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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-18 · Heft 16 (18.4.1902) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
Seite 192 (sequence 14)
Language
German
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192 Fitterarische Mittlieilungen. "Hermen Kal) an: Hat Moses Maimonidcs dem Krhpto- Mohammedanismus gehuldigt? Berlin, (5. Boas Nachfolger. Der Verfasser, Mitredaktenr der in Budapest erscheinenden „Ungarischen Wochenschrift", spricht hier eine große Frage gelassen aus. die man eigentlich längst gelöst glaubte. 'Auch der Verfasser trägt eben keine neuen Gesichtspunkte zu ihrer pro oder contra Mnnk'schen Losung herbei, doch gelangt er an der Hand fleißiger Studien in Maimuni's Schriften selbst und in der schier unübersehbaren Litteratnr über ihn. die aber der Verfasser ausgezeichnet beherrscht, zu eiuer verneinenden Antwort seiner vorgesteekten Frage. Es ist hier nicht der Platz, darüber zu rechten, nur verdient Kahan's Fleiß, gründliche Qnellenkenntniß und vor Allem redliches Bemühen jedes noch so bedeutungslose Fleckchen von der glanzvollen Erscheinung Maimnnis fernzuhalten, volle Anerkennung. Die Streitlitteratur über diese Frage findet sich in der Schrift ziemlich vollständig angegeben. Landrabbiner Dr. Tänzer. Spr ecffsaat. Geehrter Herr Redakteur (^^ie in den Augen jedes Kenners des hebräischen und mischnischen Sprachidioms offenkundige falsche Uebcrsetznng der Worte 811)2 2^212 in Ronans „Geschichte des jüdischen Volkes" hat in dieser geschätzten Zeitung (Nr. 11) einen Vertheidiger gefunden in der Person des Herrn B. Goldberg in Petersburg. Inzwischen ist von Herrn Lehrer Gutmau in Vlotho a.W. eine Entgegnung eingegangen, die der geehrte Herr Redakteur uns mit dem Ersuchen einsandte, unsere Bemerkungen daran anzusügen. Wir kommen diesen: Wunsche nach und lassen hier zunächst das Wichtigste aus der Gutman'schen Entgegnung folgen: „Im Sprechsaal der Rümmer 11 der „Allgemeinen Zeitung des Zndenthums" will Herr Goldberg-St. Petersburg darthun, daß Herr Rabbiner Dr. Na hm er sich irre, wenn er annimmt, daß Nönan den Allsspruch des Sochiten Antigonos 8^12 ''NI irrthümlich mit „lm ro^öo <1n mol 8ora .-mr vons" übersetzt hat, indem er 8N12 Uw NN12 gelesen. Nach Herrn Goldberg haben beide Wärtergleiche Bedeutung, und somit hat Ronan korrekt übersetzt. 8N1)2 soll nach Herrn Goldberg auch gar nicht „Furcht", sondern immer uur „Herrschaft" bedeuten. Wenn nun Rönan als Philologe noch so eminent wäre, so ist eil: Jrrthum seinerseits doch nicht ausgeschlossen, und 2^22' 8N1,2 bürste nicht mit rosöo än mal übersetzt werden. Tie Stelle in den Spr. Salomos 14. 26 81' ^'8 als „Gelehrter" zu übertrageil, widerstreitet dem Zusammenhänge vollständig. Denn offenbar soll daselbst der Gegensatz zwischen dem vor den Folgen sich Fürchtenden. Bedenklichen und den: Sorglosen hervorgehoben werden. Herr Goldberg will auch das 71112I iu dem Buche der Richter 13, 2 und Uml. 16, 7 mü „Herrschaft. Obmacht" übertragen wissen und fragt, wie denn ein und dasselbe Wort iu Joel 2, 23 „Negeu" und hier „Scheermesser" bedeuten könne? Aber giebt es nicht in jeder Sprache Wärter, welche zwei verschiedene Gegenstände oder Begriffe bezeichnen? Solche Wärter fehlen auch in der hebräischen Sprache nicht. So heißt Haupt und auch Gift, ^8 Zorn, Nase und dergleichen mehr. Aus den: Zusammenhänge ist die jedesmalige Bedeutung unschwer zu erkennen. Wenn Simson die Worte spricht: „Ich bin ein Nasir von Mutterleibe an n^Z^I 7s^ 8^7 m21 nie kam ein Scheermesser ans mein Haupt; wenn ich geschoren werde, so weicht meine Kraft von mir," so ist dieses NN1,21 gleichbedeutend mit 1^71 im 4. B. M. 6. .7, woselbst doch auch von dem Nasir die Rede ist. Ob das 7112,2 1)2 iu Kohelet 7, 26 nicht schon wegen des 2 uor 7112 uüt „bitterer" übersetzt werden muß, da zur Zeit der Abfassung dieses Buches der Titel -12 118)2 schwerlich schon im Gebrauche war. will ich Herrn Goldberg selbst zu erklären überlassen. Vlotho a. Weser. März. I. Gutmanu. Lehrer a. D." Wir haben uns gefreut, daß es ein jüdischer Lehrer (,1111) ist. der sich von den im Tone unumstößlicher Wahrheit aufgestellten