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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-25 · Heft 17 (25.4.1902) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 17 (25.4.1902)
Date
1902-04-25
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 Gouvernement zur Erfüllung ihrer Militärpflicht nichterschienenen Juden besonders hervorgehoben, und die einzelnen Zahlen am Fuß der Kolumne zu einer effektvollen Ziffer summirt. Daffelbe geschieht mit den „fehlenden" jüdischen Soldaten. Die Schlußzahlen bilden eine auf den ersten Blick wirklich imponirende Ziffer: von den 55 416 militärpflichtigen Juden haben 10 390 --- 18,74 Prozent, von den zu stellenden 16.529 Soldaten 1320 --- 7,12 Prozent gefehlt. Solche Zahlengruppirung ist wohl geeignet, einem oberflächlichen Beurtheiler sehr zu imponiren. Allein schon die ernste nichtjüdische Presse in Rußland, wie die „St. Petersburgskija Wjedomosti", hat tiefer geschaut und einen Anlauf genommen, die vorliegenden Zahlen in einem für die Juden günstigen Sinne zu gruppiren. In der Wirklichkeit haben nicht 10 390, sondern alles in allem 1650 gefehlt. Es sind das nicht 18,74 Prozent, sondern nur 2,97 Prozent, während der Prozentsatz der zur Stellung nichterschienenen Nichtjuden 2,75 betrug. Aber selbst dieses geringe Plus von 1,5 Prozent bei den Juden läßt sich wahrscheinlich auf die stärkere Auswanderung bei den Inden zurückführen, bei welcher bekanntlich die jüngeren, arbeitsfähigen Jahrgänge stärker als die ältereil vertreten sind. Der Rest der zur Einberufung nicht erschienenen militärpflichtigen Juden besteht aus in den Matrikelbüchern nicht gestrichenen Personen, welche von der Militärbehörde vergebens zur Erfüllung ihrer Militärpflicht aufgerufen wurden. Die russischen Tschinowuiks können gut Geister citiren, allein — sie kommen nicht. .. Was die nach dem offiziellen Bericht angeblich fehlenden 1320 Soldaten anbelangt, so wollen wir darüber nicht viel Worte verlieren. Nicht 1320 Soldaten zu wenig, sondern 3481 Soldaten zu viel haben die russischen Juden dem Heere zugeführt. Nur war das den unersättlichen Behörden noch immer nicht genug, sie forderten noch weiter 1320 Soldaten von ihnen, und dieses Mehr konnten die armen Juden nicht mehr stellen. Es gab eben bei ihnen keine wehrfähigen Männer mehr! Zur besseren Jllustrirung des auf den Juden Rußlands schwer lastenden militärischen Druckes wollen wir die Leistungen der nordwestrussischen Juden in den sechs Gouvernements Wilna, Minsk, Grodno, Kowno, Witebsk und Mohilew näher detailliren. Dieselben sollten nach der Ansicht der Behörden pro 100 000 Einwohner nicht weniger als 1283,54 Männer im Alter von 21 Jahren haben, während ihre mit ihnen unter demselben Klima und unter den gleichen sozialen, politischen und hygienischen Verhältnissen lebenden christlichen Mitbürger 897,40 gleichaltrige Männer hatten. Diese 5445 „todte Seelen" hätten von rechtswegen ganz fehlen sollen. Wenn aber selbst nach den eigenen Angaben der Behörden im Ganzen nur 4952 nicht erschienen sind, so weist das auf eine seit 1881 erfolgte Verschiebung des Verhältnisses der jüdischen Seelenzahl zu der der nichtjüdischen hin. Wenn aber die Seelenzahl der Juden Nordwestrußlands auch einen relativen Rückgang erfahren hatte, und die Zahl der vor 21 Jahren geborenen jüdischen Knaben in der That stärker war, als sie nach den Ergebnissen der 1897 erfolgten Volkszählung hätte sein müssen, sie kann doch das unglaubliche