Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Wie viel echt jüdisches Gefühl spricht aus Folgendem: MO 88 ai. Es gehen umher wie Nachtgestallen Meine armen Stammesbrüder. Kaum noch können sie sich erhalten, Und die Thräne rinnt hernieder! Doch ihr Mund schreit fort und fort: „^6ru8etrol3>jim, du heiligster Ort!" «^6 M088M r68eti0ttn" so hör' ich sie schrei',,. Doch das Gebet will nicht gedeih'n. Denn die Reschoim verbreiten sich fort In Jerusalem, dem heiligsten Ort! Nutzlos ihr Flehen und ihr Beten. Der Tempel ist in Staub getreten. An seinen zerfallenen Mauern Steh'n gramgebeugt meine Brüder. Klagen, jammern und trauern: Wann seh'n wir. o Tempel, dich wieder? Und dann zieh'n meine Brüder Schmerzzerrissen fort. Rothgeweint die Augenlider Um Jerusalem, den heiligsten Ort! Der Ewige ist uns Schutz und Veste, Aus Ihn vertrauen, ist das Beste Er hilft uns einst den Tempel bauen, Daß wir die Herrlichkeit wieder schauen! Darum ziehen getrost wir fort Von Jerusalem, dem heiligsten Ort! Interessant sind folgende Betrachtungen: 8ebakbo8 1 6 8 e b u >v 0 b.! Welcher Jude hat sich wohl diesen Sabbath, diesen Schabbos Teschuwoh so ganz in seinem Innern klar gemacht, daß es einem rechtschaffenen Menschen zur Zierde gereicht? Wohl Keiner! Denn wer ist im Stande sich so rein zu erhalten, um zu saget,: Ich fürchte die Antwort nicht, — es ist nämlich dieser Sabbath ein Antworts- Sabbat h des Ewigen Gottes — ich lebe, wie es Gott und den Menschen wohlgefällig ist. es kann mir nicht fehlen!-O du eitler > Thor! So zu leben, wie es Gott und dem Menschen recht, ist kein Mensch im Stande! Denn Gott kannst du nicht betrügen, er sieht dir in die kleinste Falte deines arglistigen Herzens! Den Menschen recht zu leben, ist ebenfalls eine Kunst, die bis aus den heutigen Tag noch keinen. Sterblichen gelungen ist. In diesem Glauben, daß der Mensch eben sündig und vielen Anfechtungen ausgesetzt ist, sehe ich mit freudiger Erwartung der göttlichen „Antwort" entgegen. ^sum Kippur. Dieses ist der Tag des Herrn, der da thront seit Gedenken, und der regieren wird in alle, alle Ewigkeiten. An diesem Tage gedenkt der Herr unser je nach unserem Thun. An diesem Tage schreibt und besiegelt der Herr aller Herren unser zukünftiges Dasein. Wohl dem, der sich dieser Auszeichnung würdig zeigt! Aber auch dem ist wohl, ja ungleich wohler. dem der Herr die Gnade zu Theil werden läßt, aus diesem Leben, dem Leben des Kampfes und des Entbehrens. in ein lichteres, reineres einzugehen. O Mensch, du mußt es nur richtig betrachten: Was Gott thut, ist wohlgethan. LiniebLttitbora. Ein Tag der Gesetzesfreude! Wem schlägt nicht rascher das Herz im Leibe bei Nennung dieses so überaus köstlichen Namens? Sagt doch dieser Name hinlänglich, daß ein Gesetz vorhanden ist. den Guten zum Schutze, den Bösen zum Trutze! Nur der lebt wohl, dem der Begriff^von der Nothwendigkeit des Gesetzes keine kata mor§aoa, der gewissensrein ist. Endlich mag noch folgender Erguß hier Platz finden: Ko8eb-bu 8ebanab! Traurig ist es, aber wahr. Daß stets das neue Jahr Im Glücke, wie im Leiden Erwecket vergangene Zeiten! Dem Einen erglänzt die Vergangenheit mild, Dem Anderen als ein trübes Bild! Und so geht es fern und nah Bei Ankunft des kosieb kasetmna! Tief fühlt es jeder fromme Semit, Daß Freude und Leid ihn, zu Herzen zieht, Denn aus den, ganzen Erdenrund Machet sich tiefes Empfinden kund, Und es zittert Fern und Nah Bei dem Wort Ro8eb basdmua! Ist mir auch nichts von allem geblieben Als