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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-04-11 · Heft 15 (11.4.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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i:6. Jahrgang. Nr. 15. Äerlin, II. April 1902 S Jahrlii, 19V, tteratm lch diesenthält leiträgen er Rück 0N UN ' s, dann seligerl tue von l Neffen, iu an tsdozem »en un, rnte Be beschicht vielmeh nheimer manues die aus en thev teratur lten hat hsel von ann ii Junge de nnl egabtei: Den mg ans nhei n th aus üe Mit hte uni it null den di Deutsch nzelnei lchtullg diesma lit den freund. a, zun öochun er viel imrnei manch Denken treffen! für be l Besil er mi'. Grund richtige t. Dir ung in W bis nd von l zeigt Theile. Musik, hören), hie als David e alle er den orrekt, aniim. Dev Gemeindebote. 'Neitage zur „Allgemeinen Zeitung -es IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 9. April. Aus den geschäftlichen Mittheilungen, welche er Vorsitzende des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens techtsanwalt Dr. Hör Witz in der letzten Sitzung, über die wir bereits!l der vorigen Nummer kurz berichteten, gab, möchten wir noch ein faktuni nachtragen, das uns nicht uninteressant zu sein scheint. Der Vorsitzende erwähnte die Bemerkung desKriegsminifters v o n Go hl er, aß in die Stadtvertretung von Wreschen sechs Deutsche, sechs Polen und sechs Juden gewählt worden seien, und fügte hinzu, daß man eine Beweise dafür hätte, den Kriegsminister für einen Antiemiten zu halten, und wohl nur annehmen müsse, daß er diese Worte mehr unbewußt ausgesprochen hätte. In Wirklichkeit ist dieses Dtimmenverhältniß dadurch zu Stande gekommen, daß sich gegenüber er regen polnischen Agitation die evangelischen und jüdischen Deutschen u einer Gruppe vereinigten und die Mandate vertheilten, so daß uunmehr auf jede Partei sechs Vertreter entfallen sind. Der Centralerein hat sofort Veranlassung genommen, den Kriegsminister über ieses Stimmenverhältniß aufzuklären, und hat der Erwartung Ausruck gegeben, daß der Minister an der gleichen Stelle, an der er diese igenartige Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden getroffen, Gecgenheit nehmen werde, seine irrthümliche Bemerkung richtig zu stellen. n. Berlin, 3. April. Die Gesellschaft Magi ne Keim hielt im 23. v. M. ihre 98. Generalversammlung ab. Die ansscheidenden Vorstandsmitglieder Moritz Manheimer, Herrmann Landsberger und Geheimer Sanitätsrath Blumeuthal wurden wiedergewählt Aus dem wm Schriftführer Syndikus Dr. Minden erstatteten Jahresberichte ist ,u entnehmen, wie sehr der Verein unter dem ungefähr neunjährigen Vorsitz des Herrn Manheimer emporgeblüht ist. Mitgliederzahl. Beiträge, Fonds und Unterstützungen sind sämmtlich um */. oder 2/. gewachsen. Etwa 870 neue Mitglieder wurden in diesem Zeitraum wllotirt. Unter den jüngst Angenommenen befand sich auch der lrenkel eines Stifters, so daß zum ersten Male vier Generationen lach einander (allerdings nur iu weiblicher Linie) dem Verein aniehört haben. In zwei Jahren wird die Magine das 100jährige Jubiläum begehen, da sie 1804 gegründet wurde. — Berlin, 7. April. Der Kinder-Sparverein versendet seinen -weiten Jahresbericht pro 1900/1901. Nicht nur in den Kreisen der Eltern hat diese Anregung zum Wohlthun Beifall gefunden, sondern or allem in denen der Kinder hat sich das Sparkästchen überall freunde erworben. Es waren in den Jahren 1900 1339, 1901 1393 Eparkästchen ausgegeben; und fand eine Ausschüttung im April 1900. ie den Betrag von 8729,36 Mark, eine zweite im April 1901, ie 8776,23 Mark ergab statt. Außer diesen Eingängen wurde der eiserne Fonds durch Geschenke vermehrt und erdichte am Schluß des Jahres die Höhe von 3900 Mark. Die Verheilung der eingesammelten Beträge erfolgte durch den engeren Anschuß, welcher die eingegangenen Gesuche durch persönliche Kenntnißahme prüfte. Der Vorstand hat vor allem sein Augenmerk darauf gerichtet, besondere Fürsorge schwachen und kranken Kindern anedeihen zu lassen, den Waisen eine Hilfe zu sein, und bedürftige, mderreiche Familien, die aus besonderen Gründen von anderen Vertuen nicht berücksichtigt werden konnten, zu unterstützen. Im Jahre 900 gingen 361 Gesuche ein, von denen 224, im Jahre 1901 395 Gemche, von denen 227 Berücksichtigung fanden. Es erhielten: a) Vereine. die sich ganz besonders mit der Pflege armer Kinder beschäftigen w den beiden Jahren 1900 und 1901 je 2100 Mark, b) sonstige Bedürftige, durch unsere Damen, Beträge von 20 bis 100 Mark, wobei wohl zu bemerken ist, daß kinderreiche Familien während der Dauer eines Jahres zwei, wohl auch dreimal Unterstützungen erhielten; 's wurden ausgegeben im Jahre 1900 9285 Mark, im Jahre 1901 505 M. Es sind demnach im Ganzen während der beiden letzten Jahre 'urch den Verein an Wohltätigkeit 17 790 M. auSgezahlt worden. 