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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-25 · Heft 17 (25.4.1902) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 17 (25.4.1902)
Date
1902-04-25
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 I. Man linderis oder uflnchi i der st eine rn Anlhlun. Nicht!. au' urden m die g be- Lolksie die ilitärhatte, Seelen ilitärclässig l vorgener n den )l der man itigen überr mit litärdem iuden uden, evor kaiser ihrer iiigeu i der hrlich ht es vori und tigen Zahl uden der »den l der MNg ands >öhte le so oohl inrch onsder der jungen Männer im militärpflichtigen Alter von 21 Jahren, wohl kaum im Machtbereiche der Behörden. Die künstliche Steigerung der Zahl der gestellungspflichtigen Juden würde daher in irgend nennenswerthem Grade völlig ausgeschlossen bleiben, hätten die Inden durch nachlässige Führung der Matrikelbücher nicht selber den Behörden die bequemste Handhabe dazu geboten. Die Geburten werden wohl, wenn auch häufig sehr verspätet und erst auf Betreiben der indessen großjährig gewordenen Neugeborenen selber, schließlich doch immer eingetragen. Aber die Verstorbenen werden sehr oft nicht auS den Listen der Lebenden gestrichen, und wenn sie auch von keinem Steuerboten mehr heimgesucht und kein Bolkszähler sie in das Verzeichniß der „ortsanwesenden Bevölkerung" einträgt, die Militärbehörde vergißt ihrer nie und ruft sie, wenn die Zeit gekommen ist. zur Erfüllung ihrer Militärpflicht auf. Auch die aus-Rußland ausgewanderten Juden bleiben vielfach in den Matrikelbüchern stehen und helfen so die Zahl ihrer militärpflichtigen Glaubensgenossen in der früheren Heimath ins Ungemessene erhöhen. Die Behörden kennen diesen Sachverhalt ganz genau, sie wissen, daß viele Tausende der zur Erfüllung ihrer Militärpflicht aufgerusenen Juden schon längst und auf immer die gesegneten Gefilde des Ansiedelungsrayou verlassen haben. Allein sie haben von ihrem großen Dichter- Gogol doch das eine gelernt, daß man unter Umständen auch mit tobten Seelen ein ziemlich lukratives Geschäft machen kann. So spielen die im Dienste des russischen Kriegsministeriums stehenden Tschitschikows die verstorbenen gegen die lebenden Juden um so lieber aus, alb dieser Trumpf ihnen von den Juden selbst in die Hand gedrückt wird. Ein zweiter Faktor zur Bestimmung der Zahl der auszuhebenden Soldaten bildet die Festsetzung der Anzahl der von je tausend gestellungspflichtigen in das aktive Heer einzureihenden Rekruten. Dieselbe bleibt in Rußland ganz den Provinzialbehörden überlassen, welchen die Bestimmung der von den einzelnen nichtchristlichen Konfessionen, auch die Vertheilung der von den einzelnen Gemeinden zu fordernden Soldaten unter den in diesen Gemeinden neben einander lebenden Konfessionen obliegt. Dabei scheint aber von den Beamten eine nur in Rußland vorkommende eigenartige Rekrutirungsgeometrie betrieben zu werden, bei welcher Bruchtheile eines Prozents bei den Christen nach unten, bei den Juden und Mohamedanern aber nach oben abgerundet werden. Die einzelnen Bruchtheile summiren sich in den vielen Tausenden von Dörfern, Städten und Städtchen zu einerfurchtbaren Militärlast, welche im Jahre 1901 sich auf 4830 Soldaten zu Gunsten der Christen und zuungunsten der Juden belaufen hat. Gehen wir nun die einzelnen Ländergebiete durch, um ari der Hand der vom Minister gegebenen Zahlen die Zahl der von den Juden daselbst dem russischen Heere zugesührten frischen Rekruten festzustellen. Zu diesem Zweck wollen wir das europäische Rußland in ein den Juden verbotenes Rayon und ein ihnen als Wohnsitz überlassenes Ansiedelungsrahon eintheilen. Die jüdische Bevölkerung im ersteren, 74 500 Quadratmeilen umfassenden Gebiete beläuft sich auf kaum