die Gedanken, die allzutrüben, So rufe ich doch gerne aus: öatel meolenu Kol §6sorau8 Kleebaus! Damit mein' ich nicht mich allein, Nein, Alle, die sind in Noth und Pein! Herr, ich fühle, du bist mir nah Am Tage des ko8eb ba8ekana! Ich habe absichtlich solche Stücke ausgewählt, die jüdisch religiösen Inhalts find. Unter denen allgemeinen Inhalts finde, sich — auch der Form nach — weit bessere Sachen. De- Autor kommt in den nächsten Wochen zur Entlassung und steht hilflos da. Vielleicht wird man noch von ihm hören Zweck dieser Veröffentlichung aber war, weitere Kreise auf ihr. aufmerksam zu machen. Vielleicht nimmt sich Jemand ded Mannes an. Fitteransche MittheUungrn. ----- H. Sondheimer: Der Pentateuch für den Schulgebrauch Urtext, Uebersetzung neben dem einzelnen Worte oder Satze, Erklär,nu und Präparativ,,. Nebst einem Anhänge: Das Wichtigste aus de; hebräischen Elementar- und Formenlehre. Zweite Auflage. Frank surt a. M. 1902. I. Kauffmann. Durch Verordnung des großherzog liehen Oberrathes der Israeliten vom 17. Mai 1886 als Unterrichts buch in Bäden empfohlen, hat sich das Soudheimer'sche Werk daselbs ausgezeichnet bewährt und, es ist ein erfreuliches Zeichen für sein Brauchbarkeit, daß sich eine Neuauflage als nothwendig erwiesen hat Es bietet nicht den ganzen Text des Pentateuchs, sondern eine um fassende Auswahl, „soweit sie den Bedürfnissen der Religionsschule zu entsprechen geeignet erscheint". Jndetz ist durch passende kurze Inhalts angabe sämmtlicher Kapitel, sowie durch Beigabe der Präparation zu allen in der Auswahl nicht übersetzten Abschnitten überall der Zu sammenhang hinreichend gewahrt. Von großem pädagogischem Geschia und einem ungewöhnlich feinen Takt zeugt die Uebersetzung. Sie ist prinzipiell wörtlich, hat aber für jede irgendwie der kindlichen Fassungsgabe nicht ganz entsprechende Ausdrucksweise durchweg an gemessene, zum Theil hervorragend glückliche Umschreibungen. Mi! Leichtigkeit werden dadurch gar manche Schwierigkeiten oder Verlege,; heiten beseitigt; die Uebersetzung. aus der Praxis hervorgegangen, ist nach der augedeuteten Seite hin geradezu nmstergiltig zu nennen Durch geschickte Gegenüberstellung des einzelnen Wortes oder einer kurzen Phrase wird das Verständniß erleichtert, ein mechanisches Uebersetzen vermieden, zumal kurze, gediegene, sachgemäße An merkungen erklärend den Text begleiten. Für die häusliche Vorbereitung ist die ganze Anlage des Buches von größtem Nutzen; für die Schule ist allerdings ein unübersetzter Pentateuch noch erforderlich Die Ausstattung des Buches ist gut; der Druck ist klar und korrekt bis aus die ersten sieben Bogen, deren Typen ein wenig unklar ge worden sind, z. B. aus Seite 2, 3. 44. namentlich im Schwa, be L- und o-Vokalen. Um die zweite Auflage hat sich Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin verdient gemacht. Er schickt auch dem Werk eine Vorrede voraus, die eine gerechte Würdigung der ausgezeichneten pädagogischen Begabung, sowie eine warme Anerkennung der aus gereister und wohlerprobter Erfahrung hervorgegangenen Schulbücher des Verfassers, des verewigten Bezirksrabbiners von Heidelberg, Dr. Sondheimer, enthält. Wir wünschen dem Buche, das in der ReligionSschullitteratur schon jetzt einen hervorragenden Platz behauptet, die weiteste Verbreitung — vor allem auch in Norddeutschland, wo es noch viel zu wenig bekannt und in Gebrauch ist. Bruchsal. Dr. Doctor. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: MaxBanchwitzin Berlin.