22 Berlin, 6. April. Der Verwaltungsbericht des Vereins Lehrlingsheim Pankow, von welchem in Nummer 13 die Rede war, ist der ältere, das Geschäftsjahr 1900/1901 betreffende und hat einem vor billigen Wochen versandten Aufrufe zu Beitrittserklärungen beigelegen. Der neue, die Zeit vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 umfassende Bericht, befindet sich im Druck und wird unmittelbar vor der am 13. d. M.. Vormittags 11B> Uhr in der „Ressource von 1794", Schadowstraße 7, stattfindenden Generalversammlung der Oeffentlichkeit übergeben werden. o. Berlin, 6. April. Am 20. v. M. hielt Dr. E rll st Tuch einen äußerst anregenden Vortrag über die Bestrebungen und Ziele des V ereins zur Förderung der B 0 denkultur unter den Juden Deutschlands. Wir haben schon öfter über die Tendenzen dieses kräftig sich regenden Vereins in unserem Blatte berichtet, die wir für höchst beachtenswert halten. Die Ausführungen des Redners gipfelten in der Anschauung, daß die Hanptgefahr, welche heute den Juden droht, nicht so sehr aus politischem und sozialem Gebiete als vielmehr auf wirtschaftlichem zu suchen sei. Die allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnisse und dazu die antisemitische Bewegung streben heute dem gleiche« Ziele zu, der Vernichtung des jüdischen Kaufmanns, die ersteren, indem sie überhaupt den Stillstand, den Mittler zwischen Produzentensilnd Konsumenten, nach Möglichkeit ausschalte, die letztere, indem sie direkt die Juden in Handel und Gewerbe zu boykottiren sucht. Mit Recht befürchtet der Redner eine Proletarisirung weiter Schichten der Judenheit, wenn man nicht rechtzeitig andere Erwerbszweige für sie eröffnet. Alle Berufe, die mit Staatsanstellungen enden, scheiden so gut wie ganz aus, die Berufe der Juristen und Aerzte sind bereits heute von Juden überfüllt, die Industrie kommt nur sür Solche in Betracht, die ein entsprechendes Vermögen besitzen, das Handwerk ist wohl zu empfehlen, kann aber nicht sehr große Schaaren aufnehmen, da es selbst durch die stetig sich ansdehnende Fabrikarbeit geschädigt wird und zurückgeht. Es bleibt tatsächlich allein die Landwirtschaft übrig. Der Redner weist darauf hin. wie der Gedanke, Juden in größerer Anzahl der Landwirtschaft aus deutschem Boden zuzuführen, noch vor wenigen Jahren fast allgemein als absurd und unausführbar angesehen wurde, während der Verein, der sich die Ausführung dieser Idee zur Aufgabe gemacht hat, der Bodenkulturverein, heute bereits weit über 1200 Mitglieder zählt und in beständigem Wachstum begriffen ist. Tatsächlich halten auch alle Einwände, welche dagegen erhoben zu werden pflegen, nicht im geringsten Stich. Die Ansicht, daß die Landwirtschaft in Deutschland sich nicht rentire, weist der Redner auf Grundlage der übereinstimmenden Urteile von Praktikern wie von Theoretikern und unter Benutzung der nationalökonomischen Statistik als durchaus unzutreffend zurück. Die Befähigung der Juden für diesen Beruf ergebe sich aus ihrer ganzen Geschichte, aus den Ansiedelungen der Juden im Süden Rußlands wie auch aus den Erfolgen der Kolonien in Palästina, in Anatolien. in Argentinien, Kanada u. s. w. Man müsse mithin alle Hebel in Bewegung setzen, um in Deutschland die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes herbeizuführen. Redner schilderte kurz die bedeutsamen Konsequenzen, welche sich hieran knüpfen würden: die Entlastung des . Kaufmannsstandes, die Beseitigung des Vorurteils, als wäre der Jude zur urproduktiven Arbeit nicht fähig, die Regeneration unseres Stammes Hebung unseres Selbstbewußtseins und unseres Krastgefühls und endlich Besserung der sozialen Lage der Gesammtjudenheit Deutschlands. Wir berichteten vor kurzem, daß Vorstandsmitglieder des Vereins eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet haben, die sür einen ersten Versuch das Gut Neuhof bei Posen erworben hat. Im Herbst dieses Jahres werden dort nach der Errichtung der nötigen Gebäude und Beendigung der übrigen erforderlichen Vorarbeiten jüdische Eleven praktisch in der Landwirtschaft ausgebildet werden. Wie wir vernehmen, wird der Verein in den nächsten Wochen durch Cirkular die Berliner Gemeindemitgliedern auffordern, sich an dem Werke zu betheiligen. Wir wollen hoffen, daß diejenige Gemeinde, welche mit

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