend durch Verehelichung herbeizuführen. nicht mehr so günstig sind, als dies zur Zeit unserer Vorfahren der Fall gewesen ist. Der Verein hat im letzten Jahre Mark 10 645.73 eingenommen und Mark 9437.65 ausgegeben. Der eiserne Fonds beträgt 92050 Mark. Außerdem hat der Verein sieben Spezialstistuugen, die alle — mit gewissen Modalitäten — dem gleichen Zweck dienen. Der Vorstand besteht aus den Herren Martin Simon, Vorsitzender; Michael Fiegel, Joseph Fränkel. Julius Oppenheim. Emil Pincus. — Am 7. d. M. fand im Sitzungssaals der Repräsentanten die Generalversammlung der Gesellschaft statt. Der vom Vorsitzenden erstattete Bericht über die Geschäftslage wurde genehmigt, und sodann auf Antrag der Revisionskommission dem Vorstand Entlastung ertheilt. Der aus den Herren Martin Simon. Michael Fiegel, Joseph Fränkel, Julius Oppenheim und Emil Pincus bestehende Vorstand wurde hierauf einstimmig wiedergewählt. Zu stellvertretenden Vorstandsmitgliedern wählte die Versammlung die Herren Herrmann N. Israel, Gustav Jacoby, Rechtsanwalt Dr. Franz Lipman-Wulf. Wolfs Lewin und Martin Fernbach. Die beabsichtigte Statutenänderung, welche eine Erhöhung der Maximalbeihilfen für Nichtuütglieder bezweckte, konnte nicht vorgenommen werden, da die für Aenderung der Statuten erforderliche Mitgliederzahl nicht anwesend war. Die Versammlung stimmte aber dem Vorstandsantrage, welcher vorbezeichnete Aenderung zum Gegenstand hatte, in Form einer Resolution einstimmig zu. Es wird beabsichtigt, diesen Antrag dei Vorstandes einer im Herbst d. I. einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung aufs Neue zu unterbreiten, und die geplante Statutenänderung sodann vorzunehmen. — Berlin, 20. April. Das lobenswerthe Streben des Di rektors der Berliner K a n t o re n s ch ul e, des Herrn Kantors Alex. Frommermann, diesem Institute einen möglichst idealen Cha rakter zu verleihen, kennzeichnet nicht nur die Zusammenstellung des bewährten Lehrerkollegiums, sondern -auch die anzuerken nenden Vergünstigungen, die den Schülern dieses Instituts nach jeder Richtung hin zu Theil werden. So wird z. B. von nur ab jedem Unbemittelten sowohl wie überhaupt jedem angehenden Kantor schon dadurch eine gründliche Ausbildung ermöglicht, das die Honorarsrage erst nach Annahme einer Stelle zu! Erledigung gelangt, was für die Studirenden dieses Instituts von nicht zu unterschätzendem Werthe ist. da ihnen dadurch die größt Last des Honorarzahlens während der Studienzeit genommen wird Auch das Bestreben seitens des Direktors Frommermann, stets mit den Genieinden in Fühlung zu bleiben, bereitet den Schülern vielt Vorthelle, da ununterbrochen seitens unzähliger Gemeinden Anfragen nach gutgeschulten Kantoren einlaufen. Es hat auch bereits in vorigen Jahre während der hohen Festtage eine ganz beträchtlich! Anzahl von Schülern dieses Instituts in größeren und kleineren Gemeinden mit bestem Erfolge fnngirt, worüber die Gemeinden sicl sehr lobend geäußert hatten. 8. Berlin, 20. April. Der Missionszeitschrift „Saat auf Hoff nung" entnehmen wir aus dem Jahresberichte des „evangelisch lutherischen Centralvereins für die Mission unter Israel" die interessant! Thatsache, daß der ganze Erfolg dieses Vereins im Jahre 1900 zwe Taufen von Juden sind. Dabei hatte der Verein Mark 17465.9 Einnahmen und Mark 16997.72 Ausgaben. — Dieselbe Zeitschrift ent hält auch einen interessanten Bericht über eine Konferenz der Juden Missionen in Rumänien, an der 22 Personen tbeilnahmen. Man wa sich klar darüber, daß die Taufe allein nicht genügte, die „geretteten' Seelen dem Christenthum zu erhalten. Um einen^Abfall der Getauften zu verhüten, müsse man eigene judenchristliche Kolonien gründen. Vie Glück dazu! Schlochair, 18. April. Eine angebliche Ritualmord ge schichte, welche übrigens von dem Grad der antisemitischen Ver hetzung in unserer Gegend ein klassisches Zeugniß liefert, hatte in den letzten Tagen unsere Stadt wieder einmal in nicht geringe Aufregung versetzt. Ein Dienstmädchen des jüdischen Pferdehändlers Z. hatte vo mehr als einer Woche bei Nacht und Nebel seinen Dienst verlassen und Niemand vermochte in der That über den Verbleib des Mädchen irgend welche Auskunft zu geben. Da die Nachforschungen de Eltern bei den nächsten Verwandten resultatlos verliefen, wurden di Polizei und Gendarmerie mit der Suche beauftragt. Doch ebenfall ohne Erfolg. Die anfänglich vereinzelt ausgesprochene Vermuthung das Mädchen sei das Opfer eines Ritualmordes geworder,. wurde jetzt zur unumstößlichen Thatsache, und die geschäftige Fra Fama wußte alsbald einige Details der grausigen That zu be richten. Schon begann man die bekannten Demonstrationen gegeunsere jüdischen Mitbürger in Szene zu setzen, auch mit dem beliebte- Schaufeustereinwerfen wurde bereits gestern Abend der Anfan gemacht, und wir hätten noch die schönsten Krawalle erleben können wenn es nicht gelungen wäre, die Verschwundenene rechtzeitig i Kamin in Westpreußen ausfindig zu machen. Die Polizeiverwaltun brachte am letzten Sonntag nach dem Gottesdienst das „freudig Ereigniß" durch öffentlichen Ausruf zur Kenntniß der bekümmerte Bürgerschaft, und — Schlochau hat Ruh'! 6. Lobsens, 17. April. Aus Anlaß seines 25 jährigen Berufs jubiläums wurden dem hiesigen praktischen Arzt Herrn Dr. Adol Simon, dessen segensreiche Thätigkeit sich weit über die Grenze! unseres Kreises erstreckt, ganz besondere Ehrungen zu Theil. De> Vorstand der Shnagogengemeinde überreichte dem Jubilar als lang jährigem Mitglieds der Repräsentanten eine kunstvoll ausgestattet Adresse. Die Wohlthätigkeitsvereine der jüdischen Gemeinde brachte; Geschenke dar. von denen ein kostbarer Pokal des Krankenunterstützungs-

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