über 200 000 Seelen, bei einer Bevölkerung von nahezu 60 Millionen Menschen. Ihre Zahl muß aber vor 21 Jahren kaum 150 000 betragen haben, da die Anzahl der gestellungspflichtigen Mischen jungen Männer jenes Gebietes mit 1297 im Verhältniß zu den nichtjüdischen um ein volles Drittel zu niedrig ist. Die Behörden suchten den dadurch bedingten „Ausfall" an Soldaten durch starke Erhöhung der von den 1297 jüdischen Militärpflichtigen pro Mille zu erhebenden Rekruten von 290,34 der Nichtjuden, auf 333,34 ein wenig zu korrigiren. Es gelang ihnen auch, die Zahl der jüdischen Soldaten aus jenen Ländern von 382 auf 433 zu erhöhen. Dasselbe ist auch von den vier Gouvernements Südrußlands zu berichten. In dieses Gebiet scheint in den letzten 20 Jahren eine lebhafte Einwanderung von Juden stattgehabt zu haben. Das Verhältniß der jüdischen zur nichtjüdischen Bevölkerung war 1881 jedenfalls geringer als zur Zeit der Volkszählung, da sonst das Minus von 654 Militärpflichtigen, welche die dortigen Juden trotz nachlässiger Matrikelführung und notorisch starker Auswanderung im Verhältniß zu den Nichtjuden gestellt haben, unerklärlich bliebe. Die Behörden gaben sich redlich Mühe, durch Erhöhung der von diesen militärpflichtigen Juden auszuhebenden Soldaten auf 318,73 Prozent, gegen 306,8 Prozent bei den Christen, aus den Inden mehr Rekruten herauszupressen. Allein das dadurch erzielte Mehr von 67 Soldaten konnte den durch den Abgang von 654 Gestellungspflichtigen bedingten Ausfall von 200 Soldaten doch nicht ganz ausgleichen. Dafür haben sie sich in den übrigen drei Gebieten des Ansiedelungsrahons überreichlich schadlos gehalten. Im Königreich Polen fand sich in den jüdischen Matrikelbüchern ein Mehr von 2440 Gestellungspflichtigen, was bei dem in Polen aufgestellten Satz von 309,14 pro Mille schon allein ein Mehr von 754 Soldaten ausmacht. Darauf wurde durch Erhöhung der von den 14 068 jüdischen Militärpflichtigen zu entnehmenden Rekruten auf 342,90 pro Mille ein weiterer Profit von 474 Soldaten erzielt. Macht zusammen für die 1 316456 Juden des Königreichs Polen ein Mehr von 1228 Soldaten!!! Schlimmer noch erging es den Inden Südwestrußlands, welche mit ihren 1410000 Seelen kaum 9,63Prozent der dortigen Bevölkerung bilden. Der Zahl ihrer Militär- Pflichtigen nach hätten sie aber 11,24 Prozent und der Zahl ihrer Soldaten entsprechend gar 12,3 Prozent bilden müssen. Der Militärbezirk des Generals Dragomirow brachte aus den Juden 2574 Militärpflichtige und 1310 Soldaten zu viel heraus. Am allerschlimmsten schnitten aber bei der diesjährigen Rekrutirung dieJudenNordwestrußlands ab. Die dortigen Tschitschikows haben in den jüdischen Matrikelbüchern ein Mehr an Gestellungspflichtigen in Höhe von 5445 entdeckt. Darauf erfuhr die Zahl der von den so künstlich auf 18 098 emporgeschraubten gestellungspflichtigen Juden pro Mille zu entnehmenden Soldaten eine Extrasteigerung von der in jener Gegend festgesetzten Norm von 300,56 auf 329,15 pro Mille. Das Resultat war ein sehr befriedigendes. Man rechne nur 5445 Militär- Pflichtige mehr machen schon bei dem allgemeinen Satz von 300,56 pro Mille 1636 Soldaten mehr aus. Dazu die erwähnte Extrasteigerung. durch welche bei einer Gesammtzahl von 18 098 Militärpflichtigen ein weiterer Ueberschuß von 517 Soldaten erzielt wurde. Macht zusammen 2153 Soldaten aus. Angesichts dieser Zahlen ist es, gelinde gesagt, geradezu verwunderlich, daß der Minister die Thatsachen in ihr Gegentheil umzuwandeln sucht! Statt sie als Stützen des Heeres zu Preisen und die Ueberzahl der von ihnen gestellten Soldaten hervorzuheben, sucht er die Juden beim Kaiser noch anzuschwärzen. Zu diesem Behufs wird die Zahl der in jedem

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