Behauptungen des Herrn Goldberg-Petersburg nicht beirren ließ, sondern mehrere derselben recht gut widerlegte. Mehrere, aber nicht alle Herr Goldberg muß erschöpfender und gründlicher abgeführt werden. Wir ergänzen also Herrn Gutmanns Ausführungen in einigen Punkten: 1. Herr Goldberg wirft 71112 (Frühregen), 8N1)2 (Ehrfurcht) N11)2 (Lehrer, Meister). N"1D (Scheermesser) iu eineu Tops; sie müsse,? „nach klassischem Begriff der hebräischen Sprache" allesammt als „Herrschaft, Macht" verstanden werden — erklärt Herr Goldberg. Aber besitzt denn Herr Goldberg gar kein noch so kleines hebräisches Lexikon (von Fürst oder Gesentns). das er vorher uachschlageu konnte, und das ihn darüber belehrt hätte, daß die vier cmfgesührten Wörter ganz verschiedenen Wurzeln entstammen und zwar von NN1 (motbatlws. 711-1 (bewässern). 81' (fürchten). 71*1171 (lehren), 7112 (schneiden) — die Lippenbuchstabeu 2 und 2 wechseln bekanntlich mit einander». 2. Daß „durch differirende Endungen verschiedene Worte und Be^ griffe entstehen", ist Herrn Goldberg ganz unbegreiflich. Aber darüber kann ihn ja jede Grammatik jeder Sprache belehren. Doch bleiben wir beim Hebräischen und beim klassischen Pentateuch. Lese Herr Gold, berg doch Numeri 12, 6 und 8, woselbst zwischen NXN)2 (Mar'eh) und 1812 (Mar'oh) unterschieden wird. (Der ganze Unterschied zwischen der Prophetie Moses und anderer Propheten hängt von der differirenden Endung ab.) Doch weiter: 3. Nach Herrn Goldberg bedeutet H112 oder 71112 „Herrschaft oder Macht"; er beruft sich ans Gen. 9, 2 228N121 lind erklärt: Die Vorsicht (Herr Goldberg meint Vorsehung) überträgt den: Menschen die Herrschaft über die Thiere und Wesen." Hat Herrn Goldberg das daneben stehende 22NN1 uicht eines Besseren belehrt? Hat er nichts von einem Genetivns objectivns gehört? „Die Furcht vor euch und der Schrecke:: vor euch wird aus alle:: Thiereu sein." Herr Goldberg beruft sich ferner ans Jes. 8, 13, er übersetzt 228N1)2 81N1 „Gott der Allmächtige ist euer Herrscher" statt: „Er ist der Gegenstand eurer Ehrfurcht." 4. Köstlich ist. wie Herr Goldberg in der Anmerkung 1 historisch motivirt. wie 811)2 ä" der irrthümlichen Uebersetzung „Furcht" kam. Er schreibt: „Den Ausdruck 21212 718""!'' u:it „Gottesfürchtiger" (muß heißen: „Gottesfurcht"! N.) wiederzugebeu, ist überhaupt ein Jrrthum, welcher in der letzten Periode des Talmuds, unter der sassanidischen Herrschaft sonne in: Mittelalter in Gebrauch kam, und dadurch ist in der kanonischen wie in der Znnzschen Uebersetzung das Wort 81*2 oder 71112 als „Furcht" erklärt worden." Nun wissen wir doch die Quelle des Jrrthnms! Daß das Verhältniß gerade umgekehrt liegt, davon hat Herr Goldberg keine Ahnung. 5. Wie kann man Deut. 10. 12 mit „fürchten und lieben" über' setzen. Liebe hatte nie etwas mit Furcht gemein. Es muß übersetzt werde::: „Du sollst Gott ehren und lieben." — Nicht „fürchte::" sondern „ehrfürchten und lieben" sollst Du Gott; hier ist nicht von der knechtischen Furcht, sondern von der kindlichen Ehrfurcht die Rede die sich recht wohl mit der Liebe verträgt. Wenn Herr G. ^-771 mit „sollst du ehren" übersetzt, dann geht ihm ja die ganze biblische Unterscheidung zwischen 122 im fünften der Zehngebote und 181'71 1'281 1)28 "2N8 (Levit. 19. 3) verloren. 6. Doch mit Jemand, der das Aramäische 12 (Herr, Lehrer, das mit dem biblischen H12 zusammenhängt) von H82 „leuchten (Durchlaucht)" ableitet, und damit gar (in der Note 2) das 12 „bitter", Pred. 7. 26. in Zusammenhang bringt -- ist eigentlich nich! zu rechter:;J wem: Herrn Ronan kein besserer Vertheidiger ersteht, dann bleibt es bei den: — Schnitzer, den Herr Goldberg um viele noch vermehrt hat. Magdeburg, 31. März. Rabbiner Dr. Rahmer. ') Die Erklärung von ^^2N 12 18IN (Esther 1, 2) als die „Mächtige::" des Staates, der Majestät — ist eine kölnisch wirkende Purirn-Tanroh' Hier verwechselt Herr Goldberg ja sogar 181 mit 8N Kriefkastrn der Redaktion. Abonnent: Von: 8. bis 17. Mai. ferner am 27. Mai und an: 6.. 8. und 9. Juni d. I. Truck und Verlag von Rudolf Al 0 sse iu Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: M ax Banchwih in Berlin.

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