Plus von 5445 Militärpflichtigen bei den Juden nicht erklären. Die Behörden haben eben längst verstorbene oder ausgewanderte Personen zur Erfüllung ihrer Militärpflicht einberufen wollen. Dadurch sowie durch die enorme Steigerung der von den registrirten militärpflichtigen Personen zu entnehmenden Rekruten um 28,59 ProMille gegen dis der Christen ist die Zahl der jüdischen Soldaten auf 20,21 Prozent der gesammten in den sechs Gouvernements auszu hebende > Soldatenzahl gestiegen. Um solcher Anforderung genügen z, können, hätten die Juden nicht 13,92 Prozent der Bevölkerung sondern eben 20,21 Prozent bilden müssen. Sie müßten nick t 1,41 Millionen, sondern 2,05 Millionen zählen. Bei ihrer geger - wärtigen, von der wissenschaftlichen Statistik festgestellten Seelenzahl haben sie alle ihre Kräfte anspannen müssen, um die ihne i aufgebürdete überhohe Blutsteuer zu zahlen. Sie haben nun sta t 3802 mit Aufbietung ihrer letzten Kraft 5317, das heißt 151 t Soldaten zu viel aufgebracht und mußten den Rest der m - erhörten Mehrforderung mit 640 Soldaten schuldig bleibe;. Für diese „fehlenden" Soldaten werden sie eine, nach dem si c die Juden Rußlands bestehenden schimpflichen Ausnahmegesetz; für jeden fehlenden Soldaten 300 Rubel, macht zusammen 192 000 Rubel, Geldstrafe zahlen müssen. Genau so wie in Nordwestrußland verhält es sich mit der Rekrutirung unter den Juden des übrigen europäischen Nus lands. Sie konnten die ihnen von ihren Feinden, den ant semitisch durchseuchten Tschinowniks, auferlegte Blutsteuer b>i aller Mühe nur theilweise in natura leisten und werden fü den schuldig gebliebenen Rest eine Strafe zahlen müssen. Im Ganzen haben die Juden Rußlands im Jahre 1901 ihre Militärpflicht vollauf genügt, haben darüber hinaus 3481 Soldaten zuviel gestellt und werden für 1320 noch „fehlende" Soldate i etwa 800 000 Mark Strafe zahlen. Als Anerkennung für solch Leistung werden sie von den Behörden beim Kaiser noch Wege , Militärentziehung verklagt. Die russischen Juden sind in der That im Golus! Aas Indenthum und die Ergebnisse de Assyriologie. Von Rabbiner Dr. B. Jacob-Göttingen. II. (§H^7ir bekennen uns also zur absoluten Freiheit de Forschung und ihrer Ungefährlichkeit für das Jude: thum lind dürfen daher den etwaigen Vorwu dogmatischer Befangenheit gegenüber den Ergebnissen der a! testamentlichen Wissenschaft mit gutem Gewissen ablehnen. Ab damit ist nicht gesagt, daß wir alle ihre Behauptungen a „gesicherte Ergebnisse" anzunehmen haben, zumal wenn sie w recht durchsichtigen Tendenzen diktirt sind. Einer Afterwissenschi der tendenziösen und leichtfertigen Hypothesen, wie es die heuti christliche Bibelkritik großen Theils ist, müssen wir uns eu schieden widersetzen, und nur gegen eine Wissenschaft der Tha sachen werden wir uns willig und gelehrig verhalten. Di nun zu sein, behauptet die Assyriologie, vor der die früh so gefeierte Aegyptologie in den Hintergrund getreten ist. Die Entstehung und Entwickelung der Assyriologie ist ein« - der ruhmvollsten Kapitel in der Geschichte der Wissenschafte Durch die Ausgrabungen auf dem Boden des alten Babylonier und die mit bewunderungswerthem Scharfsinn vollbrachte En zifferung der gefundenen Denkmäler hat das geschichtlich Wissen eine Erweiterung erfahren wie noch nie zuvor. De- Zeitraum der bekannten vorchristlichen Geschichte hat sich fl'i verdoppelt. Völker, Sprachen und Kulturen, die völlig ver

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